12. Tevet 5784

Heute hat die IDF den Verlust von 14 (!) Soldaten zu beklagen, die über das Wochenende im Kampf gegen die Hamas fielen.
Staff Sgt. David Bogdanovskyi, 19, Staff Sgt. Orel Bashan, 20, Staff Sgt. Gal Hershko, 20, Staff Sgt. Roy Elias, 21, Staff Sgt. Roy Elias, 21, Staff Sgt. Itamar Shemen, 21, Master Sgt. (res.) Nadav Issachar Farhi, 30, Master Sgt. (res.) Eliyahu Meir Ohana, 28, Sgt. First Class (res.) Elyassaf Shoshan, 23, Sgt. First Class (res.) Ohad Ashur, 23, Cpt. Oshri Moshe Butzhal, 22, Staff Sgt. (res.) Nir Rafael Kananian, 20, Staff Sgt. Birhanu Kassie, 20, Master Sgt. (res.) Shay Termin und Warrant Officer (res.) Alexander Shpits, 41, s’’l.

Die Präsidentin des IRK, Mirjana Spoljaric-Egger, hat das Gefühl, Israel trage die Mitschuld daran, dass ihre Organisation nicht zu den Geiseln vorgelassen wird. Sie sei ‘enttäuscht’, dass die Hamas sich weigere, dem IRK den Zugang zu den Geiseln zu ermöglichen, sich über deren Gesundheitszustand zu informieren, Medikamente zu bringen und den Kontakt zu den Familien herzustellen. Um das jedoch zu gewährleisten, verlangt die Hamas erhebliche Zugeständnisse von Israel. «Jetzt muss Israel mit der Hamas verhandeln, und zwar mit einem Vermittler, in diesem Fall Katar. Sie müssen eine Einigung finden, damit wir erfahren, wo die Geiseln sind, denn wir wissen derzeit nicht, wo sie sind. Wir wissen nicht, wann und wo wir an sie herankommen können. Das ist die einfache Tatsache. Wir können das nicht durchsetzen. Israel und die Hamas müssen sich auf die Modalitäten einigen, mit denen wir Zugang zu den Geiseln erhalten und sie freilassen können.» Spoljaric-Egger betonte die Bedeutung ihrer Rolle bei der Befreiung der 105 Geiseln während der Feuerpause. Welchen Grund hat sie, darauf stolz zu sein? Die Rolle des IRK beschränkte sich auf die Shuttle-Fahrten zwischen Hamas und dem IDF. Das hätte auch einer der beiden Taxidienste ‘Uber’ oder ‘Get’ anbieten können. Der aktuelle Besuch im Europa-Spital in Gaza City wird seitens der Familienangehörigen der Geiseln als völlig überflüssig und reine PR in eigener Sache bewertet.

Durch den anhaltenden Beschuss aus dem südlichen Libanon durch die Hisbollah wurden im Kibbutz Manara 86 Häuser teils vollkommen zerstört. Die Kibbutz wurde schon vor Wochen evakuiert, die Kibbuzniks hoffen aber, so bald wie möglich wieder nach Hause zurückkehren zu können. Israel hatte immer wieder betont, dass es mit Berufung auf die UN-Resolution 1701 es nicht länger tolerieren werde, dass sich die Terror-Organisation Hisbollah innerhalb der 30 km Zone aufhält. Sollte es nicht gelingen, sie auf diplomatischem Weg zurückzudrängen, so müssten die IDF das mit ihren eigenen Massnahmen durchsetzen.

In einem Gebäude, in dem in Jabaliya Zivilisten Schutz gesucht hatten, fand die IDF ein grosses Waffenlager. Das Gebäude liegt zwischen einer Schule, einer Moschee und einer Klinik mitten in einem ausschliesslich von Zivilisten bewohnten Gebiet. Besonders erschütternd war, dass sich dort auch speziell für Kinder vorbereitete Sprengstoffgürtel fanden.
Die IDF hat, offensichtlich in der Absicht, den Grenzübergang zu Rafah einzunehmen, die Ägypter aufgefordert, ihre Truppen vom Grenzposten zurückzuziehen. Im Zuge des Friedensabkommens von 1979 zwischen Israel und Ägypten war der Philadelphi Weg, ein 14 km langer, schmaler Streifen als Pufferzone zwischen Ägypten und dem Gazastreifen eingerichtet worden. Israel hatte das Recht, diesen regelmässig zu überwachen und auch dort zu patrouillieren. Eingerichtet wurde er, um den Schmuggel von Waffen und anderen verbotenen Gütern in den Gazastreifen zu verhindern. Auch nach dem Abschluss der Oslo-Abkommen blieb diese Vereinbarung aufrecht. Nach dem einseitigen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen wurde der Vertrag mit den ‘Philadelphi Accords’ aufgehoben. Ab dem Moment wurde die Grenze von ägyptischen Soldaten, Mitgliedern der PA und ab 2007, der Machtübernahme der Hamas, von diesen alleine kontrolliert. Rafah wurde zur geteilten Stadt. Der Tunnelbau unter der Stadt begann und ermöglichte weiterhin den Schmuggel.



