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9./10. Nisan 5783 31. März/1. April2023
Shabbateingang in Jerusalem: 18:18
Shabbatausgang in Jerusalem: 19:35
Shabbateingang in Zürich: 19:36
Shabbatausgang in Zürich: 20:41
Shabbateingang in Wien: 19:05
Shabbatausgang in Wien: 20:11

„Befehle dem Aaron und seinen Söhnen …“ So beginnt der zweite, namensgebende Vers dieses Wochenabschnitts. Die lange Liste der Vorschriften für die Opfergaben setzt sich auch in dieser Woche fort. Zwei Kapitel umfassen die Vorschriften für die Opfer, die die Priester von sich aus, also nicht „gespendet“ durch die Gemeinde, nach einem entsprechenden Anlass, regelmässig und auch besonders bei der Priesterweihe vornehmen müssen.
Zweimal wird erwähnt (Lev. 6:8 und 6:14), dass die Priester „einen wohlriechenden Geruch aufsteigen“ lassen. Es ist schwer, sich vorzustellen, dass die Gerüche, die vom Opfertisch ausgingen, „wohlriechend“ waren. Es muss gestunken haben. Vielleicht weniger, als die Kinder Israels sich noch auf der Wanderung befanden, aber später, in der Enge der verwinkelten Gassen von Jerusalem ….
Ein Kapitel beschäftigt sich mit dem Verbot, das Blut von Tieren zu geniessen „Ihr werdet überall dort, wo ihr lebt, kein Blut von Geflügel oder Vieh essen. Wer es isst, der wird ausgemerzt werden.“ (Lev 7:26-27)
Doch warum gerade dieses explizite Verbot, Blut zu essen? Das Blut wird als Sitz des Lebens und der Seele angesehen, verblutet der Mensch, kann er nicht überleben. Bei Operationen oder heftig blutenden Verletzungen werden Blutkonserven verwendet, um das Leben zu erhalten oder zu retten.
Schon weiter vorne, in Lev 3:17 haben wir als Hintergrund zu den heute so ausführlich beschriebenen Gesetzen gelesen: „Es gilt als allgemeines Gesetz für euch in allen Generationen, in allen euren Siedlungen, ihr werdet nicht Fett und Blut essen.“ Doch hier an dieser Stelle wird das Verbot nochmals konkretisiert. Nicht das Blut von Vögeln und nicht das Blut von Vieh. Es geht nicht um Blut von koscheren Fischen und nicht um das Blut von Heuschrecken. Heuschrecken verfügen nicht über Blut in dem Sinne, wie es höhere Säugetiere und Menschen haben. In ihren Körpern fliesst ohne geschlossenes Blutsystem eine farblose, lebensnotwendige „Blutflüssigkeit“.
Blut als Träger des Lebens. Wir Juden sind überzeugt, dass Blut auch der Sitz der Seele ist, die den lebendigen Menschen vom ersten bis zum letzten Atemzug begleitet. Wir kennen drei Seelen, “Neshama“, „Nefesh“ und „Ruach“.
Durch Neshama, den Lebensatem, wurden wir erst zu einem lebendigen Wesen. Neshama wurde uns durch Gott nach der Erschaffung des Adam in unsere Lungen eingeblasen. נִשְׁמַת חַיִּים (neshemet chajim) Gen. 2:7
Nefesh הַנָּפֶשׁ ist die Kraft, die unser Leben ausmacht und die uns in der Sekunde unseres Todes wieder verlässt. Die jüdische Tradition sieht den Sitz der Nefesh im Blut des Menschen.
Ruach רוח steht, wenn man es für die Person definiert, für den Intellekt, aber auch für Entschlüsse, Gefühle und Willen. Es ist der Teil der Seele, der die Verbindung zu Gott herstellt. Im Gen. 1:2 lesen wir וְרוּחַ אֱלֹהִים, מְרַחֶפֶת עַל-פְּנֵי הַמָּיִם (der Geist [ruach] Gottes schwebte über dem Wasser)
Die Seele des Menschen wird Teil des Fötus im Moment der Zeugung und verlässt den Körper nach dem Tod. Daher bezeichnet man den physischen Tod auch als Weggang der Seele (Yetziat HaNeshama) יציאת הנשמה.
Das Problem, dass wir Juden haben, ist, die Ansprüche der drei Seelen miteinander zu verbinden. Wir müssen so leben können, dass wir die drei Ebenen miteinander verbinden können, ohne dass eine von ihnen ihren Wert verliert.
Heute ist Shabbat Gadol, der letzte Shabbat vor Pessach. Ich wünsche uns allen, dass der Geist und die Erfahrung des Pessach Festes uns mit grosser Freude erfüllen werden.
Meinen nichtjüdischen Freunden wünsche ich eine bedeutungsvolle Palmwoche und Ramadan Kareem.
Shabbat Shalom
Kategorien:Religion
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