9. Cheshwan 5784
Zwei weitere Geiseln wurden gestern Abend von den Hamas-Terroristen an den Grenzübergang Raffah gebracht und von dort mit einem IDF-Militärhubschrauber ins Ichilov- Krankenhaus nach Tel Aviv geflogen. Dort warteten bereits die Familienangehörigen auf sie. Die Ehemänner der beiden Frauen sind nach wie vor in den Händen der Hamas-Terroristen. Bei den befreiten Geiseln handelt es sich um Nurit Cooper, 79, und Yocheved Lifshitz, 85, beide aus dem Kibbutz Nir Oz. Die beiden Frauen wurden bereits in der Ambulanz erstversorgt. Von der Hamas-Terrororganisation wurde als Grund für die Freilassung «humanitäre Gründe» angegeben. Die Freilassung erfolgte nach intensiven Bemühungen durch Ägypten.

Yocheved Lifshitz, die auf einen Rollstuhl angewiesen ist, kann nur mit brüchiger Stimme erzählen. Äusserlich scheinbar gesund und unverletzt, sind die inneren Spuren der letzten Tage deutlich zu erkennen. Sie sei während der Fahrt in den Gazastreifen immer wieder mit Stöcken geschlagen worden. Die Entführer hätten sie in ein «Spinnennetz von Tunnels gebracht.» Bevor sie in den Tunnel gebracht wurden, habe man ihr den Schmuck und die Uhr abgenommen. Man habe sie gezwungen, sich zu Fuss quer durch ein Feld zu schleppen. Zunächst sei sie mit etwa 20 weiteren Geiseln in einem Raum gewesen, dann habe man sie zusammen mit drei weiteren abgesondert. Die Behandlung sei gut gewesen, man habe sie mit Medikamenten und Essen versorgt. «Jedem wurde eine Betreuungsperson zugeteilt, die gut auf uns aufpasste. Sie versorgten uns mit allem, was wir brauchten, sprachen mit uns über alles mögliche. Und die waren sehr freundlich.»

Das Live-Interview mit Yocheved Lifshitz, unmittelbar nach ihrer Befreiung aus den Fängen der Hamas-Terroristen, trifft auf heftige Kritik. Ist es eine Form von seriöser Berichterstattung, wenn man die Frau, die gerade 17 Tage unter schwersten Bedingungen in Geiselhaft war, vor die Kameras zerrt und interviewt? Sie zu Aussagen zwingt, um die Sensationslust der Zuhörer und Zuschauer zu befriedigen? Ist es hilfreich für die Geiseln, die sich im Gazastreifen befinden, darunter auch ihr Mann? Ist es nicht doch pure Propaganda, die ihr eingetrichtert wurde und die u.a. von Sky News begierig aufgenommen wurde? Hamas darf sich nach diesen für den Journalismus unglaublichen Fehlgriff weltweit ungehindert als humanitäre Organisation präsentieren. Eine Terror-Organisation, die ähnlich inhuman agiert wie ISIS und die NAZIs, darf sich im besten Glanz zeigen. Ein Schlag ins Gesicht der öffentlichen Demokratie. Das ist nicht das wahre Gesicht der Hamas, aber das ist das Gesicht, das die Welt jetzt noch dazu live übertragen aus Israel zu sehen bekommt. Welche Folgen dies für die Verhandlungen über die Befreiungen der Geiseln haben wird, ist noch völlig ungeklärt. Jede Pressekonferenz zur Preisverteilung eines Kleintierzüchtervereins ist besser vorbereitet.

