29. Tishrei 5784
Am gestrigen Erew Shabbat meldete sich der PM mit einer TV-Ansprache an «seine Nation». Die Israelis müssen aufgrund der aussergewöhnlichen Zeitwahl angespannt-nervös auf das gewartet haben, was er zu sagen hatte.
Das bisher erste und letzte Mal, dass sich ein PM zu diesem ungewohnten Zeitpunkt meldete, war, als PM Yitzhak Rabin, s’’l, am Freitag, den 14. Oktober 1994 den Israelis mitteilen musste, dass der am 9. Oktober von der Hamas entführte Soldat Nachshon Wachsman, s’’l, ermordet worden war. Ein geplanter Befreiungsversuch scheiterte aufgrund von Fehlinformationen. PM Rabin übernahm die volle Verantwortung. Es war auch der Tag, an dem die damaligen Empfänger des Friedensnobelpreises verkündet wurden: Yitzhak Rabin, Shimon Peres, s’’l, und Yassir Arafat.
Ein Zufall? So viele Zufälle gibt es nicht. Wohl eher die medienwirksame Inszenierung des narzisstischen und abgehobenen PM, der uns mitteilte, was wir alle wissen: «Heute weiss jeder, dass wir für unser Heimatland kämpfen, und wir kämpfen wie Löwen.» Er habe früher am Tag mit mehreren Familien gesprochen, die Angehörige verloren haben oder deren Angehörige vermisst werden. «Ihre Welt ist zerstört.» Nun ja, angesichts der Tatsache, dass Politiker der Opposition sich regelmässig «vor Ort» zeigen, dass hochrangige Politiker der EU und der USA kamen und mit hohen Offizieren u.a. Kfar Aza besuchten, dass US-Präsident Joe Biden gestern mit 14 betroffenen Familien ein online-meeting abhielt, ist das ein müder Versuch der Rechtfertigung und Demonstration: Schaut her, ich kümmere mich! Dabei ist er völlig abgehoben vom israelischen Volk.
Oppositionsführer Yair Lapid kritisierte ihn prompt: «Solche Erklärungen darf ein Premierminister nicht abgeben, wenn er nicht über neue Informationen für sein Volk und das Land verfügt.» Auch in den sozialen Netzwerken wurde seine Rede als «hohl und dumm» und als «ein weiteres Beispiel für die Abkopplung dieses Mannes vom Volk und eine Flucht vor der Verantwortung» bezeichnet.

Am heutigen Nachmittag liess sich der PM erstmals in den beiden am schwersten von den Massakern betroffenen Orten, Kibbutz Be’eri und Kibbutz Kfar Aza, blicken. «Ich bin durch die Ruinen der Häuser gelaufen, wo diese schlimmen Massaker stattfanden.» Der PM wurde bei seinem Besuch unter anderem vom Kommandanten einer Fallschirmspringertruppe begleitet. Und jetzt? Alles wieder gut? Der Pflicht des liebenden Landesvaters Genüge getan?? Was für eine Heuchlerei!
Alon Pinkas beschrieb es in seiner Kolumne im Haaretz sehr zutreffend: «Das Gefühl der Reue und des klaren Mea Culpas, das bereits in der IDF zu hören war, gibt es in Benjamin Netanyahus Welt nicht. Für ihn gelten diese Vorstellungen nicht. Für ihn ist alles die Schuld eines anderen. Das ist es immer. (…) An einen Rücktritt würde er nie denken. Das erfordert einen ethischen Kodex, den er nie hatte. Er braucht nur einen politischen Fluchtplan. (…) Es geht nur um ihn, nicht um das Land. So war es schon immer. Selbstbeobachtung ist etwas für die Schwachen, Selbstkritik ist etwas für die Schwachen. Er ist zu gross, um zu scheitern, in seinem Kopf und in dem alternativen Universum, das er dort aufgebaut hat. Trotz zahlreicher Beweise für das grenzenlose Versagen in der Verteidigungspolitik und einer erbärmlichen Bilanz in der internationalen Politik liegt dies nie in seiner Verantwortung. (…) Warum erwähnen wir diese beiden [Putin und Trump]? Netanjahu prahlte bei den Wahlen 2019 und 2020 damit, dass seine enge Beziehung und Freundschaft zu Putin und Trump „in einer anderen Liga“ sei. Im Vergleich zu Präsident Biden, der am Dienstag eine leidenschaftliche und eindringliche Rede hielt, ist das vielleicht eine ganz schlechte Liga.» Selbstreflexion und Schuldeinsicht, diese Worte fehlen im Vokabular dieses schlechtesten PM, den Israel jemals hatte. Die Umfragen strafen ihn in einem unglaublichen Mass ab, es bleibt nur zu hoffen, dass er, samt seiner unfähigen und selbstverliebten Nicht-Regierung bald in den Mülleimer der Geschichte geworfen können wird.


