16. Ijjar 5783
Geboren:
1856 wurde in Freiberg (Příbor), Mähren, Sigismund Schlomo Freud, später Sigmund Freud geboren. Die Familienverhältnisse waren etwas verzwickt. Sein Vater, Jacob war bei seiner Geburt bereits 40 Jahre alt, verheiratet in dritter Ehe mit Amalia Malka, geboren 1835.

Sie hatten acht Kinder, von denen Sigmund der älteste war. Aus der ersten Ehe seines Vaters hatte er zwei Halbbrüder, die mehr als 20 Jahre älter als er waren. Emanuel (1832 – 1914) und Philipp (1836-1911). Emanuel war also drei Jahre älter als Freuds Mutter, bereits verheiratet und hatte zwei Kinder. Diese waren in seine Spielkameraden, bevor sie mit ihren Familien aus wirtschaftlichen Gründen nach Manchester auswanderten.
Obwohl sein Vater aus einer streng religiösen Familie stammte, lebte die Familie nahezu säkular. Freud erhielt keine formale religiöse Erziehung, die jüdischen Feste wurden als Familienfeste gefeiert. Dazu mag auch beigetragen haben, dass seine Mutter anstelle der jüdischen Feiertage Weihnachten und Ostern feierte. Freud sagte später über seinen Vater: «Mein Vater liess mich in voller Unwissenheit über alles, was das Judentum betrifft, aufwachsen.» Als er 1886 die Tochter des Hamburger Oberrabbiners Isaak Bernay, Martha Bernay heiratete, zwang er ihr seinen säkularen Lebensstil auf, den sie bis zu Freuds’ Tod beibehielt, dann aber wieder aufgab.
Nachdem die Familie Freud aus Freiberg nach Wien gezogen war, besuchte er nach einer privaten Volksschule das Realgymnasium in der Leopoldstadt, wo er 1873 maturierte. Seine Hauptaufgabe bestand in der Übersetzung von Sophokles «König Ödipus» aus dem Altgriechischen ins Deutsche.
Zwischen 1873 und 1879 absolvierte er sein Medizinstudium und wurde bereits am Tag der Abschlussprüfung mit der Dissertation «Über das Rückenmark niederer Fische» promoviert. 1885 erwarb er seine Habilitation. Bei einem Stipendium an der Salpêtrière bei Prof. Charcot erlebte er die Behandlung von hysterischen Frauen mit Hypnose. Später beschrieb Freud Charcot als «Entdecker von traumatisch ausgelösten Neurosen». Seine Antrittsvorlesung in der Wiener Ärztegesellschaft mit dem Titel «Über die männliche Hysterie» führte dazu, dass die meisten Kollegen ihn ablehnten. Der finanzielle Erfolg seiner Praxis blieb zunächst aus.
Ab 1896 verwendete Freud erstmals den Begriff «Psychoanalyse zur Bewusstmachung des bisher Unbewussten.» Zwischen 1895 und 1898 unterzog er sich einer Selbstanalyse, und erkannte über den Ödipuskomplex «Ich habe die Verliebtheit in die Mutter und die Eifersucht gegen den Vater auch bei mir gefunden und halte sie jetzt für ein allgemeines Ereignis früher Kindheit …». 1899 erschien eines seiner Hauptwerke «Die Traumdeutung» mit einer bescheidenen Auflage von 600 Büchern, die sich nur schleppend verkauften. 1908 gründete er die «Wiener Psychoanalytische Vereinigung». Mit der Ernennung zum ausserordentlichen Professor nahm sein Einkommen dramatisch zu. «Eine Professur erhebt den Arzt in unserer Gesellschaft zum Halbgott für seine Kranken.», eine Erkenntnis, der er der Frequenz der Sitzungen seiner Klienten Rechnung trug.
Die Weiterverbreitung seiner Therapieansätze unterstützte er und förderte weitere Ausbildungsorte, u.a. am Burghölzli in Zürich. Neben eigenen Schülern protegierte er vor allem C.G. Jung, in dem er seinen Nachfolger sah. Im Laufe der Jahre kam es vermehrt zu Spannungen zwischen den Schulen. 1910 kritisierte Franz Wittels, ein austro-amerikanischer Psychoanalytiker: «Ihr seid zum grössten Teil Juden und deshalb nicht geeignet, der neuen Lehre Freunde zu gewinnen. Juden müssen sich bescheiden, Kulturdünger zu sein. Ich muss den Anschluss an die Wissenschaft finden: bin alt, will nicht immer angefeindet werden. Wir alle sind in Gefahr.» Damit war das zukünftige Thema auf dem Tisch. Mit Jung war ein Christ in den innersten Zirkel der tatsächlich hauptsächlich von Juden besetzten Kreis der Analytiker aufgenommen worden. Jedoch zerstritt er sich nachhaltig mit Freud und verliess 1913 den Kreis, um sich später mit einer eigenen Schule selbstständig zu machen. Freud verfasste in den Folgejahren weitere, für die Psychoanalyse massgeblich Werke, erkannte die Macht des Unbewussten beim Menschen, sie Bedeutung der Todes- und Lebenstriebs, entwickelte der Strukturmodell mit den Faktoren «Ich, Es und Über-Ich», erkannte die Bedeutung des Widerstands in der Behandlung und deren Überwindung als essenziell für das Gelingen der Therapie.
