5. Tevet 5784

Am heutigen Vormittag musste die IDF erneut den Tod zweier Soldaten bekanntgeben. Damit stieg die Zahl der Gefallenen seit Beginn der Bodenoffensive auf 121. Master Sgt. (res.) Josef Avner Doran, 26, und Sgt. First Class (res.) Shalev Zaltsman, 24, s’’l, fielen in Gefechten im nördlichen und südlichen Gazastreifen.

Gestern wurde bekannt, dass die von Hamas-Terroristen in den Gazastreifen verschleppte Inbar Haiman, 27, s’’l, während ihrer Geiselhaft ermordet wurde. Sie wurde während des Musikfestivals, bei dem sie arbeitete, verschleppt. Der Familie wurde ein Video zugestellt, auf dem sie, zwar blutüberströmt und verprügelt, noch lebte. Ihr Freund Alon, der mit ihr gemeinsam auf dem Festival war, überlebte das Massaker. Die näheren Umstände ihres Todes wurden nicht bekannt. Ihre sterblichen Überreste werden von der Hamas in Gaza zurückgehalten.
Angesichts der täglich neuen Mitteilungen über während der Geiselhaft ermordete oder gestorbene Verschleppten, ist es nur zu verständlich, dass ihre Familienangehörigen immer fordernder werden und ihren Druck auf die Regierung verstärken. «Wir spielen russisches Roulette. So kann es nicht weitergehen. Wir wissen nicht, wann es soweit sein wird, dass an unsere Türe geklopft wird.» klagte Ruby Chen, dessen Sohn Itay zu den Verschleppten gehört, vor dem Verteidigungsministerium. Raz Matalon, fordert dringend neue Vorschläge der Regierung ein, wie sie gedenkt, mit der Hamas weiterzufahren. Yossi und Eli Sahrabi, zwei ihrer Verwandten, befinden sich ebenfalls in Gaza. «Ich schaue unserer politischen Führung in die Augen. Es liegt bei ihnen. Stoppt den Wahnsinn. Gebt uns JETZT einen Vorschlag.»
In einer offiziellen Stellungnahme erklärte die Hamas-Führung gestern Abend: «Es wird keine neuen Verhandlungen oder Vereinbarungen zum Austausch von Geiseln und Gefangenen geben, bevor nicht die Aggressionen gegen unser Volk aufhört. Und zwar für immer.»

Am frühen Samstagvormittag wurde an der libanesischen Grenze ein Soldat, Warrant Officer (res.) Yehezkel Azaria, 52, s’’l, von einer mit Sprengstoff beladenen Drohne in der Nähe der nordisraelischen Stadt Margaliot tödlich verletzt. Zwei weitere Soldaten wurden beim gleichen Vorfall schwer verletzt. Die Hisbollah übernahm die Verantwortung für diesen Anschlag. Israel reagierte mit Artilleriebeschuss. Es muss klar festgehalten werden, dass die UN-Sicherheitsrat-Resolution 1701, die am Ende des zweiten Libanonkrieges verabschiedet worden war, dem Libanon, resp. der Hisbollah, eindeutige Regeln vorgibt. So müssen alle nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen, also auch und vor allem die Hisbollah, völlig entwaffnet werden. Weiterhin darf sich in einer genau definierten Pufferzone von 30 km nördlich der israelischen Grenze keine nicht-staatliche Gruppierung aufhalten. Überwacht werden soll das fragile Arrangement von einer UNO-Blauhelm Truppe, der UNIFIL. Die Aufrüstung der Hisbollah hat in der gesamten Zeit bis heute unter den Augen der UNO die Resolution missachtet und wurde, wie wir es heute erleben, vom Iran modernst aufgerüstet. Die UNO-Blauhelme kann man fast täglich in Tiberias sitzen sehen, wo sie das Leben geniessen.

