22. Tevet 5783
Gestorben:
1943 wurde in Auschwitz Birkenau die am 1. November 1877 in Berlin geborene Else Ury ermordet.
Sie wurde als drittes Kind einer wohlhabenden jüdischen Familie geboren. Die Familie war völlig assimiliert und bezeichnete sich als patriotische Deutsche, die neben den traditionellen Feiertagen und dem Shabbat auch die christlichen Feste als «Kinderfeste» feierten.
Else und ihre Schwestern besuchten das Lyceum, welches sich auf die klassischen Fächer für die Lebensvorbereitung der jungen Damen beschränkte, während ihre Brüder das Gymnasium besuchten und später Jus studierten. Nach dem Ende der Schulzeit mit der 10. Klasse stand den Mädchen nur das Lehrerinnenseminar offen. Den Besuch dieser Schule lehnte Else ab.
Ab 1905 erscheinnen erste kurze Bücher, die sich gut verkauften. Einige ihrer frühen Bücher zeigen sogar Züge von feministischem Denken. Ihre Bücher wurden neben der eigentlichen Zielgruppe auch von jungen Frauen, die dem emanzipatorischen Gedanken anhingen, gelesen. Auch die dort vorherrschende negative Beurteilung des Adels war etwas völlig Neues in der Frauenliteratur.
Wirklichen Erfolg hatte sie mit der Reihe um das Nesthäkchen, der Arzt-Tochter Annemarie Braun, die zu einer Identifikationsfigur für viele Generationen wurde. Bis zu 7 Millionen Exemplare wurden weltweit verkauft, drei Bücher wurden in den 80-er Jahren sogar verfilmt.
Die Bücher, geprägt vom Familienmilieu des 20. Jahrhunderts, entsprechen heute nicht mehr dem Geschmack der damaligen Zielgruppe. Der Versuch, die Bücher ins Englische übersetzen zu lassen, scheiterte.
Auch wenn es heute eine revidierte Neuauflage der Bücher vom Nesthäkchen gibt, an den Erfolg der frühen Jahre des 20. Jahrhunderts werden sie nie mehr anknüpfen.
Am 6. Januar 1943 musste sich Else am Sammelpunkt in Berlin einfinden. Ihr Vermögen wurde eingezogen und sie wurde am 12. Januar 1943 nach Auschwitz deportiert. Ihr gut erhaltener Koffer wurde 1995 entdeckt und steht heute im Museum von Auschwitz-Birkenau.
2021 starb in Berlin die 1930 dort geborene Ruth Schwersenz, verheiratete Recknagel. Als Tochter ihres jüdischen Vaters galt sie bei den Nationalsozialisten als Halbjüdin und musste ab 1938 die öffentliche Volksschule verlassen und in die jüdische Schule wechseln. Ein Jahr später erhielt sie den Zusatznamen Sarah und musste ihre Kleidung mit dem gelben Stern markieren.
Ihre Mutter, die zum Judentum konvertiert war, trat 1941 aus der jüdischen Gemeinde aus, um Ruth zu schützen. Im Herbst des gleichen Jahres wird Ruth durch einen evangelischen Pfarrer getauft. Ein Jahr später darf sie den gelben Stern ablegen, den Namen Sara streichen und wieder in ihre angestammte Schule zurückkehren.
Ihre Grosseltern väterlicherseits, sowie ein Onkel müssen 1942 in eine der sehr beengten Judenwohnungen in Berlin ziehen, werden später festgenommen und deportiert. Nur ihre Tante kann fliehen und überlebt die Shoa in Japan.
Nach einem Aufenthalt in einem Kinderheim der «Kinderlandverschickung» kehrt sie nach Berlin zurück. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft ist sie von jeder schulischen Weiterbildung ausgeschlossen und verlässt die Schule nach dem Ende der allgemeinen Schulpflicht. Ihre Eltern überleben gemeinsam mit ihr die Shoa in Berlin, das sie während des ganzen Krieges, ausser der Landverschickung, nie verliess.
