Haftara: Ezechiel 28:25 – 29:21
ב“ה
2./3. Schwat 5784 12./13. Januar 2024
Shabbateingang in Jerusalem: 16:15
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:35
Shabbateingang in Zürich: 16:40
Shabbatausgang in Zürich: 17:50
Shabbateingang in Wien: 16:05
Shabbatausgang in Wien: 17:16

Scheinbar will es nicht so recht mit der Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei klappen. Da formuliert Gott noch einmal ausführlich den Bund, den er mit Abraham, Isaak und Jakob geschlossen hat. «Ich bin Gott, ich führe euch aus der Sklaverei hinaus, erlöse euch mit hoch erhobenem Arm und übe ein gewaltiges Strafgericht über sie aus. Ich führe euch in das Land, das ich Abraham, Isaak und Jakob versprochen habe und übergebe es euch zum ewigen Nutzen.» Moses verzagte an der für ihn schier unlösbaren Aufgabe, Pharao zu überzeugen, sie ziehen zu lassen, aber Gott wiederholte seinen Auftrag. «Ich mache dich für den Pharao zum Propheten und Aaron soll dein Prophet sein.» Pharao liess sich nicht erweichen und so schickte Gott die Plagen über das Land: Der Nil wurde zu Blut, Frösche besiedelten die Wasser, Stechmücken machten das Leben zur Qual, Ungeziefer wimmelten überall, nur nicht im Siedlungsgebiet der Israeliten. Als das alles noch nichts half, wurde das gesamte Vieh, bis auf das der Israeliten, von der Viehpest befallen. Anschliessend erkrankten die Menschen an der Pest. Hagel zerstörte die magere Ernte. Da erst schien Pharao aufzugeben und liess die Israeliten ziehen. Moses hatte versprochen, dass alle Plagen enden würden, sobald sie die Gefahrenzone verlassen hatten. Und nochmals stoppte Pharao sie und hinderte sie daran, zu gehen.
Die heutige Haftara beginnt wiederum mit der Zusammenführung der Israeliten aus der Diaspora in das Land, das Gott dem Jakob und seinen Vorvätern versprochen hatte. Schon in der vergangenen Woche haben wir bei Jesaja darüber gelesen. Auch Ezechiel lässt seinen Blick in die noch ferne Zukunft schweifen. Er zeichnet ein schönes Bild: «Dort werden sie sorgenfrei leben, sie werden Häuser bauen und Weinberge pflanzen. Sie wohnen in Sicherheit, sobald ich all mein Strafgericht an all ihren Feinden ausgeübt habe, werden sie erkennen, dass ich der Herr, ihr Gott bin.» Doch erst dann, wenn sie von Gott in diesem Land angesiedelt werden, erst dann werden sie sicher sein. Bis dahin leben sie in Unsicherheit und steter Gefährdung durch andere. Erst dann, wenn sie als ein Volk geeint sind, dann können sie stark sein. Doch zunächst muss Ezechiel einen Auftrag Gottes erfüllen, er muss sich an Pharao wenden und ihm detailliert beschreiben, was Gott mit Ägypten vorhat, um seine Macht zu brechen und die Israeliten, die sich in seiner Sklaverei befinden, vor seinen willkürlichen Schikanen zu schützen. Diese Beschreibung ist natürlich ein Blick weit zurück in die Vergangenheit, wir wissen, dass die Bücher Ezechiels um das 6. Jahrhundert BCE, also lange nach dem Exodus geschrieben wurden. Israel hatte sich nach den ersten guten Jahren, in denen noch der alte Pharao und Josef über sie wachten, zu sicher gefühlt und sich, als niemand mehr da war, um sie zu schützen, versucht als Handelspartner mit Ägypten einig werden zu können. Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Mehr und mehr litten sie unter der Masslosigkeit der Ägypter und wollten sich befreien. Gott sah nur eine Möglichkeit, seinem Volk zu helfen: Ägypten musste samt allen Bewohnern, samt den Fischen des Nils, in der Wüste verdorren. Erst dann, den sicheren Tod vor Augen, mussten die Ägypter einsehen, dass er der Gott war, der die Allmacht über Leben und Tod hatte. Vierzig Jahre, so drohte Gott an, würde Ägypten sich nicht von dem Schlag erholen. Danach würde er sie zurückholen und ihnen die Chance geben, in ihrem alten Gebiet als einsames, unbedeutendes Volk zu leben.
12 Jahre später spricht Gott erneut zu Ezechiel. Er befindet sich jetzt ganz in seiner Gegenwart, im Exil in Babylon. Nebukadnezar soll das Land erhalten und dessen Reichtum zu seinem eigenen hinzufügen.
Damit endet die Bedrohung Israels durch das Land, das sie einstmals aufgenommen und beschützt hatte und nun sein Todfeind war. Kraftvoll, so versprach es Gott, sollte das Volk nun werden, emanzipiert aus der Sklaverei hervorgegangen, selbstbewusst und stolz. Und gottesfürchtig.
Gibt es Verbindungen zu unserer Gegenwart? Israel muss sich derzeit gegenüber Feinden beweisen, äusseren, aber auch inneren. Wir können nur darauf hoffen, dass wir diesen Kampf gestärkt und geeint überwinden können.
Shabbat Shalom
Kategorien:Israel
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