Die IDF hat Flugblätter über Gaza abgeworfen. Auf diesen werden die Palästinenser aufgefordert, alle Beobachtungen und Information zu den israelischen Geiseln an sie weiterzugeben. «Wenn ihr in Frieden zu leben und eine bessere Zukunft für eure Kinder haben wollt, dann teilt uns verifizierte und wertvolle Informationen über Geiseln mit, die in eurem Gebiet festgehalten werden. Das israelische Militär versichert euch, dass es maximale Anstrengungen unternehmen wird, um für eure Sicherheit und die eures Hauses zu sorgen. Ihr werdet eine finanzielle Belohnung erhalten. Wir garantieren euch absolute Vertraulichkeit.» In dem Flugblatt waren Telefonnummern aufgeführt, unter denen man sich mit Informationen melden konnte.
Das akademische Jahr an den Universitäten in Israel wird zumindest bis zum 3. Dezember, wenn notwendig bis zum Ende der Einsatzzeit der Reservisten, verschoben. Mehr als 30 % aller Studenten gehören zu dieser Gruppe. Der tatsächliche Beginn des Semesters wird mit einer Vorlaufzeit von zwei Wochen angekündigt werden. Um dennoch ein möglichst vollständiges akademisches Jahr zu gewährleisten, wird das Sommersemester nach hinten verschoben werden. Nur die «Rothberg International School» an der Hebrew University, an der ausschliessliche Hebräisch geehrt wird, arbeitet derzeit, allerdings ausschliesslich mit Zoom-Veranstaltungen.
Der französische Präsident Emmanuel Macron ist heute am frühen Vormittag zu seinem Solidaritätsbesuch in Jerusalem angekommen. Nach Gesprächen mit dem PM und dem israelischen Präsidenten wird er an einem Treffen im grösseren Rahmen teilnehmen. Der Präsident wird sich auch mit seinem Botschafter in Israel, Frédéric Journès und dem Militärattaché treffen. Präsident Herzog hielt fest, dass «die Situation extrem schwierig und zerbrechlich ist. Wir verlangen die vollständige und sofortige Freilassung der Geiseln. Wir machen dabei keinen Unterschied zwischen Israelis und Bürgern anderer Staaten.» Macron, dessen Land leider auch bittere Erfahrungen mit dem Terror hat, versicherte den Präsidenten seiner uneingeschränkten Unterstützung. Präsident Macron reist im Anschluss an die Treffen nach Ramallah, um sich dort mit PA-Präsident Abbas zu treffen. Dieser Besuch wurde aber bisher vom französischen Präsidialamt nicht bestätigt. Dem PM scheinen, wie in letzter Zeit schon häufiger zu hören war, die Argumente auszugehen. «Die Hamas ist wie die Nazis.» erklärte er dem Besucher aus Frankreich. Hat er nicht mehr zu sagen, als diese redundante und stupide Wiederholung einer allseits bekannten Information?
Der italienische Aussenminister Tajani musste den Tod der als vermisst geltenden italienischen Staatsbürgerin, Nir Forti, 29, bekanntgeben. Sie hatte mit zwei weiteren Italienern am Musikfestival teilgenommen. Damit ist es traurige Gewissheit geworden, dass alle drei italienischen Vermissten von den Hamas-Terroristen ermordet worden sind.