Nach dem Ende des Krieges legt sie 1948 ihre Matura ab und studiert in Berlin Jura. Sie wird Gründungsmitglied der Freien Universität Berlin.
Ihr Lebensmotto hiess «Lerne zu leiden, ohne dich zu beklagen». Sie war der Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit verpflichtet, als Richterin am Kammergericht und als Leiterin der Wiedergutmachungsämter. Als Jüdin war sie vor allem am Erfolg und der Entwicklung am Abraham Geiger Kolleg interessiert.
Sie starb am 14. Januar 2021.
Katastrophe in der Raumfahrt:
2003 startete am 16. Januar die STS-107 der NASA, das Space Shuttle Columbia, zum letzten geplanten Flug dieser Art in den Weltraum. Es war der 28. Flug der Raumfähre Columbia und die 113. Shuttle-Mission überhaupt.
An Bord befanden sich sieben Astronauten, darunter zwei Frauen, die ihren ersten bzw. zweiten Raumflug absolvierten und erstmals auch ein israelischer Astronaut, Ilan Ramon.
Der Flug war als internationaler Forschungsflug geplant, bevor die ISS diese Aufgaben übernehmen sollte. Der ursprünglich für Mai 2000 vorgesehene Start wurde aufgrund diverser technischer Probleme immer wieder verschoben. Im Zuge der langwierigen Planungen wurde auch einmal darüber nachgedacht, diese Mission nur von Frauen durchzuführen.
Zunächst an anderen Fluggeräten und später auch an der Columbia entdeckte Risse in den Treibstoffleitungen wurden auf eine beginnende Materialermüdung zurückgeführt, die durch eine entsprechende Reparatur behoben werden konnten.
Aufgrund der Terroranschläge von 9/11 wurde die genaue Startzeit für den 16. Januar nicht bekanntgegeben. Genannt wurde nur ein recht grosses Zeitfenster, um Anschläge zu verhindern. Sämtliche verstärkten Sicherheitsmassnahmen um das Raumcenter wurden nicht damit begründet, dass sich erstmals ein Israeli an Bord befinden würde, jedoch ist auch dieser Aspekt der Massnahmen nicht ganz von der Hand zu weisen.
Der Start verlief problemlos, jedoch zeigten routinemässige Überprüfungen der Videos vom Start, dass sich bereits zu dem Zeitpunkt ein Teil der Schaumstoffisolierung gelöst und die linke Tragfläche getroffen hatte. Die Techniker gingen jedoch nicht davon aus, dass dadurch der Hitzeschild angegriffen worden sei.
Das war, wie sich zeigen sollte, eine für die Astronauten tödliche Fehleinschätzung.
Nur wenige Minuten vor der geplanten Landung, beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre brach das Raumschiff auseinander. Die meisten Teile der Columbia verglühten, einige wenige Trümmer gingen über den Südstaaten der USA nieder. Die Kamera von Laurel Clark, mit der sie die letzten Minuten vor der Katastrophe gefilmt hatte, wurde nach einer Woche gefunden. Das Video wurde von der NASA online gestellt.

Proteste gegen die Regierung:
Trotz strömendem Regen und Gewittern gingen gestern Abend 80.000 (!) Menschen allein in Tel Aviv auf die Strasse, um erneut gegen die Regierung Netanyahu VI zu protestieren. Mit dabei war auch der ehemalige VM Benny Gantz. Auch die Vorsitzende der Arbeiterpartei Merav Michaeli war wieder dabei und sagte: «Der Regen stört uns und euch ganz sicher nicht. Wir lassen es nicht zu, dass unsere Demokratie zerstört wird.»
Während die Regierung die Proteste verurteilte und deren Wirkung herunterspielte, hielten die Veranstalter fest «Wir stehen erst am Anfang, nehmt euch für die kommenden Samstagabende nichts anderes vor.» In einer direkten Meldung an PM Netanyahu frugen Sie: «Glaubst du wirklich, du kannst das Justizsystem zerschlagen, nur um dem Gefängnis zu entkommen?»
