Krieg in Israel – Tag XXXXIV

6. Kislev 5784

Es war das blutigste Wochenende für die IDF. Insgesamt verloren acht Soldaten seit Freitag ihr Leben. Damit stieg die Zahl der Gefallenen seit Beginn der Bodenoffensive auf 58.

Cpt. (res) Roey Biber, 28, Sgt. Binyamin Meir Airley, 21, Master Sgt. (res) David Digmi, 43, Staff Sgt. Shlomo Gurtovnik, 21, Cpt. Edan Provisor, 21, Staff Sgt. Adi Malik Harb, 19, Staff Sgt. Shachar Fridman, 21, Maj. Jamal Abbas, 23, s’’l. Zusätzlich wurden bei den diversen Operationen einige Soldaten meist schwer verletzt. Soeben wurde der Tod von drei weiteren Soldaten bekannt. Sgt. Maj. (res) Rani Tahan, 40, Master Sgt. (res) Yakir Biton, 34,  und Maj. (res) Chen Yahalom, 35, s’’l. Die Zahl der Gefallenen wurde auf 61 korrigiert. 

Weitab von der Enge und den überbevölkerten Gässchen in den Flüchtlingslagern des nördlichen Gazastreifens haben die Mächtigen der Hamas Terror-Organisation ihre Penthouses oder Villen gebaut. Die In-Viertel Rimal und Sheihk Ajlin liegen unweit vom Stadtzentrum entfernt am Strand von Gaza City. Hier befinden sich die offiziellen Regierungsgebäude, Universitäten, Einkaufszentren, Vergnügungsparks und vor allem, luxuriöse Wohngebiete. Nun ist dort fast nichts mehr, wie es noch vor wenigen Tagen war. Fallschirmspringer, Panzer und Kampfpioniere durchkämmen mit Unterstützung der Luftwaffe die Region auf der Suche nach Infrastrukturen der Hamas. Sie stiessen dabei auf 35 Tunnelschächte und ein Militärlager mit einem umfangreichen Waffendepot samt sieben Raketenwerfern. Mehrere Hamas-Terroristen wurden bei den Operationen getötet, ein Grossteil von Rimal wurde durch gezielte Luftangriffe zerstört.

Weitere Luftangriffe im Laufe der Nacht wurden auf die nördlich im Gazastreifen gelegenen Gebiete Jabaliya, Beit Lahiya und Zeitoun ausgeführt. Die Angriffe waren mit den Bodentruppen koordiniert, die gleichzeitig weiter in den Gazastreifen vordrangen. Es kam zu Kämpfen zwischen den Terroristen und den IDF-Bodentruppen. Ein Angriff betraf einen Terroristen, der gerade dabei war, eine Drohne von einem Dach aus zu starten. Die Angriffe wurden auch von der Marine unterstützt, die Hamas-Stellungen entlang der Küste unter Beschuss nahmen. 

In der Nacht und im Laufe des heutigen Vormittags durchsuchten die IDF Flüchtlingslager in Samaria. Dabei gelang es, Waffenlanger und Kommandozentralen auszuheben. 38 gesuchte Palästinenser wurden verhaftet, zwei weitere wurden getötet. Eines der Waffenlager befand sich unmittelbar neben einer Moschee.

