19. Tevet 5784


Auch heute wieder muss die IDF leider den Tod von vier Soldaten bekanntgeben. Cpt. Harel Ittah, 22, Master Sgt. (res.) Constantin Susko, 30, Sgt. Maj. (res.) Eliraz Gabai, 37 und Sgt. First Class (res.) Liav Seada, 23, s’’l, verloren gestern, bzw. heute ihr Leben bei Kämpfen im zentralen und nördlichen Gazastreifen. Ittah war in der vergangenen Woche verletzt worden und verlor gestern den Kampf um sein Leben. Acht weitere Soldaten wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Die Houthis haben innerhalb von 24 Stunden ein zweites Mal versucht, ein Containerschiff der Maersk Linie, die Hangzhou, und Hubschrauber der US-Marine anzugreifen. Für den Angriff benutzten sie vier kleine Boote. Drei von ihnen wurden von einem Hubschrauber der US-Marine versenkt, dem vierten gelang es zu fliehen. Nachdem eine Rakete das Schiff getroffen, aber keinen nennenswerten Schaden angerichtet hatte, konnten zwei weitere Raketen von der US-Marine neutralisiert werden. Die Hangzhou ist unterwegs von Singapore nach Ägypten. Maersk hatte gerade erst wieder die Fahrt durch das Rote Meer und den Suez-Kanal aufgenommen. Nach dem Vorfall wurden die Pläne wieder für die kommenden 48 Stunden gestoppt.
Während sich die Hamas durchaus verhandlungswillig zeigt, was eine neue Vereinbarung zum Austausch von Geiseln betrifft, bleibt der Palästinensisch Islamische Djihad klar bei seiner Aussage: Keine Freilassung von Geiseln, bevor nicht alle Truppen aus dem Gazastreifen abgezogen sind. Es ist unklar, wie viele Geiseln sich in der Hand dieser kleineren, aber nicht weniger gefährlichen Terror-Organisation befinden.

Das reguläre Kabinett hat der vertragsmässig vorgesehenen Rotation des israelischen Chefdiplomaten per 1. Januar 2024 bestätigt. Der bisherige Energieminister Israel Katz wird ab morgen den bisherigen Aussenminister Eli Cohen ablösen. Cohen wird später ins Energieministerium wechseln. Ende 2025 wird die Rotation dann wieder in die andere Richtung vor sich gehen. Das ist aussenpolitisch derzeit eine mehr als problematische Vorgangsweise. Es bedarf während des Krieges eines Chefdiplomaten, der international bekannt und anerkannt ist. Von Katz kann man das nicht sagen. Die Rotation, im Koalitionsvertrag vorgesehen, ist nichts anderes, als einer der Winkelzüge von Netanyahu, um das Aussenministerium nicht zu autonom werden zu lassen und es seinen eigenen politischen Ambitionen unterzuordnen. Katz gilt als Hardliner gegen eine Zwei-Staaten-Lösung, und arbeitet, so wie auch sein Chef, grundsätzlich gegen eine Konsolidierung in der Beziehung zu den Palästinensern. Katz gilt als ernsthafter Konkurrent Netanyahus als Parteivorsitzender und PM. Erfolg ist ihm, und das ist ausdrücklich meine Meinung, von ihm als Aussenminister nicht zu erwarten. Er ist kein Diplomat.
Israel scheint bereits ein aufwändiges Rechtsverfahren gegen die Terroristen der Hamas vorzubereiten, die für die Massaker am 7. Oktober verantwortlich waren. Derzeit werden Beweise zusammengetragen, die zweifelsfrei belegen sollen, welche Grausamkeiten gegen die Opfer ausgeübt wurden: schwere sexuelle Übergriffe, Massen-Vergewaltigungen, Verbrennung von Kindern bei lebendigem Leibe und Zerstückelungen. Grundlage der Anklagen werden Aufnahmen der Body-Cams sein, die die Terroristen auf sich trugen, Aussagen von Überlebenden und von Freigelassenen. Durch diese gut dokumentierten Anklagen wird die Verhängung von drastischen Höchststrafen möglich. Es wird erwartet, dass die israelischen Ermittlungen zu einem Prozess führen werden, «der der bedeutendste im Land seit den frühen 1960er Jahren sein wird, als Israel Adolf Eichmann für seine zentrale Rolle im Holocaust gefangen nahm, verurteilte und hinrichtete», heisst es in einem Artikel des Wall Street Journals.

Netanyahu hat gestern Abend bei einer der seltenen Pressekonferenzen wieder ein völlig realitätsfremdes Statement von sich gegeben. Auf die Frage, wie er sich den ‘Tag danach’ vorstelle und ob er zurücktreten werde, sagte er: «Das Einzige, was ich aufgeben werde, ist die Hamas! In den Jahren, in denen ich Israel regiert habe, ist der Staat viel stärker geworden. (…) Wir können mit dem Mehr-Fronten-Krieg umgehen, der bald 90 Tage andauert (…) Wir haben eine wunderbare Armee, eine starke Wirtschaft und die volle internationale Unterstützung.» Anschliessend gab er den Reportern nochmals seine Kriegsziele bekannt. «Meine Politik ist klar. Wir werden so lange weiterkämpfen, bis alle Ziele erreicht sind: Das ist zunächst die Zerstörung der Hamas und dann die Freilassung aller unserer Geiseln. Ich garantiere, dass danach Gaza keine Bedrohung mehr für uns darstellen wird. Der Krieg wird sich aber noch über Monate hinziehen.»

