Krieg in Israel – Tag 108

12. Shevet 5784

Die Kfir Brigade verliess in der Nacht den Gazastreifen. Sie werden nach einer Erholungsphase zu Trainingseinheiten neu zusammengestellt. Erst danach wird entschieden, wo und mit welchen Aufgaben sie wieder eingesetzt werden. Im Operationsgebiet von Khan Younis wurden sie durch andere Brigaden ersetzt. Erholt euch gut, chewre!

Wer ist Sara? Ganz richtig, Sarah ist die Ehefrau von Benjamin. Benjamin ist der ICH.BIN.IMMER.NOCH.DER.PM. Sara aber ist ein Nobody, oder wie wir sagen, ein nebbich. Gerade weil das so ist, mischt sie sich immer wieder in Dinge ein, die sie nichts angehen. Dazu hat sie sich aber angeblich per Ehevertrag 1993 das Recht geben lassen. Damals war ihr Mann kurz einer vielleicht entspannteren Beziehung anheimgefallen. Pech für ihn. Glück für Sara. Sie bestimmt, wer mit am Kabinettstisch sitzt. Wer in Ungnaden entlassen wird. Wen sie mit ihrem Miss Piggy Grinsen beehrt. Was ihr Mann tut und was er nicht tut. Jetzt geriet Eylon Levy, seit dem 7. Oktober Regierungssprecher und davor seit 2021 internationaler Medienberater von Präsident Isaac Herzog auf ihren Radar. Levy war Chefsprecher bei i24 und Freelancer bei zahlreichen angesehenen internationalen Zeitungen. In US-amerikanischen und britischen Medien profilierte er sich seit dem Massaker als Advokat für Israel. Für einige berichtete er zu einseitig. Regierungspolitiker fordern, dass er zugunsten einer vielfältigeren Berichterstattung weniger oft auf den Bildschirmen erscheint und dann nach wenigen Wochen, ganz abgezogen ist. Völlig unverständlich. Doch dann taucht erstmals die Meldung auf, dass Sarah dahintersteckt. Es gab wohl einmal eine heftige Kritik an ihrem Ehemann und seiner Nicht-Regierung in den sozialen Medien. Das ist etwas, was Sara gar nicht verträgt. Zusätzlich hat er sich auch noch die Freiheit genommen, an den Anti-Regierungs-Demonstration teilzunehmen…

In Abwandlung eines Zitates von Friedrich Schiller sage ich: «Eylon hat seine Arbeit getan, Eylon kann gehen.» Damit wird sich das ‘Movement für Quality Government’ jedoch nicht zufriedengeben. Dr. Eliad Shraga hielt fest: «Das Gesetz definiert keinen öffentlichen Status oder Verantwortungsbereich für die Ehefrau des Premierministers. Sie ist nicht gewählt, hat kein öffentliches Amt inne und kann sich daher nicht in etwas einmischen, was ihr nicht zusteht. Der Staat Israel ist keine Monarchie und die Frau des Premierministers ist keine Königin. Wir fordern klare Richtlinien und ein Ende des Laissez-faire-Ansatzes, der der Frau des Premierministers freie Hand bei der Verwaltung des Staates lässt.» Wohl an, dann schaut mal, dass ihr sie zum Schweigen bringt!

Nochmal nebbich! In Israel beträgt das Durchschnittseinkommen gerade mal US$ 3.289. Nachdem derzeit der US$ und der € nahezu gleich sind, kann man die von ’Statista’ zur Verfügung gestellten Daten durchaus als Vergleichswert heranziehen. Da liegt Österreich mit € 4.124 mit einer völlig anderen sozialen und wirtschaftlichen Struktur nicht so weit daneben. Minister in Israel werden mit saftigen US$ 15.568 entlohnt. Für die Ministerin für ‘Nationale Missionen und Siedlungen’, Orit Strock, ist das aber zu wenig. «Kein Minister bekommt ein saftiges Gehalt, ich kenne Minister, die es nicht schaffen, jeden Monat über die Runden zu kommen, obwohl sie Tag und Nacht sehr hart arbeiten – und es gibt sogar welche, deren Eltern sie finanziell unterstützen.»

«In der Geiselhaft gibt es kein morgen!» Das ruft die Mutter ihres in der Geiselhaft der Hamas ermordeten Kindes. Sie hat gemeinsam mit zahlreichen anderen Familienangehörigen in der Azza Street in Jerusalem, in der sich die derzeitige Dienstvilla der Netanyahus befindet, eine Zeltstadt aufgebaut. Sie wollen dort bleiben, bis Netanyahu endlich einer neuen Vereinbarung zur Befreiung der Geiseln zustimmt. Die Betroffenen versuchen dabei, trotz und alledem keine rechtlich relevanten Linien zu überschreiten. So machen sie zwar die Regierung verantwortlich für Leben oder Tod ihrer Liebsten, vermeiden aber jede direkte Beschuldigung. 

Dutzende von Demonstranten haben sie vor der Knesset versammelt, um sofortige Neuwahlen zu fordern. Eine der Demonstranten sagte, sie habe früher den Likud gewählt, bis im Jahr 1999 Netanyahu an die Spitze kam. Es sei ihr schon damals klargeworden, dass er ausschliesslich an sich selbst denkt. «Wenn Yair Netanjahu in Be’eri beim Aufräumen helfen würde, oder wenn Avner Netanjahu nach Kfar Aza ginge, um bei der Obst- und Gemüseernte zu helfen, dann wüsste ich, dass unser Premierminister zu seinem Wort steht. Bis dahin ist er es nicht wert. Die regierenden Koalitionsparteien sind Verräter, die die Geiseln aufgegeben haben.» Unter den Demonstranten war auch die bald ausscheidende Vorsitzende der Arbeiter-Partei, Meirav Michaeli. «Die Rückkehr der Geiseln ist keine Frage, sie ist die oberste Pflicht dieser Regierung. Die Geiseln wurden unter ihrer Aufsicht im Stich gelassen und entführt, also muss sie alles tun, um sie zurückzubringen.»

