22. Kislev 5784

Die IDF musste auch heute wieder den Tod von fünf Soldaten bekanntgeben. Sgt. Yakir Yedidya Schenkolewski, 21, Sgt. Eitan Fisch, 23, und Staff Sgt. Tuval Yaacov Tsanani, 20, s’’l. Im gleichen Gefecht im nördlichen Gazastreifen wurden vier weitere Soldaten schwer verletzt. Am Mittag wurde der Tod von zwei weiteren Soldaten, Cpt. Yahel Gazit, 21 und Master Sgt. (res) Gil Daniels, 34, s’ll, bekannt. Die Zahl der Gefallen erhöht sich damit auf 80 seit Beginn der Bodenoffensive.
Wirtschaftsminister Nir Barkat, Likud, hat sich fest vorgenommen, den selbsternannten König, dessen Regentschaft knapp vor dem Kollaps steht, vom Thron zu stossen. Das hatte im Jahr 2019 schon der heutige Oppositionspolitiker Gideon Sa’ar versucht und war mit 28%:72% kläglich gescheitert. Damals war die Zeit noch nicht reif. Barkat stellt fest, dass nun, nachdem Netanyahu während 18 Jahren unangefochtener Parteichef war, der Likud «eine Veränderung braucht» Er vertritt die Ansicht, dass es nach dem Krieg so bald als möglich Neuwahlen geben muss. «Ich werde Netanyahu nicht mehr unterstützen. Nach dem Krieg müssen wir uns an das Volk wenden und sein Vertrauen neu gewinnen. Der Likud braucht einen Wandel.» Dass er das vom Finanzminister neu vorgelegte Budget für das Jahr 23 ablehnt und nicht unterstützt, ist ein offenes Geheimnis. «Es deckt nur unzureichend die wirtschaftlichen Bedürfnisse zu Kriegszeiten ab und wird in der vorgelegten Form zum wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes führen.» Jedoch möchte er klarstellen, dass seine Entscheidung, gegen Netanyahu zu kandidieren, nichts mit dem Budget zu tun habe.
Shticks n‘ tricks, das beherrscht Netanyahu am allerbesten! Bis auf gelegentliche Truppenbesuche, immer darauf bedacht, Bilder im Kreise hübscher Soldatinnen zu bekommen, noch seltenere Kondolenzbesuche, die er in der Regel lieber per Anruf absolviert, und meist spätabends stattfindende Sitzungen hat er derzeit nicht viel zu tun. Sieht man einmal von den Interviews ab, die er immer wieder gerne nahezu gleichlautend US-amerikanischen Medien gibt. Offensichtlich gibt es da in seiner Agenda etwas, was der Öffentlichkeit nicht bekannt ist. Heute sollte das Verfahren gegen ihn nach wochenlanger Pause im Bezirksgericht von Jerusalem wieder aufgenommen werden. Seine Anwesenheit sei derzeit nicht notwendig. Doch ach je, er sieht sich nicht in der Lage, sich ordentlich auf die Zeugenaussagen vorzubereiten. Seine Anwälte beantragten, die Zahl der wöchentlichen Anhörungen zu reduzieren. Im Fall 4000 auf zwei statt drei und in den Fällen 1000 und 2000 von zwei auf einen. Sein Chefverteidiger, Amit Hadad schrieb in der Antragsbegründung: «Ein erheblicher Teil der Zeugen, die in diesen Fällen vernommen werden sollen, sind wichtige Zeugen, deren Aussagen in Abstimmung und zusammen mit dem Premierminister vorbereitet werden müssen. In der gegenwärtigen Situation, mitten im Krieg ‘Swords of Iron’, gibt es keine Möglichkeit, den notwendigen Kontakt mit dem Ministerpräsidenten herzustellen, um die Befragung der erwarteten Zeugen vorzubereiten.» Das ist nichts anderes als eine erneute Verschleppung, der Prozesse, die bisher schon über dreieinhalb Jahren extrem langsam laufen.