Bitte beachtet die Reihenfolge: Zuerst die Hamas und dann die Geiseln!
Auf die Frage, wie er, der früher als ‘Mr. Security’ und ‘Mr. Economy’ bekannt war, sich in den Geschichtsbüchern dereinst lesen möchte, antwortet er: «Die Geschichte wird das beurteilen. Ich arbeite daran, sicherzustellen, dass Israel militärisch, wirtschaftlich und diplomatisch sehr stark sein wird.»
Ich komme täglich mehr zu der Überzeugung, dass Netanyahu nicht nur die Bodenhaftung völlig verloren hat, auch sein Realitätsbezug tendiert gegen Null. Als PM eines derzeit im Krieg stehenden Landes ist er absolut nicht mehr akzeptabel. Und weit und breit ist niemand, der ihm das klarmacht. Er hat so ein wunderbares Haus in Caesarea, soll er doch dahin gehen und das Leben als Privatier mit unverbaubarem Blick auf das Mittelmeer geniessen.
Der Bürgermeister von Kiryat Shmone, jener kleinen Stadt, die durch die Angriffe der Hisbollah stark betroffen ist, teilt mit, «dass ich alles tun werde, jeden daran zu hindern, hierher zurückzukehren, bevor die Hisbollah nicht von der Nordgrenze vertrieben wurde. Notfalls versperre ich die Zufahrten zur Stadt.» 90% der Bevölkerung wurde evakuiert und ist derzeit über das ganze Land verteilt. Durch die andauernden Angriffe wurden bisher vier Zivilisten und neun Soldaten getötet und zahlreiche Personen verletzt. Kiryat Shmone liegt auch im Zielgebiet von Angriffen aus Syrien. Diese erforderten aber bisher keine Opfer.
Die IDF hat über Nacht ihre Angriffe auf den Gazastreifen fortgesetzt. Unterstützt wurde sie dabei im Küstenbereich von der Marine. Zwei Gruppen von Terroristen, die sich der IDF mit Sprengstoffen ausgerüstet näherten, wurden von der IAF eliminiert. Eine aus einem Gebäude heraus angreifende Gruppe wurde ebenfalls vor der IAF neutralisiert. In einer Kindertagesstätte installierte Sprengsätze konnten neutralisiert werden, bevor sie zur Explosion kamen. Im Süden des Gazastreifens wird nun eine Einheit von Scouts, in der ausschliesslich Beduinen dienen, eingesetzt.
Die Hoffnung der Bewohner der Kibbutzim und anderer Orte rund um den Gazastreifen, nach dem Krieg keine Alarme mehr zu hören, dürfte sich nicht bewahrheiten. Ein nicht genannter Offizier der IDF bedauerte: «Wir hatten bisher grosse Erfolge, um die Abschussrampen von Langstreckenraketen zu zerstören. Was uns aber auch in den kommenden zwei Jahren nicht gelingen wird, ist das Auffinden und Zerstören von Abschussbasen für Kurzstreckenraketen.» Was, wenn es zutrifft, nichts anderes bedeutet, als dass die Entmilitarisierung nicht zur Gänze gelingen wird.




Patrick und Toy sind nur zwei der vierpfotigen Soldaten, die zur OKETZ-Einheit der IDF gehören. Sie dienen mit ihren Soldaten derzeit im Gazastreifen. Jeder der Hunde, zumeist deutsche und belgische Schäferhunde, Malinois, sowie Rottweiler, erhalten mit ihrem Soldaten eine aufwändige Ausbildung. Auch die einheimischen Knani Hunde sollten für die Einheit ausgebildet werden, wurden aber wieder herausgenommen, weil ihre Sturschädel sie für den Dienst in der IDF ungeeignet machen.
Die Spezialgebiete der Hunde sind: u.a. Angreifen, Suchen und Retten, Aufspüren von Waffen und Sprengstoffen. Gegründet wurde die Einheit mit nur 11 Teams im Jahr 1974. Patrick und Toy konnten in Jabalya und Rimal Terroristen so lange festhalten, bis es den Soldaten gelang, sie festzunehmen.
Die Hunde werden sehr oft als erste in das Gebäude geschickt, um sicherzustellen, dass es für die Soldaten ungefährlich ist, ihnen zu folgen. So haben sie Dutzende von Waffenlagern aufgespürt und Hinterhalte frühzeitig entdeckt. Sie waren auch massgeblich an der Entdeckung der zwei ermordeten Geiseln, Yehudit Weiss und Noa Marciano beteiligt. Weitaus tragischer verlief der Einsatz eines Hundes, der von Terroristen erschossen wurde und dessen Body-Cam deshalb nicht ausgewertet werden konnte. Die darauf erkennbaren Bilder zeigten, dass sich im Haus die drei später irrtümlich erschossenen Geiseln befanden.
Sechs der Hunde verloren während dieses Krieges ihr Leben. Sie werden auf dem Hunde-Friedhof der OKEZ-Einheit beigesetzt.
Kategorien:Israel
Hinterlasse einen Kommentar