Krieg in Israel – Tag 51

13. Kislev 5784

Der Gesundheitszustand von 12 der 13 am Samstag freigelassenen israelischen sowie der vier thailändischen Geiseln wird vom Krankenhaus als zufriedenstellend bis gut bezeichnet. Nur die 21 Jahre alte Maya Regev wurde mit Schussverletzungen unmittelbar nach der Einreise nach Israel ins nahegelegene Soroka Krankenhaus eingeliefert. Dort muss sie sich mehreren Operationen unterziehen. Die Ärzte sind überzeugt, dass sie nach den entsprechenden Behandlungen wieder völlig hergestellt sein wird. Ihr Bruder Itay, 18, der gemeinsam mit ihr verschleppt wurde, befindet sich nach wie vor in der Gewalt der Terroristen.

Gestern hatte die Hamas als Grund für die Verzögerung der Freilassung völlig an den Haaren herbeigezogene Gründe angeführt. Nachdem sie kurz vor Ablauf des von der IDF gestellten Ultimatums die Geiseln aus Khan Younis abfahren liess, muss man davon ausgehen, dass eine Wiederaufnahme der Bodenoffensiven zu diesem Zeitpunkt nicht in ihre Planungen passte. Sie spielen auf Zeit, um sich neu zu organisieren und neue Waffen herbeizuschaffen. Auf der anderen Seite ist es aber so, dass wir ihre Forderungen, wann immer gerade noch vertretbar, erfüllen müssen. Unser Ziel, alle Geiseln zu befreien, kann nur erfüllt werden, wenn es uns gelingt, Zeit «zu kaufen». Tatsächlich hat die Hamas die Vereinbarung nicht erfüllt, dass Mütter gemeinsam mit ihren Kindern freigelassen werden müssen. Gestern wurde die 13-Jahre alte Hila Rothman ohne ihre Mutter Raya aus der Geiselhaft entlassen. Ihre Mutter befindet sich weiterhin in den Fängen der Hamas. Hamas behauptet, es sei ihnen nicht gelungen, die Mutter von Raya zu finden. Sie hätten angeboten, eine andere Geisel freizulassen, jedoch habe Israel darauf bestanden, dass Raya zur Gruppe der Freizulassenden gehören müsse.

Die Liste der für heute geplanten Freilassungen von 13 Geiseln ist bereits im Büro des PM angekommen. Entsprechend Nachrichten aus Katar werden wiederum 13 Kinder und Frauen, sowie 7 ausländische Geiseln im Laufe des Nachmittags freigelassen. Im Gegenzug werden wiederum 39 palästinensische Gefangene aus israelischen Gefängnissen entlassen. Hamas bestätigte, dass zu den 13 israelischen Geiseln auf dringende Bitte von Präsident Putin ein israelisch-russischer Staatsangehöriger freigelassen wurde. Auch aus dem Weissen Haus kam ein vager Bericht, dass sich bei den heute freizulassenden Geiseln auch US-amerikanische Doppelbürger befinden.

Gleichzeitig kündigt sich das nächste Drama an. Einer der Hamas-Anführer, Mahmoud Mardawi, liess über einen katarischen Nachrichtensender verkünden, dass es keine weiteren Freilassungen gebe, solange Israel nicht die Vorgabe einhalte, die Dauer der Gefangenschaft zu berücksichtigen. Auch aus dem IRK wurde eine ähnliche Meldung an Sky News lanciert. Der Grund für die erneute mögliche Verzögerung ist hier allerdings das angeblich zu geringe Volumen der in den Gazastreifen gebrachten Diesel-Lieferungen, wobei Israel sich strikt an die Vereinbarungen hält. 

Weitere 200 LKWs mit humanitären Hilfsgütern, Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten sind auf dem Weg in den Gazastreifen. Vereinbarungsgemäss beliefern einige auch den nördlichen Teil des Landes. Begleitet wird der Konvoi von sechs Ambulanzen, die evakuierungswillige Gazaner in den Süden bringen sollen. Der Sprecher von COGAT (Koordinator für Regierungsaktivitäten in den Gebieten) beklagt: «Ein Kontrollpunkt der Hamas blockierte die Lastwagen, die den Bewohnern des nördlichen Gazastreifens humanitäre Hilfe lieferten. Für die Hamas ist die Zivilbevölkerung von Gaza von keinerlei Bedeutung.»

