Was geschah am 4. und 5. August?

18. Aw 5783

Geboren

1873 wurde in Schwerin Martha Sussmann, spätere Martha Goldberg geboren. Sie erlebte, ebenso wie ihre zwei Brüder, eine unbeschwerte Kindheit. Sie heiratete 1895 in Schwerin den Arzt Adolf Goldberg. Ihr Mann hatte 1888 in Lesum, heute einem Ortsteil von Bremen, eine Arztpraxis gegründet, in der sie als Sprechstundenhilfe und Buchhalterin mitarbeitete.

1918 war ihm der Berufstitel «Sanitätsrat» verliehen worden. Sein soziales Engagement für Patienten, die seiner Hilfe bedurften, aber keine finanziellen Möglichkeiten hatten, seine Behandlung zu bezahlen und seine ausserordentlichen medizinischen Kenntnisse machten ihn zu einem beliebten Arzt.

Martha, die sein Engagement unterstützte, begleitete ihn oft zu Patientenbesuchen. Sie versorgte die in ärmlichen Verhältnissen Lebenden mit selbst gekochten nahrhaften Speisen. Unterstützt wurde sie dabei zunächst von Ihrer Tochter Gertrude, bis diese nach der Ausbildung zur Krankenschwester nach Uruguay auswanderte.

1938 wurde ihrem Mann die Approbation entzogen und er musste die Praxis schliessen. In er Nacht vom 9. auf den 10. November, der Reichspogromnacht, wurden sie in der eigenen Wohnung durch SA-Schergen erschossen. Ihre Mörder waren Nachbarn, die ihnen gut bekannt waren.

Nach dem Krieg wurde der namentlich bekannte Mörder zunächst zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt, die dann auf 15 Jahre reduziert wurde. Er konnte bereits nach vier Jahren das Gefängnis verlassen. Sein Mittäter wurde nur zu vier Jahren verurteilt, weil das Gericht keinen Sachbestand der «Vorsätzlichkeit» erkennen konnte. Die Verteidigung hatte auf «Befehlsnotstand und Bewusstseinsstörung der Angeklagten während der Tat» plädiert. 

Das Ende einer finanziellen Freundschaft

Arthur Dantchik, ein US-amerikanischer Milliardär, der als 104.-reichster Mann in den USA gilt, hat über Jahre hinaus den rechtsextremen Think Tank «Kohelet Policy Forum-KPF» unterstützt.

KPF wurde 2012 von Moshe Koppel, einem jüdisch-amerikanischer IT-Spezialisten und Talmud-Gelehrten gegründet. Seine politischen Aktivitäten fokussierten sich auf die Formulierung einer Verfassung für Israel. Gemeinsam mit dem damaligen MK Michael Eitan, Likud, nahm er zwischen 2003 und 2006 an verschiedenen Sitzungen des Verfassungsausschusses teil. Dort wurden Entwürfe für die Verfassung entworfen, aber niemals umgesetzt.

Kohelet gilt als treibende Kraft hinter den Bemühungen der Regierung, die Justiz einer umfassenden Umwälzung bis hin zur Abschaffung der unparteiischen Rechtsprechung zu unterziehen. Auf ihrer Webseite findet man den Hinweis darauf erst gegen Ende der Liste zwischen anderen, durchaus nachvollziehbaren Zielen. Justizminister Yariv Levin nannte Dr. Aviad Bakshi, den Leiter der Rechtsabteilung der Institution, einen der Wissenschaftler, die er bei der Ausarbeitung der weitreichenden Vorschläge konsultiert hatte. Bakshi nimmt in dieser Beraterfunktion auch regelmässig an den Sitzungen des Gremiums teil.

Am 4. August gab Dantchik in einem Interview im „Calcalist“ bekannt, dass er die Zahlungen an KPF eingestellt habe. „Wenn eine Gesellschaft jedoch gefährlich fragmentiert wird, müssen die Menschen zusammenkommen, um die Demokratie zu bewahren. Ich habe aufgehört, an Denkfabriken in Israel zu spenden, darunter auch an das Kohelet Policy Forum. Ich glaube, dass es in dieser Zeit für Israel am wichtigsten ist, sich auf Heilung und nationale Einheit zu konzentrieren.“

Nicht nur auf ungeteilte Zustimmung treffen die Umwälzungspläne der Regierung. Der ausgewiesene Wirtschaftsfachmann Dr. Michael Sarel, der Leiter des Kohelet Wirtschafts Forums formulierte seine Bedenken: „Wenn die Reform den Weg für schweren Schaden für die liberale Demokratie ebnet, wird es mittelfristig auch schweren Schaden für die Wirtschaft geben.“ 

Da scheint es doch noch Reste von klarem Denken zu geben!

