Was geschah am 16. und 17. Februar?

27. Shevat 5783

Terror:

1970 wurde auf das Gemeindezentrum der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern ein Brandanschlag verübt. In den oberen Etagen des Hauses befand sich das Altenheim der Gemeinde. Im Dachgeschoss wohnten Studenten. 

Gegen 20:30 Uhr betraten Unbekannte das Haus, fuhren mit dem Lift bis in den obersten Stock. Auf dem Weg nach unten durch das Treppenhaus, eine Konstruktion aus Holz, hinterliessen sie auf jeder Etage ein Oel-Benzin-Gemisch und zündeten es im Erdgeschoss an. Bedingt durch den Kamineffekt breitete sich das Feuer rasend schnell im ganzen Haus aus, so dass der Fluchtweg durch das Treppenhaus versperrt war.

Die von einem Nachbarn alarmierte Feuerwehr erreichte nach wenigen Minuten das Haus und konnte die meisten der 50 im Haus befindlichen Bewohner retten. Für sieben Bewohner gab es keine Rettung. Weitere 15 Personen wurden verletzt. Die teilweise wertvollen Bücher der Bibliothek verbrannten grossteils. 

Dieser Anschlag auf Juden und jüdische Institutionen war der schwerste im Deutschland der Nachkriegszeit. Seither wurde der Polizeischutz für jüdische Einrichtungen dramatisch verstärkt.

Der Benzinkanister wurde als einziges Beweisstück sichergestellt, es gab keinen Hinweis darauf, dass mehr als ein Täter beteiligt gewesen war. Eine SOKO mit mehr als 60 Beamten überprüfte alle Hinweise, die sich jedoch mehrheitlich als nicht hilfreich erwiesen.

Die Ermittler gingen zunächst von rechtsextremen Gruppen oder palästinensischen Terroristen aus. Es konnte ihnen jedoch nichts nachgewiesen werden. Die linksradikale Terrorgruppe «Tupamaros», die zwischen 1969 und 1971 mehrere Brandanschläge verübt hatte, geriet ebenfalls ins Visier der Ermittler. Die Gründer dieser Gruppe, Fritz Teufel und Dieter Kunzelmann, wurden zur Fahndung ausgeschrieben. Nach ihrer Festnahme wurden keinerlei Hinweise auf eine Beteiligung an diesem Anschlag gefunden. 2012 und 2013 gab es Nachermittlungen, weil sich neue Zeugen gemeldet hatten. Im Laufe der Ermittlungen musste die Bundesstaatsanwalt jedoch einräumen, dass Beweisstücke verlorengegangen oder nicht mehr auffindbar waren. Warum diese aus den Asservatenkammern verschwunden waren, konnte nie geklärt werden. 

Der Brandanschlag wurde bis heute nicht aufgeklärt, wird aber mittlerweile als antisemitischer Massenmord eingestuft. 

Codex Sassoon – ein bibliophiles Wunderstück:

Ein kompletter jüdischer Tanach wird von Sotheby’s im Mai versteigert. Man rechnet mit einem Zuschlagspreis von etwa US$ 50 Millionen. Auch wenn der Preis nicht ganz erreicht werden sollte, ist jetzt schon klar, dass es das teuerste historische Dokument ist, das jemals angeboten wurde. Neben dem Codex Sassoon gibt es nur eine weitere Sammlung, die alle 24 Bücher der jüdischen Bibel umfasst. 

Der Codex stammt aus dem späten neunten oder frühen zehnten Jahrhundert und wird als Verbindung zwischen den Qumran Rollen und der heute offiziell anerkannten Form des Tanach angesehen.

Das Buch war mehr als 600 Jahre verschollen, tauchte 1929 in New York wieder auf und ist seither im Privatbesitz der Schweizer Bankiersfamilie Jacqui Safran. 

Experten haben herausgefunden, dass für das Buch mehr als 100 Tierhäute verwendet wurden und es durchgehend von einem Schreiber verfasst wurde.

Übrigens, auf den veröffentlichten Bildern trägt der Mitarbeiter von Sotheby’s keine Handschuhe, das ist nicht professionell!

(Photo by Ed JONES / AFP) © ToI

Vom Kampfjet in den OP-Saal:

«Beyeonics Vision» ist ein ophthalmisches Bildgebungssystem, das ursprünglich für israelische Kampfpiloten entwickelt wurde. So wie der Pilot seine Umgebung dreidimensional auf einem Bildschirm erkennen kann, sieht der Operateur das Operationsfeld jederzeit in einer detaillierten Auflösung. 

Nachdem mehr als 2.000 Operation in der Forschungsphase durchgeführt wurden, wurde in den USA dem System die Bewilligung der «Food and Drug Administration» erteilt, auch in Europa darf es seit dem Herbst eingesetzt werden, nachdem das CE-Kennzeichen verliehen wurde. 