Die Pressekonferenz, die Netanyahu gestern gemeinsam mit Minister Benny Gantz und Verteidigungsminister Yoav Gallant abhielt, war für Netanyahu der Moment, mit seiner tragisch zu Ende gehenden Regierungszeit abzurechnen. Auf die Frage, warum er sich nie von OSLO II zurückgezogen habe, obwohl er die Verträge für so falsch hielt, antwortete er: «Ich habe die Verträge nur geerbt. Die PLO von Tunis zu holen und nach Judäa und Samaria und auch nach Gaza zu bringen, wurde vor meiner Zeit entschieden. Ein furchtbarer Fehler. Das habe ich damals gesagt und das sage ich auch heute. Ihr Journalisten habt mir 30 Jahre vorgeworfen, OSLO II zu blockieren. Ich bin stolz darauf, einen palästinensischen Staat verhindert zu haben. Heute, angesichts des Krieges gegen die Hamas versteht jeder, was es bedeutet hätte, wenn wir dem internationalen Druck nachgegeben und uns ihm gebeugt hätten.» Die Frage nach dem Tag danach, also nach dem Ende des Krieges, beantwortete er wie folgt: «Erst einmal muss es ein überwältigender Sieg über die Hamas sein, der auch die Hisbollah im Libanon abschreckt. Erst wenn die Hamas zerstört ist, wenden wir uns dem Norden zu. Da wird es entweder eine diplomatische Lösung geben oder, wenn das nicht funktioniert, kommt eine andere zum Tragen.»
Eine Frage ging konkret an Benny Gantz, ob er prinzipiell gegen einen palästinensischen Staat sei. «Zuerst müssen wir den Krieg gewinnen. Die Frage des ‘danach’ ist eine politische Frage und ich habe nicht im Sinn, mich da hineinziehen zu lassen.»
Netanyahu antwortete weitaus ausführlicher: «Ich habe gesagt, dass es eine Entmilitarisierung geben wird. Ich habe gesagt, dass die IDF für die Sicherheit im Gazastreifen verantwortlich sein werden, weil es keinen anderen Faktor gibt, der den Kampf gegen den Terrorismus gewährleisten wird. Und ich kann Ihnen sagen, dass es eine zivile Regierung geben wird, die ihre Kinder nicht dazu erzieht, Israel zu zerstören… Ich bin in diesem Punkt sehr klar.»
Netanyahu übersieht dabei nur eines: Nach dem Ende des Krieges wird es für ihn keine Entscheidungsvollmacht mehr geben! Das hoffentlich letzte Aufheulen eines angezählten Politikers.
Verteidigungsminister Yoav Gallant stellte sich, ebenso wie Generalstabschef Herzi HaLevi noch gestern Abend seiner Verantwortung für das schreckliche Drama, dem die israelischen Geiseln zum Opfer fielen. «Ich übernehme die Verantwortung für alles, was im Sicherheitsapparat geschieht. Das gilt auch für den gestrigen Vorfall.» Gallant hat, im Gegensatz zu Netanyahu mit den Eltern der so tragisch umgekommenen Geiseln gesprochen. Ohne die Soldaten direkt anzuklagen, aber auch nicht, um sie a priori von jedem Fehlverhalten freizusprechen betonte er: «Die Kämpfe sind sehr komplex. Das Gebiet ist voller Sprengfallen und potenzieller Hinterhalte.»
Halevi bedauerte: «Sie haben uns Zeichen gegeben, die wir hätten verstehen müssen, aber nicht verstanden. 70 Tage haben sie in der Hölle überlebt und dann, als sie sich uns näherten, haben wir sie erschossen. Ich versuche, mich in den Kopf und die Vorstellung meiner Soldaten hineinzuversetzen. Da gibt es so vieles zu entscheiden. Sie müssen hellwach und auf alles gefasst sein. Bruchteile einer Sekunde entscheiden über Tod und Leben. Und trotzdem, wir müssen versuchen, es zu verstehen. Sie stehen im Kampf und sie stehen andauernd unter unglaublichem Druck. 70 Tage haben wir unser Bestes in Gaza gegeben und dann, in einer Sekunde, ist so viel geschehen.»
Wie immer, wenn Gallant oder Gantz das Wort ergreifen, hört man, dass es keine leeren Worthülsen sind, die sie absondern, sondern Worte, die voller Empathie sind. Etwas, das Netanyahu schon lange vermissen lässt, oder besser, das er nie hatte.