Die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen aus dem Jemen haben ihre Angriffe auf Israel in den letzten Tagen deutlich verstärkt. Vor wenigen Tagen haben sie gedroht, dass sie israelische Schiffe, die im Roten Meer oder in der Meerenge von Bab al-Mandab operieren, jederzeit angreifen könnten. Die Meerenge ist eine strategisch wichtige Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden. Der Kampfruf der Houthis lautet: «Tod für Amerika, Tod für Israel, verflucht seien die Juden!» Während einige Staaten die Rebellen nach wie vor als Terror-Organisation einstufen, haben die USA sie 2021 von der Liste gestrichenSeither verschärfen die Houthi-Rebellen die Drohungen gegen Israel. Sie begründen dies mit ihrer ‘religiösen, nationalen und moralischen Verantwortung, den Gazastreifen zu unterstützen’. Sie beschuldigen Israel des Massakers und des Völkermordes. Die Gruppe listet dann die Arten von Schiffen auf, die sie angreifen können. Schiffe unter israelischer Flagge können angegriffen werden. Dazu gehören, so der Bericht, «Schiffe, die die Flagge der zionistischen Entität tragen, Schiffe, die von israelischen Unternehmen betrieben werden, Schiffe, die israelischen Unternehmen gehören.» Die Houthis sollten aber bei aller Kampfwut nicht vergessen, dass sich in diesem Gebiet auch zahlreiche Schiffe der US-Kriegsmarine befinden! Vor wenigen Minuten wurde bekannt, dass die Houthi-Rebellen nun tatsächlich ein Schiff im Roten Meer gekapert haben. Es handelt sich um die ‘Galaxy Leader’, ein britisches Schiff, das unter der Flagge der Bahamas segelt. Es ist derzeit von einem japanischen Unternehmen gechartert. An Bord befinden sich 52 Crew-Mitglieder aus verschiedenen Ländern. Das Schiff war unterwegs von der Türkei nach Indien. Mitbesitzer des britischen Unternehmens ist ein Israeli.

Das von der Hamas Terror-Organisation dominierte ‘Gesundheitsministerium’ teilte mit, dass 30 Frühchen aus dem Shifa-Spital evakuiert und via Rafah nach Ägypten zur Weiterbehandlung gebracht wurden. Zuvor hatte die WHO erklärt, dass ein spezielles Team ihrer Organisation die Evakuierung geplant habe und durchführen werde. Vor Ort befindliche Reporter der Associated Press berichteten, einen von UN-Fahrzeugen eskortierten Konvoi beobachtet zu haben, der nach Norden in Richtung Gaza-City unterwegs war. 

Jamal Warraqi, ein arabischer Israeli und Moslem gehörte zu den ersten Rettungskräften, die im Kibbutz Be’eri nach dem Massaker eintrafen. Er ist Mitglied der freiwilligen Rettungsorganisation ZAKA (Disaster Victim Identification), die sich zumeist aus ultra- orthodoxen Mitgliedern zusammensetzt. Es gibt aber auch christliche, moslemische und drusische Mitglieder. ZAKA ist eine spezielle Organisation, die über zahlreiche hochmoderne Geräte verfügt, um schnell und nachhaltig die sterblichen Überreste von Opfer von Unfällen und Terroranschlägen aufzufinden und zu identifizieren. Nach der IDF geniesst ZAKA in Israel höchsten Respekt und Anerkennung. Jamal kann die Bilder, die sich ihm auf seiner Fahrt mit der Ambulanz nach Be’eri zeigten, nicht aus dem Kopf bekommen. Und er wird das auch niemals mehr schaffen. Sobald er in Be’eri eintraf, wusste er, was ihnen bevorstand. Juden müssen, das ist eine halachische Vorschrift, ‘vollständig’ beigesetzt werden. So machte er sich, sobald feststand, dass weitere Ersthelfer und Sicherheitskräfte eintrafen, die sich um die Überlebenden kümmerten, mit seinen Kollegen auf die Suche nach den Ermordeten. Gemeinsam mit den archäologischen Forensikern machte er sich auf die Suche nach noch so kleinen sterblichen Überresten. Manchmal waren es nur winzige völlig verkohlte Teile, die die Spur zu einem weiteren Opfer legten. «Wenn man so etwas sieht, fängt man an, sich vorzustellen, was da passiert ist, wie sie reagiert haben, wer zuerst getötet wurde, die Kinder oder die Eltern. Als stolzer arabisch-muslimischer Israeli sage ich, dass das nichts mit unserer Religion zu tun hat.» Unter den Opfern befanden sich auch zahlreiche Moslems, er erinnert sich an zwei Frauen, die noch den Hijab trugen und drei arabische Busfahrer aus Ostjerusalem. «Das bedeutet, dass sie (die Hamas) dies nicht für das Land oder die Religion tun, sondern nur aus Hass. Ich denke, Israel hat heute gelernt, gemeinsam zu sterben. Jetzt ist es an der Zeit zu lernen, wie man zusammen lebt … Wir müssen uns darum kümmern und wir müssen mit dem Hass aufhören und anfangen, zusammen zu leben.»

Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, der PM von Katar, teilte anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz mit EU-Aussenminister Josep Borrell mit, dass es zum endgültigen Abschluss der Geiselfreigabe nur noch wenige, kleine Hindernisse gebe. «Verglichen mit denen, die wir bereits gelöst haben, sind die verbliebenen eher logistischer, praktischer Natur.» Er äusserte sich weder zu Details noch zu einem möglichen Zeitrahmen.

Die Washington Post veröffentlicht heute einen langen Bericht zu dieser Vereinbarung. Da heisst es, dass im Gegenzug für eine 5-tägige Feuerpause Dutzende von Frauen und Kindern freigelassen werden könnten. Die Freilassung könnte in den kommenden Tagen beginnen. In einem sechs-seitigen Vertrag wird geregelt, dass die ersten 50 (oder mehr) Geiseln in kleinen Gruppen, die nicht definiert sind, im Abstand von jeweils 24 Stunden freigelassen werden. Zur Beobachtung der Bewegungen würde eine ständige Überwachung aus der Luft erfolgen. Die Feuerpausen sollen auch zu vermehrten Lieferungen an Treibstoffen, Nahrung und sonstigen Hilfsgütern aus Ägypten genutzt werden. Die indirekten Gespräche haben, so heisst es, in Doha (Katar) zwischen Israel, den USA und der Hamas stattgefunden haben. Ob Israel die Vorschläge annehmen wird, bleibt weiterhin unklar. Der Leiter des Nationalen Sicherheitsrates, Tzachi Hanegbi hat noch am Freitag bekanntgegeben, dass «eine begrenzte Waffenruhe erst nach einer massiven Freilassung unserer Geiseln» in Frage kommt. 

In einer gemeinsamen Pressekonferenz am gestrigen Abend mit VM Yoav Gallant und Minister Benny Gantz hielt der PM fest, es gebe noch keine Einigung über die Freilassung der Geiseln. Gleichzeitig wies er alle «falschen Berichte» über eine bevorstehende Freilassung von einem Teil der Geiseln zurück. Die israelische Öffentlichkeit werde informiert werden, sofern sich daran etwas ändern werde. In der nachfolgenden Frage- und Antwort-Runde lautete eine der Fragen, ob er das Angebot ausgeschlagen habe oder ob er auf einer Freilassung aller Geiseln bestehe, bevor er einer Feuerpause zustimmen würde. «Es liegt kein Geschäft auf dem Tisch. Wir wollen alle Geiseln zurückbekommen. Wir tun alles, um so viele wie möglich zurückzubringen, auch in Etappen, und wir sind uns darin einig.» Kanal 12 hatte am Samstag berichtet, dass die israelischen Mindestforderungen sich auf die Freilassung von 87 Geiseln, darunter 13 Frauen, 40 Kinder und 34 Ausländer beziehen. Die zweite Forderung sei, dass Familien, die gemeinsam verschleppt worden waren, auch gemeinsam freigelassen werden. Die Gegenleistung an die Hamas sei die Freilassung einiger, zahlenmässig (noch) nicht definierter palästinensischer Gefangener, darunter Frauen, Minderjährige und Sicherheitshäftlinge. Von der Hamas ist bisher noch keine Reaktion bekannt. Benny Gantz hielt daran fest, dass die Freilassung der Geiseln gegenüber der Zerstörung der Hamas Terror-Organisation die klare Priorität hat. 

Archäologische Forensiker konnten gestern die sterblichen Überreste von Liel Hatzroni, 12, s’’l, identifizieren. Sie wurde, ebenso wie ihr Zwillingsbruder, Yanai und ihrer Tante Ayala, und dem Grossvater, Avia, s’’l, beim Massaker vom 7. Oktober in ihrem Haus im Kibbutz Be’eri ermordet. 