Der Generaldirektor der WHO, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus schrieb gestern Abend auf seinem ‘X-Account’ «Die WHO hat heute eine Information der IDF erhalten, dass wir unsere Vorräte aus dem Lagerhaus für medizinische Hilfsgüter im Gazastreifen innerhalb von 24 Stunden räumen sollen. Als Grund wurde mitgeteilt, dass es nach Operationen im Zusammenhang mit der Bodenoffensive unbrauchbar sein würde. Wir richten den dringenden Aufruf an Israel, diese Aufforderung zurückzuziehen und alle Massnahmen zu ergreifen, um die zivile Bevölkerung und deren Infrastrukturen, wie Krankenhäuser etc. zu schützen.» Letztmals bearbeitet wurde der Beitrag um 21:40. Um 22:42 antwortet COGAT «Die Wahrheit ist, dass wir nicht darum gebeten haben, die Lagerhäuser zu räumen. Das haben wir den UN-Repräsentanten klargemacht (und auch schriftlich festgehalten). Von einem offiziellen Mitarbeiter der UN erwarten wir zumindest umfassendere Genauigkeit.» Gestern brachten180 LKWs Hilfsgüter in den Gazastreifen. Zusätzlich wurde zwei Tankwagen mit Diesel zugelassen.


Ungeachtet der klaren Aufforderungen der IDF, dass sich die Bewohner bestimmter Regionen über speziell eingerichtete und bezeichnete ‘sichere Strassen’ in ‘sichere Regionen’ begeben sollen und die IDF sich verpflichtet, diese Wege zu schützen, hat die UN Bedenken angemeldet. Der Sprecher des UNO Kinderhilfswerks, UNICEF, James Elder, richtete sich per Video-Botschaft aus Kairo an die Presse in Genf: «Die sogenannten ‘sicheren Zonen’ sind nicht realistisch, nicht vernünftig, sie sind nicht möglich, und ich denke, die Behörden sind sich dessen bewusst.» Kritik ist immer gut, wenn sie konstruktiv ist und Alternativen enthält. Die fehlen hier, wie bei fast allen, die glauben, sie hätten die Kriegsweisheit mit der Muttermilch eingesogen. Ein bedrückendes Szenario zeigt die heutige NZZ auf.
Frankreich hat für die kommenden sechs Monate alle Konten des Hamas-Anführers Yahya Sinwargesperrt. Die Entscheidung wurde im offiziellen Mitteilungsblatt der französischen Republik bekanntgegeben. Der totale Wert von Konten, Wertschriften und sonstigen Anlagen wurde nicht bekanntgegeben. Warum erst jetzt???

Knesset-Sprecher Amir Ohana hat die MKs zur Sparsamkeit aufgerufen. Angesichts des Krieges, der für nahezu jeden Bürger dramatische wirtschaftliche Folgen hat, sei es nicht opportun, die Bezüge der MKs, wie eigentlich geplant, mit Beginn des kommenden Jahres anzuheben. Die jährliche Anpassung richtet sich nach denen in der Privatwirtschaft. Im Januar 2023 hätte die Erhöhung unglaubliche 12.5% betragen sollen, wurde aber auf 5.1% gedeckelt. Zuvor waren die Erhöhungen seit 2020 auf Grund der Corona-Pandemie eingefroren.
Die IDF hat damit begonnen, Meerwasser in die Tunnelsysteme zu pumpen. Nachdem das weitläufige Tunnelsystem unterirdisch miteinander verbunden ist, könnten so innerhalb von wenigen Wochen sämtliche Haupt- und Nebenwege der euphemistisch als «Gaza-Metro» bezeichneten Anlage unbenutzbar gemacht und zerstört werden. Als Vorbereitung wurden bereits einige starke Pumpen im Bereich des al-Shati-Flüchtlingslagers aufgebaut. Befürchtungen gehen allerdings dahin, dass durch den Wasserdruck das Grundwasser Schaden nehmen könnten. Dadurch können schädliche Stoffe, die sich im Tunnelsystem befinden, ins Meer gelangen. Derzeit ist noch offen, welche Auswirkungen das Einlassen von grossen Mengen Wassers auf die Struktur der oberirdischen Gebäude haben wird, die grossteils auf Sand gebaut sind. Berichtet hatte das Wall Street Journal über die Pläne der IDF. Jede Pumpe kann stündlich Tausende Kubikmeter Meerwasser in die Tunnel leiten. Derzeit ist es aber weniger die Frage nach der Stabilität der Gebäude als die Frage, wo sich die noch in den Händen der Hamas befindlichen Geiseln aufhalten. Bevor nicht sicher geklärt ist – und das dürfte sehr schwer werden – an welchem Ort sie festgehalten werden, wird die IDF nicht mit der Flutung beginnen. Ein Experte für ‘unterirdische Kriegsführung’, Yehuda Kfir, geht davon aus, dass die Hamas an einigen Stellen die Tunnels in zwei Etagen gebaut hat. Die tiefer gelegene könnte mit Stahlbeton, den sie immer wieder von den früher regelmässig erfolgten Lieferungen ‘abgezweigt’ haben, umkleidet sein. Er vermutet: «Es gibt eine obere ‚defensive‘ Ebene mit Sprengfallen, sehr engen Tunneln und den explosionssicheren Türen, die wir bereits gesehen haben, und eine untere ‚offensive‘ Ebene, die tiefer und breiter ist und Dinge wie Logistikzentren, Wohnräume und Waffenlager enthält.» Dort könnten auch die Geiseln gefangen gehalten werden.
