01. Siwan 5783
Gestorben:
1957 starb in Bregenz die am 16. März 1898 in Metniz, Kärnten, geborene Maria Stromberger. Dass sie einmal den Beinamen «Engel von Auschwitz» erhalten würde, konnte in ihren jungen Jahren niemand ahnen.
Nach einem Kindergärtnerinnenkurs und einer Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich fand sie eine Anstellung im Grand Hotel Steirerhof in Graz. Anschliessend war sie als Küchenchefin im Gasthof Zotter in Graz, der ihrer Schwester und ihrem Schwager gehörte, tätig.
Als ihre Eltern erkrankten, übernahm sie deren Pflege und liess sich nach deren Tod ab 1937 im Sanatorium Mehrerau in Bregenz, damals noch ein Schwefelbad, heute ein Hospiz, zur Krankenpflegerin ausbilden.
Nachdem sie in einem Wehrmachtslazarett in Lienz, Osttirol, von den Gräueltaten der Wehrmacht hörte, meldete sie sich freiwillig zum Pflegedienst im Osten. In Königshütte, in der Nähe des KZ Auschwitz gelegen, erfuhr sie von zwei ehemaligen Häftlingen, welche Grausamkeiten dort vorgingen. Im Wunsch, helfen zu können, meldete sie sich und trat am 1. Oktober 1942 ihren Dienst in Birkenau an. Sie wurde als Oberschwester im SS-Krankenrevier eingesetzt.
Ihr unmittelbarer Vorgesetzter war SS-Standortarzt Dr. Eduard Wirths (1909 -1945), der für die Verbrechen der Lagerärzte an den Häftlingen verantwortlich war. Seit Anfang Mai 1940 war er Mitglied der Waffen-SS. Im Juli 1945 wurde er nach einem vergeblichen Versuch, unterzutauchen, von britischen Soldaten festgenommen und ins Internierungslager Staumühle überstellt, wo er sich durch Erhängen selbst tötete.
Oberschwester Stromberger versuchte, das Leben der Häftlinge so gut es ging, etwas zu erleichtern. Sie schmuggelte Medikamente und Lebensmittel aus der Krankenstation und pflegte Kranke in ihren Quartieren. Für die interne Kampfgruppe Auschwitz, einer internationalen Widerstandsgruppe zugehörend, schmuggelte sie Informationen für Flugblätter aus dem Lager und beförderte Post der Häftlinge an ihre Familien. Für die Kampfgruppe schmuggelte sie unter Lebensgefahr Waffen und Munition in das Lager. Wäre sie nicht unter dem Schutz ihres Vorgesetzten gestanden, der sie im Januar 1945 in ein Sanatorium nach Prag schickte, so wäre sie der Gestapo in die Fänge geraten.
Nach einem dreiwöchigen Aufenthalt im Sanatorium wurde sie nach Bregenz entlassen. Bis 1946 wurde sie steckbrieflich gesucht. Sie stand unter dem Verdacht, in Auschwitz Häftlinge ermordet zu haben. Nach ihrer Festnahme wurde sie in Feldkirch-Brederis, Vorarlberg, interniert.
Der spätere polnische Ministerpräsident Józef Cyrankiewicz intervenierte bei den französischen Besatzungsbehörden und konnte ihre Freilassung erreichen. Von der Zeit und Arbeit im KZ war Stromberger schwerst traumatisiert und konnte nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie als Hilfsarbeiterin in einem Textilunternehmen in Bregenz. 1947 sagte sie im Kriegsverbrecherprozess gegen den KZ-Kommandanten Rudolf Höss aus.
Im Mai 1957 starb sie, in Österreich fast unbekannt, an einem Herzinfarkt

Die Umverteilung der Grund(stück)steuer:
Nach einem drei Tage dauernden Streik, der die Bewohner der betroffenen Orte vor eine harte Geduldsprobe stellte, haben die Bürgermeister noch am Donnerstag beschlossen, den Streik zu beenden. Das Argument, das den Entschluss brachte, lautete: «Ein Streik trifft die Bürger und nicht die Regierung. Wir werden den Kampf so verlagern, dass er sich auf die Regierung konzentriert.»
Die Vorbereitungen für die Anklagen laufen bereits, allerdings werden sie erst nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes eingebracht werden.
