Krieg in Israel – Tag 94

27. Tevet 5784

Die IDF bestätigte gestern Abend, dass eine Basis der IAF durch Raketenbeschuss der Hisbollah Schaden erlitten hat. Einige wichtige Geräte, die für die Aufklärung im südlichen Libanon eingesetzt wurden, erlitten Schäden, die aber bereits repariert wurden. Betroffen war die Meron Basis. Die operative Bereitschaft sei bei dem Angriff nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. 

Ein Elite-Kommandant der Hisbollah, Wissam al-Tawil, wurde mit einem Drohnen-Angriff eliminiert. Bei dem gezielten Angriff wurde das Auto, in dem al-Talwil, sowie eine weitere Person sassen, zerstört. Der Angriff fand etwa zehn km von der israelisch-libanesischen Grenze im südlichen Libanon statt. «Er starb als Märtyrer auf dem Weg nach Jerusalem.»(sic!) Mit diesen Worten wurde sein Tod in den Medien bekanntgegeben. Unabhängig von diesem gezielten Angriff, war es auch heute wieder unruhig an der Grenze. 

Nachdem die USA den grössten Flugzeugträger, die USS Gerald Ford, aus dem Roten Meer abgezogen hat, hat die iranische ‘Alborz’ ihre Position an der Meerenge Bab el-Mandeb bezogen. Die Fregatte soll mit Flugabwehrraketen bestückt sein. Die ‘Alborz’ ist mehr als 55 Jahre alt, wurde 2019 generalüberholt und in den Dienst der Kriegsflotte gestellt. Ein Schwesternschiff wurde von den USA versenkt. 

Die israelische Regisseurin Talya Lavie hat angekündigt, in ihrem nächsten Film «Seven eyes» die Aufgaben der Soldatinnen zu thematisieren, die als Beobachterinnen an der Grenze zum Gazastreifen Dienst tun. Sie waren es, die in der Militärbasis Nahal Oz bereits Monate vor dem Massaker vom 7. Oktober ihre Vorgesetzten warnten. Sie hatten immer wieder Unregelmässigkeiten entlang des Grenzzauns bemerkt und daraus die richtigen Schlussfolgerungen gezogen. Die Informationen, die sie weitergaben, wurden jedoch von ihren Vorgesetzten ignoriert. Das unglaubliche Verhalten der ranghohen Offiziere ging sogar soweit, dass man ihnen androhte, sie vor das Militärgericht zu zerren. 15 Soldatinnen wurden beim Massaker ermordet, sieben wurden verschleppt und nur zwei konnten fliehen und Zeugnis ablegen. Das Massaker von Nahal Oz ist eines der dramatischsten Vorkommen vom 7. Oktober. Das Massaker hätte verhindert werden können, wenn man den Soldatinnen geglaubt und sie ernst genommen hätte. 

Israel plant, den Film, der die Massaker des 7. Oktober detailliert zeigt, bei der Anhörung beim ICC vorzuführen.  

Der Palästinensisch Islamische Djihad hat ein Video veröffentlicht, in dem Elad Katzir, 47, gezeigt wird, der am 7. Oktober verschleppt wurde. Die Familie hat darum gebeten, das Video nicht in den Medien zu veröffentlichen. Auf Grund des Textes, den Elad spricht, darf man davon ausgehen, dass das Video erst wenige Tage alt ist. Seine Mutter, Hanna, 76, war gemeinsam mit ihm aus dem Heimatkibbutz Nir Oz verschleppt worden. Hanna befindet sich seit ihrer Freilassung in kritischem Zustand im Spital. 

Die Familien von Mädchen und jungen Frauen, die immer noch in der Geiselhaft im Gazastreifen festgehalten werden, haben Bilder veröffentlicht. Sie zeigen fröhliche junge Menschen vor und verängstigte, verletzte Menschen wenige Stunden nach der Verschleppung, die von ihren Entführern veröffentlicht wurden. Chen Goldstein-Almog, die zusammen mit drei ihrer Kinder freigelassen wurde, konnte nach ihrer Freilassung berichten, dass sie einige der jungen Mädchen in Gaza gesehen hat. Wie es den Mädchen heute, fünf Wochen später geht, das weiss niemand. 