EU-Ratspräsidentin Ursula van der Leyen sagte bei ihrem Treffen mit PM Netanyahu: «… Das Ziel der Hamas ist es, jüdisches Leben aus dem Land auszulöschen, und sie haben so gehandelt. Dies ist der abscheulichste Angriff auf Juden seit dem Holocaust. Wir dachten, so etwas könne nie wieder geschehen, doch es ist geschehen. Angesichts dieser unaussprechlichen Tragödie gibt es nur eine mögliche Reaktion: Europa steht an der Seite Israels. Und Israel hat das Recht, sich zu verteidigen. Es hat sogar die Pflicht, sein Volk zu verteidigen. Und wir müssen die von der Hamas begangenen Gräueltaten bei ihrem Namen nennen. Das ist Terrorismus. Das ist eine Kriegshandlung. Nichts kann rechtfertigen, was die Hamas getan hat. Jetzt ist es an der Zeit, sich mit Israel und seinem Volk zu solidarisieren. Und deshalb bin ich hier. Lassen Sie mich auch ganz klar sagen, dass die Hamas allein für das, was geschieht, verantwortlich ist. Die Taten der Hamas haben nichts mit den legitimen Bestrebungen des palästinensischen Volkes zu tun. Im Gegenteil, der Schrecken, den die Hamas entfesselt hat, bringt nur noch mehr Leid über unschuldige Palästinenser. Auch sie sind bedroht. Die verabscheuungswürdigen Aktionen der Hamas sind das Markenzeichen von Terroristen. Und ich weiss, dass Israel mit seiner Reaktion zeigen wird, dass es eine Demokratie ist.»
Auch die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock fand bereits vor ihrem Abflug nach Israel die richtigen Worte: «Die Terrorangriffe waren eine brutale Zäsur. Für die Menschen in Israel hate eine neue Zeitrechnung begonnen. Es gilt, hinzusehen und diesen Terror beim Namen zu nennen. Leider ist absehbar, dass sich die Lage der Zivilbevölkerung im Gazastreifen eher noch verschärfen wird. Denn die Terroristen der Hamas ziehen die Zivilisten in Gaza in den Konflikt hinein und nutzen sie als menschliche Schutzschilde.» Während ihres Besuches in der nahe dem Gazastreifen gelegenen Stadt Netivot in Begleitung des israelischen Aussenministers gab sie ein emotionales Statement ab: «Wir sitzen hier nicht als Aussenminister, sondern als Väter, als Mütter, als Töchter, als Söhne. Und deswegen fühlen wir in diesem Moment auch nicht als Politiker. Lassen Sie diese unschuldigen Menschen, lassen diese unschuldigen kleinen Mädchen frei.» Mit Blick auf die Gegenoffensive Israels betonte sie, dass «Israel das Recht, ja die Pflicht hat, sich im Rahmen des internationalen Rechts gegen diesen brutalen, barbarischen Terror zu wehren. Die Hamas ist mit ihrem Terror auf Israel ganz allein für diese furchtbare Lage verantwortlich.»
Ein 55 Jahre alter Israeli wurde festgenommen, nachdem er über die sozialen Medien die Geiseln der Hamas in im Gazastreifen verhöhnt hatte. «Nur um es zu sagen, einige der Gefangenen, die immer an den Protesten [gegen die Regierung] teilgenommen haben, geniessen jetzt wilden Sex in Gaza.»