Die Polizei, dein Freund und Helfer?

In der Nacht vom 27. Juli kam es zu einem Vorfall in der Altstadt von Jerusalem. Ein junger Mann wurde mit einem Messer bewaffnet und im Verdacht, einen Messerangriff ausführen zu wollen, von Polizisten festgenommen. Die Verhaftung geriet ausser Kontrolle. Der Verdächtige widersetzte sich mit Tritten und Anspucken und schlug, nachdem er zu Boden gebracht worden war, seinen Kopf mehrfach heftig auf das Pflaster.

Das Gericht ordnete eine Inhaftierung im Gefängnis an, liess ihn aber zunächst zur Behandlung ins Sha’are Zedek Spital einliefern. Nachdem er dort völlig die Selbstkontrolle verlor und aggressiv gegen die Polizisten und gegen sich selbst vorging, wurde er nicht nur sediert, sondern auch mit beiden Beinen und einer Hand ans Bett gefesselt. 

Die Beamten schlossen daraufhin die Vorhänge, die das Bett von den Nachbarbetten abschirmen. Pfleger hörten, wie sie den Patienten beschimpften und nahmen kurze Zeit darauf auch ein Geräusch wahr, das von einem Taser, einem Elektroschockgerät stammte.  

Der Patient hätte eigentlich zu dem Zeitpunkt bereits entlassen werden sollen. Um ihn nicht weiterer Gewalt durch die Polizei auszusetzen, verlängerten die Ärzte die Beobachtungszeit im Spital, bis die beiden Polizisten ausser Dienst waren. 

Es ist Polizisten verboten, einen gefesselten Häftling zu beschimpfen und anzugreifen. Ein Einsatz von Tasern muss vorher angekündigt werden und darf nie erfolgen, wenn ein akutes Krankheitsbild vorliegt. Die Beamten behaupten, entsprechend den Vorschriften vorgegangen zu sein und ihn gewarnt zu haben. Nachdem die behandelnden Ärzte von einer psychotischen Episode ausgehen, war der Einsatz trotzdem rechtswidrig.

Es wurde eine Anzeige gegen die Polizisten eingeleitet.

Palästinensischer Terror in Tel Aviv

Ein 27 Jahre alter Palästinenser aus der Umgebung von Jenin verübte heute am frühen Abend eine Schussattacke auf einen Streifenpolizisten der Stadt. Den zwei Streife fahrenden Polizisten fiel der Mann als verdächtig auf. 

Als sie ihn anhalten wollten, eröffnete der Mann das Feuer und verletzte einen der beiden Beamten lebensgefährlich. Er wurde nach der Erstversorgung und Wiederbelebung ins Ichilov-Spital eingeliefert. Kurz nach seiner Einlieferung musste jedoch der Tod des Beamten, Amir Chen , 42, bekanntgeben werden. Amir war verheiratet und hinterlässt drei Kinder. Seine Familie stimmte zu, seine Organe zu spenden.

Amir Chen, 42, Opfer des heutige palästinensischen Terroranschlages in Tel Aviv

Der zweite Beamte verfolgte den Terroristen kurz, es gelang ihm dann, ihn zu neutralisieren. 

Der Terrorist wurden mittlerweile als Mitglied des Palestinian Islamic Jijad identifiziert. Polizeichef Kobi Shabtai lobte den Einsatz der Beamten. «Nur wenige Meter weiter befinden sich zahlreiche Restaurants und Cafés. Mit ihrem schnellen Einsatz haben Sie wahrscheinlich Schlimmeres verhindert.» 

Beim Terroristen wurde ein sogenannter «Märtyrerbrief» gefunden.

Jüdischer Terror in Burqa

In Burqa, in der Nähe von Nablus in Samaria, kam es am Freitag wieder zu einem tragischen Zwischenfall. Jüdische Siedler hatten, so Berichte der Nachrichtenagentur WAFA der PA, das Dorf angegriffen und damit die Gegenwehr der Dorfbewohner provoziert.

