Haftara: Hosea 11:7 – 12:14
ב“ה
11./12. Kislew 5784 24./25. November 2023
Shabbateingang in Jerusalem: 15:56
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:15
Shabbateingang in Zürich: 16:24
Shabbatausgang in Zürich: 17:32
Shabbateingang in Wien: 15:50
Shabbatausgang in Wien: 16:58

In dieser Woche begleiten wir Jakob weiter auf seinem Lebensweg. Er verliess Be’er Sheva und wanderte nach Haran, um sich dort, wie es sein Vater befohlen hatte, eine Frau zu suchen. Unterwegs, als er müde wurde, legte er seinen Kopf auf einen flachen Stein und schlief ein. In der Nacht hatte er einen Traum, der im letzten Jahrhundert Marc Chagall zu einem farbenfrohen und eindrücklichen Gemälde inspirierte. Auf der Himmelsleiter stiegen Engel hinauf und hinab. Oben am Kopf der Leiter stand Gott und prophezeite ihm: «Ich bin der Herr, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. (…) Ich bin mit dir, ich behüte dich, wohin du auch gehst, und bringe dich zurück in dieses Land. Denn ich verlasse dich nicht, bis ich vollbringe, was ich dir versprochen habe.“ Jakob war bewegt von der Anwesenheit Gottes und nannte den Ort Bet El, Haus Gottes, und versprach Gott, ihm den zehnten Teil seines zukünftigen Vermögens zu geben. Er zog weiter und traf in Haran auf Rachel, eine der Töchter seines Onkels. So wie das Treffen geschildert ist, muss er sich Hals über Kopf in sie verliebt haben. Er half ihr beim Tränken der Herde ihres Vaters und gab sich ihr zu erkennen. Bald traf er auch auf seinen Onkel und erzählte ihm, warum er dort war. Jakob bot ihm an, sieben Jahre umsonst bei ihm zu arbeiten, wenn er dann Rachel heiraten dürfe. Laban stimmte dem Handel zu, doch als Jakob die Erfüllung nach sieben Jahren einforderte, betrog Laban seinen Neffen. Er machte ihn betrunken und liess es zu, dass er die Ehe in der Nacht mit seiner älteren Tochter, Lea, vollzog. Nach der Brautwoche durfte er für weitere sieben Jahre auch Rachel ehelichen. Vier Söhne gebar Lea ihrem Mann, dann wurde Rachel böse. Hier wiederholt sich die Geschichte, so wie Hagar anstelle der unfruchtbaren Sarah Ismael gebar, ‚schenkte‘ nun die Magd Rachels, Bilha, ihr zwei Söhne. Da möchte Lea nicht nachstehen. Ihre Magd, Silpa, ‚schenkt‘ ihr ebenfalls zwei weitere Söhne. Lea gebar Jakob nochmals zwei Söhne. Dann folgte eine Tochter, Dina, deren Schicksal ihr später so grausam mitspielte und die für uns im Nebel der Geschichte verschwindet. Rachel wurde erneut schwanger mit einem weiteren Knaben. Offenbar drängte es Jakob nun, mit seiner Grossfamilie nach Hause zu kommen. Nach einem zeitraubenden Vorgang, der Labans Herde in helle und dunkle Tiere trennte, zog er als reicher Mann aus dem Haus seines Onkels fort. Doch Laban verfolgte ihn und wieder bedurfte es einer List, dass Jakob endlich weiterziehen konnte.
Auch diese Haftara stellt einen direkten Bezug zum Wochenabschnitt dar. Hosea beschreibt, wie sich Gott beklagt, dass das Volk Israel, mit dem er einen Bund geschlossen und dem er so viel versprochen hat, sich erneut von ihm abgewandt hat. Sie haben sich erneut Ba‘al angenähert, der sie aber nicht unterstützt. Im Gegenteil, er lockt sie mit Lügen und gaukelt ihnen vor, welch wunderbares Leben sie führen werden, wenn sie sich erst vom „Joch der Gesetze“ befreit haben werden. Zwei Welten prallen aufeinander, die Ba’al-Priester, die das Volk drängen, vorwärts zu gehen, und die Propheten wie Hosea, die dem Volk klarmachen, dass die erneute Zuwendung zu den falschen Göttern das Ende bedeute. Gott weigert sich, das Volk Israel aufzugeben, auch wenn der Zorn über sein ungetreues Volk ihn innerlich zu zerreissen droht. Doch er besinnt sich, dass er nicht so handeln darf, wie die Menschen es tun. „Ich will meinen glühenden Zorn nicht vollstrecken. (…) Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch, der Heilige in deiner Mitte. Darum komme ich nicht in der Hitze des Zorns.“ Wenn sein Volk zu ihm zurückkehren wird, so wird er es nicht abweisen, er wird sie wieder zu sich nehmen und seine Versprechen erneuern. Doch zuvor muss Gott sich noch derer annehmen, die wankelmütig und unsicher sind. Er denkt dabei an Jakob, der sich schon vor der Geburt in eine reale Abhängigkeit begab, als er sich an die Ferse seines Bruder Esaus klammerte. Erst durch zweimaligen Betrug konnte er sich aus der Übermacht seines Bruders befreien. Er besiegte im Kampf den Engel, sah im Traum Gott, geriet erneut in Abhängigkeit von seinem Onkel und musste doch noch vieles ertragen, bis er wirklich als freier Mann seinen Platz in der Welt fand. Doch Gott blieb bei ihm zu jeder Zeit.
Ein wenig Jakob ist in jedem von uns. Der oft übermächtige Wunsch mehr geliebt und respektiert zu werden, wie andere. Erfolgreicher zu sein und reicher. Grösser, selbstbewusster, hübscher zu sein. Zu oft folgen wir ‚falschen Propheten‘.Aa Als ob all das massgeblich sein würde für unser wirkliches, ehrliches Selbstbild. Wir müssen vielleicht manche Wunschvorstellungen loslassen, so wie Jakob die Ferse Esaus nach der Geburt loslassen musste. Der Versuch ist es wert!
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
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