Manche Politiker, natürlich auch andere Menschen, die nicht im Licht der Öffentlichkeit stehen, sollten dringend an ihrer Wortwahl arbeiten. Emily Hand, eine der Geiseln, ist durch öffentlich gemachte Reaktionen ihres Vaters bereits stark in den Mittelpunkt des Medieninteresses gerückt (worden). Jetzt hat der Premierminister von Irland, Leo Varadkar, anlässlich ihrer Freilassung gesagt: «Ich begrüsse die Freilassung der 9 Jahre alten Emily, ein unschuldiges Kind, das verloren ging, wieder gefunden wurde und uns zurückgegeben wurde.» Als wäre Emiliy, als wären die etwa 240 Verschleppten der Hamas-Terroristen Koffer, die man beim Lost-and-found-Schalter am Flughafen wieder abholen könne. Oder etwas, für das man Finderlohn zahlt, wenn ein ehrlicher Finder es zurückgibt. Der Botschafter Irlands wurde daraufhin sofort vom israelischen FM, Eli Cohen, einberufen und gerügt. Kein Wort, dass die Geiseln Opfer des grausamen Massakers der Hamas vom 7. Oktober sind, kein Wort zur alleinigen Schuld und Verantwortung der Terror-Organisation. Die Aussage des irischen PM hat Geschichte. 1980 unterstützte Irland als erstes EU-Land die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates. Der ehemaligne palästinensische Präsident Yassir Arafat war gerne gesehener Gast bei den Iren. 2010 spielten gefälschte irische Pässe bei der Ermordung von Hamas-Anführer Mahmoud al-Mabhouh in Dubai eine Rolle. Ein irisches Schiff mit humanitären Hilfsgütern für Gaza wurde von Israelis gestoppt, 

2017 wehte die palästinensische Fahne auf dem Rathaus von Dublin zum Gedenken an 50 Jahre Besatzung des Westjordanlandes durch Israel. 42 Ratsmitglieder hatten dafür, 11 dagegen gestimmt. Damals hatte der irische Politiker, Alan Shatter, in Irland geborener Jude, bedauert: «Das Hissen der palästinensischen Flagge durch den Stadtrat von Dublin wird dem Ruf unserer Hauptstadt und unseres Landes erheblichen Schaden zufügen. Sollten in den kommenden Tagen und Wochen weitere Gräueltaten gegen Israelis verübt werden, besteht ein erhebliches Risiko, dass der Stadtrat von Dublin international als Unterstützer terroristischer Handlungen wahrgenommen wird.» Das scheint sich nun zu bewahrheiten. Nirgendwo ist der Antisemitismus in Europa so spürbar, wie in Irland. Es gibt kaum Bilder und Berichte über die israelischen Opfer der Massaker, aber überall Bilder und Berichte aus Gaza, die von der Hamas intensiv verbreitet werden. PM Leo Varadkar spricht von «mehr Rache als Selbstverteidigung», wenn er über den Krieg spricht. Sinn-Féin, die links-nationalistische Opposition will die israelische Botschafterin ausweisen. Kurz nach Beginn der Luftangriffe setzte der irische Präsident Michael Higgings diese den Massakern der Hamas gleich. Damals glaubte man noch, Emily Hands sei bei den Massakern ermordet worden. Statt sich nun einfach zu freuen, wird erneut Israel verurteilt.

Vier IDF-Diensthunde des Oketz-Bataillons, Mido, Taiga, Jack und Ghandi, verloren während der Bodenoffensive im Gazastreifen ihr Leben. Die speziell ausgesuchten und trainierten Hunde sind unentbehrlich beim Aufspüren von Sprengstoffen, Waffen, Geiseln und Leichen. 

Die IDF hat im Gazastreifen einen kleinen Schatz gehoben, der jetzt der israelischen Staatskasse zugeführt wird. Insgesamt fanden sie etwa 1.8 Millionen Schekel in bar, dazu Irakische und Jordanische Dinare, sowie US$ in unbestimmter Höhe.

