Krieg in Israel – Tag 118

22. Shevat 5784

Auch heute musste die IDF leider erneut den Verlust eines Soldaten mitteilen. Maj. (res.) Yitzhar Hofman, 36, s’’l, verlor sein Leben bei den wieder aufgeflammten Kämpfen im Norden des Gazastreifens. 

Die Gespräche in Kairo bezüglich einer neuen Vereinbarung zur Befreiung der Geiseln gehen weiter. Ob auch Hamas-Führer Ismail Haniyeh, der angekündigt hatte, nach Ägypten reisen zu wollen, an den Gesprächen teilnimmt, wurde nicht bekannt. Sollte es zu einem neuen Vorschlag kommen, wird der zunächst an Yahya Sinwar weitergeleitet, der sich im Gazastreifen versteckt hält. Insgesamt könnte der ganze Verhandlungsprozess noch bis zum Ende der Woche dauern.  

Ob dieser Fund die tatsächlichen Pläne der Hamas bildlich beschreibt, oder nur der Entwurf eines surrealistischen Künstlers im Gazastreifen ist, wird wohl nie erklärt werden. Reservisten, die während der letzten Monate vor allem im Gebiet um das Flüchtlingscamp Shejaia im westlichen Gazastreifen operiert hatten, sind nun abgezogen worden und werden beim Prozess der Wiedereingliederung in das ‘normale’ Leben intensiv betreut. Eine Gruppe wurde vom Präsidentenpaar Isaac und Michal Herzog empfangen und brachte ein interessantes Präsent mit. Auf einem in Shejaia gefundenen Poster ist der Eiffelturm zu sehen, dessen oberste Geschosse durch die Spitze eines Minaretts ersetzt wurden. Zusätzlich gibt es eine schriftliche Erklärung, wie es der Hamas gelingen wird, überall jedes Haus zu erreichen. Zusätzlich übergab der Soldat noch ein weiteres, nicht veröffentlichtes Dokument, das die ‘Welt-Übernahme-Pläne’ der Hamas beschreibt. Der Präsident bedankte sich für den Einsatz der Soldaten und auch bei ihren Familien und Freunden und bat sie eindringlich, alle Angebote zu nutzen, um ihre während des Einsatzes gemachten Erfahrungen zu verarbeiten. 

Wirtschaftsminister Nir Barkat hielt fest, dass «es undenkbar sei, dass die ganze Welt die UNRWA finanziell boykottieren soll, während Israel immer noch erlaubt, dass sie in Jerusalem sitzen und von dort aus arbeiten.» Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde der Knesset bereits früher einmal vorgelegt und wird nun erneut zur Begutachtung und Abstimmung vorgelegt. Darin heisst es: «Die UNRWA wird im souveränen Hoheitsgebiet Israels weder direkt noch indirekt Einrichtungen betreiben, Dienstleistungen erbringen oder Aktivitäten durchführen.» COGAT, die ‘Koordinationsstelle für Regierungsaktivitäten in den Gebieten’ hat gegenüber der UNRWA einen weiteren schwerwiegenden Vorwurf geäussert, der die Langsamkeit der Verteilung von gelieferten Hilfsgütern im Gazastreifen betrifft.

Netanyahu hat gestern vor einigen Familienangehörigen von Geiseln erklärt, er werde keinem Plan zustimmen, der in irgendeiner Form die Sicherheit Israels gefährde. Damit widerspricht er zumindest indirekt der bisherigen und immer wieder postulierten Zusicherung ‘niemanden zurückzulassen und alle zurückzuholen’. Eine Zusicherung, die es vielen jungen Soldaten leichter machte, in einen Krieg zu ziehen, der ihr Leben kosten könnte. Gleichzeitig sicherte er aber, wohl in der Absicht, seine Aussage etwas abzumildern zu, dass «politische Erwägungen einer möglichen Einigung nicht im Wege stehen würden.» In den letzten Tagen hatte der rechtsextrem-nationalistische Ben-Gvir immer wieder angedroht, die Regierung zu sprengen, wenn ein, in seinen Augen ‘rücksichtsloser Deal’ zustande käme. Ob Netanyahu in diesem Falle wirklich das Risiko eingeht, seine Regierungsmehrheit zu verlieren, darf angezweifelt werden. Netanyahu hielt bei einer Rede in einer Militärakademie auch fest, dass er einer Vereinbarung «nicht um jeden Preis zustimmen werde. Wir haben rote Linien. Wir werden den Krieg nicht beenden, wir werden die IDF nicht aus dem Gazastreifen abziehen, wir werden nicht Tausende von Terroristen freilassen.» Diese Haltung könnte, wenn Netanyahu sie wirklich beibehält, für Unruhen innerhalb der bereits gespaltenen Bevölkerung Israels führen. Darüber hinaus könnte die verschärfte Rhetorik, die Netanyahu in den letzten Tagen eingesetzt hat, dazu führen, dass die Hamas erneut die Verhandlungen abbricht. Mit der Folge, dass Israel den Krieg fortsetzen und der Hamas den ‘schwarzen Peter’ zuschieben kann, nicht an Verhandlungen interessiert zu sein. Dies ist jedenfalls die Idee eines nicht genannten Offiziellen, wie in der Times of Israel steht. Es wäre nicht das erste Mal, dass Netanyahu einen derartigen Winkelzug einsetzt, um seinen eigenen politischen Kopf zu retten. Von palästinensischer Seite war mittlerweile zu hören, dass die Hamas möglicherweise dem Deal zustimmen wird, aber darauf bestehen wird, vor dem Beginn der Freilassungen den Krieg zu beenden. 