Die französische Aussenministerin Catherine Colonna traf sich heute am Vormittag mit ihrem israelischen Kollegen Eli Cohen. Ziel ihres Besuches war es, Israel zu drängen, einem «sofortigen und dauernden Waffenstillstand» zuzustimmen. Ihr Besuch fand einen Tag nach dem Tod eines Mitarbeiters des französischen Aussenministeriums in Gaza statt. Paris hatte auf den Tod mit einer scharfen Verurteilung reagiert und fordert eine umfassende Aufklärung des Vorfalls. Colonna wird sich auch mit den Angehörigen von israelisch-französischen Geiseln treffen. Cohen gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass Frankreich eine bedeutende Rolle spielen könne, um einen Krieg mit der Hisbollah doch noch abzuwenden.
Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock und ihr britischer Amtskollege David Cameronbedauerten in einem gemeinsamen Artikel, der vom Guardian übernommen wurde, die hohe Zahl der Opfer, die der Krieg Israels gegen die Hamas bereits gefordert hat. «Wir müssen alles tun, um den Weg von einer Waffenruhe bis zum Waffenstillstand und einem nachhaltigen Frieden zu ebnen. Je schneller das gelingt, desto besser, die Zeit drängt. Aber um es klar zu sagen, wir denken nicht, dass der Aufruf zu einem sofortigen Waffenstillstand zielführend ist. Das würde nicht berücksichtigen, dass Israel gezwungen wurde, sich zu verteidigen. Hamas hat Israel barbarisch angegriffen und schickt immer noch Raketen, um israelische Bürger zu töten. Hamas muss die Waffen niederlegen.»


Ein weiteres Cargo-Unternehmen, die OOCL (Orient Overseas Container Line) hat bekanntgegeben, dass sie bis auf Weiteres keine Schiffe mehr durch den Suez-Kanal schicken wird. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen, die zwar angekündigt haben, die Routen zu ändern und den Umweg um Afrika zu nehmen, hat OCCL festgehalten, dass sie die Lieferung an israelische Häfen ebenfalls einstellen. Der Umweg über Kapstadt beträgt je nach Destination bis zu 42% längere Wegstrecken. Für Ägypten bedeutet der Wegfall der Passage-Gebühren, die im Jahr 2020 US$ 5.61 Milliarden betrugen, einen erheblichen Einkommensverlust.

Gestern Abend wurden bei einer Militär-Operation im Kamal-Adwan Hospital in nördlichen Gazastreifen 90 Hamas Terroristen gefangengenommen. Gleichzeitig wurde in den Inkubatoren des Flügels für Geburtshilfe eine grosse Menge an Waffen entdeckt. Während der letzten 24 Stunden hat die IDF 200 von der Hamas genutzte zivile Infrastrukturen, wie Wohnungen und UNWRA-Schulen gestürmt. In Shejaiya wurden Gewehre, Sprengstoffgürtel und andere Ausrüstungsgegenstände, sowie ein Tunnel unter einem Appartementhaus entdeckt und unschädlich gemacht. Ein grosses Waffenlager wurde im südlichen Gaza im Haus eines Terroristen gefunden. Das Haus wurde zerstört. Sieben Terroristen wurden in Khan Younis durch einen gezielten Luftangriff eliminiert. Eine noch aktive UNRWA Schule diente als Waffenfabrik, zusätzlich wurden auf dem Schulgelände drei Tunneleingänge entdeckt und versiegelt. In einem Wohnhaus in Jabaliya wurde ein Tunneleingang unterhalb einer Babywiege entdeckt. Die Soldaten untersuchten den Tunnel, den sie als ‘strategisch wichtig für Angriffe’ einstufen und zerstörten ihn.

Vor wenigen Stunden wurden Sicherheitskräfte beauftragt, zwei Schrapnelle zu untersuchen, die am Freitag während des Beschusses auf Jerusalem gefallen waren. Ein Schrapnell wurde in einem Kindergarten gefunden, nur wenige Minuten, bevor die Kinder zum Spielen in den Garten gehen sollten. Ein zweites wurde auf einer Baustelle aufgefunden. Die Polizei informierte die Bürger darüber, sich auf keinen Fall einem solchen Teil zu nähern. Gestern wurde ein Mann in Ashkelon, der ein Raketen-Fragment in seinem Garten aufnehmen wollte, schwer verletzt. Es explodierte in dem Moment, als er es bewegte.





