Krieg in Israel – Tag XV

6. Cheschwan 5784

Gestern Abend kam auf einmal eine völlig unerwartete Information: Zwei Geiseln der Hamas-Terroristen, der Middle East Monitor nennt sie Widerstandsgruppe, sind frei! Nathalie und Judith Raanan wurden an der Grenze dem Roten Kreuz übergeben. Dieses brachte sie zurück nach Israel, um zu ihrer Familie zurückzukehren. Der Gesundheitszustand der beiden wurde vom Vater, mit dem sie unmittelbar nach der Freilassung telefonierten, als gut bezeichnet. Vom Kibbutz Nahal Oz, wo sie die Mutter von Judith besucht hatten, waren sie am 7. Oktober von den Terroristen entführt und nach Gaza verschleppt worden. Mutter und Tochter sind US-amerikanische Staatsbürger. Begleitet wurden sie bei ihrer Rückkehr von Brigade General Gal Hirsch, der vom PM als Koordinator für Geiseln und vermisste Personen eingesetzt worden war. Zunächst trafen sie mit ihrer Familie in einem Militärstützpunkt im Zentrum des Landes zusammen. Die Übergabe fand, so die Hamas, aus «humanitären Gründen» statt, wird von Israel jedoch als weiterer Schritt angesehen, durch gezielte Aktionen ihr Image positiv aufzupolieren. Die Hamas gab an, der Gesundheitszustand der Mutter sei der Grund für die Freilassung gewesen. 

Die Zahl der nach Gaza verschleppten Menschen hat sich auf 210 erhöht.

Katar hatte die Verhandlungen mit der Hamas, die zur Freilassung der Geiseln führten, geleitet, sagte eine hochrangige diplomatische Quelle gegenüber der Times of Israel und fügte hinzu, dass auch die Vereinigten Staaten zu den Bemühungen beigetragen hätten. Die beiden Freigelassenen telefonierten unmittelbar nach ihrer Freilassung mit US-Präsident Joe Biden. Eine «Gegenleistung» von Israel sei nicht gefordert und daher auch nicht gegeben worden.

Während der Nachtstunden wurden in Judäa und Samaria 68 Hamas-Angehörige festgenommen. Damit erhöht sich die Zahl der Festnahmen auf 670. 450 von ihnen sind als aktive Hamas-Terroristen bekannt. Unter den gestern Festgenommenen befindet sich auch der Mörder des amerikanisch-israelischen Doppelbürger Elan Ganeles, der im Februar dieses Jahres Opfer der Terroristen wurde.

Nach der Freilassung der zwei Geiseln baten die USA und einige europäische Staaten, den für die geplanten Bodenoffensive vorgesehenen Start zu verschieben. Sie vermuten, dass durch den damit verstärkten Druck auf die Hamas-Terroristen weitere spontane Freilassungen verhindert werden könnten. Zahlreiche Geiseln stammen aus jenen Staaten, die nun Druck auf Israel machen. Gibt Israel den Aufforderungen nach, ohne dass es weitere Freilassungen gibt, zeigen sie Schwäche und Erpressbarkeit gegenüber der Hamas, geben sie den Forderungen nicht nach, so wird man sie der vorsätzlichen Gefährdung der Geiseln beschuldigen. Darüber bietet jeder Tag, an dem die Bodenoffensive nicht stattfindet, den Terroristen Zeit und Gelegenheit, sich weiter in ihren Tunnelsystemen einzurichten und Waffen gegen Israel zu beschaffen. 

Eine Ungeschicklichkeit führte zu einer Aussage des US-Präsidenten, die mittlerweile korrigiert wurde. Noch auf dem Rückflug die die USA antwortete er auf die Frage, ob Israel die Bodenoffensive verschieben solle, mit «Ja.» Später korrigierte der Sprecher des Weissen Hauses, Ben LaBolt: «Der Präsident stand weit entfernt, es war sehr laut im Flugzeug. Er hat nicht die ganze Frage gehört. Die Frage klang für ihn wie ‚Möchten Sie, dass mehr Geiseln freigelassen werden?‘ Zu nichts anderem hat er sich geäussert.» Ich schätze US-Präsident Joe Biden sehr, aber ein solcher Lapsus darf einfach nicht passieren. 