In den vergangenen Tagen wurden immer wieder mahnende Worte laut, dass die unterbrochene Treibstoffzufuhr in den Gazastreifen zu humanitären Katastrophen führen werde. Vor allem in den Krankenhäusern würden, so die Sprecher der Hamas-Terrororganisation «massenhaft Patienten sterben, weil sie nicht ordnungsgemäss behandelt und betreut werden können.» Nun sind in der Nähe des Grenzübergangs Raffah 12 Treibstofftanks mit einem Fassungsvermögen von etwa 500.000 lt Diesel entdeckt worden. Diese Entdeckung deckt sich in etwa mit Aussagen der UNRWA, die sich beklagte, dass von für sie bestimmten Lieferungen immer wieder grosse Mengen von der Hamas zu eigenen Zwecken gestohlen würden. Der Treibstoff würde für Tunnelanlagen, Abschussrampen und auch für den privaten Gebrauch der Terror-Führung genutzt.
Seit gestern hat die IAF mehr als 400 Ziele der Hamas angegriffen. Unter den Zielen waren Moscheen, die als Abschussrampen vorbereitet waren, Eingänge zu den Tunnelsystemen und Kommandozentralen. Bei den Angriffen wurden auch die stellvertretenden Führer einiger wichtiger Terror-Bataillone getötet.
Die USA zeigen sich besorgt, dass Israel keine klaren und erreichbaren Ziele für den Krieg mit Gaza habe und dass die IDF nicht bereit für die Bodenoffensive ist. Das ging aus einer Meldung aus dem Umfeld der Verwaltung aus dem Weissen Haus hervor. Es gab Marathon-Sitzungen und Telefonate zwischen den bilateralen Kollegen, um die Bodenoffensive vorzubereiten. Man war davon ausgegangen, die Offensive hätte gestern beginnen sollen. Verteidigungsminister Lloyd Austin telefonierte fast täglich mit seinem israelischen Amtskollegen Yoav Gallant. Der drängte darauf, sorgfältig zu überlegen, wie die IDF-Truppen den Einmarsch in den Gazastreifen durchführen, wo die Terroristen von Tunneln und dicht besiedelten Gebieten aus operieren werden, berichtete die New York Times am Montag unter Berufung auf ungenannte US-Beamte. Im Vergleich zur Beseitigung der ISIS in Mosul betonte Austin: «Der Kampf in Städten ist extrem schwierig. Es geht nur langsam voran. Dies könnte etwas schwieriger sein, weil die Hamas im Laufe der Zeit ein unterirdisches Tunnelnetz aufgebaut hat und weil sie viel Zeit hatten, sich auf einen Kampf vorzubereiten.» Israel müsse sich entscheiden, ob sie gegen Hamas mit gezielten «chirurgischen Schlägen» oder mit einer umfassenden Bodenoffensive vorgehen wolle. Die Amerikaner gingen davon aus, dass sie noch «keinen realisierbaren Aktionsplan gesehen haben, um das erklärte Ziel von Premierminister Benjamin Netanjahu, die Hamas auszurotten, zu erreichen.» Michael Herzog, Israels Botschafter in den USA, sagte gegenüber CNN: «Es gibt wirklich keinen Druck. Sie geben uns Ratschläge, aber sie sagen uns nicht, was wir tun oder nicht tun sollen.»Auch Beamte der Regierung Biden haben sich öffentlich in ähnlicher Weise geäussert. Zur Unterstützung bei der Planung der Bodenoffensive schickten die USA hochrangige Offiziere nach Israel. Die Soldaten waren beim Kampf gegen ISIS dabei.
Keinen Platz für Evakuierte gibt es bald mehr in Israel. Hotels, Gästehäuser und andere gewerbliche Unterkunftsbetriebe werden innerhalb der kommenden Tage an die Grenzen ihrer Kapazitäten stossen. Insgesamt sind davon derzeit bis zu 200.000 Personen betroffen. 79.000 Betroffene, die bis zu 4 km von der Grenze zu Gaza oder dem Libanon wohnen, dürfen die volle Unterstützung durch die Regierung beanspruchen. Dabei steht es ihnen frei, ob sie tatsächlich eine Unterkunft beziehen, oder das Geld nehmen wollen. Das wird vor allem bei den Personen der Fall sein, die Unterkunft bei ihrer Familie oder Freunden finden können. Neben den täglichen Geldern zur Abdeckung von persönlichen Bedürfnissen in Höhe von US$ 50 pro Tag wird ihre Unterbringung und Verpflegung mit US$ 80 pro Nacht/Person abgegolten. Für die Gruppe der Betroffenen ausserhalb der 4 bis 7 km Zone enden die Ansprüche am 2. November. In einigen Fällen ist dieser Radius eine willkürlich gezogene Grenze, die nicht den Kriegsrealitäten entspricht.
Ein Video wurde vom Shin Bet freigegeben, welches die Befragung von sechs festgenommenen Hamas-Terroristen zeigt. Die Terroristen werden auf Arabisch vernommen und beschreiben ihre Gräueltaten an unschuldigen Menschen während der Massaker. Hier findet man das komplette Video mit englischen Untertiteln. Die Aufträge an sie waren klar formuliert, Vergewaltigung, Folter, Verstümmelung, Mord. Für jede Geisel wurde ihnen in Gaza ein Appartement und US$ 10.000 versprochen.

Oberstleutnant Or Ben-Yehuda ist Kommandantin einer Gruppe des Caracal-Battalions, einer ehemals rein weiblichen Einheit, die heute 70% Kämpferinnen umfasst. Caracal ist eine reine Kampfeinheit. Als der Angriff auf das Grenzgebiet des Gazastreifens begann, verlegte Ben-Yehuda mit gepanzerten Mannschaftstransportern vom Hauptquartier das Bataillon zu einem Posten an der ägyptischen Grenze. Es regnete Raketen, und es gab Warnungen über mögliche terroristische Infiltrationen in den Städten Shlomit und Bnei Netzer. Dann kam eine Nachricht von Oberstleutnant Yonatan Tzur, s’’l, dem Kommandanten des Partrouillen-Batallions «Es gibt eine Infiltration in der Nähe von Sufa und Nirim. Es gibt dort mehrere Terroristen… Sie sind schwer bewaffnet!» Ben-Yehuda informierte ihre Soldaten und machte sich auf den Weg. In der Militärbasis Sufa befanden sich zu dem Zeitpunkt etwa 40 Soldaten und eine grosse Zahl von Terroristen, die sich weitgehend im Speisesaal aufhielten. Plötzlich und aus dem Hinterhalt wurde ihre 12 Soldaten umfassende Gruppe mit mehr als 100 Terroristen konfrontiert, die sofort das Feuer eröffneten. Die Feuergefechte dauerten fast vier Stunden. Weitere Terroristen trafen ein und konnten abgewehrt werden. Dann endlich trafen Soldaten von Shayetet 13 ein, die, unterstützt von Drohnen, die Terroristen eliminierten. Bis der Stützpunkt ausreichend gesichert war, vergingen 14 Stunden. Insgesamt hatten sie rund 100 Terroristen ausgeschaltet und widerlegten damit, dass Frauen nichts in Kampfeinheiten zu suchen hätten.
Kategorien:Israel
Hinterlasse einen Kommentar