6. Tevet 5784


Am heutigen Vormittag musste die IDF bekanntgeben, dass weitere sechs Soldaten gefallen sind.
Staff Sgt. Boris Dunavetski, 21, Sgt. First Class Urija Bayer, 20, Sgt. First Class Liav Aloush, 21, Master Sgt. (res.) Etan Naeh, 26, Master Sgt. (res.) Tal Filiba, 23, und Sgt. First Class (res.) Lidor Yosef Karavani, 23, s’’l.
Bayer verlor den Kampf um sein Leben, nachdem er bereits am 14. Dez. verletzt worden war. Er ist evangelischer Christ, der seinen Dienst in der IDF freiwillig absolvierte. Seine Eltern betreiben ein christliches Gästehaus in Ma’alot. Dort können Überlebende der Shoa kostenlos Ferientage verbringen. Zwei seiner Brüder dienen derzeit ebenfalls in Gaza.
Dunavetski und Karavani fielen bereits gestern im Bodenkampf im nördlichen Gaza, seine Kollegen im Bodenkampf im südlichen Gaza. Weitere Soldaten und Offiziere wurden über Nacht schwer verletzt.

Mit einer Cyber-Attacke wurden 70 % der iranischen Tankstellen ausser Betrieb gesetzt. Das iranische Staatsfernsehen spricht von einem Softwarefehler und fordert die Autofahrer auf, keine Hamsterkäufe an den noch funktionsfähigen Tankstellen zu unternehmen. Im Iran gibt es etwa 33.000 Tankstellen. Noch gibt es keine Informationen, wer hinter dem Anschlag steht, eine mit Israel affiliierte Hacker-Gruppe hat die Verantwortung übernommen. «Dieser Cyber-Angriff ist die Antwort auf die fortgesetzte Aggression der islamischen Republik und ihrer Verbündeten auf die Region. Khamenei, wer mit dem Feuer spielt, muss den Preis zahlen.» hiess es in dem Statement in Englisch und Farsi.
Heute Nachmittag wird im UN-Sicherheitsrat wieder über eine Resolution, eingebracht durch die VAE, erneut abgestimmt werden. Der Entwurf fordert: «… die dringende und dauerhafte Einstellung der Feindseligkeiten, um einen sicheren und ungehinderten humanitären Zugang zum Gazastreifen zu ermöglichen, sowie die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Geiseln.» Erneut verzichtet der Text darauf, explizit die Hamas als Verursacher des Massakers zu benennen und formuliert sehr vage «alle wahllosen Angriffe auf Zivilisten.» Der Entwurf, sowie die Uhrzeit des Treffens sind leider noch nicht auf der Webseite des UNSC aufgeschaltet. Das bedeutet, dass der Text noch nicht endgültig ausformuliert wurde. Scheinbar wird auch die «die Bedeutung der Vereinigung des Gazastreifens mit dem Westjordanland unter der Palästinensischen Autonomiebehörde betont.»
Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen den 34 Jahre alten Noam Dayan aus Zichron Ya’akov erhoben. Es ist die dritte Anzeige dieser Art seit dem 7. Oktober. Auf seinem ‘Telegram-Account» hatte er geschrieben: «Die Zeit ist gekommen, die Babys im Gazastreifen in der Wiege abzuschlachten – Ich persönlich würde gerne die Schädel arabischer Babys zertrümmern – Palästinensische Mädchen müssen vergewaltigt werden – Wir müssen Vernichtungslager für Palästinenser schaffen – Es ist wichtig, jeden Muslim und Araber auf dem Planeten zu töten – Muslime müssen ausgerottet werden, Punkt – Bis auf den letzten – Muslime sind keine Menschen, sie sind nicht einmal Kakerlaken, sie sind Luft, Staub, nichts – Vernichtet die Plage, jetzt.» Auf Antrag der Staatsanwaltschaft muss er bis zu seiner Verhandlung in Haft bleiben. Ich weiss nicht, welche Strafe ich diesem Unmenschen wünsche. Auf jeden Fall hoffe ich, dass er keinen Arzt findet, der ihm eine wahnhafte Störung attestiert und ihn in eine Sicherheitsverwahrung einweisen lässt. Die ist gegenüber den israelischen Gefängnissen viel zu angenehm.