Das Kriegskabinett und weitere Minister des regulären Kabinetts haben sich heute um 15 Uhr mit Familienangehörigen der noch im Gazastreifen befindlichen Geiseln getroffen. «Einladungen mit weiteren Details wurden verschickt. Teilnehmen werden auch hochrangige Vertreter der Regierung, die sich unablässig für die Familien der Geiseln und die Freigelassenen einsetzen.» Das Treffen verlief in einer Atmosphäre zwischen Wut und Frustration bei den eingeladenen Familien und freigelassenen Geiseln und gewohnt unempathischem Verhalten seitens des Immer-Noch-PM. Der las seine vorbereiteten Kommentare weitgehend von einem Blatt ab und beantwortete keine Fragen. Was für eine Farce! In einige Zeitungen wird er zitiert: «Es gibt im Moment keine Möglichkeit, alle nach Hause zu bringen. Kann sich irgendjemand wirklich vorstellen, dass, wenn das eine Option wäre, irgendjemand sie ablehnen würde?» Dass diese Aussage von den Gästen lautstark quittiert wurde, ist klar. Wie kann jemand, der vorgibt, um seine Mitbürger besorgt zu sein, so unsensibel reagieren? Die Berichte über die während der Geiselhaft gemachten Erfahrungen liessen ihn so kalt, dass er nicht einmal darauf eine Antwort fand. Da ordnet er lieber für heute Abend an, führenden Mitgliedern der israelisch-arabischen Gesellschaft den Horror-Film über die Massaker der Hamas-Terroristen vom 7. Oktober vorzuführen. Dieser Film wird derzeit weltweit pro-israelischen Meinungsbildnern gezeigt, um mediale Unterstützung für den Krieg Israels gegen die Hamas zu gewinnen.
Bevor die freigelassenen Geiseln dem IRK übergeben wurden, hat die Hamas alles getan, um sie ausgeglichen, ruhig und teils sogar fröhlich wirken zu lassen. Das erklärt auch die seltsam anmutenden Verabschiedungen mit Händedruck, Umarmung und Winken. Um sie in diesen Zustand zu versetzen, wurde ihnen vor der Übergabe Clonazepam, in Europa unter dem Markennamen Rivotril bekannt, verabreicht. Während es hier hauptsächlich als Mittel der Wahl zur Behandlung von Epilepsie in ihren verschiedenen Formen verabreicht wird, wird es in den USA auch bei Panikattacken und als Angstlöser verabreicht. Ob die Gabe des Medikaments durch Bluttests oder durch Aussagen der Freigelassenen verifiziert wurde, wurde nicht erwähnt. Das berichtete ein Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums dem Gesundheits-Komitee der Knesset.