Vor etwa zwei Stunden kündigten Sirenen im Norden des Landes das Eindringen von feindlichen «Flugobjekten» an. Gemeint sind damit in der Regel Kampfdrohnen. Der Alarm betraf sämtliche Orte im nördlichen Galiläa entlang der Grenze zum Libanon. Der IDF gelang es, alle heranfliegenden Drohnen abzuschiessen. Es gab keine Schadensmeldungen und keine Verletzten. Einige auf Shlomi an der Grenze zum Libanon abgefeuerten Granaten richteten keinen Schaden an. Als Reaktion zerstörte die IDF die Abschussstellen.

Nachdem ein seit 2005 im Hoch-Sicherheitsgefängnis in der Nähe von Be’er Sheva einsitzender Palästinenser, 38, der der Fatah angehört, in der Nacht verstarb, brachen im Gefängnis Unruhen aus. Die Mitgefangenen zündeten ihre Kleidung und Matratzen an. Ein Aufseher erlitt eine leichte Rauchvergiftung. Nach kurzer Zeit gelang es jedoch, die Kontrolle wieder zu übernehmen. Die Umstände des Todes werden untersucht. 

Wer bisher geglaubt hatte, mit Hamas-Führer Yahya Sinwar ‘nur einen normalen’ Terroristen im Visier zu haben, der wird nach dem Lesen der Befragungsprotokolle aus dem Jahr 1989 seine Meinung ändern. Grausamkeit, Misstrauen und völlige Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid seiner Familie und seines Volkes, das sind die wesentlichen Merkmale dieses Monsters in Menschengestalt. Als noch junger Terrorist holte er sich immer wieder die Erlaubnis seines Chefs des Hamas-Scheichs, Ahmad Yassin, der am 22. März 2004 in Gaza durch eine gezielte Tötung eliminiert wurde. In der Befragung schildert er die sadistische, grausame Ermordung von Verdächtigen, die bei seinen Befragungen zugaben, Verbindungen zu Israel zu haben. Er begnügte sich nie mit einem ‘einfachen Mord’. Neben diesen Gräueltaten erzählte er auch, wie er mit dem Abwurf von Sprengladungen experimentierte. Als Ziel wählte er das Shifa-Spital in Gaza. Falls dabei Patienten, Ärzte, Zivilisten oder auch seine Terror-Kollegen zu Tode kamen, nahm er es billigend in Kauf. Der selbstgebastelte Sprengsatz explodierte….

Al-Jazeera veröffentlichte heute Nachmittag ein Video, das belegen soll, wie bewaffnete Hamas-Terroristen in das al-Rantisi-Spital eindringen. Angeblich hätten sie dort IDF-Soldaten entdeckt. Eine Explosion kurz nachdem sie den Eingangsbereich des Spitals erreicht hatten, lässt die Vermutung zu, dass sie mit Sprengstoffgürteln ausgestattet waren und sich selbst in die Luft gesprengt haben. Es gab bisher keine Bestätigung des Vorfalls durch die IDF.

Seit Kurzem operiert ein gemischtes Bataillon der ‘Search & Rescue Einheiten’ im Gazastreifen. «Die wichtigsten einzigartigen Fähigkeiten sind die Rettung und Unterstützung, wenn eine Bau-Struktur über uns zusammenbricht. Unsere Rettungsausrüstung dient den manövrierenden Kräften, vor allem in bebauten und dichten Gebieten.» 40% des Bataillons sind Soldatinnen, die alle Aufgaben erfüllen, die auch von ihren männlichen Kollegen durchgeführt werden. Zu diesem Bataillon gehören auch Ingenieure, die die Bodentruppen beraten, ob es sicher ist, ein Gebäude zu betreten oder nicht. Zum Vordringen in die Gebäude verfügen sie über Werkzeuge, die andere Truppenteile nicht haben. 



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