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13./14. Siwan 5783 2./3. Juni 2023
Shabbateingang in Jerusalem: 19:00
Shabbatausgang in Jerusalem: 20:22
Shabbateingang in Zürich: 20:57
Shabbatausgang in Zürich: 22:16
Shabbateingang in Wien: 20:29
Shabbatausgang in Wien: 21:50

Im Wochenabschnitt dieser Woche finden wir den ältesten Segensspruch der ganzen Thora, Lev 6:24 -26, den Priestersegen, oder Aaronitischer Segen, den jeder kennt. Obwohl er unbestritten aus der jüdischen Liturgie stammt, hat er auch Eingang in die evangelische Liturgie als Schlusssegen nach jeder Messe gefunden. Schon in den Gemeinderegeln von Qumran scheint er in leicht abgewandelter Form auf. Neue Mitglieder, die in jedem Jahr zu Shavuot in die Gemeinde aufgenommen wurden, wurden mit diesem Segensspruch gesegnet. Allerdings beinhaltet der Qumran-Segen im zweiten Satz die Bitte, der Neuankömmling möge mit „dem Verstand des Lebens erleuchtet und mit dem ewigen Wissen begnadet werden“.
Der Herr segne und behüte dich
Der Herr lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir wohlgesonnen
Der Herr wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden!
Gott hat Aaron aufgetragen, mit diesen Worten das Volk Israel zu segnen. Wie alles, was Gott Aaron auftrug, stand auch dieser Segen im Zusammenhang mit den Tempelopfern.
Heute gibt es keinen Tempel und deshalb auch keine Tempelopfer mehr. Die ehemals so wichtige Rolle der Priester hat aufgehört zu existieren. Orthodoxe Juden empfinden auch heute noch die Verpflichtung, das Volk Israel während der Gottesdienste, die an die Stelle der Tempelarbeit getreten sind, mit dieser Mitzwa, einer religiösen Pflicht zu segnen. In Gemeinden mit anderer Ausrichtung entscheidet die Gemeinde selbst, wann und in welcher Form der Segen erteilt wird.
Je nach Ausrichtung der Gemeinde ruft der Kantor oder der Rabbiner nach der Wiederholung der Amida die anwesenden Leviten der Gemeinde auf, vor den Aron HaKodesh, den Torahschrein, zu treten. Die Köpfe mit dem Tallit verdeckt, beginnen sie mit dem Segensspruch „Gelobt seist du, HaSchem, unser Gott, König der Welt, der uns mit Aarons Heiligkeit geheiligt und uns befohlen hat, sein Volk Israel in Liebe zu segnen.“ Die Arme sind dabei auf Schulterhöhe angehoben und die Hände gespreizt. Die gespreizten Hände gelten als Zeichen der Kohanim.
Sie wiederholen Satz für Satz den Segen, den der Kantor oder Rabbiner ihnen vorspricht und die Gemeinde antwortet jeweils mit «Amen».
Besonders eindrücklich ist der Priestersegen an der Klagemauer, der in jedem Jahr an Pessach und Sukkot gespendet wird. Tausende Kohanim versammeln sich dort, um sich des Tempeldienstes, der ihre Aufgabe war, und dort bis zum Jahr 70 CE stattfand, zu erinnern.
Ist der Segen Teil des Tempelrituals und der Opferhandlungen? Diese Frage bewegt seit jeher die Weisen. Falls er Teil der Opferhandlungen gewesen wäre, so würde er nach der Zerstörung des Tempels obsolet gewesen sein. Also muss er einen anderen Hintergrund haben. Die Antwort finden wir im 3. Buch Moses 9:22 «Aaron öffnete seine Hände gegen das Volk und segnete sie. Nachdem er so das Sündenopfer, das Ganzopfer und die Friedensopfer dargebracht hatte, stieg er hinab.»
Interpretieren wir diese Stelle richtig, so steht der Priestersegen am Ende der Opferzeremonie und bildet den Schlusspunkt. Nachdem die Opfer dargebracht wurden, darf Aaron das anwesende Volk Israel segnen, ihnen die Gnade, den Schutz und den Frieden Gottes stellvertretend im Namen Gottes geben.
Eine wunderbare Vorstellung. Die Priester lassen uns an der Liebe Gottes teilhaben. Sie, die durch ihre Tempelarbeit eine besondere Beziehung zu Gott haben, werden dazu von Gott ausdrücklich aufgefordert.
Es gibt Tendenzen, hauptsächlich in Israel, dass Frauen, die Töchter von Kohanim sind, das Recht des Priestersegens auch für sich reklamieren.
Zu Recht? Oder als Teil einer militanten feministischen Einstellung? Gleich wie auch immer. Haben die Frauen, die lautstark an der Kotel für ihr «gleiches Recht» plädieren, darüber nachgedacht, was die Hauptarbeit der Priester war? Richtig, es war das Opfern der Tiere, von der kleinen Taube bis hin zum mächtigen Stier. Eine physisch anstrengende Aufgabe, die sie schnell überfordert hätte.
Ich weiss nicht, wie Moses oder Aaron heutzutage mit der Genderisierung umgegangen wären. Wie hätten sie es empfunden, wenn jeder Mensch für sich hätte entscheiden können, ob er sich als männlich, weiblich oder «divers» definieren möchte. Um vielleicht nach einigen wenigen Jahren seine subjektive Definition wieder umgeworfen sich anders definiert hätte. Die Zeiten sind für uns Menschen problematisch genug. Ohne, dass wir neue Probleme hinzufügen, die niemandem helfen und nur Unruhe stiften.
Ich wünsche uns allen, aber vor allem den Menschen, die für sich die uralte Frage «Wer bin ich» täglich neu definieren, dass sie pure Freude und Dankbarkeit empfinden können, die uns alle umhüllt, wenn wir den Segen in der Synagoge hören.
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
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