Krieg in Israel – Tag 82

15. Tevet 5784

Leider muss auch heute die IDF wieder den Tod von drei Soldaten verkünden. Lt. Yaron Eliezer Chitiz, 23, Staff Sgt. Itay Buton, 20, und Staff Sgt. Efraim Jackmanm 21, s’’l, sind bereits am Vortag bei Gefechten im nördlichen Gazastreifen tödlich verletzt worden. 

Die IDF gab weitere Einzelheiten zu Gefechten bekannt, die in den letzten Tagen stattgefunden haben. Im Stadtteil Shejaiya in Gaza City forderten Soldaten Unterstützung durch die Luftwaffe an, nachdem sie sich einer grösseren Gruppe von Terroristen gegenübersahen, die sie aus Häusern heraus beschoss. Der nachfolgende Luftangriff eliminierte nicht nur die Terror-Zelle, sondern löste weitläufige Explosionen aus. Das lässt darauf schliessen, dass das Gebiet grossräumig vermint war. Nachdem das Gebiet im nördlichen Gazastreifen sich weitgehend unter der operativen Kontrolle der IDF befindet, sichert derzeit nur ein Bataillon das Gebiet, in dem immer noch vereinzelte Terror-Zellen aktiv sind.

Die UN-Menschenrechtsbeauftragte für ‘Binnenvertriebene’, Paula Gaviria Betancur, erklärte, die IDF lege es bei den Bodenoffensiven darauf an, die Bewohner des Gazastreifens vollständig zu vertreiben. «Da die Evakuierungsbefehle und Militäroperationen immer weiter ausgedehnt werden und die Zivilbevölkerung täglich unerbittlichen Angriffen ausgesetzt ist, ist die einzige logische Schlussfolgerung, dass Israels Militäroperation in Gaza darauf abzielt, die Mehrheit der Zivilbevölkerung massenhaft zu deportieren.» Israel hat immer wieder festgehalten, dass die Evakuierung aus den jeweiligen Kampfzonen keine Vertreibung darstelle, sondern einzig der Sicherheit der Bewohner diene. Fraglich ist es trotzdem, wohin die vom Norden des Gazastreifens evakuierten Menschen flüchten sollen. Die Auffanglager im Umkreis von Rafah sind überfüllt und Rafah selbst ist, wie auch die benachbarte Stadt Khan Younis, derzeit und wohl auch für die kommenden Monate, Kampfgebiet. Ägypten weigert sich, die Grenze in den Sinai zu öffnen. Es befürchtet, dass aus einer ‘temporären Schutzsituation’ eine Dauerlösung wird, die es absolut ablehnt. Auch eine Rückkehr in ihre ursprünglichen Wohnorte ist auf Grund des hohen Zerstörungsgrades nicht immer möglich. Trotzdem, daraus die Absicht einer Massendeportation abzuleiten ist falsch. 

Die Hisbollah hat am heutigen Vormittag mindestens 18 Raketen auf das Gebiet um den Grenzort Rosh HaNikra am Mittelmeer abgeschossen. In einer Erklärung gaben sie bekannt, dass der Beschuss der Basis der israelischen Marine gegolten habe, die dort liegt. Mindestens sechs Raketen wurden abgefangen, die anderen fielen, ohne Schaden anzurichten, ins Meer. Die IDF schoss sofort auf den Abschussort zurück und zerstörte ihn. Die Hisbollah klagte, dass bei einem israelischen Angriff drei Personen ihr Leben verloren haben. Der Angriff hat Bint Jbeil gegolten, einer Hochburg der Terror-Organisation. Weite Teile des Ortes waren während des Libanon Krieges 2006 zerstört worden.

Cpt. Shaul Greenglick, s’’l, dessen Tod gestern bekanntgegeben werden musste, hat erst vor wenigen Wochen an der Vorausscheidung für das israelische Pendant zu «The next Star» teilgenommen. Bei dieser Show wird in Israel auch der Teilnehmer am Eurovisions Song Contest ermittelt. Er stand auf der Bühne in der Uniform der Reservisten. Nach dem Auftritt zog er seine Bewerbung zurück. «Ich hatte mir dieses Jahr anders vorgestellt: ein Jahr voller Ambitionen und erfüllter Träume. Jetzt lebe ich einen alten Traum, für mein Land zu kämpfen, und wir sind gerade mitten in der Nacht … ein neuer Traum und ein anderer Traum müssen noch ein wenig warten. Vielen Dank für die warmen und ermutigenden Worte und für die guten Kritiken. Ich hoffe, dass diese Zeit vorübergeht und dass sie schnell vorübergeht.» Ein letztes Video zeigt ihn bei einem Kurzurlaub bei einer Familie. Seine Geschwister musizieren, seine Mutter umarmt ihn. Das Lied ist ein emotionales. תתארו לכם- ‘stellt euch vor: eine Welt, die weniger traurig ist, als es die unsere ist, eine utopische Vision auch von Furchtlosigkeit’. 