Die Bürgermeister vermuten, und dabei dürften sie nicht falsch liegen, dass die Umverteilung von den «reicheren» auf «ärmere» Gemeinden nicht dazu dienen soll, die chronische Wohnungskrise in Israel zu beenden. «Wir fordern, dass der Staat einen echten Plan zur Lösung der Wohnungskrise und zur Senkung der Immobilienpreise vorlegt, mit einem realistischen Anreiz zur Ausweitung des Wohnungsbaus, und dass er echte Massnahmen zur Stärkung benachteiligter Kommunen ergreift.» Sie vermuten, dass mit diesen Geldern Forderungen einiger Koalitionspartner, vor allem im haredischen Sektor gedeckt werden sollen, und der arabische Sektor, wie üblich, leer ausgeht. Grundsätzlich nicht vorgesehen ist eine Nutzniessung der Siedlungen in Judäa und Samaria, aber es gibt eine Hintertür, die es ihnen ermöglicht, trotzdem Gelder zu erhalten.
Gänzlich unzufrieden mit der Reaktion der Gemeinden auf seinen Umverteilungsplan zeigt sich FM Smotrich. Er hätte vom Obersten Gerichtshof erwartet, dass von dort die Streiks per einstweiliger Verfügung gestoppt worden wären. Um für die Zukunft besser gerüstet zu sein, erbat er von der GStA Baharav-Miara die Erlaubnis, sich einen eigenen Rechtsberater für die bevorstehenden Rechtsfälle suchen zu können. Bisher wird dieser Berater immer vom OGH zugeteilt. Sein Antrag wurde von der GStA noch nicht beantwortet, es steht aber zu erwarten, dass er abgelehnt wird.
Exklusion, Integration oder Inklusion – wenn Religion zum Machtmissbrauch führt:
Die IDF setzt schon lange auf Inklusion. Junge autistische Menschen werden seit 2013 mit dem speziellen Programm «Ro’im Rachok» ausgebildet. Übersetzt lautet der Name «Über den Horizont hinausschauen».
Freiwillige, die sich zum Dienst in der IDF melden, werden dazu ausgebildet, das zu tun, was sie ganz besonders, meist sogar besser als andere, können. Kleine Details aus einem grossen Gesamten herausfinden. Derzeit arbeiten etwa 150 Soldaten in den Eliteeinheiten der Aufklärung, sitzen stundenlang vor hochauflösenden Bildschirmen und scannen Punkt für Punkt die Bilder, geliefert von Drohnen und Satelliten. Jede noch so kleine Veränderung wird genau analysiert und wenn nötig blitzschnell weitergegeben. Das kann helfen, Leben zu retten. Sie erhalten eine spezielle Betreuung, die ihnen hilft, sich trotz ihrer sozialen Einschränkung gut zu integriere, ihre Kollegen erhalten Hilfestellung, wie sie mit ihrer Besonderheit umgehen. Für beide einen win-win Situation.
Offensichtlich hat der grösste Arbeitgeber Israels kein Problem damit, diese Jugendlichen zu inkludieren.
Ganz anders «Rabiner» Shlomo Tmaiv der Hafizov Synagoge im Süden Tel Avivs. Als der Vater eines zehn Jahre alten Jungen, bei dem Autismus diagnostiziert worden war, am Gottesdienst und Unterricht teilnehmen wollte, wurde ihm der Zutritt verweigert: «Mit so einem Kind betet man nicht!» Nach dem Grund der Exklusion befragt, antwortete er: «Das ist ein privater Ort und er darf ihn nicht betreten. Sie können zu Hause beten. Mit so einem Kind betet man nicht in einer Synagoge. Ich kann einem Kind, das nicht normal ist, keine Chance geben.»
Der «Rabiner» hat nichts verstanden, er hat nicht versucht, sich mit der Krankheit des Jungen auseinanderzusetzen. Sonst müsste er wissen, dass Autismus eine Entwicklungsstörung ist und weder eine psychische Störung noch eine geistige Einschränkung. Und, dass es kaum eine gültige Definition für die «Normalität» gibt, die sich zumeist an der Normvorstellung desjenigen misst, der sie vornimmt.
Unter dem Aspekt sollte man dem «Rabiner» den Anspruch auf Normalität in seinem eigenen Sinne absprechen. Ich habe beim Lesen der Torah nirgendwo einen Punkt gefunden, der Autisten aus der Gemeinschaft ausschliesst.
