Krieg in Israel – Tag 55

17. Kislew 5784

Heute dürfte sich die Freilassung der Geiseln bis knapp vor Ablauf der Feuerpause in den frühen Morgenstunden hinziehen. Der entsprechende Bericht kommt morgen.

Statt dessen hier einige Bilder von den ersten Treffen zwischen den gestern freigelassenen Geiseln und ihren Familien.

Heute Morgen erschütterte ein neues schweres Attentat Jerusalem. Im dichtesten Morgenverkehr eröffneten zwei palästinensische Terroristen aus Ostjerusalem das Feuer auf die an einer Bushaltestelle wartenden Menschen. Zwei Menschen erlagen sofort ihren schweren Schussverletzungen, sieben weitere wurden verletzt, drei von ihnen schwer. Nach der Einlieferung ins Krankenhaus starb ein drittes Opfer. Zwar versuchten zwei Soldaten ausser Dienst und ein Zivilist die Terroristen noch durch gezielte Warnschüsse zu stoppen, jedoch kamen sie um nur wenige Sekunden zu spät. Es gelang ihnen dann, beide Terroristen zu neutralisieren, bevor sie weitere Menschen ermorden konnten. Laut Aussagen von Shin Bet waren beide Terroristen bekannte Mitglieder der Hamas Terror-Organisation, die bereits wegen Terrorattacken im Gefängnis gesessen hatten. Im von ihnen benutzten Wagen, der ein gelbes, also israelisches Kennzeichen hat, fand man grosse Mengen an Munition für das von ihnen verwendete M-16 Sturmgewehr.

Minister Ben-Gvir verlautbarte vor Ort: «Dieser Typ von Anschlag zeigt, wie wenig wir uns Schwäche erlauben dürfen. Darauf dürfen wir nur mit Krieg antworten.» Damit unterstützte er seine Kritik an der humanitären Feuerpause. Gleichzeitig erklärte er «Auch gegen die Kritik aus verschiedenen Kreisen werde ich meine Politik beibehalten, Waffen überall zu verteilen, sowohl bei Notfallteams und bei Zivilisten. Waffen können Leben retten. Wir sehen es immer wieder. Militär und Polizei können nicht überall sein, deshalb brauchen auch Zivilisten Waffen!» Gerade zu Beginn dieser Woche hatte er erneut Budgetgelder zur Ausstattung seiner Privatarmee, vor allem in Judäa und Samaria erhalten. Nachdem die Hamas den Anschlag lobt und eine weitere Eskalation der Gewalt fordert, muss man doch davon ausgehen, dass dies eine eindeutige Verletzung der Feuerpause darstellt. Welche Folgen das für weitere Verhandlungen haben wir, muss abgewartet werden. 

Bei einem zweiten Terroranschlag im Jordantal in Samaria wurden heute zwei Soldaten leicht verletzt. Der Fahrer des Wagens, mit dem der Anschlag ausgeübt wurde, wurde neutralisiert. 

Die mittlerweile recht brüchig gewordene Feuerpause wird um einen Tag bis Freitagvormittag verlängert. Gegen 10 Uhr gab es aufgrund ‘verdächtiger anfliegender Flugobjekte’ Alarm im Norden des Landes. Die IDF gab an, die aus dem Libanon kommenden Drohnen abgeschossen zu haben. Ägypten und Katar bemühen sich unterdessen als Mediatoren eine weitere Feuerpause von zwei Tagen auszuhandeln. Derzeit sieht es aber eher danach aus, als würden die Kampfhandlungen am Samstagmorgen um 7 Uhr wieder aufgenommen.

Das Verteidigungsministerium gab heute bekannt, dass seit dem 7. Oktober 2.005 Sicherheitskräfte verletzt worden seien. Derzeit befinden sich 287 von ihnen in stationärer Behandlung, 28 von ihnen in lebensbedrohlichem Zustand. 

Ofir Tzarfati, 27, s’’l, von dem man glaubte, er sei von der Hamas in den Gazastreifen verschleppt worden, wurde für tot erklärt. Das teilte seine Heimatstadt Kiryat Ata mit. Über die näheren Umstände seines Todes wurde nichts verlautbart. Ebenfalls für tot erklärte werden musste Amit Atzili, s’’l, der bis vor Kurzem als Entführungsopfer der Hamas-Terroristen galt. Nun stellte sich heraus, dass er ebenfalls bereits am 7. Oktober im Zuge der Massaker ermordet worden war.

Bereits in der Nacht auf heute wurde von der Hamas eine Liste der Geiseln erstellt, die heute freigelassen werden sollen. Dabei sollten sieben Personen plus die sterblichen Überreste von drei Geiseln ‘freigelassen’ werden. Diese Liste wurde von Israel nicht akzeptiert. Auf der neuen Liste, die zugestellt wurde, befinden sich acht Personen, sechs Frauen und zwei Kinder plus die zwei russischen Geiseln. Diese beiden Frauen waren bereits gestern aussertourlich als «Zeichen einer Geste für Putin» freigelassen worden. Daher umfasst die heutige Liste de facto nur acht Personen. Aus israelischen Kreisen wird festgehalten, dass die Verhandlungen über die Fortsetzung der Feuerpause von Tag zu Tag schwieriger werden und um jeden Namen stundenlang diskutiert wird. «Wir waren ein paarmal dran, einfach aufzuhören.»