Die UNO hat ihren anti-israelischen Mitarbeiterkreis erweitert.  Sigrid Kaag wird als ‘Hilfskoordinatorin für Gaza’ alle Lieferungen mit humanitären Hilfsmitteln im Gazastreifen überwachen. Sie soll auch sicherstellen, dass die Lieferungen entsprechend den UN-Vorgaben verstärkt werden. Ernannt wurde sie von UN-Generalsekretär Antonio Guterres. Kaag war stv. PM der Niederlande, gilt als Nah-Ost-Expertin und spricht u.a. fliessend Arabisch. Verheiratet ist sie mit Anis al-Qaq, einem hochrangigen Beamten der PA, der stv. PM unter Arafat und ‘palästinensischer Botschafter’ in der Schweiz war. Ihre politische Zeit in den NL war geprägt von Spannungen mit dem damaligen PM Mark Lutte, den sie immer wieder wegen seiner israelisch-freundlichen Politik verurteilte. Positive Stimmen erhielt sie wegen ihrer intensiven Beteiligung bei der Vernichtung der Chemiewaffen in Syrien. Bereits 1996 hatte sie über den eben erstmals gewählten Netanyahu gesagt: «Er repräsentiert nicht die friedenswilligen Israelis» und bezeichnete ihn im Jahr 2017 als ‘rassistischen Demagogen’. In den 1990er Jahren hatte sie bereits als UNRWA Mitarbeiterin in der Schweiz gearbeitet. Eines ist schon jetzt klar, sie wird gemeinsam mit ihrem Chef Guterres viele Möglichkeiten finden, Israel zu verurteilen. 

COGAT berichtete, dass gestern nur 83 LKWs mit humanitären Hilfsgütern und 7 Ambulanzen am Kontrollpunkt Nitzana abgefertigt worden sind. Warum kam es zu dieser geringen Zahl von Hilfslieferungen? Auf Antrag der UNO blieb der Warenübergang Kerem Shalom auf der Seite von Gaza geschlossen. Der Grund? Logistische Einschränkungen. Vorgestern hatten noch 412 LKWs Nitzana und 86 weitere Kerem Shalom passiert,

Der rechtsextrem-nationalistische Minister Ben-Gvir ist wieder einmal beleidigt. Sein ‘Stabschef’ Chanamel Dorfman hat zwar keinen offiziellen Job in der Regierung, steht aber trotzdem auf der Lohnliste. Einen Vertrag hat er bis heute nicht, dennoch wird er gut bezahlt. Unterhalb des Militärhauptquartiers in Tel Aviv gibt es eine unterirdische Kommandozentrale. Das ist nicht besonderes. Ähnliches kennen wir als ‘Situation room’ in Washington. Zugang haben nur speziell zugelassene Personen. Als sich die Minister des Kriegsrates, ihre Sprecher und Berater dorthin zurückzogen, hatten weder Ben-Gvir noch Dorfman eine Berechtigung, an den Gesprächen teilzunehmen. Ben-Gvir kam erst gar nicht, sein Chef-Hampelmann musste draussen bleiben. Jetzt ist Ben-Gvir wieder einmal empört und stellte das Sicherheitspersonal zur Rede. Dorfman ist wirklich niemand, den man in den innersten Kreis der Kriegspolitik einbeziehen darf. Zu gut ist er bei den Sicherheitskräften als rechtsextremer und radikaler Siedler und als eine ‘Gefahr für die Gesellschaft’ bekannt. 

Die gute Nachricht des Tages: die drusischen Gemeinden auf dem Golan waren bisher nicht immer als israeltreu bekannt. Im Gegensatz zu ihren drusischen Mitbürgern, die in 18 Orten zwischen Akko, Sfad und dem Karmelgebirge südlich von Haifa leben. Die Drusen dieser Orte stehen dem Staat Israel loyal gegenüber. Die Männer dienen in der IDF, es gibt auch wenige Mädchen, die entgegen der Tradition nicht in der IDF, sondern bei der Grenzpolizei dienen. Drusen sind als eigenständige Religionsgemeinschaft anerkannt, verstehen sich als Araber, aber nicht als Muslims. Die Drusen machen mit knapp über 150.000 Seelen 2.0% der Bevölkerung aus.

Mit Major Jamal Abbas, 23, fiel der erste drusische Soldat in diesem Krieg. 

Auf dem Golan leben sie in vier Dörfern. Sie fühlen sich nicht als Israelis, sondern sehen sich als Syrer an. Infolgedessen haben auch nur 10% der Drusen die israelische Staatsbürgerschaft angenommen. Seit dem Krieg in Syrien ist das Interesse allerdings stark gestiegen. Die Eigentümerin des Restaurants ‘Noor’ im Ort Julis hat überlegt, etwas für die Soldaten der IDF zu tun, die ja auch ihre Wohnorte in der Grenze zum südlichen Libanon verteidigen. Sie beschloss, in ihrem Restaurant mit typisch drusischen Gerichten- die hervorragend schmecken!!!! – jetzt koschere Gerichte mit drusischem Einschlag anzubieten.

Am 17. November erhielt sie die Erlaubnis, die Küche koscher zu nennen. Die Eigentümerin des Restaurants, Basma Hino, verlor ihrem Mann im Jahr 2002 bei einem Einsatz als Reservist. Er fiel nach seiner Verletzung ins Koma und starb 13 Jahre später. Vor einem Jahr hat Basma das Restaurant eröffnet. Heute kann man bei ihr köstlich speisen und auch die Soldaten, die in der Nähe von Julis ihren Dienst versehen, kommen in den Genuss frischer, speziell nach ihren Wünschen zubereiteter Speisen. 

Einfach war der Prozess nicht. Ohne die Hilfe von Minister Uri Maklev vom Vereinten Torah Judentum, hätte es auch nicht geklappt. Er stellte den Kontakt zum Chefrabbinat her und begleitete den gesamten Prozess selbst. Auf Grund der besonderen Situation ist das Restaurant bis zum Ende des Krieges an sieben Tagen geöffnet. Mit der Bewilligung des Rabbinats. So soll es sein!



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