17. Elul 5783
Geschichte
Wer war Mark Twain? Ja richtig, der Mann, der uns die wunderbaren Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn hinterlassen hat.
Während seiner Europareise von 1891 bis 1900 lebte er vom 28. September 1897 bis 27. Mai 1899 in Wien. Die ersten Monate dort im Hotel Métropole am Morzinplatz im 1. Bezirk. Von den Wienern wurde das Haus als «jüdisches Sacher» bezeichnet. Zum einen, weil die luxuriöse Innenausstattung der des Hotels Sacher entsprach und zum anderen, weil die Eigentümer des Hauses, Klein und Felix, Juden waren.
Nach der Machtübernahme der Nazis in Österreich wurde das Haus von der Gestapo als Zentrale mit mehr als 900 Beamten konfisziert. Sie war damit die grösste Dienststelle im gesamten Deutschen Reich. 1945 wurde das Haus von einer Bombe getroffen und 1948 abgerissen, nachdem dort noch eine kurze Filmsequenz des Filmes «Der dritte Mann» gedreht worden war.

Anschliessend wohnte Twain im Hotel Krantz, dem heutigen Hotel Ambassador, ebenfalls im 1. Bezirk an der Kärntnerstrasse. Im Gegensatz zum Hotel Métropole konnte das Hotel Krantz auf eine sehr lange, wechselhafte Geschichte zurückschauen. Der Neubau wurde in den Jahren 1897/98 errichtet. Twain dürfte also zu den ersten Gästen des Hauses gehört haben.
Während seiner Zeit in Wien beschrieb er in seinem Essay «Stirring times in Austria», das antisemitisch geprägte Wien unter Bürgermeister Karl Lueger (1844 bis 1910).
Besonders hervorheben möchte ich den Bericht über eine 12-stündige Rede (!) des Abgeordneten Dr. Lecher im Parlament.
Erinnert uns das an eine Sitzung in der Knesset voller Filibuster der Opposition? Eine Dauersitzung, um eine Abstimmung über einen Gesetzentwurf zu verhindern oder doch zumindest zu verzögern?
In Wien geschah damals Ähnliches «Ich werde erklären, dass Dr. Lecher seine zwölfstündige Rede nicht zum Zeitvertreib gehalten hat, sondern aus einem wichtigen Grund. Es war die Absicht der Regierung, den Ausgleich in dieser einen Sitzung (für die er auf der Tagesordnung stand) durch seine vorbereitenden Phasen zu bringen und ihn dann per Abstimmung an einen engeren Ausschuss weiterzuleiten. Es war der Plan der Mehrheit – wie von der Opposition behauptet –, die Debatte über den Gesetzentwurf durch blossen Lärm zu übertönen – sie zu übertönen und zu stoppen»
Nachdem das Essay im Jahr 1898 im Harper’s Magazine erstveröffentlicht wurde, beklagte sich der US-amerikanische Historiker Philipp Foner, dass «Twain ganz am Ende des langen Artikels kommentarlos die Angriffe auf die Juden erwähnte und darauf hinwies, dass sie, obwohl sie unschuldige Parteien in dem Streit waren, ‚bedrängt und geplündert‘ wurden. In allen Fällen musste der Jude braten, egal auf welcher Seite er stand.’»
Besorgte US-Bürger wandten sich schriftlich an ihn mit der Frage: «Können amerikanische Juden irgendetwas tun, um [dieses Vorurteil] zu korrigieren, entweder in Amerika oder im Ausland? Wird es jemals zu einem Ende kommen?»
Als Antwort darauf verfasste Twain den Artikel «Concerning the Jews», der ebenfalls im Harper’s Magazine erschien. Eine interessante Abhandlung, die es sich zu lesen lohnt!
Unruhen bei den Eritreern
Nach den gewaltsamen Ausschreitungen zwischen regierungsfreundlichen und regierungsfeindlichen eritreischen Gruppen im südlichen Tel Aviv von gestern abend befinden sich immer noch einige Verletzte zur Behandlung im Krankenhaus.
Unter ihnen ein Polizist, dem ein Metallstück aus dem Kopf operiert werden musste. Ich wünsche ihm eine schnelle und vollständige Erholung!
Netanyahu muss eine unglaubliche Angst vor den Flüchtlingen aus Eritrea haben. Sein Büro twitterte heute: «Gottseidank haben wir den Vorschlag der UN nicht angenommen. Der sah vor, 16.000 illegalen Einwanderern die Staatsbürgerschaft zu geben. Damit wäre der Weg freigeworden für Hunderttausende, wenn nicht Millionen illegaler Einwanderer, die unser Land überflutet hätten.»
Bibi, erinnerst du dich bitte mal daran, dass auch nahezu jeder Israeli oder seine Vorfahren irgendwann einmal ein illegaler Einwanderer war? Lies doch die Torah, dann kannst du das nachvollziehen!
Auf einer heutigen Sondersitzung des Kabinetts wurden erste Massnahmen gegen die Asylanten beschlossen. Die meisten der derzeit etwa 30.000 illegal im Land lebenden Migranten kamen zwischen 2007 und 2012 nach Israel, bevor sich das Land mit einem undurchdringlichen Grenzzaun gegen weitere Infiltrationen absicherte.
50 Migranten werden seit gestern in Sicherheitshaft festgehalten. Sie sollen in Bälde in ihre Heimat repatriiert werden, wo ihnen der sichere Tod droht. «Wenn sie das Regime in der Heimat unterstützen, dann sollen sie auch zurückgehen.» hielt Minister Ben-Gvir fest. Auch andere rechte Minister betonte, dass jeder der sich nicht an die Gesetze halte, aus dem Land ausgewiesen werden müsse.
Alles gut und schön, aber welches Recht nimmt sich Israel, das Recht auf Menschenwürde und Leben in einem solchen Fall zu auszuschalten?
Die Frau mit dem festen Rückgrat
GStA Gali Baharav-Miara liess den Justizminister wissen, dass sie auch im Fall der Anhörung in der Causa «Richter-Wahl-Gremium» der Wahl einer von ihrer unabhängigen Rechtsvertretung zustimme.
Der Grund für den Antrag des Justizministers liegt in der berechtigten Annahme, dass die GStA nicht mit der Meinung der Regierung übereinstimme. Ob es allerdings eine Verschiebung der Anhörung, die für den kommenden Donnerstag geplant ist, geben wird, ist noch offen. Im Fall er Anhörung zur den «Angemessenheitsgesetzen», die auch am Donnerstag stattfindet, wurde der Antrag abgelehnt.
Yesh Atid, die eine der Petitionen eingebracht hat, hielt fest, dass es keine Verschiebung geben werde. «Levins Tricks sind der Todesstoss für das Rechtssystem und die israelischen Bürger.»
GStA Gali Baharav-Miari bat heute den OGH, das «Angemessenheitsgesetz» aufzuheben. Das bisher geltende Gesetz stelle einen massgeblichen Pfeiler der Demokratie in Israel dar und dürfe daher nicht geändert werden. Wenn der OGH ihrer Argumentation folgt, und damit ist zu rechnen, so stellt das das erstmalige Vorgehen dieser Art dar. Bisher waren Änderungen des Basic Law noch nie vom OGH abgelehnt worden.
Kategorien:Aus aller Welt, Israel, Timeline
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