Als bei ihm 1923 ein bösartiger Gaumentumor diagnostiziert wurde, begann eine endlose Leidensphase mit mehr als 50 Operationen. Eine Prothese half ihm zu sprechen und zu essen, schränkte aber sein Leben dennoch stark ein.
Entgegen den eigenen Vorgaben analysierte Freude seine Tochter Anna zwischen 1918 und 1922, und nahm sie im gleichen Jahr in die Wiener Psychoanalytische Vereinigung auf. Anna übernahm schon bald seine Vertretung bei Kongressen und wurde 1927 Generalsekretärin der Internationalen Vereinigung.
Auf den zunehmenden Antisemitismus reagierte er 1926 in einem Interview: «Meine Sprache ist deutsch. Meine Kultur, meine Erziehung sind deutsch. Ich hielt mich geistig für einen Deutschen, bis ich das Anwachsen des Antisemitismus in Deutschland und Deutsch-Österreich beobachtete. Seitdem ziehe ich es vor, mich einen Juden zu nennen.»
1933 wurden die Werke Freuds auf den Scheiterhaufen der Nationalsozialisten verbrannt. Seinem Kollegen und späteren Biografen Ernest Jones schrieb er: «Was wir für Fortschritte machen! Im Mittelalter hätten sie mich verbrannt, heutzutage begnügen sie sich damit, meine Bücher zu verbrennen.»
Hätte nicht ein Vetter von Reichsminister Hermann Göring, Heinrich Göring, eine komplette Ausgabe aller jemals von Freund veröffentlichten Werke erhalten und aufbewahrt, seine Werke wären für alle Zeiten verloren gewesen. Göring war Leiter der nationalsozialistischen Forschungs- und Ausbildungseinrichtung für Psychotherapie.
1938 gelang es Freud, sozusagen in letzter Sekunde, von Wien aus nach London zu emigrieren. Vorhergegangen waren Befragungen und Beschlagnahmen durch die SA von Kunst und Antiquitäten aus der Wohnung. Prinzessin Marie Bonaparte von Griechenland, eine französische Kollegin Freuds und Ernest Jones erreichten, dass ihm am 4. Juni 1938 die Ausreise gemeinsam mit seiner Ehefrau, seiner Tochter Anna und der Haushälterin gelang. Vier seiner Schwestern blieben zurück und wurden Opfer der Shoa.
Freud starb am 23. September 1939 an den Folgen seiner Krebserkrankung und einer Überdosis Morphium, die ihm sein Arzt Max Schur auf eigenen Wunsch verabreichte.
Fehlentscheidung I:
Die Regierung hat, so wird, wenn auch noch inoffiziell geflüstert, den Plan, den rechts-extremen-nationalistisch-rassistischen Terrorversteher, ausgerechnet Minister Itamar Ben-Gvir zum Jahrestreffen von Diplomaten der EU zu schicken.
Dieses Treffen findet als «Europatag» regelmässig am 9. Mai in der EU-Botschaft in Tel Aviv statt. Am 9. Mai 1950 schlug der französische Aussenminister Robert Schuman die Schaffung einer «Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl» vor, um zukünftig sicherzustellen, dass es zwischen europäischen Staaten keine Kriege mehr geben würde. Mit der Annahme des Vorschlags war der Grundstein zur heutigen EU gelegt.
Noch gibt es keine offizielle Anmeldung bei der EU-Botschaft, die ihrerseits aber bereits beim Sender «Kan» verlautbarte, dass sie sich eine passendere und respektvollere Wahl wünsche.
Ben-Gvir werde in seiner Rede, die vom Büro des PM geplant wurde, laut eigenen Angaben festhalten, dass es «für EU-Länder unangemessen sei, Initiativen gegen IDF-Soldaten und israelische Bürger zu finanzieren.»