Am Freitagabend, wenn sich traditionell Freunde und Familie an einer festlichen Shabbat Tafel versammeln und gemeinsam festlich den Shabbat begehen, blieben in Tel Aviv 203 Stühle an einer langen Tafel unbesetzt. Jeder Platz war festlich eingedeckt. Challot, Wein und Blumen warteten auf die Gäste. Doch die kamen nicht. An jedem Stuhl war ein Schild befestigt, auf dem stand «Geisel». Die Installation trug den Namen «Der leere Shabbat-Tisch» und fand schnell Nachahmungen weltweit, darunter in den jüdischen Quartieren von Rom und Sydney. 

Die ersten 20 LKWs mit Hilfsgütern konnten heute endlich die Grenze von Ägypten nach Gaza überqueren. Sobald die LKWs die Grenze passiert hatten, wurde diese wieder von den Ägyptern geschlossen. Die ersten 20 sollen nicht die letzten sein, betonte Martin Griffiths, von der UN. Mittlerweile stauen sich mehr als 200 Lieferungen vor der Grenze. Auf den LKWs befinden sich mehr als 3.000 Tonnen von Lebensmitteln, Medikamenten, medizinischer Ausstattung und Wasser. Gleichzeitig verliessen ausländische Bewohner den Gazastreifen, nachdem in den kommenden Tagen mit völlig unübersichtlichen Situationen gerechnet werden muss. Wann der nächste Transport folgen darf, ist unbekannt. Ebenso, was der Grund für diese stark eingeschränkte Abfertigung ist.

Israel hat Bürger, die sich in Ägypten, Jordanien, der Türkei, den VAE, Bahrain und Marokko aufhalten, dringend aufgefordert nach Israel zurückzukehren. Ebenso sollen Reisen nach Malaysia, Bangladesch, Indonesien und die Malediven vermieden werden. Das Aussenministerium warnt, dass in diesen, aber auch allen anderen muslimischen Ländern ein erhöhtes Sicherheitsrisiko besteht. Wer bleiben muss, soll unbedingt auf jüdische Symbole, wie Kippot oder Magen David, sowie Unterhaltungen in Ivrith verzichten.

In Ägypten findet heute ein Gipfeltreffen über den Krieg zwischen Israel und der Hamas statt. An dem Treffen werden Staats- und Regierungschefs u.a. aus Katar, den Vereinigten Arabischen Emirate und der Palästinensischen Autonomiebehörde teilnehmen. Auch die Regierungschefs von Italien, Spanien, Griechenland und Kanada, sowie der Präsident des Europäischen Rates werden mit dabei sein, ebenso wie die Aussenminister von Deutschland, Frankreich, GB und Japan. So berichten es staatliche ägyptische Medien. König Abdullah II hat sich bei der Sitzung kritisch geäussert, wie Israel auf die Massaker an seinen Bürger reagiert. «Das unerbittliche Bombardement in Gaza ist auf jeder Ebene grausam und skrupellos. Es ist eine kollektive Strafe für eine belagerte und hilflose Bevölkerung. Es ist ein eklatanter Bruch des humanitären Völkerrechts. Es ist ein Kriegsverbrechen. Je mehr die Krise an Grausamkeit gewinnt, desto weniger scheint es die Welt zu interessieren. Die Botschaft an die arabische Welt ist klar. Palästinensische Leben sind weniger wert als israelische. Unsere Leben sind weniger wert als die anderer.» Kein Wort zum grausamen Terror-Angriff, kein Wort der Verurteilung der Hamas-Terroristen. Ägyptens Präsident Abdel Fattah el-Sisi sieht den Krieg in Nahost als »beispiellose Krise«. «Die Menschen der Welt schauen heute genau auf uns». Auch er kritisierte, dass die Weltgemeinschaft schweige, während 1,5 Millionen Menschen im Gazastreifen «belagert, kollektiv bestraft und gewaltsam vertrieben» würden. PA-Präsident Mahmoud Abbas betonte: «Die Bevölkerung wird den israelischen Angriffen trotzen. Wir werden niemals gehen. Wir werden niemals unser Land verlassen. Wir werden aufrecht auf unserem Land stehen bis zum EndeDer Strudel der Gewalt erneuert sich ständig, weil es an Rechten für die Palästinenser mangelt und diese vernachlässigt werden.» Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock hielt fest: «Terrorismus hilft niemandem in der Region.»

Welches Land fehlt, obwohl man leider annehmen muss, dass es genau dieses Land sein wird, über das zu Gericht gesessen werden wird? Ja, richtig erkannt, Israel!

