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20./21. Siwan 5783 9./10. Juni 2023
Shabbateingang in Jerusalem: 19:04
Shabbatausgang in Jerusalem: 20:26
Shabbateingang in Zürich: 21:03
Shabbatausgang in Zürich: 22:23
Shabbateingang in Wien: 20:35
Shabbatausgang in Wien: 21:57
13 Monate sind die Israeliten nun schon unterwegs. Die Gruppe der Wandernden ist so gross, dass es ein logistisches Problem ist, die Riesenzahl von Menschen zu koordinieren und zu dirigieren. Heute würde das kein Problem mehr darstellen.
Die Clan-Chefs der zwölf Stämme würden jeweils eine WhatsApp Gruppe erstellen und könnten so jederzeit ihre Gruppenmitglieder innerhalb von Sekunden informieren. Eine weitere Gruppe würde die Koordination zwischen den Clan-Chefs und Moses regeln
Damals war das viel problematischer. Gott hatte jedem Stamm einen bestimmten Lagerplatz in der Nähe des Mishkan zugeteilt. Seine Anweisungen an die Israeliten kamen durch gezielt eingesetzte Signale. Solange er in Form der Wolke über dem Lager schwebte, durften sie ruhen, sobald sich die Wolke erhob, mussten sie aufbrechen.
Verstärkt wurde das Wolkensignal durch Trompeten. Auch hier gibt Gott eine genaue Anweisung, mit welchen Tönen welche Stämme über besondere Ereignisse, wie Aufbruch, Versammlung oder auch bei Angriffen informiert werden sollten. Ein einfaches, aber durchaus effektives System. Übrigens, ganz verloren gegangen ist dieses System bis heute nicht. Noch immer wird der bevorstehende Beginn des Shabbats oder eines Feiertages durch das Blasen eines Shofars von der südlichsten Ecke der Stadtmauer um Jerusalem angekündigt. In einigen Orten Israels hört man kurz vor Shabbateingang ein bekanntes Lied aus den Lautsprechern. Niemand darf sagen, er hätte es nicht gehört!
Als alles organisiert und geplant ist, gibt Gott am 20. Tag des 13. Monats nach dem Aufbruch aus Ägypten das Signal, den Sinai Richtung Norden zu verlassen.
Eigentlich müsste man denken, dass die Israeliten jetzt, da es endlich weiterging, und die Durchquerung der Wüste vor ihnen lag, hochmotiviert hätten sein müssen.
Doch was machten sie stattdessen? Sie quengelten wieder einmal wie Kinder, die sich mit dem, was da ist, begnügen sollen. Jeden Tag «nur» Manna als Nahrungsmittel, das sorgte für Unmut. «Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst zu essen bekamen, an die Gurken und Melonen, an den Lauch, an die Zwiebeln und an den Knoblauch.» Durchaus nachvollziehbar, dass ihnen Manna, das aussah wie „Koriandersamen und Bdelliumharz“ kulinarisch langsam, aber sicher zu viel wurde. Oder eben zu wenig. Ganz ehrlich, was regt den Gaumen mehr an? Mit Zwiebeln und Knoblauch gedünsteter Fisch und anschliessend eine erfrischende Wassermelone, oder ein harzartiges, wenngleich auch gesundes Nahrungsmittel mit aromatischem Geruch, aber bitterem Geschmack? Nu?
Sie beschweren sich bei Moses, dem verständlicherweise wieder einmal alles zu viel wird. «Ich kann dieses ganze Volk nicht allein tragen, es ist mir zu schwer.» Natürlich liess Gott ihn nicht allein mit seiner Not. Fortan sollten ihm 70 Männer, erfahrene und bewährte Stammesälteste, helfen, das manchmal so aufmüpfige Volk zu beruhigen. Das Volk aber strafte er, indem er es erst mit Wachteln überfütterte und die dann bei ihnen eine böse Allergie auslösten.

Es war wahrlich nicht die beste Zeit für Moses. Mirjam und Aaron, seine Geschwister, zogen über ihren Bruder her. Es ist bekannt, dass grosse Schwestern gerne dazu neigen, ihre jüngeren Brüder zu bevormunden, sie ständig zu kritisieren. Aber in diesem Fall kam noch etwas hinzu. Mirjam hatte Moses das Leben gerettet, wahrscheinlich fühlte sie deshalb eine besondere Verantwortung für ihn. Viel erfahren wir nicht von dem Gespräch. Es scheint, als ob sie beide eifersüchtig auf die besondere Beziehung zwischen Gott und Moses waren und sich zurückgesetzt fühlten. «Hat etwa der Herr nur mit Mose gesprochen? Hat er nicht auch mit uns gesprochen?» Was hat das mit Moses’ zweiter Frau zu tun? Moses hatte hören müssen, dass die beiden sich über seine «kuschitische Frau» geäussert hatten. Hatte diese ihn so sehr mit Beschlag belegt, dass er keine Zeit mehr für seine Geschwister hatte? Oder, dass er keine Zeit mehr hatte, seine Führungsaufgaben gegenüber den Israeliten wahrzunehmen? Oder andersherum, dass er vor lauter Pflichten seine Frau vernachlässigte? Wir wissen es nicht. Für Moshe war diese Situation auf jeden Fall nicht nur persönlich kränkend, sondern stellte auch seine Autorität in Frage.
Dass das göttliche Urteil in dieser Situation ein politisches ist, wird schnell klar. Das Volk braucht einen unantastbaren Führer, und der heisst Moses. Daher auch die Feststellung: «Moses aber war ein sehr demütiger Mann, demütiger als alle Menschen auf der Erde.» Aaron kommt ebenfalls ungestraft davon, denn als oberster Priester soll auch er nicht in Zweifel gezogen werden. Die Geschwister müssen jedoch eine Standpauke über sich ergehen lassen, die es in sich hat. «Wer seid ihr, dass ihr Moses angreift? »
Mirjam hingegen als schwächstes Glied dieser Beziehungskette wird von Gott mit einem siebentägigen Aussatz bestraft. Doch auch Mirjam erfährt die Loyalität ihres Volkes. Sie lassen sie nicht einfach zurück, sondern warten, bis sie nach sieben Tagen wieder zu ihnen zurückkehren darf.
Erst dann ziehen sie weiter.
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
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