Mit einem erneuten dringlichen Appell wurde die Bevölkerung vom nördlichen Teil des Gazastreifens noch einmal aufgefordert, zwischen 10:00 und 16:00 heute ihre Wohngebiete zu verlassen und sich im Süden des Landes in Sicherheit zu begeben. In einer auf Arabisch verfassten Nachricht waren auch zwei gesicherte Fluchtkorridore eingezeichnet. Israel hat sich gemeinsam mit den USA und Ägypten darauf geeinigt, dass ausländische Bewohner des Gazastreifens über Ägypten ausreisen dürfen. Bei den ersten gezielten Angriffen der IAF wurden leider 70 Gazaner getötet, die sich geweigert hatten, ihre Wohnungen zu verlassen. Das behauptet zumindest die Hamas. Ein ranghoher PLO-Mitarbeiter bezeichnet die Evakuierung der Bürger des nördlichen Gazastreifens als Kriegsverbrechen, welches der Serie anderer Kriegsverbrechen der Israelis hinzugefügt werden müsse. Er rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, dazu beizutragen, den Genozid in Gaza zu beenden
Mahmoud al-Zahar, ehemaliger Aussenminister der PA und Mitbegründer der Hamas gehört zu den «top-five» des radikalen Flügels der Terrororganisation. Er gilt nach wie vor als ihr Sprecher. Im Jahr 2008 betonte er in einem Interview mit der britischen Zeitung «Economist»: «Wir Palästinenser waren niemals in der Geschichte ein unabhängiger Staat. Wir waren Teil eines arabischen und eines islamischen Staates.» Seither muss sich seine Meinung grundlegend geändert haben. Im Dezember des vergangenen Jahres hatte er in einem Video bei MEMRI-TV festgehalten: «Die gesamten 510 Millionen Km2 der Erde werden zu einem System werden, wo es keine Ungerechtigkeit, keine Unterdrückung, keinen Zionismus und keine jüdischen und christlichen Verräter mehr geben wird. Nur dann, wenn alle unser [das muslimische] Gesetz annehmen, wird es Frieden geben.»
Israel ist also nur der Anfang der Pläne zur Weltübernahme der Hamas, als Teil der islamischen Bruderschaft. Die Hamas hatte für gestern zu einem weltweiten «Tag der Rache» aufgerufen. Auf der ganzen Welt wurden für jüdische Einrichtungen verstärkten Schutzmassnahmen eingerichtet. In Peking wurde ein Mitarbeiter der israelischen Botschaft von einem Mann angegriffen und mit einem Messer schwer verletzt. Sein Zustand wird als stabil bezeichnet. China gehört zu den Staaten, die den Terror der Hamas nicht ausdrücklich verurteilt haben. In Vaduz, der Hauptstadt von Liechtenstein, wurde am Freitagabend ein Volksfest in der Innenstadt abgebrochen und das Stadtzentrum hermetisch abgeriegelt. Ein Mann, der «Palästina unterstützen» wollte, hatte bei einem Anruf gedroht, mehrere Bomben gelegt zu haben. Die Sperre wurde heute am Vormittag wieder aufgehoben, nachdem keine Bomben gefunden wurden. Der Pariser Louvrewurde nach einer entsprechenden Drohung am Vormittag geschlossen, die Untersuchungen laufen noch. In der nordfranzösischen Stadt Arras wurde gestern ein Mann getötet und drei weitere Menschen wurden verletzt, als ein Tschetschne, der als islamistischer Gefährder galt, eine Messerattacke ausführte. Ebenfalls von Bombendrohungen betroffen waren am Nachmittag Schloss Versailles und der Gare-de-Lyon, die beide evakuiert wurden.

