Krieg in Israel – Tag XXV

16. Cheschwan 5784

Mehr als 245 Menschen dürften es sein, die die Hamas-Terroristen am 7. Oktober nach Gaza verschleppt haben. Fünf von Ihnen sind mittlerweile frei. Dass diese Zahlen noch nicht endgültig sind, liegt daran, dass immer noch zahlreiche Menschen als vermisst gelten oder noch nicht identifiziert werden konnten. Die Sicherheitskräfte, unterstützt von ZAKA und einem Team von Archäologen arbeiten unermüdlich daran, kleinste aufgefundene Knochen oder Gewebeteile mit Hilfe von DNA-Proben abzugleichen und zuzuordnen. Eine bedrückende Sisyphus-Arbeit, die kaum zu ertragen ist. Es wird noch Wochen dauern, bis alle Opfer identifiziert werden können.

Nach intensiven Verhandlungen mit den USA hat Israel nun einer täglichen Warenlieferung von 100 LKWs von Ägypten nach Gaza zugestimmt. Dies gab ein Sprecher der US-Administration gegenüber Times of Israel bekannt, der auch betonte, dass die Zahl der Lieferungen in den kommenden Tagen schrittweise auf 100 erhöht werden wird. Heute sollen 80 LKWs aus Ägypten in Gaza eintreffen. Das Büro des Premierministers gab eine Erklärung ab, in der es bekräftigte, dass jede humanitäre Hilfe, die in den Gazastreifen gelangen darf die militärischen Bemühungen Israels unterstützt und vor der Einreise kontrolliert wird. Mit den Lieferungen soll für die Bevölkerung ein Anreiz geschaffen werden, den Norden des Landes zu verlassen und in den Süden zu flüchten wo eine «humanitäre Zone» eingerichtet wurde. So soll sichergestellt werden, dass die Zivilbevölkerung bei militärischen Einsätzen der IDF im Norden des Landes weitgehend geschont bleibt. Die Hamas versucht das immer wieder zu vereiteln, indem sie Flüchtende daran hindert, sich in Sicherheit zu bringen und nach Norden zurücktreibt.

Die mit dem Hashtag #Never.Again.Is.Now bekannt gewordene Bewegung hat sich innerhalb weniger Tage weltweit ausgebreitet. Überall finden Solidaritäts-Veranstaltungen statt. Eine der ersten waren die «leeren Shabbat-Tische» in Tel Aviv, die schnell Nachahmer nicht nur in Israel fanden. Mittlerweile gibt es leere Stühle, leere Kinderwagen, Teddybären, Schuhe, leere Betten, und nun gelbe Regenschirme.

Gelbe Schirme waren das Zeichen der Demokratiebewegung in Hongkong im Jahr 2019 und gelbe Bänder waren Zeichen für die heimkehrenden Soldaten im Vietnam Krieg, dass sie daheim noch willkommen waren. Oder auch, weiter zurück in der Geschichte, war Gelb die Farbe der «Juden-Sterne» die die Nazis uns zwangen, an der Kleidung zu befestigen. «Never again! Niemals wieder!» geht zurück auf einen Radiovortrag von Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1966 und bezieht sich auf die politische Erziehung nach der Shoa. Beides zusammengefasst #Never.Again.Is.Now und die gelbe Farbe der Regenschirme sind ein starkes Symbol mit unglaublich hohem Wiedererkennungswert.

Auch der israelische Botschafter zur UNO, Gilad Erdan hat gestern beschlossen, bis es zu einer Verurteilung der Hamas Terror-Organisation in der UNO kommt, einen gelben Juden-Stern mit der Aufschrift «never again» zu tragen. «Einige von Ihnen haben in den letzten 80 Jahren nichts gelernt. Einige von Ihnen haben vergessen, warum dieses Gremium gegründet wurde“, sagte Gilad Erdan, als er den Sicherheitsrat anprangerte, weil er zu den Massakern der Hamas-Terroristen auf Israel am 7. Oktober „geschwiegen“ habe. Dani Dayan, Leiter der Holocaust Gedenkstätte Yad VaShem kritisierte diese Ankündigung: «Der gelbe Aufnäher symbolisiert die Hilflosigkeit des jüdischen Volkes und das Ausgeliefertsein an andere. Heute haben wir ein unabhängiges Land und eine starke Armee. Wir sind die Herren unseres Schicksals. Heute stecken wir uns eine blau-weiße Flagge ans Revers, keinen gelben Aufnäher.»