Der israelische Präsident, Isaac Herzog, hat in einer Sendung «Meet the Press» von NBC ein Dokument präsentiert, das eine genaue Beschreibung der ‘summer camps’ der Hamas zeigt. Es stammt aus dem vergangenen Juli. Einziges Ziel der Lager ist die Indoktrination und Umerziehung von Kindern zu Terroristen. Kinder werden in den Militärlagern im ganzen Gazastreifen im Umgang mit Waffen trainiert, erhalten theoretische und praktische Lektionen in der asymmetrischen Kriegsführung, trainieren das Leben in den Tunnels. Das gesamte Programm ist darauf ausgerichtet, die ‘Werte des Terrors’, der hier Widerstand genannt wird, zu verinnerlichen. 

Der von der derzeitigen Regierung oft scharf kritisierte und beleidigte ehemalige Präsident des OGH, Aharon Barak, wurde nun als Richter Israels bei der Anhörung durch den ICC bestimmt, die am Donnerstag und Freitag dieser Woche stattfinden soll. Barak gilt als scharfer Gegner von PM Netanyahu. Er ist ein international anerkannter Richter, der auch noch Jahre nach seiner Pensionierung höchstes Ansehen in Israel geniesst. 

Der südkoreanische Sicherheitsdienst (NIS) bestätigt, dass die Hamas F-7 Granatwerfer benutzt, die in Nordkorea hergestellt wurden. Als Beleg veröffentlichten sie ein Bild, das eine Komponente des F-7 zeigt, auf der eine Inschrift in koreanisch zu erkennen ist. Bestätigt wurde der Bericht von ‘Voice of America’. Das südkoreanische Militär hatte bereits vermehrt auf die Verbindungen zwischen Hamas und Nordkorea hingewiesen. Es ist derzeit aber schwierig, weitere Informationen über Menge und Art der Waffenlieferungen zu erhalten. Von Nordkorea wurden die vermuteten Lieferungen als ‘substanzlos und von den USA gefälschte Nachrichten’ bezeichnet.

Netanyahu versucht wieder einmal mit einem seiner shtick’s n’ tricks seinen politischen Hintern zu retten. Israel braucht Geld. Viel Geld. FM Smotrich hatte deshalb vor wenigen Wochen einen Plan vorgelegt, welche Ministerien er schliessen möchte, um die damit verbundenen Gelder in andere Bereiche umleiten zu können. Grundsätzlich hat Netanyahu dem scheinbar zugestimmt. Aber er wird die Minister in seinem Kabinett weiterhin als ‘Minister ohne Portfolio’ weiterführen. Wie müssen wir uns das vorstellen: Sein Chauffeur und seine Sekretärin werden arbeitslos und erhalten damit auch kein Gehalt mehr, er hat zwar keinen Job mehr, darf aber weiter seine finanziellen Pfründe geniessen? Gut nur, dass der Plan am Donnerstag dem Kabinett vorgelegt werden muss. Noch darf er das nicht allein entscheiden. Bei der gleichen Sitzung soll auch das Kriegsbudget für 2024 vom Finanzminister vorgelegt werden. 

Die gute Nachricht: Seit dem 7. Oktober ist die Registrierung von Organspendern in Israel stark angestiegen. Es sind nicht nur Organ- sondern auch Hautspenden, die sowohl bei den gefallenen Soldaten, als auch bei deren Familien und der breiten Öffentlichkeit in unglaublichem Mass zugenommen haben. Die Zahl der Organspender stieg von 60% auf derzeit 85%. Waren es im Jahr 2023 noch 39.000 Menschen, die sich registrieren liessen, gibt es derzeit schon mehr als 70.000 Spendenwillige. 



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