Dank der neuen Technologie kann der Operateur jederzeit stark vergrösserte Bilder erhalten, aber auch alle patientenrelevanten Daten aus den vorhergegangenen Untersuchungen. Gesteuert wird das System ausschliesslich mit Kopfbewegungen. 

Eingesetzt wird es derzeit bei Kataraktoperationen, bei denen die eingetrübte Linse durch eine künstliche ersetzt wird. 

Löwenbaby:

Ranger der israelischen Natur- und Parkbehörde konnten einen Löwenwelpen aus einem Appartement im Süden Israels befreien. 

Das Jungtier, das den Namen Abu Malek trägt, wurde offensichtlich in den letzten Wochen von einigen Personen in verschiedenen Wohnungen versteckt. Auf das Schicksal des Kleinen wurden die Behörden aufmerksam, nachdem fast täglich neue Videos online gestellt wurden. 

In dieser Woche erhielten die Ranger den entscheidenden Hinweis, wo das Jungtier gerade versteckt wurde, und konnten es befreien. Es werden während des Wochenendes zahlreiche medizinische Tests durchgeführt. 

Wie die Zukunft von Abu Malek aussieht, ist noch völlig offen. Er ist in dem Alter, wo er noch im Rudel aufwächst und von der Mutter und den Geschwistern lernt, wie man jagt und wie man sich in ein Rudel integriert. 

Ob es gelingen wird, das Jungtier im Safari Park in Ramat Gan in das bestehende Rudel einzugliedern, muss abgewartet werden. 

Kein Protest mit Diebesgut:

Aus der Gedenkstätte für den Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973 in Tel Saki auf dem Golan haben übereifrige IDF-Veteranen einen Panzer gestohlen und auf einem Tieflader in den Kibbuz Gadot in Nordgaliläa gebracht, wo sie ihn versteckten. 

Dort wurde er von der Polizei entdeckt und die zwei Hauptakteure dieser Aktion wurden zur Befragung auf die Polizeistation von Katzrin gebracht. Es stellte sich heraus, dass er als «Dekoration» bei einer der kommenden Demos gegen die Regierung Netanyahu VI eingesetzt werden sollte. 

An der Seite des Panzers war bereits eine grossformatige Kopie der Unabhängigkeitserklärung geklebt worden und zusätzlich prangt dort auch das Wort «Demokratie».

Der CEO der rechtsextreme NGO «Im Tirzu», Matan Peleg, forderte eine sofortige harte Reaktion der Polizei. Er sieht die Aktion als Reaktion auf die Aussage von Aaron Barak, ehemaliger Präsident des Obersten Gerichtshofs, der die Gesetzesreform mit einer Panzerrevolution verglich. 

Andere Veteranengruppen des Jom-Kippur-Krieges verurteilten den Panzer Diebstahl und betonten, dass sie die Reformen als Chance für das Land sehen, den Terrorismus zu bekämpfen. 

Eine furchtbare BDS-Lüge:

Es ist furchtbar genug, was in der Nacht vom 22. auf den 23. Mai 1948 in Tantura geschah. In unmittelbarer Nachbarschaft vom jüdischen Zichron Ya’acov und vom arabischen Fureidis gelegen, wohnten dort etwa 1.500 Menschen, die hauptsächlich vom Fischfang lebten. Entsprechend dem UN-Teilungsplan war es dem jüdischen Gebiet zugesprochen worden. 

In dieser Nacht überfiel ein Bataillon der Alexandroni Brigade das Fischerdorf. Je nach Quelle wurden in der Nacht zwischen 40 und 200 Menschen, hauptsächlich junge Männer, von den Soldaten ermordet. Nota bene, das Dorf hatte sich zuvor angesichts der Übermacht der Angreifer ergeben.

Während Frauen und Kinder, die alles zurücklassen mussten, was sie besassen, nach Fureidis flüchteten, wurden die Leichen der Ermordeten in einem Gemeinschaftsgrab verscharrt.

Eine Masterarbeit brachte das schreckliche Geheimnis schliesslich ans Licht. Der Ort, an dem die Männer von Tantura verscharrt wurden, befindet sich unter dem Parkplatz, auf dem während der Sommermonate Hunderte von Touristen ihre Autos parken. Von dort ist es nur ein Katzensprung zum Stand von Dor und zum Kibbuz Nachsholim.

Jahrelang haben die Veteranen geschwiegen, heute sind es alte Herren, die das schreckliche Massaker zugeben. Sie sprechen von mehr als 200 Opfern. Es müssen furchtbare Szene gewesen sein, die sich abgespielt haben.