Im Golf von Aden ist es erneut zum Kidnapping eines Tankers gekommen. Der Kapitän des Schiffes und ein privates Sicherheitsteam bestätigten den Vorfall. Auf dem Schiff, das laut Angaben des Unternehmens, ZODIAC, Phosphorsäure geladen hat, befindet sich eine 22 Personen umfassende internationale Crew. Die ‘Central Parc’ segelt unter liberianischer Flagge mit Heimathafen Monrovia. Zodiac gehört zur Unternehmensgruppe des Israelis Eyal Ofer.

Nachdem in den vergangenen Tagen immer wieder die Frage laut wurde «Wo ist Netanyahu?» muss man es nahezu als Wunder erachten, dass er sich heute im nördlichen Gazastreifen bei seinen Truppen hat blicken lassen. Begleitet wurde er von seinem National Security Adviser Tzachi Hanegbi, sowie drei ranghohen Offizieren. «Wir haben drei Ziele für den Krieg: Die Eliminierung der Hamas, die Befreiung der Geiseln und sicherzustellen, dass Gaza keine dauernde Bedrohung für Israel darstellen wird.» Gut gemacht, Herr Netanyahu, nur Pech, dass ihr VM sich regelmässig mit seinen Truppen in Gaza austauscht. Ihr Besuch ist ein netter Versuch von leider nicht ganz gelungener Selbstdarstellung.

Vor Kurzem wurde vom US-Sicherheitsberater Jake Sullivan bekanntgegeben, dass Mitarbeiter des IRK in Kürze jene Geiseln besuchen wird, die sich noch im Gazastreifen befinden. Das war zuvor vom Büro des PM verlautbart worden. Derzeit könne man noch keine Aussagen über den Zustand der Geiseln machen. Sullivan hofft jedoch, bis morgen Vormittag über diese Informationen zu verfügen. «Es ist Teil der Vereinbarung, dass das Rote Kreuz diese Aufgabe übernimmt, und wir erwarten, dass sie erfüllt wird.» Das IRK hat sich bisher geweigert zu bestätigen, dass es über diese Klausel der Feuerpause informiert wurde, hält aber fest, dass es die Geiseln besuchen wird, wenn beide Parteien damit einverstanden sind. Die Hamas hat bisher noch nicht öffentlich bestätigt, dass sie solchen Besuchen zugestimmt hat.

Gegen 17:45 wurden 13 israelische und 3 ausländische Geiseln dem Roten Kreuz übergeben. Läuft alles planmässig, dürften sie in ca. 15 Minuten in Rafah ankommen. Inzwischen sind die der IDF übergeben worden. Die Namen der Freigelassenen sind bereits freigegeben worden:

Hagar Brodutch, 40, mit ihrer Tochter Ofry, 10, ihrem Sohn Yuval, 8 und ihrer Tochter Oria, 4

Chen Goldstein- Almog, 49, mit ihrer Tochter Agam, 17, ihrem Sohn Gal, 11 und ihrem Sohn Tal, 9

Abigail Idan, 4

Elam Avraham, 84

Aviva Siegel, 62, 

Dafna Elyakim 14 und ihre Schwester Ela, 8

Der Ablaufplan für die heutige Freilassung wurde geändert. Die Freilassung aus dem Gazastreifen wurde nicht über Rafah, sondern über den nördlichen Warenübergang Karni, der seit 2011 geschlossen ist, abgewickelt. Der Grund für diese Änderung könnte darin liegen, dass sich leider eine der Geiseln in sehr schlechtem Zustand befindet und sofort ausgeflogen wurde, ohne den langen Umweg über Rafah und Nizarim in Kauf nehmen zu müssen. Die anderen Geiseln werden von Karni aus nach Hatzerim gebracht und vor dort auf die für sie vorgesehenen Krankenhäuser verteilt. Die vier ausländischen Staatsangehörigen werden wie geplant via Rafah nach Israel gebracht. Zu den über Rafah ausreisenden freigelassenen Geiseln gehört auch ein israelisch-russischer Doppelbürger, Roni Krivoi, 25,der auf Drängen des russischen Präsident Wladimir Putin freigelassen wurde.



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