Genesis, Wajechi 47:28 – 50:26

Haftara: Könige I 2:1 – 12

ב“ה

17./18. Tevet 5784                                               29./30. Dezember 2023  

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         16:04

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                         17:24

Shabbateingang in Zürich:                                                                 16:25

Shabbatausgang in Zürich:                                                                17:36

Shabbateingang in Wien:                                                                  15:50

Shabbatausgang in Wien:                                                                 17:02

Weiter geht es in der Josefs-Geschichte. Als sein Vater Israel 147 Jahre alt war, spürte er, dass

er sterben werde. Er nahm Josef das Versprechen ab, ihn nicht in Ägypten zu beerdigen. Josef musste darauf sogar einen Eid ablegen, das heisst, dass dem Vater die Erfüllung seines letzten Wunsches ungeheuer wichtig war. Josef brachte dem Vater seine beiden Söhne, Efraim und Menasche. Bevor Jakob die beiden Knaben segnet, sagt er noch etwas Seltsames: «Die beiden Knaben, die du gezeugt hast, bevor ich zu dir kam, sie sollen mir so viel gelten wie meine Söhne.» Wenn wir heute die Karte mit den Aufteilungen des versprochenen Landes nach Stämmen anschauen, so finden wir keinen Anteil, der Josef zugesprochen wurde, wohl aber zwei Teile für diese beiden Söhne, in denen sich die Prophezeiung Gottes fortsetzt. Jakob ist fast blind. Als die Knaben vor ihm stehen, um den Segen zu empfangen, kreuzte er seine Arme, so dass der jüngere, Efraim, den Segen der rechten Hand und Menasche, der ältere, den der linken Hand erhielt. Josef will den ‘Fehler’ seines Vaters korrigieren, doch der Vater widersetzt sich. Er hat in voller Absicht so gehandelt. Deshalb heisst der Segen für die männlichen Kinder heute immer noch: «Gott lasse dich werden wie Efraim und Menasche».Kurz vor seinem Tod ruft Jakob nochmals alle seine Söhne zusammen. Jedem gibt er ein kurzes Testament mit auf den weiteren Lebensweg. Obwohl er es nicht direkt ausspricht, so müssen alle erkennen, dass nicht länger Ruven als der Älteste gilt, und damit als Clan-Oberhaupt. Juda ist der, der die Stelle einnehmen wird. Ihn segnete er nochmals und auf ihn, so erklärt er, wird auch der Segen Gottes fallen. «Juda, dir jubeln deine Brüder zu, deines Vaters Söhne fallen vor dir nieder.» Danach stirbt er. Josef tut, wie er es ihm versprochen hat. Er lässt ihn einbalsamieren und trauert vierzig Tage. Dann bittet er Pharao, nach Kanaan ziehen zu dürfen, um seinen Vater in der Höhle Machpela beizusetzen. Mit ihm zogen nicht nur seine Brüder, sondern auch zahlreiche Männer aus dem Hause des Pharaos. Nach der Beisetzung und der anschliessenden Trauer zogen sie zurück nach Ägypten. Die Brüder befürchteten, dass nun, wo der Vater, der immer ein Mann des Ausgleichs zwischen ihnen gewesen war, nicht mehr lebte, Josef sich doch noch der Untaten erinnern würde, die sie an ihm getan hatten. Sie unterwarfen sich ihm, doch Josef beteuerte ihnen, dass er ihnen nicht zürne und für sie und ihre Familien sorgen wolle. Josef wurde 110 Jahre alt. Er sah noch seine Enkel und Urgrossenkel zur Welt kommen. Als er spürte, dass sein Tod nahe war, versprach er ihnen, dass Gott immer für sie da sein werde. Auch er bat sie, nicht in Ägypten beigesetzt zu werden. Hier endet die Josefs-Geschichte und das erste Buch der Torah. 