Bei einem Anschlag mit einer Schusswaffe wurde in Samaria ein Auto angegriffen. Eine Frau wurde mittelschwer verletzt, ihr Mann und das sechs Wochen alte Baby blieben unverletzt. Ihrem Mann gelang es, mit seiner Dienstwaffe die Angreifer zu vertreiben und so Schlimmeres zu verhindern. Trotz ihrer Verletzungen gelang es ihrem Mann, einem Reservisten, der auf einem Kurzurlaub daheim war, einen Vorort von Jerusalem zu erreichen, wo sie umgehend vom Magen David Adom erstbehandelt und dann in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Suche nach den Attentätern ist noch im Gange
Netanyahu hat keine Freude mehr am Namen dieses Krieges. «Swords of Iron» sei der falsch gewählte Name. Dieser Name sei unpassend für einen Krieg und hätte sich nur für eine militärische Operation geeignet. Stattdessen versucht er nun, das Militär zu überzeugen, ihn umzubenennen in «War of Genesis», «Gaza War» oder «Simchat Torah War». Wenn schon, denke ich, etwas Bescheidenheit täte Not und dann wäre nur «Gaza War» passend.
Finanzminister Smotrich stellte heute klar: «Solange ich der FM dieses Staates bin, wird kein einziger Schekel an ‘Hamas-Nazis’ in Gaza oder an die Familie der Terroristen in Judäa und Samaria überwiesen.» Er bezieht sich dabei auf jene Steuergelder, die Israel für die PA einzieht und anschliessend an diese überweist. US$ 100 Millionen sollten für verschiedene Projekte in Gaza dorthin überwiesen werden. Der PM der PA, Mohammad Shtayyeh, bezeichnete den Vorschlag als ‘politische Entscheidung’, die darauf abzielt, den Gazastreifen und das Westjordanland voneinander zu trennen. Smotrich hat seinen Entschluss dem PM mitgeteilt und hinzugefügt, dass er gewillt sei, allfällige Folgen zu tragen, wenn die Regierung den Transfer erzwingt. Was sie rechtlich gesehen sogar tun muss.
Nachdem erst in der vergangenen Woche das abgeänderte Budget für das laufende Jahr 2023 von der Knesset in der ersten Lesung angenommen wurde, betonte Netanyahu heute, dass das Budget für das Verteidigungsministerium sofort um US$ 5.5 Milliarden pro Jahr (!) aufgestockt werden müsse. Es sei zwar in den letzten Jahren gestiegen, aber im Verhältnis zum BIP gesunken. «Wir können diese Politik nicht fortsetzen. Von jetzt an, genau jetzt, müssen wir deutlich, ja absolut, das Budget mit einem Sprung von mindestens 20 Milliarden NIS und auch als höheren Prozentsatz des BIP aufstocken, um unseren Sicherheitsbedürfnissen gerecht zu werden.» Und woher soll das Geld kommen? Sollen wieder ein paar Ministerien abgeschafft werden? Oder soll die ‘Wings of Zion’, das Prestigeflugzeug von Netanyahu, nun endlich wieder verkauft werden? All das wären aber nur Tropfen auf den heissen Stein. Das Gesamtbudget nach allen bisherigen Anpassungen beträgt 510 Milliarden NIS. Immerhin hat sich das Finanz-Komitee der Knesset heute als erste Massnahme darauf geeinigt, die Bezüge für Regierungsbeamte und den öffentlichen Dienst bis zum Jahr 2025 einzufrieren. Das spart dem Land 52 Millionen NIS für 2024.

Während der Nacht stellt die IDF In einem Haus in Jabaliya, das einem ranghohen Hamas-Führer gehört, Koffer mit etwa NIS 5 Millionen (US$ 1.25 Millionen) sicher. Mehr als 150 Ziele wurden gezielt angegriffen. In Khan Younis wurde eine Gruppe von Terroristen beobachtet, die ein als Treffpunkt für die Hamas bekanntes Gebäude betrat. Sie wurden von einem Kampfhubschrauber eliminiert. Mit einer Drohne wurde ein Scharfschütze neutralisiert, der aus einem Gebäude heraus Soldaten angriff. Die Hamas verlautbarte, dass bei den Kämpfen in Jabaliya über Nacht 110 Hamas-Mitglieder getötet wurden. Am Nachmittag meldet die IDF, dass sie die volle Kontrolle über Beit Hanoun im nördlichen Gazastreifen übernommen habe. Die Verantwortung über das Gebiet liegt nun in der Hand der Gaza Division, die für die Sicherheit der Region zuständig ist.
Als ‘geheim’ gekennzeichnete Dokumente aus dem Jahr 2015 wurden in Khan Younis aufgefunden. Die Dokumente enthielten umfassende Informationen über Organisationsstrukturen der IDF, Hintergrundinformationen zu hohen Militärs inklusive dem damaligen Generalstabschef Gadi Eisenkot, sowie dem damaligen Verteidigungsminister Avigdor Lieberman. Bei den Unterlagen befanden sich auch zahlreiche Spionage-Unterlagen. Zu den gestürmten Häusern und Büros in Khan Younis gehört auch ein Ferienhaus des Hamas-Führers Yahya Sinwar.

