Krieg in Israel – Tag 114

18. Shevat 5784

Eine israelische Delegation unter Leitung von Mossad-Chef David Barnea ist in Paris zu Gesprächen eingetroffen. An dem Treffen, in dem geklärt werden soll, unter welchen Bedingungen doch noch eine Vereinbarung zur Freilassung der israelischen Geiseln erreicht werden kann, nehmen auch Vertreter der USA, Katar und Ägypten teil.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres beschwört jene Staaten, die ihre Unterstützung für die UNRWA eingefroren haben, diese sofort wieder zu aktivieren, um ‘die Kontinuität der Arbeit der UNRWA zu gewährleisten’. Er betonte, jeden Mitarbeiter, der in irgendeiner Form bei Terrorakten beteiligt ist, zur Rechenschaft zu ziehen und einer strafrechtlichen Untersuchung zuzuführen. Aber er beklagte auch: «Zehntausende von Männern und Frauen, die für die UNRWA arbeiten, viele von ihnen in einigen der gefährlichsten Situationen für humanitäre Helfer, sollten nicht bestraft werden. Die dringenden Bedürfnisse der verzweifelten Bevölkerungsgruppen, denen sie dienen, müssen erfüllt werden.» Gestern wurde bekannt, dass vorerst mindestens 12 UNRWA Mitarbeiter an den Gräueltaten der Hamas direkt beteiligt gewesen sind. Guterres erklärte: «Neun wurden entlassen, einer ist tot und die Identität der beiden anderen muss noch geklärt werden.» Gestern hatten GB, Deutschland, Italien, die Niederlande, Frankreich, die Schweiz und Finnland sich den Vereinigten Staaten, Australien und Kanada dem Zahlungsstopp angeschlossen. Das Aussenministerium der PA bezeichnet den Schritt als «kollektive Bestrafung und bedauernswerte Anwendung von Doppelstandards». Der oberste Chef der UNRWA, Philippe Lazzarini, stimmte zwar zu, eine Untersuchung einzuleiten, betonte aber auch, dass der UNRWA das Geld ausgehe und sie bald nicht mehr in der Lage sein werde, die Bedürftigen in der Region zu unterstützen. 

Der israelische Aussenminister Israel Katz liess in einer für den Shabbat ganz seltenen Mitteilung verlautbaren, dass Israel alles tun werde, die Arbeit der UN-Organisation UNRWA in Gaza nach dem Krieg zu stoppen. Sein Ministerium möchte sicherstellen, dass «die UNRWA keinerlei Bedeutung für den Tag danach haben wird. Wir warnen seit Jahren: UNRWA zementiert die Flüchtlingsfrage, behindert den Frieden und dient als ziviler Arm der Hamas in Gaza» und er fuhr fort: «UNRWA ist nicht die Lösung – viele ihrer Mitarbeiter sind Hamas-Ableger mit mörderischen Ideologien, die Terroraktivitäten unterstützen und ihre Autorität verstärken.» Abschliessend forderte er den CEO Philippe Lazzarini auf, sofort zurückzutreten.

Man muss darüber nachdenken, ob das 1949 gegründete ‘Hilfswerk der UN für Palästina Flüchtlinge im Nahen Osten’ immer noch zeitgemäss ist. Aus den 500.000 Flüchtlingen im Jahr 1950 wurden inzwischen fast 6 Millionen. Warum so viele? Kinder und Kindeskinder, aber auch adoptierte Kinder erhalten den vererbbaren Status eines Flüchtlings. Statt diesen die Integration und Eigenständigkeit zu ermöglichen, werden sie in völliger Abhängigkeit der UNRWA gehalten. Die ungeheuer grossen Geldbeträge, die von gutmeinenden Spendern geschickt werden, fliessen nicht nur in die Kassen der Flüchtlinge, sondern auch in die Taschen der UNRWA Bosse und der Hamas, die sich den Luxus von aufgeblähten Mitarbeiterzahlen leistet und selbst in sehr guten Verhältnissen lebt. Es muss an dieser Stelle die Frage erlaubt sein: Wo war oder ist eine nur für eine Flüchtlingsgruppe zuständige Organisation 1948 bei den jüdischen Flüchtlingen aus arabischen Ländern? Bei den amharischen Juden, die seit 1984 aus ihrem Heimatland fliehen mussten und von Israel gerettet wurden? Bei den irakischen Juden, die fliehen mussten? Bei den Syrern seit Ausbruch des Bürgerkrieges? Bei den Rohingya, Kurden, Jesiden? Warum hat sich die UNO nicht um sie gekümmert, warum haben sie für diese Flüchtlinge keine eigenen Hilfswerke eingerichtet? Die UNO ist eine willkürlich agierende Organisation, deren Entscheidung für oder gegen etwas willkürlich und nicht erkennbar ist. 

