Was geschah am 22. Februar?

01. Adar 5783

Kultur im Nationalsozialismus:

Wer kennt sie nicht, die Hits der damals beliebtesten Boygroup in Deutschland – der Comedian Harmonists? Die Gruppe umfasste drei Tenöre, einen Bariton, einen Bass und einen Pianisten. Die Gruppe war in dieser Zusammenstellung von 1928 bis 1935 aktiv. 

Ihre spezielle Art der Musik im A-Capella-Stil traf nicht überall den damaligen Publikumsgeschmack. Ihren Durchbruch erzielten sie 1929 mit ihrem Auftritt im Leipziger Schauspielhaus. Ab 1930 waren sie in ganz Deutschland ein Garant musikalischer Top-Unterhaltung. Die Plattenfirma Electrola veröffentlichte ihre Erfolgshits, sowohl in Deutsch, also auch in Englisch. Diese Zweisprachigkeit sicherte den internationalen Erfolg der Gruppe. 

Im Jahr 1933 waren sie auf dem Höhepunkt ihres Erfolges, bis zu 150 Konzerte spielten sie im Jahr. Jedoch kam es in diesem Jahr bereits zu den ersten Absagen. Das «Reichskulturkammergesetz» vom 22. September 1933 verschärfte die Situation. Ab 1934 gab es eine Pflichtmitgliedschaft, für die ein Ariernachweis vorgelegt werden musste. Es gab eine Sondergenehmigung bis zum 1. Mai 1934. Die Konzerte wurden mit lautstarken Protestaktionen gestört, so dass die Gruppe in die USA reiste, wo sie im Hafen von New York vor der versammelten Atlantik- und Pazifikflotte, sowie bei zahlreiche Radioauftritten ihre letzten grossen Erfolge feierten. 

In einem Schreiben vom 22. Februar 1935 wurden die drei nicht-jüdischen Musiker in die Reichsmusikkammer aufgenommen, aber gleichzeitig mit dem Verbot belegt, weiterhin mit den jüdischen Kollegen aufzutreten.

Die Gruppe teilte sich. Während die jüdischen Sänger unter dem alten Namen im Ausland auftraten, wurden die in Deutschland verbliebenen gezwungen, unter dem Namen «Meistersextett, früher Comedian Harmonists» aufzutreten. 

1937 wurde der Vertrieb der alten Originalaufnahmen der Comedian Harmonists verboten.

Wie primitiv kann man sein?

Man darf Tiere nie dazu missbrauchen, Menschen negativ zu beschreiben. Tieren menschliche Charaktereigenschaften zuzuschreiben ist einfach dumm. MK Almog Cohen, Otzma Yehudit, verfügt offensichtlich nicht über das entsprechende Intelligenz-Gen und hat sich nicht entblödet, sich bei einer Knesset Sitzung am Montag vor der Abstimmung die Zeit mit seinem Handy zu vertreiben. 

Auf den kleinen Filmchen ist zu hören, wie er Oppositionspolitiker, überwiegend aus den arabischen Parteien beleidigt. «Sie sind Verräter. Sie sind es nicht wert, Schafe zu sein, sie sind keine Menschen. Ich werde ihnen das Leben schwer machen.» Auf den Videos, die sofort in den sozialen Netzwerken viral gingen, ist zu hören, wie er in Richtung des einzigen jüdischen MK der arabischen Partei, Ofer Cassif, Klick- und Zischgeräusche macht, um dessen Aufmerksamkeit zu erreichen. Dies sind typische arabische Laute, um ihre Herdentiere zu kommandieren. «Halt deine Klappe, Uskut! [arabisch]» In Richtung von MK Aryeh Deri fuhr er fort: «Wenn du mit ihnen in ihrer Sprache sprichst, verstehen sie dich. Du musst mit ihm wie mit einem Schaf reden. Ich sage ihm nicht auf Hebräisch, dass er leise sein soll, weil er kein Hebräisch spricht.»

Photo by Olivier Fitoussi/Flash90

Anschliessend diffamiert er den Gynäkologen MK Ahmad Tibi und beschreibt die Stimme von MK Merav Ben-Ari, Yesh Atid, als «Stimme eines Bodenreinigers.» Für diese Aussage «entschuldigte» er sich am Dienstag mit den Worten, er habe einen unglücklichen Kommentar über sie abgegeben. Gegenüber der Nachrichtenseite Walla sagte er: «Diese MKs sind Terrorunterstützer. Mein Ziel ist es, dass sie sich unwohl fühlen und alles, was dazu führt, sind legitime Gründe. Ich sage, dass Sie meinen Stil nicht schätzen, aber ich repräsentiere die Nation.»

