Krieg in Israel – Tag XXXIII

24. Cheshwan 4784

Sgt. First Class Jonathan Chazor, s’’l, verlor im Kampf in Gaza sein Leben. Damit erhöht sich die Zahl der gefallenen Soldaten auf 32 seit Beginn der Bodenoffensive und auf 350 seit dem 7. Oktober. Ebenfalls im Kampf gegen die Hamas gefallen ist Sgt. First Class, Yaacov Ozeri, s’’l. Ozeri war Reservesoldat. Beim gleichen Vorfall wurden drei Soldaten zum Teil schwer verletzt. 

Von den etwa 1.400 beim Massaker am 7. Oktober ermordeten Zivilisten und Sicherheitskräften konnten bisher 826 sterbliche Überreste mit Hilfe von DNA-Proben zugeordnet werden. 

Auch heute wird der Fluchtkorridor zwischen 10 und 14 Uhr wieder für Flüchtlinge aus dem nördlichen Gaza offen sein. Der nördliche Gazastreifen ist eines der am heftigsten umkämpften Gebiete im Gazastreifen. Laut Aussagen eines Militärsprechers haben Hunderttausende, andere Zahlen sprechen von nahezu einer Million, bisher Schutz im Süden gesucht. Allein gestern waren es etwa 15.000, die sich auf den nicht ungefährlichen Weg in den Süden machten. Nicht ungefährlich, weil die Hamas-Terroristen immer wieder versuchen, die Fluchtwege abzuschneiden und Menschen erschiessen. Soldaten der IDF geben zwar so gut es geht, Geleitschutz, sind aber gegen die Hinterhalte der Hamas oft machtlos. Der Flüchtlingsstrom hat massiv zugenommen, seit die Bodentruppen nach Gaza City einmarschiert sind. Der Sprecher hielt jedoch fest: «Das Zeitfenster für die Evakuierungen wird sich bald schliessen.» Die Hamas beschuldigt die UNRWA, mit Israel bei der «Zwangsvertreibung» von Bewohnern des Gazastreifens zusammenzuarbeiten. «Die UNRWA und ihre Mitarbeiter tragen die Verantwortung für diese humanitäre Katastrophe, insbesondere für die Bewohner des Gazastreifens und des nördlichen Teils, die sich auf den von den israelischen Streitkräften eingerichteten Routen bewegen, um nach Süden zu fliehen.» Auch heute nutzten etwa 15.000 Menschen die Möglichkeit, im Süden Schutz vor den Kämpfen in Gaza City zu finden. 

40 Philippinos konnten über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten ausreisen. Sie werden nach Kairo gebracht und von dort aus in ihre Heimat zurückfliegen. Dies teilte der Staatspräsident der Philippinen, Ferdinand Marcos, mit. Er rechnet damit, dass sich noch etwa weitere 80 seiner Landsleute im Gazastreifen befinden. 

PM Netanyahu wird für sein heute geplantes Treffen mit lokalen Ortsvorstehern aus den Orten in Grenznähe zum Gazastreifen heftig von den lokalen Politikern kritisiert, weil er sie, wie sie sich beklagen, «übergangen» habe. Die in solchen Fällen seitens des PM schon bekannte Reaktion: «Ich habe schon mit allen Lokalpolitikern telefoniert und mich auch schon mit einigen von ihnen getroffen.» Nachdem die Kritik laut wurde, habe der PM alle Leiter der Regionalräte für ein Treffen am kommenden Freitag eingeladen.

Der US-Aussenminister Antony Blinken erläuterte nach einem G7-Treffen in Tokio, wie er sich die Nachkriegs-Verwaltung im Gazastreifen vorstellt. Eine dauerhafte Besatzung durch Israel lehnt er ab, gibt aber zu, dass eine Übergangszeit möglicherweise nicht vermeidbar ist. «Der einzige Weg, um sicherzustellen, dass so etwas nie wieder passiert, besteht darin, die Bedingungen für dauerhaften Frieden und Sicherheit zu schaffen.» Es dürfe weder jetzt, noch später zu einer systematischen Vertreibung der Gazaner kommen. Es müsse verhindert werden, dass sich dort eine neue Terrororganisation bildet, ebenso, wie auch die terroristische Bedrohung aus Judäa und Samaria ausgeschaltet werden müsse. Das langfristige Ziel sei und bleibe eine Zwei-Staaten-Lösung. Damit widerspricht er den Aussagen des PM, der betont hatte, Israel müsse nach dem Krieg wieder die Sicherheitsverantwortung für Gaza übernehmen. Obwohl er doch weiss, dass es eine Rückkehr zu vor 2005, als sich Israel aus Gaza zurückzog, nie wieder geben wird.

