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Im Jahr 2020 und 2021 kamen zwei Soldaten im Einsatz ums Leben. Barel Hadaria Shmueli, 21, Grenzpolizei wurde im Jahr 2021 an der Grenze zum Gaza-Streifen erschossen, Amit Ben-Yigal, 21, IDF, wurde 2020 von einem Stein tödlich verwundet.
Beide waren weder verlobt noch verheiratet und kinderlos.
In Israel gibt es ein nahezu unbekanntes Gesetz, welches den Witwen von im Dienst gefallenen Soldaten, Polizisten und Grenzpolizisten erlaubt, sich posthum mit dem Sperma ihres Mannes befruchten zu lassen.

Der ehemalige MK Zvi Hauser, New Hope und MK May Golan, Likud, haben in der Regierungszeit von PM Yair Lapid auf Antrag der Eltern der beiden hier genannten Opfer einen Gesetzentwurf eingebracht, der es auch den Eltern ermöglichen würde, bis zu 72 Stunden nach dem Tod ihres Sohnes sein Sperma entnehmen und zunächst einfrieren zu lassen. Um das Sperma verwenden zu dürfen, muss aber, und das ist im Gesetzentwurf so vorgehsehen, die unbedingte Zustimmung des Soldaten vorliegen. Das Gesetz wurde, unbeachtet von der israelischen Öffentlichkeit, in erster Lesung von der Knesset angenommen. Nach der Neuwahl und dem anschliessenden Regierungswechsel wurde es nicht weiterverfolgt. Das Gesetz soll auch auf unverheiratete Partnerinnen ausgedehnt werden, sofern der Gefallene keine anderen Bestimmungen getroffen hat.
Mittlerweile wurde im Mai das Gesetz nochmals zur ersten Lesung in der Knesset vorgelegt und mit 31:7 Stimmen durchgewinkt. In den Medien fand man nichts.
Natürlich gibt es auch Einwände gegen den Vorschlag. Es gibt ethische Bedenken und es gibt vor allem die Überlegung, wessen Wünsche damit verfolgt werden. Sind es wirklich die des Soldaten, der bei seinem Eintritt in den Dienst, also in der Regel mit 18 Jahren, ein diesbezügliches Papier unterschreibt? Oder ist es vielmehr der Wunsch der Eltern, die ein Enkelkind als Möglichkeit sehen, ihre Trauerarbeit zu leisten?
MK Hauser sagte bei der Präsentation des Entwurfes vor der Knesset: «Wir verlangen von den Menschen, sich den feindlichen Kugeln auszusetzen und ihr Leben zum Wohle des Landes zu riskieren. Im Gegenzug müssen wir ihnen etwas zurückgeben. Viele Eltern wussten nichts von dieser Möglichkeit. Wenn viele Familien davon gewusst hätten, hätten sie das Sperma ihres Sohnes entnommen.»
Familien hätten in der Vergangenheit nur sporadisch und in der legalen Grauzone das Sperma ihrer gefallenen Kinder entnommen, sagte Hauser. «Das Land muss die Art und Weise formalisieren, wie es ihnen legal ermöglicht wird» fügte er hinzu.
Das Gesetz hält aber, und das muss ganz klar hervorgehoben werden, fest, dass durch posthume IVF gezeugte Kinder keinen Anspruch auf irgendeine finanzielle Begünstigung durch die IDF haben. Diese gilt nur für Kinder, die während der Dienstzeit gezeugt oder geboren worden sind, oder bereits lebten. Das gilt auch für Familien, die bereits vor dem möglichen Inkrafttreten des Gesetzes das Sperma erhalten haben.
