Noah, Bereshit  6:9 – 11:32

Haftara: Isaiah 54:1 – 10

ב“ה

5./6. Cheschwan 5784                                                    20./21. Oktober 2023  

Shabbateingang in Jerusalem:                                                                      17:22

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                                     18:37

Shabbateingang in Zürich:                                                                              18:12

Shabbatausgang in Zürich:                                                                             19:14

Shabbateingang in Wien:                                                                                17:30

Shabbatausgang in Wien:                                                                               18:42

Chagall, Noah und der Regenbogen

Im Wochenabschnitt lesen wir heute, wie Gott die Welt mit der grossen Flut strafte. Noah, seine Familie und von jedem Tier ein Paar überlebten. 

Der erste Teil des Wochenabschnitts beginnt mit einer grossen Katastrophe, endet aber nach 40 Tagen mit einem feierlichen Bund und Versprechen. Der zweite Teil beschreibt die Überschwänglichkeit, ja Selbstüberschätzung der Menschen gegenüber Gott und endet in Frustration, Trauer und Abschied. Gott zerstörte den Turm von Babylon, gab den Menschen statt einer gemeinsamen viele Sprachen und verstreute sie über die ganze Erde.

In der Haftara lesen wir aus dem Buch Isaiah, der etwa zwischen 740 und 701 BC lebte. Die zweimalige Erwähnung von König Kyros II in Isaiah 44:28 ff lässt aber vermuten, dass dieser Text nicht von Isaiah selbst verfasst wurde, sondern aus seiner Schule stammt und ihm deshalb zugeordnet wird. Unter der Herrschaft von Kyros II, 559-530 BCE, lebten die Israeliten im Exil in Babylon, das er 539 eroberte. 

Isaiah beschreibt in seinen Worten die Stadt Jerusalem, Zion, die in der theologischen Literatur oft als Frau beschrieben wird. Zur Zeit Isaiahs neigt sich die Herrschaft der Assyrer ihrem Ende zu. Das kleine Südreich, Judäa, wird, so die Prophetie Isaias, wieder mit dem weitaus grösseren Nordreich, auch Israel genannt, vereint werden «Mach den Raum deines Zeltes weit!» (54:3ff) Er fordert Jerusalem stellvertretend für die Israeliten auf, zu jubeln. Der Bund, den Gott mit Noah geschlossen hat, (Gen 9:1) enthielt als erstes die Aufforderung «Seid fruchtbar, vermehrt euch und bevölkert die Erde!» Jerusalem wird zurückkehren zu ihrem alten Glanz. Während des Exils war Jerusalem versunken in Scham. Die Fehler der Menschen hatten dazu geführt, dass der Tempel zerstört wurde. Grundloser Hass, sinat chinam, hatte die Menschen erfasst. Sind wir heute besser? Menschen tendieren dazu, von einem Extrem ins andere zu fallen. Heute verblendet uns nur allzu oft ahavat chinam, die uns in den sozialen Medien glauben lässt, unsere virtuellen Gesprächspartner in den sozialen Medien entsprächen den echten Freunden in unserem Leben. 

Der Tempel lag in Trümmern und Gott, der Bräutigam, hatte sich abgewandt. Doch verlässt man seine einst geliebte Ehefrau auf Dauer, wenn sie nicht mehr in der Blütezeit ihrer Jahre steht? Nein, man wird einen neuen Zugang, eine neue Art der Beziehung zu ihr finden. Iasiah weiss das und er fordert deshalb die Israeliten auf, neuen Wohnraum zu schaffen, für die zahlreichen Kinder, die das Land wieder bevölkern werden. In seinen Prophezeiungen sieht er ein Land, das grösser ist als das Königreich Davids, welches ja erstmals das vereinte Nord- und Südreich, Judäa und Samaria umfasste. 

Gott hat Zion, und damit den Israeliten ein grosses Versprechen gegeben, das er ihnen durch seinen Propheten weitergibt. Huld und Erbarmen wird er mit seinem Volk haben. Er wird nie wieder eine so grosse, alles zerstörende Flut bringen. Er geht sogar so weit, zu versprechen, dass er seine Güte nie wieder abziehen und den Friedensbund nie lösen wird. 

Wir wissen heute, dass Stolz und Hass auch den zweiten Tempel zerstört hat. Wieder wurden die Israeliten ins Exil geschickt. Zwar können wir heute weltweit in einer gemeinsamen Sprache kommunizieren, wir haben auch wieder ein Land, in dem wir hoffen in Frieden leben zu können. 

Wie fragil diese Hoffnung ist, das müssen wir derzeit erleben. Heute ist es nicht der von uns ausgehende sinat chinam, heute geht er von anderen aus. Und doch sind es wieder wir, die leiden. Trotzdem dürfen wir nicht den Hass in uns übermächtig werden lassen. Auch auf der anderen Seite der Grenze leben unschuldige Menschen, die unser Mitgefühl verdienen.

Shabbat shalom!



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