Leon Harris, im Privatleben Buchhalter, hat eine neue Seite erstellt https://israelok.com. Die Kernaussage lautet: Israel ist ok, Hamas ist es nicht! Ziel der Seite ist es, kurze Zusammenfassungen des Kriegsgeschehens zu geben, aber auch, mit Fake News und Mythen aufzuräumen und diese zu korrigieren. Für Israel-Bürger im In- und Ausland gibt es eine spezielle Seite zu den Themen: Steuern, Abgaben, Sozialversicherung und Kompensierung bei kriegsbedingten Schäden am Eigentum.

Israels «first son», Yair Netanyahu, hat sich aus dem sonnigen Florida wieder einmal zu Wort gemeldet. Im Frühjahr wurde ihm nach völlig unpassenden Statements auf seinen diversen Social Media Accounts vom Vater ein Maulkorb verpasst und er mit einem Einwegticket und ausreichendem Taschengeld in Richtung Florida geschickt. Dort sitzt er nun und geniesst das dolce far niente. Während sich seine Gleichaltrigen aus allen Ecken der Welt zurück zum Dienst in Israel begaben, ignorierte er die entsprechenden Aufrufe. Um jetzt doch noch einen «massgeblichen Beitrag» zum Krieg gegen Gaza zu leisten, forderte er auf «die giftigen und bösartigen TV-Kanäle 11, 12 und 13 zu meiden. Schaut stattdessen das Freitagabendprogramm auf Kanal 14 an.» Warum er diese Warnung an das Volk in Israel ausgab? Ganz klar, die Kanäle 11, 12 und 13 kritisieren regelmässig seinen Vater! Sein Fernbleiben von Israel stösst vor allem bei den Reservisten auf heftige Kritik, die ihren Job im Ausland und ihre Familie verlassen haben und sogar ihre Flitterwochen abgebrochen haben, um ihr Land zu verteidigen. Um sein ewiges Problem mit den israelischen Medien irgendwie in den Griff zu bekommen, hat der PM einen speziellen Mediensprecher ernannt, der ausschliesslich mit den Militär-Korrespondenten kommunizieren soll. Sein Freund Yaacov Barduro, politischer Aktivist und eng verbunden mit dem Likud, sowie Chefsprecher bei Kanal 14, darf sogar regelmässige an den Besprechungen im inneren Kreis der Kriegsregierung teilnehmen und im Namen der Familie Netanyahu den Kontakt mit den Medien halten. 

Wie die IDF mitteilte, wurde heute am frühen Morgen erstmals das neue Raketenabwehrsystem «Arrow-3»eingesetzt. Dieses neue System wurde speziell entwickelt, um Boden-Boden-Raketen bis zu einer Flughöhe von bis zu 50 km, also im Bereich der Stratosphäre, abzufangen. Neben dem altbewährten Iron Dome und dem neueren System David’s Sling ist dies das dritte Abwehrsystem in Israel. Die Anschaffungskosten eines kompletten Systems kosten laut israelischen Angaben etwa € 4 Milliarden. Heute wurden damit drei auf die südliche Stadt Eilat abgeschossenen Raketen abgefangen. Hezam al-Asad, Sprecher der Houthi-Rebellen, die vom Iran militärisch aufgerüstet werden, deutete an, für den Beschuss auf Eilat verantwortlich zu sein. «Vielleicht wissen einige unserer ägyptischen Brüder nicht, dass das ägyptische Dorf Umm al-Raschasch nach seiner Besetzung im März 1949 in die Kolonie Eilat umgewandelt wurde, wo die Besatzung dann eine Militäroperation namens ‚Obda‘ unter der Führung von Yitzhak Rabin startete, die mit der Kontrolle der südlichen Negev-Wüste und Umm al-Raschasch endete.» Dieser Erklärung vorangegangen war am Freitag ein kurzer Eintrag auf «X» mit nur einem Wort «Eilat».