Baruch, 54, der Vater von Amit Ben-Yigal erhielt, so berichtet er, unmittelbar nachdem er vom Tod seines Sohnes erfahren hat, einen anonymen Anruf, dass er die Möglichkeit habe, dessen Sperma innerhalb von 72 Stunden entnehmen zu lassen. Eine Möglichkeit die er nutzte. «Amit, mein Sohn, war (m)ein Held. Er war Soldat in Sayeret Golani [einem Elite-Kampfkorps] und fiel während des Einsatzes. Als es passierte, dachten wir, der Terrorist hätte nicht nur Amit getötet, sondern uns auch daran gehindert, Grosseltern zu werden. Amit war mein einziger Sohn. Der Terrorist hat mich davon abgehalten, ein Elternteil zu sein, aber ich möchte nicht, dass er mich davon abhält, ein Grosselternteil zu sein.»
Die Freundin seines Sohnes sei damals noch nicht so weit gewesen, schwanger werden zu wollen. Mittlerweile hat er Kontakt mit 182 Frauen aus dem ganzen Land, die Leihmutter für sein Enkelkind werden wollen.
Er ist geschieden und lebt allein in seinem Haus. Ein Zimmer hat er als Gedenkstätte ausgestattet, ein Mausoleum ohne Grabstätte. «Dieses Kind wird wissen, wer sein Vater war, und es wird einen Grossvater haben – Saba Baruch. Er wird alles haben. Dieses Kind wird nur gewinnen. Er wird eine herzliche Familie bekommen, die ihn will und die ihn lieben wird.» Er, es muss also ein Sohn werden, der Ersatz für seinen toten Sohn.
Dieses Kind wird vor allem eines bekommen: Die Last einer ungeheuren Verantwortung. Es muss, solange sein Grossvater lebt – und ich wünsche ihm ein langes und gesundes Leben – damit umgehen können, dass es nur deshalb auf der Welt ist, um dem Grossvater, bzw. dem Vater seines leiblichen Vaters, den Sohn zu ersetzen, der ihm genommen wurde.
Es gibt hinter diesem Gesetzentwurf einen Menschen, der ebenfalls mit seiner Trauer nicht umgehen kann. Als der Sohn von Orit und Asher Shahar im Jahr 2012 bei einem Autounfall ums Leben kam, begannen sie den Kampf gegen die IDF. Sie wollten das Recht erstreiten, mit dem Sperma ihres Sohnes, der zu der Zeit bei der Marine seinen Dienst ableistete, ein Enkelkind zeugen zu lassen. Heute leitet Orit eine NGO mit dem Namen «Or LaMischpachot» – ein Licht für die Familien. Sie betreut sie engmaschig. Ihr Ziel: Denkmäler der Erinnerung zu schaffen, in Form von Kindern, die keiner gefragt hat, ob sie in diesem Umfeld der Trauer leben und aufwachsen wollen. «In der Tiefe meines Herzens habe ich ein Gelübde abgelegt, diese Soldaten aus ihren Gräbern zu holen», betont sie mit starrem, à-la-Barbie gestylten und operiertem Gesicht. Selbst erstarrt in ihrer nie verarbeiteten Trauer um den eigenen Sohn.
Hat so ein Gesetz in Israel eine Chance? Ein anonymer MK sagt dazu: «Vordergründig besteht beinahe ein Konsens [zwischen Regierung und Opposition]. Doch ich kenne einige Politiker, die es für eine schlechte Idee halten. Sie würden es aber nie wagen, dagegen zu stimmen. Denn in diesem Land kann man sich den Wünschen von trauernden Familien nicht widersetzen.»
Doch man kann, man muss es sogar. Dieser Artikel, der heute in der NZZ erschien, zeigt es ganz deutlich. Der Titel ist ebenso reisserisch wie sein Inhalt.
Und leider wieder einmal der «alten Tante NZZ» nicht würdig. Da hat man viel Geld für einen Artikel ausgegeben, der selbst im heissen Sommerloch, keinen grossen Informationswert für den Leser hat. Noch dazu, weil man sich über den zweiten Teil, Gaza, keine weiteren Informationen holen kann. Einseitig also und manipulativ.
Kategorien:Israel
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