Ein weiterer Angriff der Houthi-Rebellen auf ein Schiff, die M/V Swan Atlantic, die unter der Flagge der Cayman Islands segelt, das sich etwa 30 sm vor der Küste des Jemen befand, endete mit einer Explosion im Wasser, ohne dass ein Schaden entstand. Der Tanker ist unterwegs von Saudi-Arabien nach ‘Port de Pointe de Galets’ auf der Insel Réunion im Indischen Ozean, wo es am 27. Dezember ankommen soll. Heute gab auch der Öl Riese BP bekannt, bis auf Weiteres keine Schiffe mehr durch das Rote Meer segeln zu lassen.

Der Beschuss aus dem südlichen Libanon ging auch heute ungehindert weiter. Im Laufe des Vormittags wurden einige Raketen und Drohnen, abgeschossen von der Hisbollah, auf israelisches Gebiet abgefangen. Im Laufe des Tages wurden mehrfach Alarme ausgelöst, die anfliegenden Geschosse konnten aber neutralisiert werden. Die IAF reagierte mit einigen gezielten Angriffen auf Stellungen der Hisbollah.
Bereits am Samstagabend fand ein kleines Treffen zwischen VM Yoav Gallant, Benny Gantz, freigelassenen Geiseln und Familienangehörigen von im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln statt. «Wir haben keine Zeit mehr. Jeder Tag, der vergeht, ist schrecklich. Sie haben keine Ahnung, mit was für Monstern wir es zu tun haben. Wenn sie sich bedroht fühlen, werden sie die Gefangenen als Schutzschilden missbrauchen. Die IDF war so nahe, dass wir sie anflehten, uns aus dem Gebäude, in dem wir gefangen gehalten wurden, in die Tunnel zu bringen, was sie dann auch taten. Geht nicht in die Tunnels. Sie bewegen sich dort in grosser Zahl. Es ist eine kolossale Gefahr für die Soldaten und die Geiseln» berichtete ein Freigelassener. Benny Gantz versprach: «Die Frage der Geiseln hat Vorrang. Ich werde nicht in der Koalition bleiben, wenn es die Möglichkeit gibt, etwas zu erreichen und es wird nicht getan. Zuerst müssen die Geiseln zurückgebracht werden. Dann haben wir ein Leben lang Zeit, die Hamas zu bekämpfen.» VM Gallant betonte:«Es gibt dort eine Führung, die keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung nimmt. Ihr Ziel ist es, die israelische Gesellschaft zu zerschlagen. Ich bin bereit, eine Menge zu geben, aber ich werde nicht öffentlich darüber sprechen.»
Im Prinzip zeigen sich sowohl die Hamas als auch Israel bereit für neue Verhandlungen über ein neues humanitäres Waffenstillstandsabkommen. Dabei soll die Freilassung von weiteren israelischen Geiseln thematisiert werden. Ägypten und Katar fordern als Voraussetzung, dass die Hilfslieferungen in den Gazastreifen beschleunigt werden, und dass zu diesem Zweck der Warenübergang Kerem Shalom im Süden von Gaza eröffnet wird. Seit gestern werden regelmässig Lieferungen sowohl in Kerem Shalom, als auch in Nitzana von Israel kontrolliert und dann via Rafah in den Gazastreifen zur Lieferung nach Gaza zugelassen. Damit wurde die Zahl der Lieferungen um 100 % erhöht, sofern es nicht zu Rückstaus in Rafah kommt. Dieser Punkt kann somit als erledigt angesehen werden.
Schwieriger stellen sich zwei weitere Bedingungen dar:
Die Hamas will einseitig darüber entscheiden, welche Geiseln freigelassen werden, ohne Israel vorher die Namen bekanntzugeben. Israel besteht aber auf dieser Information,
Die Hamas besteht darauf, dass sich Israel hinter eine von ihnen vorgeschriebene Linie zurückzieht. Auch dieser Punkt wird von Israel abgelehnt.
Damit ist klar, dass die Verhandlungen sehr lange dauern und sich sehr schwierig gestalten werden.