Neue Techniken machen es möglich, dass sich antisemitische Symbole rasend schnell rund um den Globus verteilen. Der Angriff der Hamas-Terroristen auf die Kibbuzim, das Festival-Gelände und Militärbasen erfolgte teilweise mit Paraglidern aus der Luft. Die Paraglider wurden schnell zum neuen Symbol des Antisemitismus im Internet. Aber es sind nicht nur propalästinensische Gruppen, die das Symbol aufgegriffen haben, es sind auch Neonazi-Gruppen, die ihre Internetseiten damit vollpflastern. Neonazis in Florida verkauften bereits zwei Tage nach dem Massaker «Fuck Israel»-Shirts mit Paraglider und AK-47 Gewehren samt Hamas-Terrorist als Sujet, die «Black-lives-Matter»-Bewegung hatte auf einmal auch eine neue Zielgruppe und zeigt es auf ihren Shirts: «I stand with Palestine» ebenfalls abgebildet mit einem Paraglider. Beispiele gibt es noch genug. Besonders perfid sind die mit AI kreierten Bilder, die Bilder mit stereotypen Darstellungen von Juden zu einem Ganzen machen, altbekannte Bilder, nur dass im Hintergrund bewaffnete Hamas-Terroristen an Paraglidern abgebildet sind. Eines schreibt sogar, «Juden vom Himmel aus beschossen». Das Ergebnis, so Active Fence, ein Unternehmen, das versucht, Social-Media-Plattformen sauber zu halten und vor gewalttätigem Extremismus zu schützen, sieht zwischen dem Verschmelzen von islamischen und neonazistischen Ideologien eine grosse Gefahr. «Das Ergebnis ist sehr gefährlich, und wenn nicht dagegen vorgegangen wird, hat es das Potenzial, zu realer Gewalt zu führen und die Sicherheit der Netzwerknutzer zu beeinträchtigen. Die Verbindung zwischen Neonazismus und Islam und damit auch die Unterstützung für die Palästinenser – denn ‚der Feind meines Feindes ist mein Freund‘ – besteht seit dem Zweiten Weltkrieg. Der Mufti von Jerusalem, der sich mit Hitler traf, brachte den antijüdischen Hass der Nazis in den Nahen Osten und in die islamische Welt. Wenn ein Neonazi nach Legitimität strebt, und letztlich strebt jeder nach Legitimität für seine Ideen, kann er nicht sagen, dass er die Araber unterstützt, denn die Neonazis mögen keine Araber. Aber sie trennen die Araber vom Islam und betrachten den Dschihadismus, den radikalen Islam, als Inspirationsquelle.»

Ralph Ghadban, deutsch-libanesischer Publizist, hat gestern im Focus einen Gastbeitrag mit dem Titel «Was die Hamas wirklich vorhat, haben viele immer noch nicht durchblickt» veröffentlicht, den ich hier wirklich zum Lesen empfehle. 

Bei heftigen Feuergefechten in der Innenstadt von Gaza City, an denen Boden- und Luftstreitkräfte beteiligt waren, wurden heute wieder zahlreiche terroristische Infrastrukturen zerstört, Dutzende von Terroristen eliminiert und Waffen beschlagnahmt. In der Nacht war der Kommandant des Beit-Lahiya-Bataillons der Hamas, Nisam Abu Ajina, getötet worden. Er war verantwortlich für die Massaker den Kibbutzim Erez und Netiv Ha’asera und war auch massgeblich an der Entwicklung der Paraglider und Drohnen der Terror-Organisation beteiligt. Die IDF gab soeben bekannt, dass bei den Gefechten zwei Soldaten gestorben und zwei weitere schwer verletzt wurden. In einem der Flüchtlingslager im nördlichen Gazastreifen soll es laut Aussagen der Hamas etwa 50 Tote und 150 Verletzte gegeben haben. Zunächst hatten sie von mehr als 400 Toten und Verwundeten gesprochen. Bisher konnten die Zahlen nicht bestätigt werden.  Die IAF hatte bei dem Angriff Tunnelanlagen bombardiert, die sich unmittelbar unterhalb des dicht bebauten Gebietes befanden. Wie Bewohner des Gebietes angaben, sei unmittelbar nach den Angriffen der Erdboden unter ihnen einfach eingebrochen. Ein Bericht, der das Vorhandensein von Tunnels bestätigt. Der Angriff betraf genau das Gebiet, in dem die IDF die Einwohner zur Evakuierung in den Süden aufgefordert hatte. 

Bei verschiedenen direkten Treffern im auf Häuser im Süden Israels gab es mehrere Verletzte, ein Mann wurde von Schrapnells einer vom Iron Dome abgefangenen Rakete getroffen. 

Eine verstörende interaktive Karte zeigt die Orte, an denen die Massaker der Hamas-Terroristen am 7. Oktober stattfanden. Die Punkte auf den Karten zeigen die Stellen, von denen aus die Geiseln entführt und die Opfer von den Terroristen grausam ermordet wurden. Klickt man einen Punkt an, so erscheint ein Bild mit einem kurzen Text. Diese Karte ist sehr wichtig, um jedem Opfer, ermordet oder verschleppt, ein Bild und einen Namen zu geben. Bei den am stärksten betroffenen Kibbuzim wird das ganze Ausmass des Grauens allein schon durch die hohe Dichte der Punkte erkennbar.



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