Was geschah am 1. Januar?

8. Tevet 5783

Geboren:

1919 wurde in New York Jerome David Salinger geboren. Seine Familie stammte ursprünglich aus Litauen, sein Vater war Rabbiner in Louisville gewesen, bevor er mit der Familie nach New York zog. Seine Mutter hingegen war von Geburt katholisch, sah sich selbst aber als jüdisch. So kam es, dass Salinger, obwohl halachisch nicht jüdisch, in einem streng jüdischen Milieu aufwuchs und bis zu seiner Bar Mitzwa nicht wusste, dass seine Mutter christlich war. 

Sein Vater führte ein Importgeschäft mit Fleisch- und Käsewaren aus Europa. Auf dessen Wunsch ging er 1937 nach Wien, um dort bei der Familie seines Vaters als Schlachter ausgebildet zu werden. In Wien kam er erstmals mit antisemitischen Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung in Kontakt. 

Freunde aus der Zeit des Weltkrieges erzählten, dass er als Jude den Einsatz in Nazideutschland, wo er mit seiner Kompanie an der Befreiung von Dachau beteiligt war, als traumatisch erlebt hat. 

1951 schrieb er das Buch «Catcher in the Rye», das ihn weltberühmt machte. Aufgrund der teilweise rüden Sprache wurde das Buch in englischsprachigen Ländern auf den Index gesetzt. Wir hingegen liebten es genau aus diesem Grund. Immer wenn der Protagonist des Romans, Holmes, «sonuvabitch» fluchte, flammte das Gesicht unseres Lehrers knallrot auf …. Es war der erste englische Fluch, den wir alle perfekt beherrschten!

Salinger verstarb am 27. Januar 2010 in Cornish. 

Regierungsübergabe in den Ministerien:

Heute findet in den einzelnen Ministerien die eigentliche Regierungsübergabe statt, bei der jeder ehemalige Minister offiziell seine Amtsgeschäfte an den nun amtierenden Minister weitergibt. Nicht in allen Ministerien gab es für die Presse oder die Öffentlichkeit zugängliche Zeremonien. Die neuen Minister Yariv Levin, Justiz, Likud, und Miri Regev, Transport, Likud, lehnten eine öffentliche Übergabe von ihren Vorgängern ab. Der scheidende PM Yair Lapid und sein Vorgänger und Nachfolger PM Netanyahu trafen sich zu einer kurzen Übergabebesprechung, eine traditionelle Übergabe hatte PM Netanyahu bereits im Vorfeld abgelehnt, so wie er diese auch schon bei seinem damaligen Nachfolger PM Naftali Bennett abgelehnt hatte.

Omer Barlev, ehemaliger Minister der öffentlichen Sicherheit gab seinem Nachfolger, Itamar Ben-Gvir, Minister für Nationale Sicherheit, mit auf den Weg: «…  dass die Polizei, der Gefangenendienst und die Feuerwehr, die alle unter das umbenannte Nationale Sicherheitsministerium fallen, Israelis aller Art umfassen. Juden, Muslime, Christen, Drusen und Tscherkessen dienen gemeinsam, alle Israelis, alle arbeiten für ein Ziel – die innere Sicherheit der Bürger des Staates. Es gibt keine Überlegenheit eines Glaubens oder Geschlechts gegenüber einem anderen; jeder ist ein Partner, jeder ist gleich.»

Der scheidende Verteidigungsminister Benny Gantz richtete mahnende Worte an seinen Nachfolger Yoav Gallant. «Errichten Sie eine hohe und solide Schutzmauer zwischen der IDF und der politischen Beteiligung an operativen Entscheidungen und lassen Sie nicht zu, dass das Verteidigungssystem in Untereinheiten zerfällt, die politischer Einflussnahme unterliegen und von der Befehlskette abgekoppelt sind.»

Nitzan Horowitz, nun Gesundheitsminister a.Drichtete ebenfalls beunruhigte Worte an seinen Nachfolger Aryeh Deri. «Gleichheit im Gesundheitswesen ist ein höchster Wert, den wir um jeden Preis wahren müssen. Wir dürfen die Politik nicht mit der medizinischen Versorgung mischen. Gott bewahre. Das wäre eine Katastrophe. Sollte das Gesundheitssystem einem Arzt erlauben, diese oder jene Person nicht zu behandeln, weil es gegen seinen Glauben geht? Dies [wäre] das Ende des Gesundheitssystems, der israelischen und jüdischen Moral. Das darf nie passieren. Diese schreckliche Idee wird es nicht ins Gesundheitssystem schaffen.»

Der scheidende Finanzminister Avigdor Liberman traf sich mit seinem Nachfolger Bezalel Smotrich und versicherte ihm, dass er jederzeit zur Verfügung stehe, falls sein Nachfolger ihn brauche. Smotrich bezeichnet sich als Vertreter der «freien Marktwirtschaft», was auch immer er darunter versteht. Seine erste Ankündigung war, die von der letzten Regierung eingeführte Steuer auf Wegwerfartikel aus Plastik wieder zu annullieren. Plastikgeschirr ist bei den Israelis sehr beliebt, die Flut der einfach weggeworfenen Dinge stellt aber ein grosses Umweltproblem dar. Einen weiteren Anstieg der Energiepreise schloss er nicht aus. 