Von europäischer Seite wird befürchtet, dass einige Delegierte der Veranstaltung fernbleiben werden. Ähnlich argumentiert auch Oppositionsführer Yair Lapid: «Die Entscheidung, ihn zu der Veranstaltung zu schicken, ist „ein schwerwiegender beruflicher Fehler“ gewesen, und die israelische Regierung bringt damit „eine grosse Gruppe befreundeter Staaten in Verlegenheit, riskiert künftige Abstimmungen in internationalen Institutionen und schadet unserer Auslandsbeziehungen.»
Die Entscheidung, ob Ben-Gvir an der Veranstaltung teilnehmen wird oder nicht, liegt allein in der Hand des PM, der allein entscheiden kann, an welcher Veranstaltung wer teilnehmen wird. Und, ohne die explizite eigene Entscheidung, nicht teilzunehmen, kann er durch niemanden mehr ersetzt werden. Und das wird schwierig werden, denn zwischen den beiden gibt es derzeit keine Kommunikation ….
Aussenminister Eli Cohen hofft, dass Ben-Gvir sich bewusst ist, dass er nicht seine rechts-extreme Partei vertritt, sondern den Staat Israel und Worte finden wird, die dieser Aufgabe gerecht werden. Das ist pures Wunschdenken!
Fehlentscheidung II:
Am 18. Mai findet in diesem Jahr der Jerusalem Tag statt, der die Wiedervereinigung der Stadt nach dem Sechstagekrieg im Jahr 1967 markiert. Die Stadt war zwischen 1948 und 1967 geteilt, der Ostteil von Jordanien besetzt.
Was für die jüdische Bevölkerung ein fröhlicher Tag ist, weckt bei der arabischen Bevölkerung grosse Trauer.
Traditionell findet immer eine Flaggenparade statt, die, vom Damaskus Tor ausgehend, durch das arabische Viertel der Altstadt zieht und mit Tanz und Gesängen vor der Klagemauer endet. In den letzten Jahren wurde die Parade immer mehr von nationalistischen Kreisen als anti-arabische Demonstration missbraucht und löste im Jahr 2021 nicht nur Unruhen in Israel aus, sondern gipfelte in einer kurzen Militäraktion in Gaza.
Die Regierung hat beschlossen, die Route der Parade in diesem Jahr nicht zu ändern. Ein Zugeständnis an die rechts-radikal-nationalistischen Koalitionspartner.
Hoffentlich bewahrheitet sich nicht der Satz «Wer Wind sät, wird Sturm ernten!»

Wohltuend anders!
Als unser Präsidenten-Ehepaar, Michal und Isaac Herzog, nach London reiste, um an den Krönungsfeierlichkeiten von König Charles III. und Königin Camilla I. teilzunehmen, dachte man an eine archaische Zeremonie, wie es sie nicht jeden Tag zu sehen gibt.
Für das Ehepaar Herzog war es das dritte Treffen mit dem König. Dieser lud sie zu einem ausführlichen Gespräch über die aktuelle politische Lage in Israel ein und betonte, wie wichtig der Versuch sei, in den überhasteten und bisher gottseidank erfolglosen Bemühungen, die Gewaltenteilung zu zerstören, einen Kompromiss zu finden. Ebenso ausführlich konnte Präsident Herzog mit dem französischen Präsidenten Macron und seinem deutschen Kollegen Steinmeier sprechen. Kürzere Gespräche ergaben sich auch mit William, Prince of Wales, König Abdullah II. von Jordanien, dem Präsidenten der VAE, Scheich Muhammad bin Zayid Al Nahyan, einer marokkanischen Prinzessin, sowie Kronprinz Salman bin Hamad bin Isa Al Chalifa. Immerhin kam es zu einem Händeschütteln mit den politischen Führern aus Katar und dem Oman, beides Staaten, die mit Israel keine diplomatischen Beziehungen haben.
Auch Michal Herzog konnte allein einige Gespräche führen, der First Lady der USA, Jill Biden, und der ukrainischen First Lady Olena Zelenska.
Dass König Charles III. Cello spielt, ist wohl den wenigsten ausserhalb der Palastmauern bekannt. Michal Herzog erkundigte sich nach dem Hobby des Königs, der erstaunt war, woher ihr das bekannt war. «Die beste Freundin einer meiner in England lebenden Cousinen war Ihre Cellolehrerin, Naomi.» Charles erinnerte sich, dass sie eine hervorragende Lehrerin gewesen sei. Präsidenten Herzog daraufhin: «Das ist jetzt aber auch schon ein paar Jahre her!»
Wie wohltuend anders war der Auftritt der beiden als Repräsentanten Israels. Genauso wünscht man sich das First Couple, durch diplomatisches Geschick und Liebenswürdigkeit, gerne gesehene Gäste und Gesprächspartner. Ganz anders als die Netanyahus, bei denen immer eine gewisse Arroganz und Selbstdarstellung im Vordergrund steht.
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