14. Kislew 5784

Die gestern freigelassene Alma Avraham, 84, wurde unmittelbar nach der Freilassung ins Soroka-Krankenhaus eingeliefert. Ihr Zustand ist, laut Mitteilung von Professor Moti Klein, leitendem Arzt in der Intensivabteilung, nach wie vor lebensbedrohlich. Alma hätte eine regelmässige Medikation benötigt, die ihr während der 50 Tage Geiselhaft nicht verabreicht wurde. Hoffentlich kann ihr die medizinische Betreuung helfen, sich zu stabilisieren. Die Tochter der schwerkranken Frau bezichtigte das IRK anlässlich einer von ihr organisierten Pressekonferenz, für den lebensbedrohlichen Zustand ihrer Mutter verantwortlich zu sein. «Meine Mutter hat es nicht verdient, in diesem Zustand zurückzukommen. Sie wurde medikamentös vernachlässigt. Das IRK hat sich geweigert, ihr Medikamente zu bringen. Sie kam zurück mit einem Puls von nur 40 Schlägen pro Minute und einer Körpertemperatur von nur 28°C. Sie war kurz davor, ihr Bewusstsein zu verlieren. Überall am Körper hat sie Verletzungen.»
Die Liste jener 11 Geiseln, die heute vereinbarungsgemäss freigelassen werden sollen, wird von Israel nicht vorbehaltslos akzeptiert. Allerdings ist auch die Hamas nicht mit der Liste der freizulassenden palästinensischen Gefangenen einverstanden. Beide Seiten arbeiten daran, die Listen zu überarbeiten. Ein möglicher Grund für die noch nicht akzeptierte Liste könnte sein, dass sich derzeit mehr als 40 der israelischen Geiseln nicht in der Hand der Hamas Terror-Organisation befinden und es deshalb schwierig sei, so die Hamas, deren aktuellen Aufenthaltsort zu identifizieren. Ein weiterer Grund könnte sein, sich derzeit auf der Liste neun Kinder und zwei Frauen befinden. Damit verstösst die Hamas zum zweiten Mal gegen die Vereinbarungen, die besagen, dass Kinder gemeinsam mit ihren Müttern freigelassen werden müssen. Schon am Sonntag hatten die Hamas dagegen verstossen, als sie die 12 Jahre alte Hila Rotem ohne ihre Mutter freiliess. Heute wird es also wieder zu einer längeren Verzögerung bei der Freilassung der Geiseln geben. Eine halbe Stunde vor dem vereinbarten und geplanten Beginn der Übergabe steht die endgültige Liste immer noch nicht fest.
Mit dem heutigen Tag endet die erste Runde der ‘humanitären Feuerpause’. Am Ende des Tages sollen insgesamt 50 israelische Geiseln gegen 150 palästinensische Gefangene ausgetauscht worden sein. Sowohl Israel als auch die Hamas haben Interesse daran gezeigt, diese Feuerpause um einige Tage fortzusetzen. Die Vereinbarung sieht vor, dass sie bis zu einer Gesamtzahl von zehn Tagen verlängert werden kann. An den Tagen 5 bis 10 sollen pro Tag je zehn weitere Geiseln gegen je 30 Gefangene freigelassen werden. Entsprechende indirekte Verhandlungen finden derzeit zwischen Katar, Ägypten, Israel und der Hamas statt. In dieser Verlängerungszeit könnten dann auch ältere Männer freigelassen werden. Junge Männer werden von der Hamas als potenzielle Soldaten angesehen, auch wenn sie als Zivilisten verschleppt wurden.
Soeben wurde aus Katar bestätigt, dass es eine weitere ‘humanitäre Feuerpause’ von zunächst zwei Tagen geben wird. Während es von Israel noch keine unmittelbare Bestätigung gab, hat die Terror-Organisation Hamas bereits zugestimmt.
Mittlerweile werden immer mehr Details bekannt, unter welch belastenden und entwürdigenden Umständen die Geiseln in Gaza leben mussten. Zum Ausruhen und Schlafen wurden ihnen nur Plastik-Gartenstühle der billigsten Art, oder einfachste Bettgestelle ohne Matratzen gegeben. Einige Kinder berichten, dass der Besuch von WCs sehr problematisch und strikt eingeschränkt gewesen sei. Gegen Ende des Aufenthaltes hätte die Nahrung nur mehr aus wenig Reis und Pita-Broten bestanden. Am Anfang hätte es noch Humus und Bohnen gegeben. Das erklärt auch, dass die Ärzte durchwegs einen schlechten Ernährungszustand feststellen mussten. Durch den teils wochenlangen Aufenthalt unterirdisch oder in abgedunkelten Räumen müssen sich die Augen der meisten Freigelassenen erst wieder langsam an normales Tageslicht gewöhnen. Trinkwasser habe es genug gegeben, aber keine Duschmöglichkeit. Eine der Frauen sagt, physisch seien sie gut behandelt worden. Sie seien während der gesamten Zeit als Gruppe zusammengeblieben. Sie hätten jeden Tag Schlaftabletten bekommen, um überhaupt schlafen zu können. Licht hätte es nur eine Stunde am Tag gegeben, Papier und Schreibmaterial sei ihnen verweigert worden. Die meiste Zeit hätten sie miteinander gesprochen, um sich abzulenken. Insgesamt hätten sie das Gefühl gehabt, die Terroristen hätten Interesse daran gehabt, sie gut zu behandeln. Am schlimmsten sei der Tag der Verschleppung und der Tag vor der Freilassung gewesen. Andere Gruppen hätten über ein TV verfügt und ihnen berichtet, was in Israel vor sich gehe. So hätten sie einiges über ihre Familie erfahren, auch dass sie viele Menschen verloren hätten. Trotzdem sei die Realität nach der Freilassung furchtbar gewesen.
Auffallend ist, wie ordentlich gekleidet und wohlgepflegt die Geiseln bei der Übergabe von der Hamas an das IRK erscheinen. Sauber und frisch gekleidet, die langen Haare sogfältig zu ordentlichen Zöpfen frisiert. Dahinter steckt System. Die Videos von der Übergabe an das IRK zeigen es: Die Geiseln werden fast freundschaftlich am Arm gehalten oder, wenn notwendig auch getragen und mit einem fröhlichen Winken verabschiedet. Was sie, die sich bis zu 52 Tage in Geiselhaft befanden, reflexartig erwidern. Der Welt soll das Bild vermittelt werden: «Schaut her, wie gut wir uns um unsere ‘temporären Gäste’ gekümmert haben.»
Heute wird es eng in den zerstörten Kibbutzim entlang des Gazastreifens.