Was aber nun die BDS-Organisationen daraus machen, überschreitet nicht nur die Grenzen der Wahrheit und des guten Geschmacks. Eine Gruppe von Palästinensischen Wissenschaftlern ruft dazu auf, wissenschaftliche Workshops im «Apartheid Staat Israel» abzusagen. Sie verweisen dabei auf ein Bild aus Nachsholim. Das wäre ja noch relativ ok, weil den Tatsachen entsprechend. Wir müssen unseren Kopf in Scham beugen. 

Dass sie aber den Flyer mit einem Bild, aufgenommen am 12. April 1945, nach der Befreiung des KZ Nordhausen als Beleg für das Massaker in Tantura danebenstellen, das kann mit keinem Wort kommentiert werden.

Es ist einfach zu unglaublich!

Bibi allein zu Haus:

Leider verbirgt sich der absolut lesenswerte Ha’aretz Artikel hinter einer Paywall. «Die Strassen brennen, die Wirtschaft wackelt und Netanyahu ist ganz allein.» so der Titel eines Kommentars von Yossi Verter im Ha’aretz vom Freitag. Ich werde also versuchen, die wesentlichen Aussagen zusammenzufassen. 

Seit der Angelobung der Regierung Netanyahu VI am 29. Dezember sind 81 Tage vergangen. Eine lange Schonzeit bis zu den berühmten 100 Tagen bleibt ihr nicht mehr. Und es sieht nicht gut aus. 

Seine beiden Reisen, die dem eigenen Ego besonders wichtig gewesen wären, nach Abu Dhabi und in die USA, wurden von den potenziellen Gastgebern abgesagt, neue Termine sind nicht in Sicht. Stattdessen flog er mit Sarah nach Frankreich, ohne jeden erkennbaren Nutzen, im Gegenteil, er wurde vom französischen Präsidenten medial abgewatscht, gab aber Hunderttausende von Schekeln aus, just for fun, a fond perdu. Immerhin konnte er die Reisewut seiner Ehefrau auf diese Art befriedigen. Die Initiationsriten zu Beginn der Regierungszeit aber wurden ihm verwehrt. Wie beschämend. 

Die Bilanz seiner ersten Wochen ist schlecht. 11 Tote nach Terroranschlägen, 27 Raketen aus Gaza. Die Gewalt in den arabischen Gebieten steigt. Menschen gehen zu Tausenden gegen seine Regierung auf die Strasse. 

Er ist umgeben von Brandstiftern. Wahlen scheinen sich bereits für dieses Jahr wieder abzuzeichnen. Seine Koalitionspartner lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Statt sich um moderatere Aussagen zu bemühen, schreien und brüllen sie bei jeder Gelegenheit, wie wir es von Ben-Gvir kennen, oder sticheln, wie Smotrich, dass sie die besseren Politiker sind. Die beiden sind die echte Bedrohung, die jeden Tag wie ein Pulverfass explodieren können.  Damit wäre die Koalition Netanyahu Schnee von gestern.

Ein nicht genannter ehemaliger MK bestätigte, was alle wissen: «Netanyahu wird in die Geschichte eingehen als der, der die High-Tech-Wirtschaft in Israel für die nächsten Generationen zerstört hat.» Und tatsächlich, leise, aber stetig geht der Rückzug vor sich. Es wird nicht mehr investiert, offene Stellen werden nicht nachbesetzt, Forschungsgelder werden gestrichen… Noch sagt keiner offen «wir verlassen Israel», aber die Ratten sind dabei, das sinkende Schiff zu verlassen. Seit dem Wahlsieg der rechten Parteien hat sich der Abzug der Finanzen verzehnfacht. 

Das Schiff Israel sinkt und es gibt nur einen, der die Schuld daran trägt. Ein egomanischer und narzisstischer PM.

Erdbeben:

Fast täglich kommt es derzeit zu kleineren Erdbeben in Israel. Bei den in den letzten Tagen gefühlten Beben wurde nur eine Stärke von max. 3.5 erreicht. Schäden wurden nicht gemeldet. 

Seismologen warnen schon seit Jahren regelmässig, dass mit einem mittelstarken bis starken Beben entlang des Jordantals jederzeit gerechnet werden muss. Israel liegt auf dem syrisch-afrikanischen Grabenbruch. Starke Beben ereignen sich etwa alle 80 Jahre, das letzte in Israel liegt allerdings schon über einhundert Jahre zurück. 

Nach dem katastrophalen Beben in der Türkei und Syrien vor wenigen Wochen stellt sich in Israel die Frage, inwieweit man auf ein solches Naturereignis vorbereitet ist. Die erschreckende Antwort: Viel zu wenig, es besteht dringender Handlungsbedarf. 



Kategorien:Israel

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