Wie konnte der Überfall der Terrororganisation Hamas so problemlos und ungehindert vor sich gehen? Bei zumindest einem der getöteten Terroristen wurden Dokumente gefunden, die darauf schliessen lassen, dass sie über sehr genaue Informationen aus dem hochsensiblen Bereich der IDF verfügten. Aufgrund von exakten Plänen wussten sie genau, wo die Ziele, die sie angreifen sollten, lagen und wo die Schwachpunkte in der Sicherheit lagen. Ihre Aufgabe war klar definiert. Sie sollten die Zeit, bis militärische Verstärkung eintreffen könne so nutzen, dass sie möglichst viele Menschen töten und/oder entführen sollten. Diese Zeit war ihnen mit 3 – 5 Minuten angegeben worden. Tatsächlich dauerte es aber viel länger, nachdem sich weitaus weniger Soldaten und Sicherheitskräfte in der Region befanden. Sie waren auf Wunsch von defacto PM Smotrich über Judäa und Samaria zum Schutz der Siedler dorthin verlegt worden. Nach dieser ersten Überfallswelle sollten die Terroristen auf weitere Instruktionen warten. Die Dokumente wurden im Oktober 2022 ausgestellt, was Rückschlüsse zulässt, dass die Vorbereitungen bereits seit einem Jahr liefen.

In London demonstrierten chassidische angebliche Rabbiner bei einem pro-Palästina Marsch dafür, das gesamte Gebiet zwischen dem Jordan und dem Meer wieder an die Palästinenser «zurückzugeben». Um den Shabbat nicht zu verletzten, wie sie festhielten, waren sie zu Fuss mehr als 5 Meilen gelaufen und hatten die Plakate an der Kleidung festgeklebt. Eine verachtenswerte Show, die mit Religion ganz und gar nichts zu tun hat! Sie waren nicht die einzigen Chassiden, die auf dem Piccadilly Circus an der Veranstaltung teilnahmen. Wie Sky news berichte, wurde noch eine weitere Gruppe unter den Teilnehmern gesichtet.
Beim ersten Vorrücken nach Gaza fand die IDF sterbliche Überreste von nach Gaza entführten Israelis und konnte auch einige persönliche Gegenstände sicherstellen. Ali Qadi, Chef der Nakba Terrorgruppe, der die Angriffe vom vergangenen Samstag weitgehend koordiniert hatte, wurde bei einer gezielten Aktion durch die IAF eliminiert. Die Mitglieder dieser Terrorgruppe wurden bereits nahezu vollständig neutralisiert.

Die zum Dienst eingezogenen Reservisten an der Grenze zu Gaza beklagen, dass sie nur unzureichend mit überlebensnotwendigem Schutzmaterial ausgestattet werden. So fehlen nach wie vor Keramikplatten, die die schusssicheren Schutzwesten gegen Langwaffenschützen. Nachtsichtgeräte und geschützte Jeeps stehen nicht in ausreichender Menge zur Verfügung. Nachdem es in Gaza keine Stromversorgung mehr gibt, müssen sie in stockdunkler Nacht vorrücken, die Batterien der offiziellen Telefone sind irgendwann leer und können nicht aufgeladen werden. Auch die Panzerwagen sind alt und bieten nur unzureichenden Schutz vor Panzerabwehrfeuer. Im Jahr 2014 waren in einem solchen Vehikel sieben IDF-Soldaten bei einem Überraschungsangriff der Hamas in Gaza getötet worden. Auf eine dringende Anfrage hin hiess es aus der IDF: «Wir versuchen, die fehlenden Ausrüstungsstücke so schnell wie möglich zu beschaffen.» Am vergangenen Sonntag hatte man noch behauptet, dass alles in ausreichender Menge da sei und es sich nur um ein logistisches Problem handele.
Ist das bereits eine direkte Folge der unsäglichen Budgetpolitik der Nicht-Regierung, die Budgetgelder locker von einem Resort zum anderen verschiebt, um alle Wünsche, vor allem von Ben-Gvir, Smotrich und den ultra-orthodoxen Koalitionsmitgliedern zu befriedigen? Und deshalb auch dem Verteidigungsministerium und der IDF Gelder abgezogen hat. Wenn der Verdacht sich bestätigen sollte, dann ist das nachweislich eine unglaublich fahrlässige Entscheidung, die letztlich auf das Konto des PM geht.
Kategorien:Israel
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