Soldaten hätten sich zu dem Zeitpunkt nicht im Dorf befunden, so dass an den Zusammenstössen nur Siedler des illegalen «Aussenpostens» Oz Zion beteiligt waren. 

Oz Zion war 2005, also nach dem teilweisen Rückzug der Israelis aus Judäa und Samaria gegründet worden, und wurde seither mehrfach von der IDF und der Grenzpolizei zerstört. 2021 wurde der illegale Aussenposten neu gegründet. 

Qusai Jamal Matan, 19, Opfer des heutigen jüdischen Terroranschlages in Burqa.

Im Zuge der Zusammenstösse wurde ein Palästinenser, der 19 Jahre alte Qusai Jamal Matan, durch einen Genickschuss getötet. Der Hauptverdächtige, der angeblich das Feuer eröffnet hatte, wurde durch einen Steinwurf verletzt und ins Krankenhaus eingeliefert. Er reklamiert für sich in einem Akt der Selbstverteidigung gehandelt zu haben und nach seiner Verletzung mit letzter Kraft geschossen zu haben. Für seine Waffe hat er einen Waffenschein.

Der zweite festgenommene jüdische Angreifer war bis vor kurzem Berater für einen MK der rechts-extrem-nationalistischen Partei Otzma Yehudit, deren Vorsitzender Minister Ben-Gvir ist. 

Der Rechtsberater des Ministers, Chanamel Dorfman, ist seit seiner frühen Jugend selbst höchst aggressiver Siedleraktivist und deshalb schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten und verurteilt worden. Die notorische Verbindung zwischen den Politikern dieser gefährlichen Partei und den Siedlern ist augenscheinlich und gefährlich.

Weitere fünf Siedler wurden zu Befragungen festgenommen, anschliessend aber wieder freigelassen.

Oppositionsführer Yair Lapid erklärte: «Die sogenannte «Hügeljugend» verwandelt Judäa und Samaria in ein Schlachtfeld zwischen dem Terror jüdischer Terroristen und dem Terror arabischer Terroristen. Er gefährdet die Siedlungen, in denen es sich grösstenteils um gesetzestreue Bürger handelt, gefährdet unsere Soldaten und Unschuldige und verstösst gegen jeden jüdischen oder demokratischen Wert. Netanjahu muss die Gewalt, die der nationalen Sicherheit, der IDF und den Siedlungen schadet, aufs Schärfste verurteilen» ein frommer Wunsch, der sich leider erfahrungsgemäss nicht erfüllen wird. 

Verdorbene Wochenenden

Ich habe keine Ahnung, ob sie schon auf Zypern waren, oder ob sie extra dorthin geflogen sind. Und ich habe auch keine Ahnung, woher sie wussten, dass Ben-Gvir am Freitagabend in Paphos, an der Südwestküste Zyperns, in einem Hotel einchecken würde. 

Das Begrüssungskomitee mit Israel-Fahnen und Megaphonen versammelte sich heute Morgen vor dem Hotel. «Es muss erholsam sein, in einem demokratischen Staat zu schlafen» skandierten sie.

In Caesarea hatten sich ebenfalls wieder Demonstranten rund um die Villa der Netanyahus versammelt, um ihren Unmut lautstark zu äussern.

Gestern waren protestierende Demonstranten am Tor zum Weingut Tishbi zwischen Zichron Ya’acov und Binjamina erschienen. Dort scheint Verteidigungsminister Yoav Gallant, der im benachbarten Moshaw Amikam lebt, gerne am Freitag mit Freunden zu essen. 

Nir Barkat, Wirtschaftsminister, Likud, hätte sich sein Mittagessen heute auch anders vorgestellt. Er wurde von Demonstranten im nicht-koscheren „Makom shel Basar“ Steakhouse im Künstlerviertel Neve Zedek entdeckt. Prompt tauchten Demonstranten auf. „Nir Barkat tritt den Shabbat mit Füssen“ und „Israel ist noch nicht Iran“riefen sie in Anspielung auf das noch existierenden Recht der Meinungs- und Demonstrationsfreiheit.



Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline

Hinterlasse einen Kommentar