Dr. Cochav Elkayam-Levy, ist die Vorsitzende eines Gremiums von Expertinnen, die die geschlechterspezifische Gewalt der Hamas zu dokumentieren versuchen. Sie geht davon aus, dass dieses Projekt sie über Jahre hinweg begleiten wird.
Schon nach den ersten Gesprächen und der Sichtung der ersten Unterlagen wird ihr klar, dass hier einige verantwortliche Stellen zusammenarbeiten müssen, um eines sicherzustellen: Der Schutz der Opfer und deren Angehörigen muss an oberster Stelle stehen. Frauen in aller Welt erleben es immer wieder, dass sie, wenn sie den schweren Schritt tun, polizeilich anzuzeigen, dass sie Opfer einer Vergewaltigung oder sonstiger Gewalt gegen sie wurden, oft auf gänzlich unempathische Menschen treffen. Allzu oft werden sie nicht ernstgenommen, belächelt, ja sogar einer Mitschuld bezichtigt. Ein Grund, warum die Dunkelziffer der Gewaltverbrechen gegen Frauen immer noch so hoch ist. Es ist richtig und wichtig, dass die Befragungen heute nur mehr durch weibliche Beamte durchgeführt werden dürfen. Eine Befragung in der Schweiz aus dem Jahr 2019 zeigt erschreckende Ergebnisse. Von den 4.495 befragten Frauen ab 16 Jahren hatten 1.239 gegen sie gerichtete sexuelle Gewalt erlebt. Warum sie diese nicht zur Anzeige brachten, zeigt die Tabelle:

Die Gruppe um Elkayam-Levy bemüht sich darum, gemeinsam von einem Team von Expertinnen und Therapeutinnen die Befragungen durchführen zu lassen. «Die Opfer, aber auch die Augenzeugen sind zutiefst traumatisiert. Jeder Tag danach ist ein winziger Schritt, zu beginnen, die grauenhaften Erlebnisse einzuordnen. Alles, was wir tun, muss verhindern, dass sie re-traumatisiert werden.»
Re-Traumatisierungen können zu einer nachhaltigen Verschlechterung des fragilen Zustandes führen, die bei entsprechend disponierten Menschen bis zum Suizid führen können. Vorsicht ist daher geboten bei sicher gutgemeinten, aber nicht engmaschig von Fachleuten begleiteten Konfrontationen der Opfer mit ihren Erlebnissen. Veranstaltungen, an denen Opfer und Augenzeugen auftreten, um sie der Weltöffentlichkeit bewusst zu machen, sind ein zweischneidiges Schwert.
Jede sexualisierte Gewalt ist eine Gewalt- und Machtdemonstration der Täter. Die brutalen, mit Worten fast nicht zu beschreibenden Verbrechen an den Frauen und Kindern am 7. Oktober tragen zusätzlich das Element der Verachtung in sich. Seit dem Bosnienkrieg wird sie als Kriegstaktik angesehen. Die Ähnlichkeiten zwischen Bosnien und Israel sind gravierend. Geschieht diese Gewaltanwendung systematisch, kann sie als ‘Verbrechen gegen die Menschlichkeit’ geahndet werden. Diesem Vorwurf werden sich die Schlächter der Hamas nicht stellen müssen. Zumindest nicht nach dem, was wir bisher von den Opfern wissen. Das, was wir bisher wissen, ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Wir kennen bisher nur die Berichte der überlebenden Augenzeugen und die Bilder der Frauen, die mit eindeutig blutbefleckter Kleidung entweder vorgeführt wurden wie Trophäen eines makabren Wettbewerbes, oder einfach weggeworfen wurden. Wir wissen noch nicht, was die Geiseln in Gaza erdulden müssen, vielleicht werden wir es auch nie erfahren.

Ein Merkmal der Kriegstaktik ist, wenn gleichzeitig die Vergewaltigungen und Verstümmelungen zeitgleich an einigen, teils weit auseinanderliegenden Orten stattfinden. So wie in Israel, als die Schächter in Kibbuzim rund um den Gazastreifen einfielen. Das war geplant, das war in den Köpfen der Schlächter fest einprogrammiert. Sie fanden statt vor den Augen ihrer Freunde beim Festival, vor den Augen ihrer Partner, Brüder und Kinder in den Kibbutzim. Auch das ist ein Aspekt der Kriegsführung. Die Demütigung der Männer, ihre Frauen nicht schützen zu können. Ihre Ohnmacht, die sie erniedrigt. Die Hamas-Schlächter haben sich gut vorbereitet.
Die Reaktionen, oder besser gesagt das dröhnende Schweigen der UNO und anderer massgeblicher Stellen, die sich wochenlang weigerten, das Grauen zu thematisieren, oder auch nur anzusprechen, spricht für sich. Keine Solidarität, keine Hilfe, keine Unterstützung. Es sind wieder die Frauen, die, so wie seit Jahrhunderten für sich selbst, ihre Rechte und ihre Gesundheit eintreten müssen.
Kategorien:Israel
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