Ein kleiner Lichtblick im Verhalten der UN. Generalsekretär Antonio Guterres fordert erstmals eine Untersuchung der Gewalt gegen Frauen während des Massakers vom 7. Oktober. Bisher hatte er sich stets geweigert, die Hamas auch nur im Entferntesten in Zusammenhang mit Vergewaltigungen und Misshandlungen von Frauen, jungen Mädchen und Kindern während der Massaker zu bringen. Gestern hiess es im ‘X-Account’ von Guterres: «Es gibt zahlreiche Berichte über sexuelle Gewalt während der abscheulichen Terrorakte der Hamas am 7. Oktober, die energisch untersucht und strafrechtlich verfolgt werden müssen. Geschlechtsspezifische Gewalt muss verurteilt werden. Jederzeit und überall.» Das israelische Aussenministerium hat die UN-Frauenrechtsorganisation in der vergangenen Woche scharf gerügt. Zwar rief sie kurz einmal auf Instagram zur Verurteilung der Hamas auf, löschte den Post aber kurz darauf wieder und forderte stattdessen die Freilassung aller Geiseln. 

Leider gibt es aber auch wieder eine andere Seite der UNO. Die palästinensische Delegation hat eine Ausstellung in Genf präsentiert, die Gesichter von Kindern zeigt, die von der IDF bei den Angriffen auf Gaza getötet worden seien. Die Ausstellung war Teil des gestern stattgefundenen «Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk» im Palast der Nationen. Unter den Bildern befand sich auch das des damals 5 Jahre alten Ido Avigal, der bei einem Raketenbeschuss durch die Hamas auf Sderot im Jahr 2021 getötet worden war. Die Rakete war durch das Fenster des Bunkers im Haus der Familie eingedrungen, den Jungen getötet und acht Familienmitglieder verletzt. 

Die Vertreter Israels bei der UN forderten Tatiana Valovaya, die Generaldirektorin der UNO, auf, die Ausstellung unverzüglich zu entfernen. Sie verbreite Fehlinformationen und Propaganda durch die UNO und die palästinensische Delegation. 

Es ist nicht das erste Mal, dass das Ido für palästinensische Propaganda missbraucht wird. Im September dieses Jahres hatte MK Ahmad Tibi, Chadash-Tal’al, behauptet, er sei von der IDF getötet worden. Als sich die IDF wehrte, sie sprenge keine Häuser in die Luft, in der sich Kinder befinden, veröffentlichte er ein Poster und schrieb dazu: «Ausser man tut es!» Idos Mutter reagierte darauf: «Es ist cool, Fotos von verschiedenen Kindern zu machen, sie alle zusammenzufügen und dann der Welt zu erzählen, dass die IDF sie getötet hat, aber könnten Sie vielleicht das Foto meines Kindes entfernen? Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Hamas ihn ermordet und meine Tochter, meine Neffen und mich verletzt hat, aber ich bin natürlich kein Kind. Oh, richtig! Sie haben auf unser Haus geschossen!» Tibi entfernte das Bild, und nur das Bild (!) aus den sozialen Medien. 

Die Berichte über die Zustände, in denen die Geiseln von ihren Entführern gehalten wurden, werden immer schlimmer. Gestern berichtete einer der Freigelassenen, er habe die ganze Zeit bei einem Lehrer einer UNRWA Schule verbracht. Er sei von diesem auf dem Dachboden eingesperrt worden. Der Lehrer, selbst Vater von zehn Kindern, habe ihn kaum mit Lebensmitteln oder notwendigen Medikamenten versorgt. 

Nachdem Justizminister Levin, doch ja, es gibt ihn noch, den Notfallmodus der Gerichte aufgehoben hat, werden die ab Sonntag wieder ihre reguläre Arbeit aufnehmen. Das heisst, dass auch das Verfahren gegen Netanyahu in der kommenden Woche fortgesetzt wird. Als Termin für die Weiterführung des Verfahrens wurde der kommende Montag im Bezirksgericht in Jerusalem festgesetzt.

US-Aussenminister Antony Blinken, der derzeit zu seinem dritten Besuch seit dem 7. Oktober in Israel weilt, forderte den PM nachdrücklich auf, alles zu tun, um die Zivilbevölkerung im Süden des Gazastreifens zu schützen. «Die humanitären Bedürfnisse und der Schutz der Zivilbevölkerung im südlichen Gazastreifen müssen unbedingt berücksichtigt werden, bevor dort militärische Operationen durchgeführt werden. Israel muss alle möglichen Massnahmen zu ergreifen, um Schaden von der Zivilbevölkerung abzuwenden.» Nachdem Israel angekündigt hat, seine Operationen nun auch auf den südlichen Gazastreifen auszudehnen, muss Sorge getragen werden, dass für die aus dem Norden Evakuierten eine Sicherheitszone eingerichtet wird.

Gegen 14 Uhr kündigt die Hamas an, nun doch insgesamt zehn Geiseln freizulassen. Zwei der Freizulassenden sind erneut russische Staatsbürger. Hamas betont, dass «alle Geiseln, die freigelassen werden, leben.» Es ist eine Schande, dass das ausdrücklich bestätigt werden muss, aber offensichtlich notwendig, weil, wie angekündigt wurde, zusätzlich auch drei Leichen zurückgegeben werden. 

Um 17 Uhr teilt Hamas mit, dass zwei von ihnen festgehaltene Geiseln dem IRK übergeben wurden. Das IRK bestätige die Übergabe. Warum diese beiden Geiseln separat freigelassen werden, ist nicht bekannt. Bei den beiden Freigelassenen handelt es sich um Mia Schem, 21 und Amit Soussana, 40. Sie wurden laut Berichten der IDF in Gaza City an Spezialeinheiten und den Shin Bet übergeben und werden nun zur Haterzim Airbase gebracht. Gegen 18 Uhr erklärte ein offizieller israelischer Sprecher, dass die heute noch freizulassenden Geiseln zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten dem IRK übergeben werden. Als Begründung teilte er mit, dass sie an unterschiedlichen Orten im Gazastreifen festgehalten werden würden. 



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