Der ehemalige MK Yair Golan ging noch weiter: «Wir müssen die Dinge auf den Kopf stellen. Bis das Wirtschaftsleben gelähmt ist, bis keine Dienstleistungen erbracht werden, bis Straßen blockiert sind, wird Netanjahus zerstörerische Bande nicht verstehen, dass wir es ernst meinen. Der Kampf wird erbittert und schwierig sein, aber mit Entschlossenheit, Mut und Ausdauer werden wir gewinnen. Israel muss gerettet werden.»
Ähnliche, wenn auch deutlich kleinere Proteste fanden in Haifa und in Jerusalem, dort vor allem vor der Residenz des Präsidenten statt.
Einer der Redner war Dan Netanyahu, Cousin des PM. Er berichtete, dass seine Mutter, Shoshana Netanyahu, s’’l, selbst Richterin am Obergericht, gegen die geplanten Umstürze gewesen wäre. Er sagte weiterhin, «… dass viele in Israel und in der Welt eine Ähnlichkeit zwischen den vorgeschlagenen Reformen und dem „Ermächtigungsgesetz“ Nazideutschlands sähen, das es ihnen ermöglichte, alle rechtlichen Hindernisse für ihren Plan zu überwinden. Ohne die drei Säulen der Demokratie wird Israel diesen politischen Status verlieren.»
Während sich Präsident Isaac Herzog nicht sicher ist, ob seine Bemühungen in Bezug auf den geplanten Umsturz des Justizsystems Erfolg haben werden, fordert sein Vorgänger, der ehemalige Präsident Reuven Rivlin die Abhaltung eines Referendums. Dieses Instrument einer funktionierenden Demokratie ist im Basic Law in Israel zwar vorgesehen, kam aber noch nie zur Anwendung. Aus Sicht des PM sind die Demonstrationen völlig überflüssig, weil, wie er sagt: «Die Mutter aller Demonstrationen hat vor wenigen Monaten stattgefunden, als Millionen Menschen zu den Wahlurnen gingen, um genau diese Regierung zu wählen.» Eine blanke Lüge, denn die Wahlprogramme der radikalen und ultraorthodoxen Parteien sagten nichts über diese radikalen Pläne.
Ausstehender Gerichtsentscheid:
Im Laufe dieser Woche wird das Obergericht entscheiden, ob die Ernennung von MK Arye Deri zum «Superminister» zulässig ist, oder nicht. Sollte der Entscheid gegen den Regierungswillen ausfallen, so wird diese «alles tun, um ihn sofort erneut in seine Ämter einzusetzen.»
Wie erwartet, wird damit der Gerichtsfall Deri zur Nagelprobe für die geplanten Umstürze im juristischen System Israels.
Entsprechend Kanal 12 sind 65% der Befragten gegen die Ernennung, 22% unterstützen sie und 13% sind unsicher. Bei den Unterstützern von PM Netanyahu unterstützen 42% die Ernennung, während 43% dagegen sind.
Landrückgabe:
Ein nicht publik gewordener Teil des Koalitionsabkommens zwischen Likud und Religious Zionism hält fest, dass vor 1948 in jüdischem Besitz befindliche Grundstücke in Judäa und Samaria an die ursprünglichen Besitzer, resp. deren Erben zurückgegeben werden.
Mit der Übergabe wird das Zentralkommando der IDF betraut, das alle notwendigen Schritte vorbereiten soll.
Der Übergang soll dazu beitragen, dass die Erweiterung der Siedlungen in den umstrittenen Gebieten erleichtert wird und die Kontrolle über die von Palästinensern gepachteten Ländereien vereinfacht wird.
Insgesamt geht es in diesem Fall um etwa 70 Häuser in Hebron, sowie um etwa 13.000 Dunam Land in der Region um Bethlehem. Die Ländereien liegen gemäss Oslo II Abkommen im Gebiet B, welches unter palästinensischer Zivilverwaltung, aber unter israelischer Militärkontrolle liegt.
Kategorien:Aus aller Welt, Timeline
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