Die heutige Haftara thematisiert den Tod eines anderen grossen Mannes, den Tod von David. In der Torahlesung schied der grosse Patriarch, der letzte unserer Stammväter aus dem Leben, in der Haftara ist es ein gesalbter König aus dem Hause Juda. Bei Jakob stehen 12 Söhne an seinem Sterbelager und empfangen sein Vermächtnis, jeder einzelne erhält den Vatersegen und erfährt, wo seine Stellung im Leben sein wird. Dann macht der Patriarch den Weg frei für die kommende Generation. 

David hat nach 40 Amtsjahren bereits das Szepter an seinen Sohn Salomon weitergegeben. «Tretet zusammen und höret, Söhne Jakobs, und höret auf Israel euren Vater! (49:2) Jakobs Vermächtnis ist es, seinen Söhnen ans Herz zu legen, sich an den Bund zu halten, den Gott mit dem das Volk mehrfach geschlossen hat. Er weiss, dass sie ihre Stärke als Clan gemeinsam nutzen können. David fordert seinen Sohn auf: «Sei stark und mannhaft!» (2:2) und fährt fort: «Wenn deine Söhne auf ihren Weg achten und aufrichtig mit ganzem Herzen und ganzer Seele vor mir leben, wird es dir nie an Nachkommen auf dem Thron Israels fehlen.» Eine ähnliche Formulierung finden wir immer wieder in der Torah, wo es dann heisst: «Ihr sollt meine Satzungen befolgen und auf meine Vorschriften achten und sie ausführen; dann werdet ihr im Land in Sicherheit wohnen.» (3, 25:18). Wir erinnern uns an die letzten Worte, die Moses seinem Nachfolger Jehoshua ans Herz legte: «Wenn du der Stimme des Herrn, deines Gottes, genau gehorchst, wenn du darauf achtest, all seine Gebote zu halten, die ich dir heute befehle, dann wird der Herr, dein Gott, dich über alle Nationen der Erde stellen» (5, 28:1) Drei Männer, die am Ende ihres Lebens eindringlich auf den Bund zurückkommen, der ihr Leben bestimmt hat. Es sind die Wenn-Dann Sätze, die uns Gott als klare Richtlinien gibt, sie sind Bedingung und Versprechen zugleich. Sie gelten für alle, Gott macht keinen Unterschied, er lenkt uns ohne Ansehen der Person. Sie gelten, wie wir hier sehen, für den grössten Propheten, den wir haben, ebenso wie für den König wie auch für den Grossbauern, als den wir Jakob sehen können. 

David hat als König nicht nur schöne Zeiten hinter sich, er musste vor Abshalom, seinem eigenen Sohn und Halbbruder von Salomon fliehen, als der versuchte, ihn mit einem Gewaltakt vom Thron zu stürzen. Abshalom starb eines grausamen Todes, er wurde mit seinen Haaren an einem Baum hängend, in dem sich sein langes Haar verfangen hatte, gegen den ausdrücklichen Wunsch seines Vaters getötet. Der Vater aber trauerte um seinen Sohn, den er, trotz dessen Verrat geliebt hatte. Jene Menschen, die David Schutz gewährt hatten, soll sein Sohn schätzen und schützen. Doch da gibt es auch zwei Personen, um deretwegen er in seiner letzten Stunde zum gedanklichen Mörder wird und den Auftrag, seine Gedanken umzusetzen, an seinen Sohn weitergibt. Haben wir uns so in David geirrt? Er, der uns mit seinen meist hochemotionalen Psalmen beglückt hat, hat er noch ein zweites Ich, das rachedurstig ist? Nein! In beiden Fällen formuliert er zwar die Wut, die er jahrelang zurückgehalten hat, legt aber Salomon ans Herz, weise und klug zu handeln. 

Wir wissen, dass Salomon ein weiser Mann war, und dürfen sicher sein, dass er sich entsprechend gegen die ehemaligen Feinde seines Vaters verhalten hat. 

Shabbat Shalom und einen guten Beginn des bürgerlichen neuen Jahres 2024!



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