Am frühen Nachmittag traf eine aus dem Gazastreifen abgeschossene Rakete direkt ein Haus in Ashkelon. Sie verursachte schwere Schäden am Haus, zwei Frauen wurden durch Schrapnells leicht verletzt. Einige Personen mussten wegen Panikattacken erstbetreut werden. Kurze Zeit vorher war eine aus dem südlichen Libanon abgeschossene Drohne in der Nähe der nordisraelischen Stadt Margaliot abgestürzt. Derzeit wird sie von Spezialisten der IDF untersucht und wenn nötig entschärft. Im Laufe des Vormittags waren immer wieder Raketen und Granaten aus dem Libanon geschossen worden. Israel reagierte mit sofortigem gezieltem Beschuss auf Beobachtungstürme, Waffenlager und andere terroristisch genutzte Gebäude. Im Laufe des Nachmittags verstärkte sich der Beschuss auf das Zentrum Israels, die Raketen erreichten eine Reichweite bis nördlich von Tel Aviv. Ein Gymnasium und eine belebte Einkaufsstrasse wurden von Raketen direkt getroffen. Eine Person wurde verletzt.


Die Bodenoffensive rund um Khan Younis scheint sich zur heftigsten der gesamten Operation bisher zu entwickeln. Khan Younis ist die grösste Stadt im südlichen Gazastreifen und die bevölkerungsmässig zweitgrösste Stadt der Region. Das gleichnamige Flüchtlingslager der UNRWA wurde 1949 im Westen der Stadt gegründet und befindet sich in einem katastrophalen Zustand, ohne dass die UNRWA etwas dagegen unternimmt. Bei der letzten Volkszählung von 2016 lebten dort knapp 50.000 Menschen. Das Vorgehen der Bodenoffensive wurden unter strenger Geheimhaltung vorbereitet, der eigentliche Angriff erfolgte dann zeitgleich von verschiedenen Seiten, so dass die Hamas sich ebenfalls genötigt sah, an verschiedenen Orten zu reagieren. Unterstützt wurde der Angriff durch die Luftwaffe. In Khan Younis befinden sich, wie sich immer mehr abzeichnet, die eigentlichen Hauptquartiere der Terror-Organisation. Trotz zahlreicher Verluste, geht die IDF immer noch davon aus, dass etwa 20.000 der ursprünglich 30.000 aktiven Terroristen noch leben. Derzeit sind in Khan Younis einige tausend Soldaten aktiv.
Die IDF in Verbindung mit dem Marine-Kommando Shayetet 13 hat das Hauptquartier des Sicherheitsdienstes der Hamas Terror-Organisation in Jabaliya im nördlichen Gazastreifen eingenommen. Jabaliya ist eines der ‘Flüchtlingslager’ im Norden von Gaza. In den letzten Tagen hatte die IDF zahlreiche Häuser und Grundstücke durch gezielte Angriffe zerstört, nachdem sie dort Lager mit Raketen und anderen Waffen vorgefunden hatten. Zu den aufgefundenen Dingen gehören auch militärische Ausrüstungsgegenstände und Aufklärungsmaterial.
Zwei US-amerikanische Finanzforscher haben gestern eine Studie veröffentlicht, in der sie behaupten, einen Zusammenhang zwischen den Massakern vom 7. Oktober und auffälligen Transaktionen an der Börse von Tel Aviv hergestellt zu haben. Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, so hat die Hamas Terror-Organisation mit diesen Geschäften Dollar-Gewinne in Millionenhöhe einfahren können. Die Vorgangsweise dieser hoch-riskanten Transaktion ist eine Wette ‘gegen’ den Kursanstieg oder Kursverfall einer Aktie. ‘Ausgeliehene’ Aktien werden verkauft und wenn der Kurs tatsächlich gefallen ist, zum deutlich niedrigeren Preis wieder rückgekauft. Die Differenz ist der Gewinn, die anfallenden Gebühren sind vergleichsweise niedrig. Solange solche Transaktionen nicht mit ungesetzlichen ‘Insiderinformationen’ kombiniert werden, sind sie legal, wenn auch umstritten. Oft werden diese Aktien in sogenannten ETF (Exchange Traded Funds) zusammengefasst. In den Wochen und Tagen vor dem Massaker fiel der Aktienindex Tel Aviv aus bisher ungeklärten Gründen auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Auch an der Börse in New York wurden ähnliche Transaktionen beobachtet. Dort verlor der israelische ETF etwa 20 Tage nach dem Massaker 17.5% und brachte dem Investor US$ 9.50 pro Aktie Reingewinn. Bei 227.000 gehandelten Aktien ein netter Betrag!
Kategorien:Israel
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