Krieg in Israel – Tag 100

4. Shevat 5784

Erneut musste die IDF den Tod zweier Soldaten bekanntgeben. Mast. Sgt. (res.) Dan Wajdenbaum, 24, und Sgt. First Class (res.) Andu’alem Kabada, 21, s’’l, verloren ihr Leben bei Kämpfen im zentralen Gazastreifen. Drei Soldaten wurden bei unterschiedlichen Vorfällen verletzt. Fünf Soldaten wurden über Nacht bei Kämpfen an der libanesischen Grenze verletzt.

Shawan Jabarin, CEO der palästinensischen ‘Menschenrechtsorganisation’ al-Haq ist Teil der südafrikanischen Delegation, die derzeit in Den Haag Klage gegen Israel führt. Jabarin ist langjähriges Mitglied der Terrororganisation PFLP, Volksfront zur Befreiung Palästinas. Er wurde in der Vergangenheit immer wieder wegen Beteilungen an den Aktionen der PFLP verurteilt und sass einige Gefängnisstrafen ab. Dass dieser Mann, der auch Terroristen für die PFLP anwarb, jetzt als Kläger gegen Israel auftritt und ihm damit ein seriöser rechtlicher Anstrich gegeben wird, ist nicht zu verstehen. Das spricht nicht für die Objektivität des ICC. Auf ‘Telegramm’ übernahm die PFLP zumindest eine Mitverantwortung an den Massakern von 7. Oktober. 

Heute ist der 100. Tag, seit die Massaker der Hamas-Schlächter im Süden Israels stattfanden. 100 Tage, seitdem sich die Geiseln in den Fängen der diversen Terror-Gruppen im Gazastreifen befinden. Über ihr Schicksal ist nichts Aktuelles bekannt. Die Familienangehörigen blockierten gestern Abend den Ayalon, die Hauptstrasse quer durch Tel Aviv. Mit dieser Aktion demonstrierten sie für die sofortige Freilassung ihrer Lieben. Das Forum für Geiseln und Vermisste forderte die Regierung auf, ihre heutige Kabinettsitzung auf dem ‘Platz der Geiseln’ in Tel Aviv abzuhalten. Was natürlich nicht geschah!

Emilia Aloni, 6, hat während ihrer grauenhaften Geiselhaft in Gaza mit den wenigen Dingen, die ihr zur Verfügung standen, eine eigene Welt geschaffen, wie sie sich vor ihren kindlich-optimistischen Augen zeigte.  Auf drei Bildern, die sie nicht mitnehmen durfte, als sie aus der Geiselhaft freigelassen wurde, hielt sie ihre traumatischen Erlebnisse fest. Das erste Bild zeigt ihre Familie: Sharon, 33, David, 34, Emma, 3, und ihre Schwester Yuli, 3.  Sharon und ihre Töchter wurden freigelassen, David befindet sich noch Geiselhaft. Daniela, ihre Mutter vermutet, dass Emilia durch viele Gespräche über ihre Schwester Sharon zu diesem Bild inspiriert wurde. Das zweite Bild zeigt drei Menschen, Elena und Sasha Trupanov und seine Verlobte Sapir Cohen. Das Bild zeigt die Hochzeit der beiden. Alle drei wurden aus der Geiselhaft entlassen, nur die Mutter von Elena, Irena, befindet sich noch in Gaza. Im dritten Bild hat sie Elena mit ihrem Mann Vitali, 50, s’’l, der am 7. Oktober in Nir Oz ermordet wurde, gezeichnet. Die beiden sind in dem Bild gemeinsam auf einer Reise. Emilia erhielt zwar einen ganzen Block, den sie mit Bildern füllte, aber nur zwei Stifte in den Farben Rosa und Lila. Der Block wurde später von einer anderen freigelassenen Geisel aus dem Versteck geschmuggelt. 

Die Houthi-Rebellen haben nach dem Beschuss durch die USA und GB am Freitag gestern verkündet, dass «die Antwort eine starke und effektive» sein werde. Es habe weder Materialverlust noch Verletzte oder Tote gegeben. Gestern wurde die von Houthi-Rebellen kontrollierte Marinebasis Hodeidah angegriffen, nachdem von dort aus wieder Raketen abgeschossen worden waren. Die Explosionen seien bis in die südliche Stadt Hodeiah hinein zu hören gewesen.

Nach einer Pressekonferenz des PM war zu vernehmen, dass israelische Geheimdienste mit einigen europäischen Kollegen wochenlang intensiv zusammengearbeitet haben. Ziel der gemeinsamen Operation war es, die Hamas in Europa aufzudecken und geplante Anschläge im Vorfeld zu verhindern. So habe die oberste Führung der Terror-Organisation u.a. daran gearbeitet, Drohnen für Anschläge in Europa und dem Nahen Osten zu beschaffen. Zu Beginn der vergangenen Woche kam es zu einer Reihe von Festnahmen in Dänemark, Deutschland und den Niederlanden. Der zu Beginn des Monats eliminierte Saleh Arouri sei, ebenso wie die beim gleichen Angriff getöteten Samir Fandi und Azzam Akre, Drahtzieher dieser in Europa agierenden Hamas-Terroristen gewesen. Ein weiterer Anführer, Khalil al-Kharaz, hätte die Beziehungen zur ‘LTF-Loyal To Familia’, einer dänischen Terrorgruppe aufgebaut, bevor diese 2021 verboten wurde. Dabei wurde auch bekannt, dass die meisten Anführer aus dem Libanon heraus operieren.