In einem Telefonat mit dem PM forderte US-Präsident Joe Biden vorgestern ebenfalls eine «humanitäre Pause». «I didn’t get a chance to talk to him today. I did ask him for a pause in the past, yesterday. Still waiting to hear from him.» bedauerte Biden gesternLeider zeigt sich, dass er mit der Welt der Terroristen in keiner Weise vertraut ist. Jede angekündigte Pause wird von der Hamas, aber auch von der Hisbollah und den Houthi-Rebellen dazu genutzt, einerseits den Beschuss auf Israel zu intensivieren und andererseits, ihre Waffen- und Munitionsvorräte zu konsolidieren. Diese Erfahrung haben wir bei jeder Operation gegen die Terror-Organisation Hamas machen müssen. 

Die Mitglieder der G7-Staaten, die USA, GB, Kanada, Frankreich, Deutschland, Japan und Italien betonten bei ihrer Sitzung das Recht Israels auf Selbstverteidigung und verurteilten die Hamas scharf. Gleichzeitig betonten sie jedoch die Notwendigkeit einer «humanitären» Pause, um vermehrte und sichere Hilfslieferungen in den Gazastreifen zu ermöglichen. Sie gehen auch davon aus, dass die Freilassung der Geiseln durch so einen Schritt erleichtert und beschleunigt wird. Zu Recht verurteilt wurde die zunehmende Gewalt und Selbstjustiz durch radikale Siedler gegen Palästinenser. Diese würden die schon instabile Lage in Judäa und Samaria noch weiter destabilisieren und die Aussichten auf Friedensverhandlungen bedrohen. 

Nach heftigem Beschuss aus dem südlichen Libanon hat die IAF gestern Abend ein Waffenlager der Hisbollah zerstört. Am Montag forderte der Beschuss durch die Hisbollah ein ziviles Opfer aus Kiryat Shmona. Sein Auto war von einem Schrapnell getroffen worden. Heute wurden zwei Soldaten beim Beschuss mit einer Panzerabwehr-Rakete verletzt. Als Reaktion auf den Beschuss wurden einige Raketen-Abschussrampen durch die IDF zerstört.

In der Nähe der Stadt Bir Zait in Samaria konnte die IDF in der Nacht 37 gesuchte Palästinenser, darunter auch zehn mit der Hamas affiliierte Terroristen festnehmen. In der Nähe der Universität hoben sie auch ein Waren- und Waffenlager der Hamas aus, welche von den Studenten anlässlich von Paraden genutzt wurden. Die Universität ist mit 9.000 Studenten, überwiegend Studentinnen, eine der ältesten der Region. Verwaltet wird die Universität von der Hamas, die im Jahr 2001 die entsprechenden Wahlen gewann. Neben den vier Universitäten und drei Fachhochschulen in Gaza gibt es in Judäa und Samaria neun Universitäten und vier Fachhochschulen. Diese hohe Zahl an Bildungseinrichtungen im universitären Bereich bietet für die Hamas Terror-Organisation und andere terroristische oder radikale Gruppierungen die beste Möglichkeit, junge Menschen zu indoktrinieren. Dadurch ist auch die recht hohe Zahl an Terror-Führern mit akademischen Graden erklärbar. 

Im Gegensatz zu anderslautenden Meinungen erklärte Oberst Elad Goren, zuständiger Chef der COGAT(Koordinierung der Regierungsaktivitäten in den Gebieten) gestern bei einer Pressekonferenz, dass es in Gaza keine Engpässe in der Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern gebe. Sie würden gemeinsam mit UN- und anderen Hilfs-Organisationen ständig die humanitäre Lage im Gazastreifen bewerten. 

«Ich kann ganz klar sagen, dass wir nicht im Entferntesten an die Mindestmengen herankommen, zu denen wir nach internationalem Recht verpflichtet sind.»

Zwei der drei Wasserpipelines von Israel nach Gaza sind offen und einige der Entsalzungsanlagen, vor allem im Süden des Gazastreifens sind in Betrieb. Einige der Anlagen werden mit Treibstoff betrieben, andere mit Solarzellen. Gaza verfüge auch über ausreichende Medikamente und medizinische Hilfsgüter. Diese werden aber von der Hamas verwaltet. Was tatsächlich den zivilen Patienten zur Verfügung steht, ist unbekannt. Seit Beginn des Krieges sind 665 Hilfsgütertransporte in den Gazastreifen gelangt, die 3.000 Tonnen Lebensmittel, 720 Tonnen medizinische Ausrüstung, über 600 Tonnen Ausrüstung für Notunterkünfte und über 1,15 Millionen Liter Wasser transportierten. Die UNO-Organisation OCHA (Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten) hielt fest, dass 14 von 35 Krankenhäusern ihren Betrieb eingestellt haben und 51 von 72 Einrichtungen zur medizinischen Grundversorgung aufgrund von fehlendem Treibstoff ebenfalls geschlossen seien. Vielleicht sollte die Hamas doch ihre Treibstofflager für die Versorgung der Krankenhäuser öffnen!