Dass Netanyahu unter einem angekratzten Selbstbild leidet, kann man wirklich nicht behaupten. In einem seiner Interviews mit dem Wall Street Journal betonte er: «Der Krieg gegen Hamas in Gaza, läuft besser als erwartet.» Als Vergleich zog er die Kämpfe der Amerikaner in Mosul heran: «Sie haben mit ihren Verbündeten neun Monate gebraucht, um die radikalen Kräfte in Mosul zu eliminieren. Mosul ist kleiner als Gaza und hat nicht die unterirdische Infrastruktur. Wir sind jetzt im vierten Monat und hatten schwere Tage.» Und dann musste er hinzufügen: «Einige Menschen in den USA glauben, dass ich das Friedenshindernis bin. Sie kapieren einfach nicht, dass ich die Meinung der Mehrheit aller Israelis vertrete.» Das war nach der Wahl nicht so und das ist erst recht jetzt, nach so vielen Toten, so vielen Misserfolgen und tatsächlich keinem einzigen wirklich nennenswerten Erfolg schon gar nicht so. Es gibt nur einen, der daran glaubt: Netanyahu selbst

Ahmad Mansour, hochangesehener deutsch-israelischer Psychologe mit arabisch-palästinensischen Wurzeln, hat in seinem X-Account kurz hintereinander zwei Informationen zu Jordanien gepostet. Die erste klingt recht gut. Die vor wenigen Tagen in Jordanien eröffnete Schwarma-Fressbeiz mit dem Namen ‘7. October’ wurde umbenannt und zeigt sich nun in dezent-neutralem Blau.  

Stattdessen gibt es nun einen neuen Kiosk mit dem Namen ‘Al-Aqsa-Flut’. Das war der ‘nom de guerre’ der Hamas für die Massaker vom 7. Oktober. Damit auch gar kein Zweifel aufkommt, wird der Kiosk samt seiner Umgebung von einem Lied beschallt, das den Anschlag verherrlicht. Ob und wie das Königshaus, dessen Beziehung zu Israel derzeit sehr schlecht ist, darauf reagieren wird, ist unklar. 

Gideon Sa’ar, ehemaliger Justizminister im Kabinett Bennett/Lapid, wird beim ICC eine Klage gegen den Iran einbringen. Wegen des immer wieder erfolgten Aufrufs des Irans zur Zerstörung Israels und damit des jüdischen Volkes, sowie starker Unterstützung der Hamas und anderer Terror-Organisationen bei den Massakern des 7. Oktobers und im Krieg Israel gegen die Hamas. Dies müsse entsprechend dem internationalen Recht als Versuch gewertet werden, ‘eine ganze oder teilweise Auslöschung eines Volkes, resp. einer Volksgruppe’ anzustreben, was wiederum an sich als genozidales Verhalten gilt. «Der Iran finanziert die Waffen, bildet die Jihadisten und Hamas aus, die den Terror-Angriff auf Israel unternommen haben.»

Auch heute, am fünften Tag in Folge, protestieren wieder Familienangehörige von israelischen Geiseln am Warenübergang Kerem Shalom. Sie wollen gegen die Lieferungen von Lebensmitteln und humanitären Hilfsgütern für die Zivilbevölkerung im Gazastreifen protestieren. Das ist einerseits klar gegen die Aufforderung des ICC, jede Art von Erleichterung für die Zivilbevölkerung nicht nur zuzulassen, sondern zu verstärken. Andererseits aber absolut verständlich, wenn man weiss, dass die israelischen Geiseln bisher weder regelmässige Nahrung noch die ihnen versprochenen Medikamente erhalten haben. Die Lebensmittel werden täglich auch für sie in den Gazastreifen geliefert, die Medikamente erreichten am 18. Januar Gaza. Wo sie derzeit gelagert sind, weiss niemand. Ebenso wenig, wie jemand weiss, ob es überhaupt noch Empfänger für die Medikamente gibt. Die IDF erklärte mittlerweile das Gebiet rund um Kerem Shalom zum militärischen Sperrgebiet.