Der iranische Präsident Ebrahim Raisi, ein Massenmörderhat das Ende Israels heraufbeschworen «Wir unterstützen das gazanische Volk und die Widerstandsgruppen, die grösste militärische Fähigkeiten erreicht haben. Sie benutzen Drohnen und Raketen der neuesten Bauart. Die palästinensischen Opfer sind der Heuchelei der USA, Frankreichs und Grossbritanniens ausgesetzt. Wir sind zutiefst davon überzeugt, dass das Ende von Israel unvermeidbar ist. Eine Normalisation der Beziehungen bringt weder Sicherheit noch Frieden.»

Ronen Bar, der Chef des Shin Bet, teilte mit, dass er nach dem Krieg von seinem Posten zurücktreten werde. Er hatte bereits vor einigen Wochen zugegeben, die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass seine Organisation das Massaker vom 7. Oktober nicht vorhergesehen hätte, obwohl es zahlreiche Anzeichen dafür gegeben habe.  Auch der Chef des Mossad hat sich bereits in diese Richtung geäussert. Der Einzige, der nach wie vor eisern schweigt und sich weigert, auch nur den kleinsten Anteil an Verantwortung zu übernehmen, ist Netanyahu. 

Netanyahu und sein VM Yoav Gallant werden im Leben wohl nie mehr Freunde werden. Ob sie in der Lage sind, ihre völlig zerrüttete Beziehung noch bis zum Ende des Krieges zu retten, scheint mir auch mehr als fraglich. Immer wieder schafft es der ‘Ich.Bin.Der.PM’, ihn aufs Neue zu schikanieren. Als Gallant gestern Abend mit seinem engsten Mitarbeiter, Chief of Staff, Shachar Katz, zu einem Treffen im Verteidigungsministerium eintraf, wurde diesem der Zutritt verweigert. Assistenten seien von der Sitzung ausgeschlossen gewesen. Netanyahu aber hatte fünf seiner Mitarbeiter im Schlepptau. Angeblich, so wurde aus einer nicht genannten Quelle mitgeteilt, seien alle zuvor von diesem Schritt informiert worden, nicht aber Gallant, der angeblich zu spät kam. Brig. Gen. Markizano hätte bleiben dürfen, verliess aber gemeinsam mit Gallant und Katz das Treffen.  «Hört endlich auf, meine Arbeit zu behindern!», wurde Gallant zitiert. Zum Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi soll er klargestellt haben: «Du hast vergessen, dass du auch nur ein Assistent bist!» Eine Stunde später ging Gallant zurück zum Treffen. Es ist nicht nur Gallant, der von den Verstimmungen betroffen ist, auch Benny Gantz ist davon betroffen. Das berichten gut eingeweihte Beobachter. Zu der weiter oben erwähnten Pressekonferenz wurden die beiden noch nicht einmal der Form halber eingeladen. 

Die IDF konnte in der Nacht eine Gruppe von Terroristen eliminieren, die über die libanesische Grenze nach Israel eingedrungen waren. Die fünf Männer waren in der Gegend des Mount Dov auf eine israelische Patrouille gestossen. Die Medien der al-Qassam Brigaden bezeichneten den versuchten Überfall als Rache für die gezielte Tötung von al-Arouri. Zwei der Terroristen konnten entkommen. Die al-Qassam Brigaden übernahmen die Verantwortung für den Zwischenfall. Bei dem Überfall wurden fünf Soldaten leicht verletzt. Schon vorher war es bei Kämpfen zwischen der Hisbollah und der IDF zu einem tödlichen Zwischenfall gekommen. Eine aus dem Südlibanon abgeschossene Rakete traf ein Haus in Kfar Yuval und tötete die Eigentümerin des Hauses. Bei dem Beschuss wurden weitere Personen teils lebensgefährlich verletzt. Auch im Süden Israels kam es heute wieder zu vermehrtem Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen. Die Raketen fielen aber entweder noch in den Gazastreifen oder in unbebautes Gebiet in Israel. 

Kann man das als gute Nachricht des Tages verkaufen? Yair Netanyahu, der ältere Sohn des PM, hat schon vor einer Woche still und leise seine Koffer gepackt und ist wieder nach Miami zurückgekehrt. Zwar war er kurz nach Beginn des Krieges nach Israel zurückgekehrt, hatte sich aber nicht, wie viele andere, zum Reservedienst gemeldet. Nach ein paar medientauglichen Bildern hat er dann wohl nicht mehr gewusst, wo er eine Aufgabe finden könne. Den Bauern bei der Erntearbeit zu helfen, stand nicht zur Diskussion. Also flog er lieber wieder davon, samt seinen Personenschützern, die den Staat Hunderttausende von Schekeln kosten. Rausgeschmissenes Geld. Israel wird am Ende des Krieges knapp vor dem wirtschaftlichen Kollaps stehen. Und Yair wird nichts dazu beitragen, das zu ändern. Shame on him!



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