MK Ahmad Tibi, der durchaus bekannt für seine spitze Zunge ist, kommentierte in Richtung des körperlich konturlosen MK Cohen: «Sauerstoff kommt langsamer ins Gehirn, wenn man keinen Hals hat,» und wollte von Knesset-Sprecher Amir Ohana wissen, wie sich die Knesset zu solchen Auftritten, insbesondere in Bezug auf die als Beleidigung gedachten Tiergeräusche stelle: «Dürfen sie wie Hunde bellen oder nur wie Schafe meckern?»

Es gab Zeiten, da wurden MKs, die mit ihrem Verhalten die Würde des Parlaments schädigten, ausgeschlossen. Krawallos, Polit-Rambos, Hooligans, Rabauken gab es immer und wird es immer geben. Almog Cohen hat am Montag jede Grenze überschritten und hat seine Chance vertan, als MK dem Staat Israel und seiner Bevölkerung dienen zu dürfen. 

Blitzgewitter in der Knesset:

In Israel nennt man das, was gerade in einem Höllentempo durch die Knesset gejagt wird, «Blitz». Damit werden die Gesetze beschrieben, die ohne gründliche Vorbereitung, ohne breiten Konsens im gesamten Parlament, ohne Befragung der Bevölkerung und ohne Evaluierung der Folgen durch die Instanzen gepeitscht werden. 

Nach der Abstimmung vom Montag stehen heute einige weitere Voten auf der Tagesordnung. 

Zunächst wird über den zweiten Teil der «Aufhebungsklausel» abgestimmt werden, die es der Knesset ermöglichen wird, mit einer einfachen Mehrheit von 16 Stimmen jeden Entscheid des Obersten Gerichtshofes zu kippen. Die von Kritikern des Gesetzesentwurfs geforderte 2/3 Mehrheit, also 80 Stimmen, wurde von der Regierung abgelehnt. 

Ein ähnlicher Antrag, eingebracht von MK Simcha Rothman, bezieht sich auf Gesetze, die von der Knesset verabschiedet werden können und die a priori gegenüber dem Zugriff durch die Justiz entzogen sind, sozusagen immun sind. Und sollte es dennoch Ausnahmen geben, so müsste der Entscheid durch alle 15 Richter des Obersten Gerichts einstimmig erfolgen. Der Antrag wurde mit 62:51 Stimmen angenommen. 

Die zweite Abstimmung betrifft das «Deri 2» Gesetz, das dem Obersten Gerichtshof die Möglichkeit nimmt, Ernennungen von Ministern nachträglich zu verbieten. In diesem Fall dient das Gesetz klar dazu, den im Januar ausgeschlossenen MK Aryeh Deri wieder in seine drei Ministerposten zu bringen. Gelingt das, werden drei Kern -Ministerien durch einen mehrfach rechtskräftig verurteilten Serientäter im Finanzbereich besetzt, das Innen- und Gesundheitsministerium und der des Stv. PM. Nach der Halbzeit der Regierungskadenz soll er dann, so der Plan, das Innen- gegen das Finanzministerium tauschen. Der Fuchs im Hühnerstall…… Der Gesetzesentwurf wurde mit 62:53 angenommen.

Ebenfalls angenommen wurde ein erstmals vorgelegter Vorentwurf, der dem Oberrabbinat die Möglichkeit zurückgibt, auch bei Zivilverfahren als Gericht angerufen zu werden. Dieser Antrag, eingebracht von Shas und VJT, wurde mit 58:43 angenommen. Im Jahr 2006 wurde dieses archaische Gesetz, das Rabbinern juristische Macht gibt, vom Obersten Gerichtshof gekippt. 

Ein letzter Antrag kommt von MK Moshe Gafni, VTJ. Er möchte das «Sauerteig-Gesetz» neu verankern. Dieses besagt, dass während der Pessach Feiertage in den israelischen Krankenhäusern sämtliche Sauerteigprodukte strikt verboten sind. Das bedeutet nicht nur, dass die Küchen nur Produkte verarbeiten und verteilen dürfen, die «kosher le Pessach sind», sondern, dass auch keine der «verbotenen» Produkte in die Spitäler gebracht werden. Im Klartext: Nicht-jüdische oder nicht-religiöse Patienten müssen während der Feiertage auf ihre geliebten Brotprodukte und Kuchen, sowie natürlich auch auf Bier und Whisky verzichten. Daher müssen die Taschen aller Besucher gründlich vor dem Eintritt in die Spitäler kontrolliert werden. Der Oberste Gerichtshof hatte das entsprechende Gesetz im Jahr 2022 aufgehoben. Um vor allem die orthodoxen Patienten nicht zu verlieren, halten sich die grossen Krankenhäuser an das Verbot. In einigen Spitälern liegt es im Ermessensspielraum der Verwaltung, inwieweit sie das Gesetz umsetzen. Die Vorlage erreichte keine Mehrheit und wurde mit 60:49 Stimmen durchgebracht.

Sämtliche vorgelegten Gesetzesentwürfe sind noch nicht rechtskräftig!!



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