10. Siwan 5783
Pride Parade Jerusalem:
Wenn sich am Donnerstag die Pride Parade durch Jerusalem bewegen wird, sind nicht alle glücklich damit. Im Gegensatz zur entsprechenden Veranstaltung in Tel Aviv steht man in Jerusalem dem farbenfrohen Spektakel teilweise kritisch bis ablehnend gegenüber. Rechtsradikale und orthodoxe Gruppen und Organisationen, so ist man sich sicher, werden wieder für Unruhe sorgen.
Ganz besonders berüchtigt für die Störaktionen, die im Jahr 2015 für eine jugendliche Teilnehmerin tödlich endete, sind die Gruppen im Umfeld von Minister Ben-Gvir. Deshalb baten die Organisationen den PM eindringlich, den Minister von jeglicher Verantwortung und Teilnahme an der Veranstaltung abzuziehen. Der reagierte, wie nicht anders zu erwarten, prompt damit, daran festzuhalten, dass er voll und ganz in die Planung und Beobachtung involviert sein werde, hielt aber fest: «Ich bin kein Freund der Parade, möchte aber nicht, dass auch nur ein Haar eines Teilnehmers gekrümmt wird. Ich werde alles tun, um eine angemessene Sicherheit zu gewährleisten.»
Dann muss er aber sehr schnell seine Schlägertruppe, die «Lehava-Gruppe» fest an die Kette nehmen. Diese ultrarechte Gruppe wird geführt von Benzi Gopstein, einem guten Freund und Parteikollegen von Itamar Ben-Gvir. In gruppeninternen Chats bereitet sie sich auf einen «tödlichen, blutigen Donnerstag in Jerusalem» vor, droht offen damit, die Demonstranten «durch Maschinengewehrfeuer» zu töten.
Wie bereits bekannt wurde, sichern 2.000 Polizisten die Strecke der Parade, die um 17 Uhr beginnen wird. Laut hebräischen Medien nahm der nichtparlamentarische Benzi Gopstein gestern an einer Fraktionssitzung von Otzma Yehudit teil.
Ein Musterprojekt scheitert:
Im Dreieck zwischen der Nord-Süd-Autobahn 6 zwischen Haifa und dem Süden des Landes und der Ost-West-Schnellstrasse 65 zwischen Hadera und Galiläa lag zunächst ein Militärlager. Zwischen den 80er und 90er Jahren siedelte sich dort der Kibbuz Harish an, der jedoch zugunsten einer städteplanerischen Massnahme aufgegeben wurde.
In Harish sollte eine moderne Stadt, ausschliesslich für die orthodoxe Bevölkerung gebaut werden. Doch das Interesse blieb gering. Von den zunächst fertiggestellten 1.000 Wohneinheiten war nur ein knappes Drittel belegt. Erst nach der Fertigstellung der Autobahn, die die Fahrzeit nach Haifa und Tel Aviv deutlich verkürzte, stieg auch die Nachfrage. Das Mikroklima lockte neue Interessenten. Harish ist umgeben von Wäldern, es weht ein ständiger leichter Wind und die Luft ist viel trockener als in Küstennähe. In den Jahren 2007 und 2010 gab es erneut Pläne, die Infrastruktur strikt den Bedürfnissen der Haredim anzupassen. Gegen diese Vorstellung erhoben die säkularen Bewohner Einspruch, der jedoch abgewiesen wurde. Erst einer erneuten Klage beim Bezirksgericht wurde stattgegeben und fortan mussten alle weiteren Baumassnahmen im öffentlichen Sektor für alle Bewohner angepasst werden.
Ab 2012 änderte sich die demografische Situation, Harish stand nun endgültig allen Bewerbern offen. Im Jahr 2015 wurde NIS 1 Milliarde für die Entwicklung der Infrastruktur bereitgestellt. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich die Stadt rasend schnell, ab 2022 geniesst sie den Status einer Stadt mit knapp 40.000 Einwohnern. Die meisten von ihnen sind säkular oder nationalreligiös.
Nun haben sich aber Mitglieder von «Toldot Aharon», einer der strengsten und weltabgewandtesten jüdischen Sekten dort angesiedelt. Nichts bleibt bei ihnen dem Zufall überlassen, alles ist in ihrem eigenen Kodex geregelt. Sie sind extrem konservativ und konsequent anti-zionistisch.
In Harish prallen nun die Welten aufeinander. Polizeikräfte mussten einschreiten, um Schlimmeres zu verhindern. Die Kluft zwischen religiös und säkular, zwischen rechts und links, zwischen pro und anti Regierung wurde in diesem Mikrokosmus sichtbar. Harish wurde zum Abbild der ideologischen Spaltung des ganzen Landes.

Codex Sassoon:
Der bisher älteste und besterhaltene Hebräische Tanach, bekannt geworden als Codex Sassoon, wurde am 17. Mai in New York vom Auktionshaus Sotheby’s für US$ 38.1 Millionen versteigert. Damit ist er das bisher teuerste Jüdische Buch, das jemals auf den Markt kam.
Geschrieben wurde der Codex vor etwa 1.100 Jahren und umfasst 742, fast vollständig erhaltene Seiten. Insgesamt fehlen nur zwölf Blätter. Für diese Menge an beschreibbarem Material wurden einige Hundert Schafhäute benötigt. Das Gesamtgewicht beträgt knapp 12 kg.
Benannt wurde das Buch nach seinem ehemaligen Eigentümer, David Solomon Sassoon, einem Sammler von Judaica. Nach dem Tod des Sammlers war es ab 1989 im Besitz des Schweizer Sammlers Jacqui E. Safra. Nachdem der Codex jahrelang nicht für die Öffentlichkeit zugänglich war, wurde er ab Februar 2023 in London, Tel Aviv, Dallas und Los Angeles ausgestellt.
Ersteigert wurde es von den «American friends of ANU» dank einer Spende der Familie Moses aus Washington. Die Vorsitzende des Museums, Irina Nevzlin, berichtete stolz, dass das wertvolle Buch am Vorabend von Shavuot, dem Tag, an dem wir die Torah erhalten haben, nach Israel zurückgekehrt ist.
Es wird dort in einer Dauerausstellung für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.
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