Von OCHA kommen auch die Zahlen, wie die 1.5 Millionen Flüchtlinge innerhalb des Gazastreifens untergekommen sind. 717.000 in 149 UNRWA-Einrichtungen, 122.000 in Krankenhäusern, Kirchen und öffentlichen Gebäuden, 110.000 in 89 Nicht-UNRWA-Schulen und der Rest bei Gastfamilien. Das bedeutet, dass von den knapp 2 Millionen Gazanern (Stand 2020), davon allein 1.2 Millionen in den ‘Flüchtlingslagern’, doch noch einige Hunderttausend in ihren Wohnorten geblieben und damit gefährdet sind, Opfer der Hamas-Terroristen zu werden.

Abu Mohammed, ganz sicher der Aka-Name eines Kommandanten der Hamas, hat in einem Interview mit der Daily Mail bitter beklagt, dass die beiden Hamas Führer Ismail Haniyeh und Yahya Sinwar die unteren Ebenen in der Hierarchie der Terror-Organisation zerstört hätten. Der ursprüngliche Plan für den 7. Oktober sei gewesen, einige israelische Soldaten zu entführen. Aber dann sei der Plan sehr kurzfristig (erst im Laufe der frühen Morgenstunden) geändert worden. «Mein geliebtes Gaza ist unter Beschuss. Und das nur wegen unserer Anführer.» Fake news?????? Oder arabisches Märchen??? Tatsache ist, dass Ismail Haniyeh in Saus und Braus in Katar lebt, das schon seit 2019. Sinwar, der wohl derzeit meistgesuchte Mann im Gazastreifen, versteckt sich angeblich in einem Bunker.  Auch VM Yoav Gallant erkannte schon, dass es zwischen der Hamas Führung und der Basis der Terror-Organisation schon lange keine ordentliche Kommunikation mehr gebe und die  Kommandostruktur dabei im Begriff sei zu kollabieren. Khalil al-Hayya, einer der Top Hamas-Anführer, mit Wohnsitz in Katar, sagt in einem Interview mit der New York Times, dass es, «dank dem Angriff vom 7. Oktober gelungen sei, die palästinensische Frage wieder auf den Tisch zu bringen, und jetzt kommt niemand in der Region zur Ruhe. Wir mussten den Menschen sagen, dass die palästinensische Sache nicht sterben wird.» Unser Ziel war es nicht, «… den Gazastreifen zu regieren und ihm Wasser und Strom und dergleichen zu bringen, sondern die Welt aus ihrem tiefen Schlaf zu wecken und zu zeigen, dass dieses Thema auf dem Tisch bleiben muss. Es ging nicht darum, die Situation in Gaza zu verbessern. Dieser Kampf dient dazu, die Situation komplett zu verändern.»

Italien schickt eines seiner Spital-Schiffe los, um vor der Küste von Gaza zu ankern. Das hat VM Guido Crosetto verkündet. «Wir wollen damit unsere Nähe zum palästinensischen Volk und gleichzeitig unsere Ablehnung der Hamas ausdrücken.» Das Schiff vom Typ Vulcano wurde in Triest gebaut und ist eines der drei Versorgungsschiffe, die der italienischen Marine gehören. Spitalschiffe müssen entsprechend der zweiten Genfer Konvention völlig weiss und mit deutlich erkennbaren roten Kreuzen versehen sein. An Bord befinden sich 170 maritime und medizinische Besatzungsmitglieder. Das Schiff ist mit mehreren OP-Sälen ausgestattet. Es wird zunächst vor Zypern ankern und dann so nah wie möglich an die Küste vor Gaza segeln.

Aus Kairo kommen halboffizielle Meldungen, dass Ägypten knapp vor einer Vereinbarung über eine «humanitäre Feuerpause» steht. Diese solle für einen Austausch von palästinensischen Gefangenen gegen von der Hamas festgehaltenen Geiseln genutzt werden.  Dies wurde zumindest von der nicht offiziellen, aber doch regierungsnahen Tageszeit Al-Akhbar veröffentlicht. Katar hat mittlerweile bekanntgegeben, dass nach entsprechenden Koordinationsgesprächen mit den USA Verhandlungen zwischen der Hamas-Terror-Organisation und Israel geführt worden seien. Dementsprechend sollen in einer 1-2 Tage dauernden Feuerpause 15 Geiseln aus den Fängen der Hamas freigelassen werden. Wunderbar, und wo ist das Gegengeschäft? Katar erwähnt mit keinem Wort, dass, wie von Kairo behauptet, im Gegenzug palästinensische Gefangene freigelassen werden sollen. 



Kategorien:Israel

Schlagwörter:

1 Antwort

  1. Danke für die Zusammenfassung der aktuellen Lage

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu Inch Antwort abbrechen