Bei einem Treffen mit Familienangehörigen betonte Netanyahu: «Im Gegensatz zu dem, was gesagt wurde, halte ich daran fest: Es gibt keinen speziellen Vorschlag der Hamas, das ist nicht wahr. Ich kann das ganz klar sagen. Es gibt so viele nicht korrekte Aussagen, die Sie verletzen. Es gibt Pläne von uns, aber auf die werde ich jetzt nicht eingehen.»

Am heutigen Vormittag stürmten Angehörige von Geiseln eine Sitzung des Finanzausschusses in der Knesset. Es gelang dem Sicherheitspersonal der Knesset nicht, sie am Eindringen in die Sitzungsräume zu hindern. Sie mussten sie teils unter Gewaltanwendung abführen, ein älterer Mann benötigte medizinische Erstversorgung und musste im Rollstuhl hinausgebracht werden. «Ihr werdet nicht hier sitzen, während unsere Kinder sterben», schrien die Demonstranten. «Was ist mit der Freilassung von Gefangenen?» Eine andere Frau klagte: «Jeden Tag sterben sie dort und jeden Tag wird bekannt gegeben, dass eine weitere Geisel getötet wurde. So kann es einfach nicht weitergehen und wir sind in die Knesset gegangen, um zu fordern, dass sie aufstehen und etwas unternehmen. Niemand wird uns zum Schweigen bringen.»  

Ausgerechnet am von der UNO ausgerufenen Holocaust-Gedenktag, am Samstag, 27.1.24, soll in Zürich eine pro-palästinensische Grossdemo stattfinden. Auf dem vom ‘palestinecommiteezurich’ gestalteten Flyer steht auf Arabisch «From the river to the sea, Palestine will be free». Ein klarer Aufruf zur Gewalt gegen Juden und eine antisemitische Aussage. Unter der Angabe, wo und wann die Demo stattfinden soll, steht recht klein zu lesen: «Kein Platz für Rassismus, Islamfeindlichkeit und Antisemitismus.» Diverse Kommentare kann man bei Instagram lesen. Eine Gegenveranstaltung ist nicht geplant. Sehr wohl wurde von den Organisatoren von #yellowumbrella eine Einsprache bei der Stadt Zürich deponiert, die Veranstaltung nicht zu bewilligen. Katharina Schorer vom städtischen Sicherheitsdepartement erklärt, ‘Man sei sich der Brisanz des Datums im ersten Moment nicht bewusst gewesen,’ und doppelte nach: «Der historische Hintergrund des 27. Januar ist an sich kein hinreichender Grund, um eine Demonstration zu verbieten. Die juristischen Hürden für ein Demonstrationsverbot sind hoch.»

Vorstellbar sei es jetzt, statt einer Demonstration, die immer eine Bewegung über eine vorgegebene Route beinhaltet, jetzt eine Kundgebung, also eine auf einen Platz fixierte, zu bewilligen. Damit hätten sie sich Organisatoren einverstanden erklärt, das Bewilligungsverfahren sei nicht abgeschlossen. Die schweizerische Gratis-Zeitung 20minuten veröffentlichte eine Befragung zum Thema: Soll die Stadt Zürich den Anlass erlauben?

VM Yoav Gallant gab sich gestern vorsichtig optimistisch, dass sich die IDF kurz davor befände, die Aufenthaltsorte der Geiseln eingrenzen oder gar feststellen zu können. Einen Tag zuvor hatte die IDF-Tunnel entdeckt, in denen bis zu 20 Geiseln vor nicht langer Zeit festgehalten worden waren. Es war das erste Mal, dass sich der VM direkt an die Familienangehörigen der Geiseln wandte.

Die gute Nachricht des Tages: Mikey, die Schäferhündin, der ihren Dienst in der IDF machte, wurde im Dienst schwer verletzt. Bei einem Einsatz explodierte eine Granate in ihrem Gesicht. Sie verlor ein Auge, trug schwere innere Verletzungen davon. Ein Schrapnell hatte ihr Ohr zerfetzt, die Lunge war angegriffen und der rechte Vorderlauf mehrfach gebrochen. Vor einiger Zeit wurde Prof. Shai Efrati, Professor der Neurowissenschaften an der Universität Tel Aviv und Chefarzt der Hyperbarischen Abteilung am Shamir Medical Center einen Anruf, mit dem ein Hund zur Behandlung angemeldet wurde. Zunächst dachte er an einen Scherz und lehnte ab. Doch dann erfuhr er, dass Mickey eine hochspezialisierte Hündin im Dienst der IDF ist – und sagte zu. Das Operationsteam befürchtete, dass auch das Gehirn Schaden erlitten haben könnte. Trotzdem wurde die Hündin operiert, erhielt Physiotherapien und als man erkannte, dass sich ihr Zustand rasch verbesserte, wurde sie in der Überdruckkammer des Spitals behandelt. Für Prof. Efrati war klar:«Jeder der verletzten Soldaten bekommt, die bestmögliche Therapie und sie ist ein Soldat.» In der Zwischenzeit konnte Mickey nach Hause zu ihrem menschlichen Partner entlassen werden. In den Dienst wird die 9-Jahre alte Hündin natürlich nicht mehr zurückkehren, sie darf den wohlverdienten Ruhestand daheim geniessen.



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