Den bisher grössten Angriffs-Tunnel hat die IDF im Norden des Gazastreifens nur 400 m vom Grenzübergang Erez entdeckt. Bisher wurden 4 km von der IDF ausgegraben, er reicht teilweise bis zu 50 m in die Tiefe und ist breit genug, dass auch Fahrzeuge ihn passieren können. Allerdings reicht er nicht bis in israelisches Gebiet. Der Tunnel ist mit allen technischen Möglichkeiten ausgestattet, verfügt über Strom- und Wasseranschlüsse, sowie explosionssichere Türen. Im Tunnelbereich wurden zahlreiche grosse Waffenlager gefunden. Das gesamte Tunnelprojekt wurde von Muhammad Sinwar, dem Bruder des Hamas-Chefs Yahya Sinwar geplant und betreut. Hier die beiden Links zu wirklich erstaunlichen Videos, wie wir uns die Arbeiten im Tunnelsystem vorstellen müssen.
https://cdn.jwplayer.com/previews/7Etk1ChM
https://cdn.jwplayer.com/previews/Wwh30mSY
Ein Kartenwerk, das alle Tunnel genau beschreibt und zeigt, wurde der Presse vorgelegt, ist aber noch nicht zur Veröffentlichung freigegeben.
Tova Herzl, ist Bloggerin bei Times of Israel, war die erste israelische Botschafterin im Baltikum, zweimal Verbindungsperson zum Kongress in Washington und Botschafterin in Südafrika, bevor sie sich in den Vorruhestand versetzen liess.
In ihrem heutigen Artikel gibt sie eine Antwort auf Fragen, die all diejenigen, die unter dem Regime Netanyahu seit 1996 mit kurzen Pausen bis heute sozialisiert wurden, kaum noch beantworten können. Sie wurden auf gleich gebürstet, in blinder Anbetung eines Helden, der sich am Ende seiner politischen Karriere als die menschliche Version eines potemkinschen Dorfes entpuppen sollte. Einer ganzen Generation, deren Credo es zu sein scheint: «Du hast mit all deiner Kritik Recht, aber Politik ist nun einmal so.» Und wie bitte ist das? Korrupt? Ohne Verantwortungsbewusstsein? Selbstüberzeugt?
Rabins Ehefrau Lea hatte 1977 vergessen, vor der Rückkehr nach Jerusalem ein kleines Konto in Washington aufzulösen. Das war gegen das Gesetz. Rabin zog seine Kandidatur als PM zurück und machte damit dem Likud den Weg an die Macht frei.
2008 erklärte Netanyahu, dass der damalige PM Ehud Olmert, angeklagt wegen Korruptionsvorwürfen, nicht mehr PM bleiben könne. Damit hatte er wohl recht. Olmert wurde verurteilt und sass seine Strafe ab. Und er selbst? Angeklagt wegen verschiedenen Rechtsbrüchen versucht er, das ausgewogenen Rechtssystem in Israel abzuschaffen, um sich der Verurteilung und Strafe zu entziehen.
MK Menachem Begin verliess das Plenum der Knesset, als der Parteivorsitzende der später verbotenen Kach-Partei, Meir Kahane sprach. Seine Parteikollegen taten es ihm nach, sie wollten einem ausgewiesenen Rassisten nicht zuhören. Und Netanyahu? Vor der Wahl weigerte er sich, mit dem Nachfolger von Kahane, Itamar Ben-Gvir gemeinsam fotografiert zu werden. Nach den knapp gewonnenen Wahlen holte er ihn sogar an seinen Kabinettstisch. Ebenso wie den Siedlerfreund Bezalel Smotrich, dem er nicht nur das Finanzministerium übertrug, sondern auch als de facto PM in Judäa und Samaria einsetzte.
Dann erleben wir Netanyahu nach dem tragischen Tod des Helden Yuval Kastelman, wie er darauf kaltschnäuzig reagiert: «So ist das Leben.»
Wie anders war die Reaktion des damaligen, noch wirklich mit Israel befreundeten jordanischen Königs, Hussein 1997, als er eigens nach Beit Shemesh kam und von den Familien der sieben SchulmädchenVerzeihung erflehte, die von einem jordanischen Soldaten erschossen worden waren. Neben ihm: Ein lächelnder Netanyahu.
Noch einmal zu Netanyahu: Er überliess es anderen, die Familien der drei Geiseln selbst zu informieren, die in einem tragischen Vorfall von israelischen Soldaten getötet worden waren.
Kategorien:Israel
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