Haftara: Jeremiah 46:13 – 28
ב“ה
9./10. Shevat 5784 19./20. Januar 2024
Shabbateingang in Jerusalem: 16:21
Shabbatausgang in Jerusalem: 17:40
Shabbateingang in Zürich: 16:49
Shabbatausgang in Zürich: 17:59
Shabbateingang in Wien: 16:15
Shabbatausgang in Wien: 17:25
Wir wissen es noch aus der vergangenen Woche: Die Israeliten sitzen immer noch in Ägypten fest. Pharao hat sein Herz verhärtet. Auch als Moses ihm in Gottes Namen mitteilt, dass am kommenden Tag eine Heuschreckenplage über das Land ziehen wird, scheint ihn das nicht zu berühren. Doch bei seinen Mitarbeitern liegen die Nerven blank. Sie fragen sich, was die Israeliten noch alles aufbieten können, um dem Pharao die Stirn zu bieten. Sie sehen, dass die Sturheit Pharaos dem Land ernste Probleme bringen wird. Pharao beginnt die Verhandlungen mit Moses und erkundigt sich, wer von seinen Sklaven in die Wüste ziehen will, um ihrem Gott zu huldigen. Die Antwort, die Moses ihm gibt, befriedigt ihn nicht. Ihm schwant Schlimmes. Nur die Männer will er ziehen lassen, alle anderen, Frauen, Kinder, Alte und auch das Vieh sollen bleiben. Sie scheinen ihm ausreichend Gewähr zu sein, dass auch die Männer zurück in den Frondienst kommen werden. Und so kamen die Heuschrecken und entlaubten alles, was dort wuchs. Aus dem grünen Ägypten wurde ein dürres Land. Pharao fleht Moses an, sich bei Gott für ihn einzusetzen, er wisse nun, dass er gegen ihn und die Israeliten gesündigt habe. Gott liess die Heuschrecken verschwinden und sandte eine grosse Dunkelheit. Nur im Wohngebiet der Israeliten blieb es hell. Pharao bot einen neuen Deal an: Die Herden sollten bleiben, die Kinder dürften mitziehen. Auch das lehnte Moses ab, denn die Herden waren als Opfertiere gedacht. Jedoch, wir wissen es, erst unmittelbar vor dem Opfer entscheidet Gott, welches Opfertier er annimmt. Nun kommt noch einmal der Plan Gottes zum Tragen. Die Frauen sollen Gold und Silber von den Nachbarn erbitten, warum, das erfahren wir viel später. Um Mitternacht will Gott selbst durch Ägypten schreiten, und jeder Erstgeborene solle sterben. Die Kinder der Israeliten aber sollen verschont bleiben. Sie sollten an ihren Türpfosten ein Zeichen anbringen. Dann gibt Gott ihnen die genauen Vorschriften, wie sie alljährlich das Pessach-Fest feiern sollen in Erinnerung daran, wie Gott sie aus dem Frondienst in Ägypten befreite.


In der heutigen Haftara lesen wir, wie Ägypten durch den babylonischen König Nebukadnezar erobert wurde. Der König erfüllt, so Jeremias, damit ein Gottesgericht, (46:13) kündigt aber gleich darauf auch an, dass Ägypten nicht ganz untergehen wird (46:26). Doch Gott lässt Jeremias eine Einschränkung aussprechen: «Das Land wird wieder bewohnt sein, wie zu Zeiten frühester Vergangenheit.» Auf was bezieht sich das ‘frühest? Wäre damit die Zeit unmittelbar vor der Eroberung gemeint, so hätte er den Satz anders formuliert. Der historische Nebukadnezar hat Ägypten in der Schlacht am Euphrat um das Jahr 600 BCE geschlagen und läutete damit das Ende des Pharaonenreiches ein. Der Auszug der Israeliten aus dem ägyptischen Exil wird entsprechend den Büchern der Gelehrten ungefähr auf das Jahr 1.440 BCE datiert. Zwischen den beiden Ereignissen liegen mehr als 800 Jahre. Es ist anzunehmen, dass sich das ‘frühest’ auf die Zeit bezog, die nichts mit dem Aufenthalt der Israeliten zu tun hat, sondern auf die Zeit, in der das Land keine Grossmacht war. Jeremias schlägt also einen Bogen zwischen zwei bedeutenden Epochen. Der Prophet beschreibt ausführlich, welche Herausforderungen auf Ägypten zukommen werden. Für die Ägypter hat er kein tröstendes, kein hoffnungsvolles Wort ausser diesem ‘frühest’.
Das Haus Jakob, also alle Israeliten, die noch in alle Welt verstreut sind, kann er trösten. Gott wird sie erretten, wo immer er sie finden wird. «Jakob wird heimkehren und Ruhe haben; er wird in Sicherheit leben, und niemand wird ihn erschrecken.» (46:27-28)
Es wäre doch so schön, wenn wir alle darauf vertrauen dürften, immer und überall von Gott gefunden und heimgeholt zu werden! Doch manchmal schleichen sich Zweifel ein. Das ist legitim. Niemand wird uns vorhalten, dass wir nicht den überwältigenden Glauben und die unverbrüchliche Hoffnung haben, die unsere Vorfahren in Gott hatten. Für unsere Geiseln soll das auf jeden Fall gelten.
Shabbat Shalom!
Kategorien:Religion
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