Die Houthi Rebellen haben erneut ein Schiff angegriffen. Vom US-amerikanischen Kriegsschiff USS Laboon konnten alle vier Drohnen abgeschossen werden, die in ihre Richtung flogen. Eine Drohne traf einen Tanker, die M/V Saibaba, richtete aber dort keinen Schaden an, eine weitere Drohne fiel wenige Meter neben einem weiteren Frachtschiff, der M/V Blaamanen, ins Wasser. Die USS Laboon ist Teil der Schutzflotte, die die im Roten Meer segelnden Frachter vor Beschuss durch die Houthie-Rebellen schützen sollen. Jener Frachter, der gestern in internationalen Gewässern vor Indien angegriffen worden war, wurde heute als ‘Chem Pluto’ benannt. Die Drohne, die das Schiff angegriffen hatte, wurde aus dem Iran abgeschossen.
Am 7. Oktober 2023 zerbrach die Illusion, dass Israel ein sicherer Hafen für Juden war. Der letzte DJ am Musik-Festival wurde von einem der Gäste gestoppt, brach die Musik ab und rief den Tanzenden zu. «Die Party ist vorbei!» Am Himmel über dem Veranstaltungsplatz im Kibbutz Re’im konnte man das schaurige Spektakel der abgeschossenen Raketen sehen und das laute ‘Boom’ hören, wenn wieder eine der todbringenden Waffen abgefangen worden war. Überall hörten die jungen Menschen, die bis vor wenigen Minuten noch das Leben gefeiert hatten, Schüsse. Gezielte Schüsse. Gezielter Beschuss. Zuerst kam die Anweisung der Organisatoren, die Teilnehmer sollen sich auf den Boden legen und die Hände über dem Kopf falten, so wie man es schon Kindern beibringt, wenn sie bei einem Alarm nicht in den Schutzraum gelangen können. Wenig später dann der dringende Aufruf: «Verschwindet von hier, alles in die Autos, fahrt los, so schnell es geht!» Wenige Minuten nach dem ersten Alarm kamen die Hamas-Schlächter. Sie kamen auf Mopeds, Motorrädern und Autos. Die Ersten, die den Festival-Platz gerade noch hatten verlassen können, informierten die Polizei, das Militär, Freunde, die im Besitz von Waffen waren und andere Sicherheitskräfte. Bis die jedoch am Ort des Dramas ankamen, waren bereits mehr als 200 Menschen tot, einige Hundert teils schwer verletzt, viele Frauen vergewaltigt und bei lebendigem Leib verbrannt worden. Eine unbekannte Zahl war, tot oder lebendig, in den Gazastreifen verschleppt.
Gleiche Bilder entwickelten sich zur gleichen Zeit in den anderen Kibbutzim und Orten rund um den Gazastreifen.
Schon am Abend war klar: Es gab mehr als 1.200 tote Israelis, mindestens 240 waren als Geiseln verschleppt worden. Die Zahl der Verletzten und Vermissten konnte noch nicht beziffert werden.
Re’im, Be’eri, Nir Oz, Kfar Aza, Nirim, Nahal Oz, Kissufim, Sderort, Ofakim, Netiv HaAsara, Namen, die ausserhalb Israels kaum jemand kannte, wurden zum Inbegriff des Terrors gegen unschuldige Juden. Unschuldige, die nur deshalb sterben mussten, weil sie Juden waren. Diese interaktive Karte lässt die Gesichter und die Geschichte der Opfer hinter jedem Punkt auftauchen. Rote Punkte stehen für ermordete, blaue für nach Gaza verschleppte und mittlerweile freigelassene Geiseln, schwarze für jene, die sich noch in Gaza befinden.
Die Zür’cher Gruppe ‘#yellowumbrella’ hat in der vergangenen Woche vier Überlebende des Massakers eingeladen.



Yuval Raphael, 23, hat die Hölle von Re’im überlebt. Sie ist in Begleitung ihrer Mutter nach Zürich gekommen. Allein traut sie sich die Konfrontation mit dem Durchlittenen noch nicht zu. In einer Schule sitzt sie vor einer Gruppe von Maturanten. Wenn sie spricht, versucht sie, eine Distanz zu sich selbst aufzubauen. Ihre Augen zeigen, trotz perfektem Make-up die Leere und den Schmerz, der immer noch in ihr tobt. Sie erzählt in einfachen Worten, unaufgeregt und auf die Zukunft fokussiert: «Ich habe nicht überlebt, um nicht zu leben.»Viele ihrer mitgebrachten Bilder zeigt sie nicht, sie weiss, dass sie damit die Schüler überfordern würde. Überlebt hat sie in einem der winzigen Bunker, die in Israel allgegenwärtig sind. Sie bieten Platz für wenige Personen, in diesem Bunker lagen 50 Menschen, nur 11 von ihnen überlebten.



Shmuel Moha und Adi Shaar haben das Massaker in ihrem Haus im Kibbutz Nirim überlebt. Bei ihnen war Baby Neta, damals gerade zwei Monate alt. Sie waren mehr als fünf Stunden eingesperrt in ihrem Schutzraum. Shmuels Haus ist das, was wir als ‘smart-home’ kennen, er konnte über eine Kamera alles erkennen, was sich im Haus abspielte. Was schlussendlich die Terroristen vertrieb, war eine scheinbar völlig sinnlose Aktion: Er liess alle Rollos gleichzeitig öffnen, warum das klappe, weiss er nicht, aber es klappte.





Die Gruppe sprach am Montagnachmittag in den Räumen der Israelitischen Cultus Gemeinde. Später fand eine Kundgebung auf der Rathausbrücke statt. Der Dienstagvormittag war für Gespräche an zwei Gymnasien verplant, der Nachmittag für eine Kundgebung im katholischen Fraumünster. Am Mittwoch gab es Gespräche mit Schweizer Parlamentariern und Mitarbeitern des Aussenministeriums.
Ein umfangreicher, gut geplanter und wertvoller Beitrag, um das Massaker vom 7. Oktober in möglichst viele Köpfe zu transportieren. Es wird viel zu schnell vergessen werden, wenn nicht eine sinnvolle Erinnerungsarbeit jetzt einsetzt!
Für die Videos bedanke ich mich bei Miklós Rózsa und Daphne Chaimovitz, für die Bilder bei einem unbekannten Fotografen und bei der NZZ.
Kategorien:Israel
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