Jerusalem Tag:
Am Freitag fand der alljährliche Jerusalem-Tag statt, der aber wegen des Shabbatbeginns auf den Donnerstag vorverlegt wurde. Die Flaggen-Parade, die wiederum als Provokation der Bevölkerung durch die arabischen Viertel der Altstadt zog, ging Gottseidank ohne grosse Probleme über die Bühne.
Die Frage, die man sich Jahr für Jahr stellen muss, ist es zeitgemäss oder überhaupt ethisch vertretbar, sich auf Kosten der Verlierer über einen grossartigen militärischen Sieg zu freuen? 1967 wurde am letzten Tag des Sechs-Tage-Krieges die Altstadt von der seit 1948 andauernden Besatzung durch Jordanien befreit und die geteilte Stadt wurde wieder vereint. Für die jüdische Bevölkerung ein grosser Sieg, der ausgiebig gefeiert wird. Für die Araber kein Grund zur Freude, auch wenn es ihnen heute sicher besser geht als unter jordanischer Besatzung.
Es ist unnötig, in rein provokativer Absicht vor dem Damaskus Gate mit lautstarkem Geschrei «Tod den Arabern» zu skandieren. Und es ist eine überflüssige Provokation, wenn Politiker des rechten, nationalistischen und extremistischen Spektrums sich dem Tun auch noch anschliessen.
Yulia, die Seehündin:
Einige Tage durfte sie unter dem Schutz von Rangern eine ausgiebige Auszeit am Strand in der Nähe von Jaffo geniessen, bevor sie sich am Dienstag wieder auf den nächsten Teil ihrer Reise aufmachte. Sehr zum grossen Bedauern ihrer Fans.
Nachdem sie die Meeresbiologen von Haifa mit ihren europäischen Kollegen ausgetauscht hatten, war schnell klar, dass Yulia keinesfalls eine sehr junge Seehündin ist, sondern bereits eine ältere Dame, die offensichtlich gerne reist. Sie wurde schon mehrfach vor der türkischen und griechischen Küste gesichtet. Dort erhielt sie den Namen Tugra.
Am Samstagmittag hatte sie doch noch einmal das Bedürfnis, sich an einer israelischen Küste auszuruhen. Sie wurde im Naturschutzgebiet Palmachin südlich von Tel Aviv gesichtet. Dort fand sie aber nicht die gewünschte Ruhe und verschwand sehr schnell wieder im Wasser. Offensichtlich hatten die Anwesenden sie mit ihren lauten Rufen und Gelächter irritiert. Kurz darauf ging sie aber nochmals an Land und genoss dort einen kurzen Mittagsschlaf.
Sie ist mittlerweile wieder in guter physischer Verfassung, viel besser als bei ihrer Ankunft in der vergangenen Woche.
Neues vom Politik-Hooligan:
Er kann’s einfach nicht lassen! Heute Vormittag betrat Minister Ben-Gvir mit der üblichen grossen Entourage den Tempelberg. Dass dies natürlich bei Palästinensern, Jordaniern und Ägyptern auf heftige Ablehnung stiess, ist verständlich. Nach dem Ende des Sechs-Tage-Krieges und der Wiedervereinigung von Jerusalem, hatte VM Mosche Dajan als Appeasement die Verwaltung der «heiligen moslemischen Stätten» auf dem Tempelberg an die WAQF übertragen und verbot gleichzeitig, dass Juden auf dem Tempelberg beten. Damit war der sogenannte «status quo» geschaffen, der heute zwar nicht mehr zeitgemäss ist, aber von keinem israelischen PM in Frage gestellt wird. Mit seinen provokativen Aktivitäten versucht Ben-Gvir immer wieder, neue Tatsachen zu schaffen. «Wir haben hier das Sagen, ich freue mich, auf den Tempelberg, dem wichtigsten Ort für das jüdische Volk, zu gehen.»
Ben-Gvir nutzte den Besuch auf dem Tempelberg auch, um seine Forderung nach weiteren Budgetgeldern für den Negev und Galiläa zu unterstreichen. Mit diesen Geldern soll die jüdische Präsenz in diesen Gebieten gefördert und die arabische Minderheit zurückgedrängt werden. «Im kommenden Haushalt müssen wir in den Negev und Galiläa investieren. Jerusalem ist unsere Seele, der Negev und Galiläa sind unsere Lebenskraft. Wir müssen dort handeln, wir müssen auch im Negev und in Galiläa Herrscher sein, und die Grundlage ist der Haushalt.»
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