Besuch Nr. 1: Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender besuchten in Begleitung des israelischen Präsidenten Isaac Herzog und dessen Ehefrau Michal den völlig zerstörten Kibbutz Be’eri. Begleitet wurde er vom Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland, Felix Klein, dem israelischen Botschafter in Deutschland, Ron Prosor, dem deutschen Botschafter in Israel, Steffen Seibert und Josef Schuster, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Juden in Deutschland. Was dessen Anwesenheit rechtfertigt, kann ich nicht nachvollziehen…. Im Budget 2024 werde, so Steinmeier, ein Betrag von € 7 Millionen für den Wiederaufbau des Kibbutz vorgesehen. Damit solle in Be’eri der Aufbau eines Kulturzentrums und eines Begegnungszentrums für Senioren finanziert werden.«Be’eri und die vielen anderen Kibbutzim haben es verdient, dass sie nicht nur Teil der israelischen Geschichte sind, sondern vor allen Dingen auch Teil der Zukunft Israels sein werden.» Auch deutsche Handwerker, vor allem Auszubildende, sollen sich am Wiederaufbau aktiv beteiligen. Präsident Herzog betonte: «Israel hat den Traum, den Kibbuz und die ganze Gegend wiederaufzubauen. Wir kommen zurück. Wir bauen diese Orte wieder auf. Sie werden blühen.»


Besuch Nr. 2: US-Hightech-Tycoon Elon Musk, seit seinem USA-Besuch im September zweitbester Freund des israelischen PM (der beste Freund ist er sich selbst!) tourte mit dem PM durch Kfar Azza. IDF-Sprecher Liad Diamond gab einen Kurzbericht über die dramatischen Stunden vom 7. Oktober. Damit die beiden nicht dem recht heftigen Regen ausgesetzt waren und Musk eifrig mit seinem Smartphone fotografieren konnte, mussten zwei Begleiter als Schirmträger fungieren. Vor Ort betonte Musk: «Man muss endlich die Propaganda stoppen, die Menschen dazu bringt, sich an, Sie wissen schon, Mord zu beteiligen (sic)! Es gibt keine andere Wahl, als die Hamas zu vernichten und ich würde auch gerne helfen.» Sein Besuch hat den Hintergrund, dass er sein Satelliten-Kommunikations-System ‘Starlink’ nur nach positiver Absprache mit der israelischen Regierung im Gazastreifen einsetzen darf. Ursprünglich wollte er das System Hilfsorganisationen im Gazastreifen zur Verfügung stellen. Die israelische Regierung stellte sich gegen das ‘Angebot’, welches ausschliesslich der Hamas dienen würde. Kommunikationsminister Shlomo Karhi gratulierte heute auf seinem ‘X-Account’, der zu Musks Imperium gehört, für die prinzipielle Übereinkunft. Ich kann in diesem Text allerdings nicht erkennen, worin die Übereinkunft, die eine Absicherung für Israel darstellen soll, besteht. Und ich kann auch nicht verstehen, warum Musk, der sich in den letzten Wochen mehrfach durch antisemitische Äusserungen hervorgetan hat überhaupt in Israel aktiv werden wird. Ach ja, ich vergass, it’s money, it’s all about money!
Finanzminister Smotrich muss heute eine Änderung des Budgets für das laufende Jahr vorlegen. US$ 4.5 Milliarden werden neu dem Verteidigungsministerium zugeordnet, US$ 3.6 Milliarden dem ‘zivilen Kriegsbedarf’. US$ 930 Millionen fliessen davon in die Hotelkosten für mehr als 100.000 evakuierte Menschen aus der Umgebung des Gazastreifens und aus dem Gebiet an der libanesischen Grenze. US$ 530 Millionen erhält das Ministerium von Minister Ben-Gvir, um ‘kommunale Verteidigungsteams’ einzurichten und zu bewaffnen, sowie die Ausstattung der Polizei zu verbessern. Dass ein beträchtlicher Betrag auch dazu eingesetzt werden könnte, radikale Siedler in Judäa und Samaria zu bewaffnen, muss befürchtet werden. Damit würden Forderungen der beiden rechtsnationalen-radikalen Minister, Ben-Gvir und Smotrich erfüllt. Derzeit sind Gewehrlieferungen aus den USA nach Israel gestoppt. Die USA trauen wohl dem Versprechen nicht so recht, dass keine ihrer Waffen für diese zivilen Schlägertruppen eingesetzt werden. Benny Gantz verlangt weiterhin, dass alle Mittel, die nicht kriegsbedingt sind, eingefroren oder zurückgestellt werden. Dazu gehören ganz sicher auch jene zusätzlichen US$ 133 Millionen für private Jeschiwot und die Verdreifachung der Gehälter für Mitarbeiter privater ultraorthodoxer Schulen.