Oppositionsführer Yair Lapid hat angekündigt, dass er bereit ist, mit seiner gesamten Fraktion der aktuellen Regierung beizutreten. Mit den 24 Koalitionsmitgliedern würde der Verlust der 13 Sitze durch den Wegfall von Otzmah Yehudit und Religious Zionism mehr als ausgeglichen. Und genau das ist der Punkt: Lapid verlangt im Gegenzug zu seinem Angebot den Ausschluss der beiden rechtsextrem-nationalistischen Parteien aus der Koalition. Mit diesem Schritt möchte Lapid der Regierung ein ‘Sicherheitsnetz’ schaffen, um die Geiseln befreien zu können. «Ich bin nicht darauf vorbereitet, dass die Geiseln aus politischen Gründen nicht freigelassen werden. Wir werden tun, was nötig ist. Wenn wir anstelle von Ben Gvir und Smotrich in die Regierung eintreten müssen, werden wir in die Regierung eintreten. Extremisten dürfen nicht in der Lage sein, eine Einigung zu verhindern. Ich bin nicht hier, um Netanyahu zu retten, aber ich bin hier, um die Geiseln zu retten.» Erste Kommentare aus der Koalition sind erwartungsgemäss sehr unterschiedlich.

Nachdem die Zugänge zu den beiden Warenübergängen Nizana und Kerem Shalom zu militärischem Sperrgebiet erklärt und daher nicht mehr zugänglich sind, haben die Demonstrationen sich nun auf die Zufahrtstrasse in das Hafengebiet von Ashdod verlegt. Von dort kommen die LKWs mit den für Gaza bestimmten Hilfsgütern und Lebensmitteln zur Sicherheitskontrolle, bevor sie nach Gaza hineinfahren dürfen. 

Ein US-amerikanisches Kriegsschiff, die USS Careny, hat drei iranische Drohnen sowie eine Rakete der Houthi-Rebellen über dem Golf von Aden abgeschossen. Ob die Drohnen nur Aufklärungszwecken dienten oder bewaffnet waren, blieb unklar. Beide Vorfälle fanden innerhalb einer Stunde statt. Gleichzeitig gaben die USA bekannt, dass sie zehn Drohnen im westlichen Jemen mit einem Luftangriff zerstört hätten. Die unbewaffneten Drohnen seien bereit zum Abschuss gewesen. 

Die IDF hat im Norden des Landes auf heftigen Beschuss aus dem südlichen Libanon auf die Städte Kiryat Shmona, Margaliot und Metula reagiert. Auch die Abschussrampen, die für den Beschuss benutzt worden waren, wurden zerstört. Die Hisbollah hat am heutigen Vormittag voller Stolz verkündet: «Wir haben Spionage Geräte zerstört, die in der Region des Hermon benutzt wurden.» Ein von der Hisbollah affiliierten Zeitung Manar veröffentlichtes Bild soll den Hermon nach dem Angriff zeigen. Von der IDF gab es noch keine Stellungnahme. 

Die gute Nachricht: Mitten in der Ruinenwüste von Gaza haben Soldaten der IDF in al-Mawasi einen alten Friedhof gefunden. Die Gräber stammen aus dem Ersten Weltkrieg und sind gut erhalten und gepflegt. Die aktuellen Kämpfe in der Region haben nur geringen Schaden angerichtet, der laut Aussage der IDF problemlos wieder zu korrigieren ist. 

Das Besondere an diesem Friedhof: Einige der Grabsteine sind mit einem Davidstern geschmückt, was bedeutet, dass hier ein jüdischer Veteran beigegesetzt wurde, der vor mehr als einem Jahrhundert auf Seiten der Briten kämpfte. 

Ursprünglich schien dieser Friedhof ein Beleg dafür zu sein, dass die Hamas die Pflege dieser Grabstätte übernommen hat. Allerdings stellte sich später heraus, dass die Pflege von lokalen Behörden in Gaza im Auftrag von GB übernommen und sorgsam ausgeführt wird. Oberstleutnant Oren, der Kommandant der Truppe, die die Gräber entdeckte, sagte dazu: «Es ist ein ganz besonderer Ort, ein Fleckchen, das wie ein Stück Paradies aussieht, grün und unberührt inmitten der Trümmer. Uns fiel der Davidstern auf den Gräbern auf, die Namen wie Goldreich tragen. Nach ein paar Tagen kehrten wir an den Ort zurück und beteten nach vielen Jahren vor den Gräbern.»



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