Treffen von PM Netanyahu und GStA Gali Baharav-Miara:

Aus dem Büro von PM Netanyahu war zu hören, das Treffen sei grundsätzlich das Auftaktgespräch zwischen den beiden. Es gäbe noch keine konkreten Diskussionspunkte auf der Agenda. Hingegen gab es in hebräischen Medien bereits Berichte, dass es wahrscheinlich um eine neue Aufteilung der Arbeitsbereiche in der Generalstaatsanwaltschaft gehe. 

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die neue Regierung der Ansicht ist, die Rolle der GStA sei eine viel zu mächtige, die zu Interessenkonflikten führe. Sie könne nicht gleichzeitig als oberste Anklägerin und gleichzeitig als oberste Rechtsberaterin der Regierung fungieren. 

Grundsätzlicher Diskussionspunkt ist dabei die Frage, wie die Entscheidung lauten wird, wenn es darum geht, ob ein Regierungsmitglied angeklagt werden soll. Nachtigall, hör ich dich trapsen?

Im Koalitionspapier wird ausdrücklich festgehalten, dass sich zwei Schwerpunkte des neuen Justizministers auf den «Regelungen der Beziehung zwischen den Regierungsämtern und ihren Behörden» einschließlich «der Beziehung zwischen der Knesset und der Regierung mit dem Rechtssystem und dem Obersten Gerichtshof» befassen werden. 

GStA Baharav-Miara wurde von der ehemaligen Regierung als Nachfolgerin von GStA Avichai Mandelblit ernannt. Ihr wurde von den neuen MKs bereits mehrfach mit einer sofortigen Entlassung gedroht. 

Anti-LGBTQ+ und Menschenverachtung

Rabbi Meir Mazuz, ist Vertreter der tunesischen Juden in Israel mit engen Beziehungen zu Shas, UTJ, aber auch zu Itamar Ben-Gvir. Gestern hat er sich in einer Art und Weise über den Knesset-Sprecher Amir Ohana geäussert, die keine andere Schlussfolgerung zulässt, als dass er sich auf einem Wissensstand zur Zeit der Inquisition befindet und seine emotionale und soziale Intelligenz auf dem Nullpunkt sind. 

Mit seiner durch nichts zu rechtfertigenden Diffamierung markierte er den Beginn einer Kampagne, die genau in dem Stil zu erwarten ist. 

Zur Zeit der Katastrophe am Berg Meron vom 30. April 2021 war Amir Ohana tatsächlich Minister für öffentliche Sicherheit. Es gab Sicherheitswarnungen, es gab Zugangsbeschränkungen, es gab Bauvorschriften. Nichts davon wurde von den «Pilgern» eingehalten. Die Gruppe, die für den eigentlichen Ort, an dem das Unglück stattfand, zuständig war, war die jüdische Toldot-Aharon Sekte. Dies ist eine strikt antizionistische, extrem orthodoxe Haredi Sekte. Die Untersuchungen, wer konkret für das Drama, das sich abspielte, verantwortlich zu machen ist, laufen immer noch. Der Grossteil der Schuld ist aber, das ist sicher, bei der Toldot-Aharon Sekte selbst zu suchen. 

Mazuz bezeichnet den Knesset-Sprecher als «mit einer Seuche infiziert» und auf Grund seiner sexuellen Ausrichtung verantwortlich dafür, dass verantwortungslose Väter ihre Söhne am Berg Meron zu Tode trampelten. Zur Pride Parade in Jerusalem sagte er: «Das ist eine Parade von Tieren, du hast keinen Grund, zuzuschauen. Das sind Tiere, die auf zwei Beinen laufen.»

Wo bleibt der Aufschrei??? Wenn das Oberrabbinat in Israel noch einen Funken von Anstand hat, so muss man diesem Unhold den Titel «Rabbiner» aberkennen und ihn den weltlichen Gerichten übergeben. Üble Nachrede, laShon haRa, ist in Israel wie ein Mord zu bewerten und muss entsprechend bestraft werden! Mazuz sieht sich mit seiner bösartigen Diffamierung über die jüdischen Gesetze erhaben. 

Das funktioniert nur mehr, solange die Gerichte in Israel unabhängig und nicht dem Staat unterstellt sind. Wer immer also in dem Fall Klage erheben will, er muss es sehr schnell tun!

UN-Resolution gegen die Besetzung Israels in Judäa und Samaria:

PM Benjamin Netanyahu wehrte sich gestern mit scharfen Worten gegen die UNO-Abstimmung vom Freitag. Konkret lautet der Titel der Abstimmung «Israelische Praktiken im Zusammenhang mit den Menschenrechten der Palästinenser in den besetzten palästinensischen Gebieten, inklusive Ost Jerusalem.»

Die Resolution wurde mit 87 Ja-Stimmen, 26 Nein-Stimmen und 53 Enthaltungen angenommen.

Ein Vorbote auf die neue Siedlungspolitik ist die Formulierung, die der PM wählte: «Israel kann keine Besatzungsmacht im eigenen Land sein.»

Wie auch immer man sich zur derzeitigen Situation in diesen Gebieten stellt, sowohl Israelis als auch Palästinenser erheben Anspruch auf diese und von daher ist die von der UNO bevorzugte Bezeichnung «disputed territories» die passende. Diese Gebiete gehören, völkerrechtlich gesehen nicht zu Israel, die Aussage des PM ist nichts als billige Propaganda!



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