Mit dem Friedensvertrag mit Saudi-Arabien wird es wohl so bald nichts werden. Nicht nur, dass die Saudis alle ihre diesbezüglichen Pläne eingefroren haben. Der ehemalige Geheimdienstchef und Botschafter in den USA, Prinz Turki al-Faisal, gehört zwar nicht zur saudischen Regierung, steht dem Königshaus aber sehr nahe und hat dort eine wichtige Stimme. Einerseits verurteilte er die Terrororganisation Hamas scharf: «Ich verurteile kategorisch, dass die Hamas Zivilisten jeden Alters oder Geschlechts ins Visier nimmt, wie es ihr vorgeworfen wird. Solche Anschläge widerlegen den Anspruch der Hamas auf eine islamische Identität. Ich verurteile Hamas auch dafür, dass sie der israelischen Regierung einen höheren moralischen Standard zubilligen, einer Regierung, die weltweit kritisiert und auch im Inland als faschistisch, schändlich und abscheulich eingestuft wird.» Gleichzeitig ging er aber auch mit Israel hart ins Gericht: «Ich verurteile aber auch Israels wahllose Bombardierung unschuldiger palästinensischer Zivilisten im Gazastreifen und den Versuch, sie gewaltsam in den Sinai zu treiben. Ich verurteile Israels gezielte Tötungen und die wahllose Verhaftung von palästinensischen Kindern, Frauen und Männern im Westjordanland. Zweimal Unrecht ergibt nicht einmal Recht. Ich höre in den amerikanischen Medien immer wieder die Formulierung „unprovozierter Angriff“. Was braucht es mehr an Provokation als das, was Israel dem palästinensischen Volk seit einem Dreivierteljahrhundert angetan hat.» Das komplette Interview gibt es hier.

Während US-Präsident Joe Biden Israel dringend ersucht, keine zweite Front im Norden mit der Hisbollah zu eröffnen, wurde ein israelisch-amerikanischer Reservesoldat Opfer einer libanesischen Panzerabwehrrakete aus dem Libanon. Als Antwort auf den fortgesetzten Beschuss durch die Terrorgruppe reagiert Israel mit gezielten Angriffen auf deren Stellungen. VM Yoav Gallant betonte: «Sie haben beschlossen, sich in den Krieg einzumischen, sie werden einen schweren Preis zahlen. Ich gehe davon aus, dass die Herausforderungen noch grösser sein werden, als sie jetzt sind. Das muss man berücksichtigen, um wie eine gespannte Sprungfeder auf jede Situation vorbereitet zu sein.» Der US-amerikanische Präsident ist besorgt, dass die USA ungewollt in den Krieg hineingezogen werden könnten. Es scheint, als ob das schöne Bild von herzinniger Gemeinsamkeit zwischen Biden und Netanyahu hinter den Kulissen auch Sprünge hat, die der Öffentlichkeit verborgen bleiben sollen. 

Ein von der BBC geplanter TV-Bericht aus dem «Galilee Medical Center in Nahariya» wurde von den Betreibern des Spitals abgesagt. Der Grund für die Absage liegt in der einseitigen und israelfeindlichen Berichterstattung des beliebten britischen Staats-TVs. Das Spital liegt nur 10 km von der libanesischen Grenze entfernt und hat bisher mehr als 170 verletzte Soldaten stationär aufgenommen und zahlreiche weitere ambulant behandelt. Die BBC weigert sich nach wie vor, die Hamas als das zu bezeichnen, was sie ist: Eine Terror-Organisation. In ihren Berichten spricht BCC immer von einer «militanten Gruppe». Sie beeilte sich, die Explosion des Krankenhauses in Gaza am Dienstag, Israel zuzuschreiben. Auch nachdem Geheimdienste und Analysen der IDF bewiesen hatten, dass die von einer aus Gaza abgeschossenen Rakete verursacht worden war, korrigierten sie ihren Bericht nur sehr halbherzig unter ferner liefen….  

An der Kaplan Strasse in Tel Aviv demonstrierten bis zum grausamen Überfall durch die Hamas-Terroristen wöchentlich Hunderttausende gegen die geplante Abschaffung der Gewaltenteilung der Regierung. Jetzt wird dort wieder protestiert. Familienangehörige, Freunde und Israelis ohne direkten Bezug zu ihnen fordern auf Plakaten, dass die Regierung und die IDF dafür sorgt, die Geiseln, die von der Hamas-Terrororganisation in Gaza festgehalten werden, nach Hause zu bringen. 



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