Der von Houthi-Rebellen in ihre Gewalt gebrachte Tanker ‘Central Parc’ konnte von Soldaten der US-Marine befreit werden. Fünf Rebellen versuchten auf kleinen Beibooten zu flüchten, konnten aber von der USS Mason aufgebracht und gefangen genommen werden. Zeitgleich wurden von den Houthis Raketen auf die USS Mason abgeschossen, fielen aber etwa 15 km vom Schiff ins Meer. Es wird eine Reaktion geben, welche ist noch unklar. Aber man beschiesst nicht einfach ein US-amerikanisches Kriegsschiff ohne Folgen!

Einmal Antisemit, immer Antisemit! BBC-Reporter Jeremy Bowen erklärte, er bereue nicht, am 17. Oktober falsch über den Beschuss des al-Ahli-Spitals berichtet zu haben. Damals waren durch einen Treffer auf dem Parkplatz fast 500 Menschen ums Leben gekommen. Hamas beschuldigte sofort Israel und natürlich schlossen sich zahlreiche Staaten sofort dieser Beschuldigung an. Auch als Israel bereits einen Tag später schlüssiges Material vorlegte, das bewies, dass nicht die IAF, sondern eine fehlgeleitete Rakete des Palästinensischen Islamischen Djihad den Schaden verursacht hatte. Gestern legte ‘Human Rights Watch’ einen vorläufigen Untersuchungsbericht vor, aus dem hervorgeht, «dass ein Geschoss, wie es die palästinensischen Gruppen oft benutzen, für die Explosion verantwortlich war.» Von einem Interviewer darauf hingewiesen, dass er fälschlicherweise berichtet habe, ‘das Krankenhaus sei plattgemacht worden’: «Oh ja, das habe ich falsch verstanden. Aber ich fühle mich deswegen nicht besonders schlecht.»
Gegen 18 Uhr gab das Büro des PM bekannt, dass die betroffenen Familien über die bevorstehende Freilassung der Geiseln informiert wurden. Es handelt sich um neun Kinder und zwei Frauen. Die Frauen sind, so die bisherigen Informationen, die Mütter von einigen der Kinder. Sie seien kurzfristig auf die Liste aufgenommen worden. Stattdessen müssten zwei ältere Frauen jetzt weiterhin auf ihre Freilassung warten. Weiteren Berichten zu Folge stammen alle 11 Geiseln aus dem Kibbutz Be’eri. Nachdem sich die Geiseln nicht alle in den Händen der Hamas befinden, arbeitet die Terror-Organisation derzeit auf Hochtouren daran, deren derzeitigen Verbleib ausfindig zu machen. Nachdem während der israelischen Operationen alle Kommunikationskanäle eingeschränkt wurden, wird dies einige Zeit in Anspruch nehmen.
Ein arabischer Sprecher der IDF, Avichay Adraee, erklärte gegenüber Sky News, dass die Familie Bibas, Yarden, Shiri, der 4 Jahre alte Sohn Ariel und Baby Kfir, 10 Monate heute nicht zu den freigelassenen Geiseln gehört. Sie seien nach der Verschleppung in den Gazastreifen einer anderen Terrorgruppe übergeben worden und halte sich wahrscheinlich noch immer in Khan Younis auf.

Vor einer Minute, um 20:08 teilte das IRK mit, dass ihnen die heute freigelassenen 11 israelischen, sowie drei thailändische Geiseln übergeben worden seien. Die Liste der Freigelassenen umfasst:
Sharon Aloni-Cuoni, 33 mit ihren Kindern Emma, 3, und Yuli 3
Die Geschwister Calderon, Sahar, 16, und Erez, 12
Karina Engel-Bart, 51 und ihre Töchter Mika, 18 und Yuval 10
Die Geschwister Or, Ya’akov, 16 und Yagil, 12
Eitan Yahalomi, 16
Sie befinden sich derzeit auf dem Weg zurück nach Israel.
Kategorien:Israel
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