Die Kämpfe im südlichen Gazastreifen, vor allem in der Region von Khan Younis, gehen unvermindert weiter. Terror-Zentralen konnten ausgehoben und die Terroristen eliminiert werden. Zahlreiche Waffendepots wurden vernichtet. 

In einer erneuten Angriffsserie wurden sowohl der Norden Israels aus dem südlichen Libanon als auch der Süden aus Gaza heftig beschossen. Die Raketen konnten allesamt entweder abgefangen werden oder fielen in unbebautes Gebiet. 

Sowohl die USA als auch Israel gehen davon aus, dass etwa 80% des Tunnelsystems unter dem Gazastreifen noch intakt sind. Das berichtet das Wall Street Journal von heute. Die IDF ist seit Beginn der Bodenoffensive mit dem Auffinden der Tunnels und deren Zerstörung oder Flutung aktiv. Jeder aufgefundene Tunnel wird vermessen und kartiert, wobei sich die Arbeiten schwierig gestalten, weil die Tunnel teilweise vermint sind. Mittlerweile haben die Untersuchungen ergeben, dass das System mit insgesamt 560 bis 720 km (!) Länge weitaus umfassender ist, als ursprünglich angenommen. Mitgerechnet wurden auch kleine Verbindungsgänge zwischen den grossen Zweigen. Entdeckt wurden auch bis zu drei übereinander laufende Röhren, die dem Transport und der Lagerung von Waren dienen, aber auch Wohn- und Aufenthaltsräume umfassen. Die Zahl ist besonders eindrücklich, als der gesamte Gazastreifen nur eine Fläche von etwa 360 qkm umfasst. 

Die gute Nachricht: Eines der letzten und nicht fertiggestellten Gemälde des österreichischen Malers Gustav Klimt (1862 – 1918) mit dem Titel ‘Bildnis Fräulein Lieser’ galt seit 1925 als verschollen. Es gab nur eine schwarz-weiss Fotografie aus dem damaligen Verkaufskatalog als Beleg, dass es dieses Bild überhaupt gab. Das Bild von 1917 zeigt ein Mitglied der jüdischen Industriellenfamilie Lieser, die während des Krieges verfolgt wurde. Es dürfte ein Auftragswerk der Familie gewesen sein. Henriette Lieser, das letzte in Wien lebende Familienmitglied, wurde 1942 deportiert und 1943 in Auschwitz ermordet. Der jetzige Eigentümer des Bildes, der es in den 60er Jahren geerbt hatte, bat jetzt, bevor er das Bild in einer Aktion anbot, einen Rechtsanwalt und einen Kunstrechts-Experten überprüfen, ob es irgendwelche Hinweise auf den unrechtmässigen Besitz des Gemäldes zu irgendeiner Zeit gebe. Nachdem jedoch auf der Rückseite keine, wie sonst in solchen Fällen üblich, Stempel, Kleber o.ä. entdeckt werden konnten, darf man davon ausgehen, dass es keine unrechtmässigen Aneignungen während der Nazizeit gegeben habe. Dennoch ist nach wie vor unklar, wie das Bild in den Besitz der jetzigen Eigentümerfamilie kam. 

Seitens der Familie Lieser wurden keinerlei Ansprüche erhoben, einige Familienangehörige reisten jedoch nach Wien, um das Bild zu sehen. 

«Die Versteigerung findet am 24. April 2024 ‘im Auftrage der gegenwärtigen Eigentümer, sowie den Rechtsnachfolgern von Adolf und Henriette Lieser auf Basis eine Vereinbarung im Sinne der ‘Washington Principles von 1998’ statt», heisst es auf der Webseite des Auktionshauses. 

Das kleine Auktionshaus Kinsky in Wien schätzt den Wert auf € 30 bis 50 Millionen. Im vergangenen Sommer wurde in London Klimts ‘Dame mit Fächer’ für US$ 94.3 Millionen ersteigert. 



Kategorien:Israel

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