24. Shevat 5784

Die Hamas hat, wie erwartet, wieder eine neue Bedingung vorgebracht, ohne deren Erfüllung keine neue Vereinbarung zur Freilassung der israelischen Geiseln stattfinden wird. Der neueste Forderung lautet, dass Marwān il-Barghūthi zu den palästinensischen Gefangenen gehören muss, die im Zuge der Vereinbarung freigelassen werden. 1987 wurde er inhaftiert und nach Jordanien deportiert, von wo er nach dem Abschluss von Oslo II 1994 wieder zurückkehren konnte. Zunächst setzte er sich für den Frieden zwischen Israel und den Palästinensern, sowie der Gründung eines palästinensischen Staates ein. Die Verhandlungen Camp David II scheiterten im Jahr 2000. Damals versuchte US-Präsident Bill Clinton vergeblich, die aussergewöhnlich grosszügigen Angebote von PM Ehud Barak an den Präsidenten der PA, Jassir Arafat, zu vermitteln. Die Gespräche scheiterten jedoch an der Angst Arafats, politisch zu scheitern oder sogar getötet zu werden, wenn er ohne die Erfüllung von 100% aller Ansprüche heimkäme. Also zog er es vor, die Gespräche platzen zu lassen. Durch dieses Scheitern frustriert, wandte Barghūti sich vom Friedensprozess ab. Er bestritt, jemals Mitglied der radikalen al-Aqsa-Brigaden gewesen zu sein und beteuerte, jede Gewalt gegen israelische Zivilisten abzulehnen.
Er gehörte zu den Anführern der ersten und der zweiten Intifada. Sein Gerichtsfall wurde nicht, wie sonst üblich, vor dem Militärgericht verhandelt, sondern wegen des grossen Medieninteresses vor dem Bezirksgericht in Tel Aviv. Im Zuge des Verfahrens sah es das Gericht als erwiesen an, dass er an verschiedenen Anschlägen beteiligt war. Darunter ein Anschlag in Ma’ale Adumin 2001, bei dem ein griechischer Mönch umkam und Anschläge im Jahr 2002 auf eine Tankstelle in Givat Ze’ev, auf ein Fisch-Restaurant in Tel Aviv und einem weiteren Anschlag, bei dem vier Israelis um Leben kamen. Barghūti lehnte die Zuständigkeit des Gerichtes in seinem Schlussplädoyer ab und bezichtigte die Richter der Voreingenommenheit. Barghūti wurde 2004 zu fünf Mal lebenslanger Haft plus 40 Jahre verurteilt. Die ursprüngliche Anklage lautete auf Beteiligung an 37 (!) Anschlägen, wurde aber dann auf fünf nachweisbare Fälle reduziert.
Mehrfach bewarb er sich um die Nachfolge von Jassir Arafat. Unterstützt wurde er dabei von acht Friedensnobelpreisträgern, die schriftlich seine Freilassung forderten. Ab 2009 stand er auf der Wunschliste der Hamas, die ihn gegen Gilad Shalit ausgetauscht haben wollten. Israel widersetzte sich dieser Bedingung, was zu einer langen Verzögerung im Freilassungsprozess führte, der erst im Oktober 2011 ohne Barghouti stattfand.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) haben US$ 5 Millionen bereitgestellt, um die Bemühungen der UNRWA, vertreten durch Sigrid Kaag als Chefkoordinatorin, zu unterstützen. Mit den Geldern soll der Wiederaufbau in Gaza angekurbelt werden. Insgesamt 16 Staaten haben die Zahlungen von Hilfsgeldern an die UNRWA eingefroren.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres traf sich mit dem PM von Katar, Sheikh Mohammed bin Abdulrahman Al-Thani. Sie besprachen, welche Möglichkeiten es geben könnte, um den Krieg Israel gegen die Hamas zu beenden und unter welchen Voraussetzungen die israelischen Geiseln freikommen könnten. Auch die Verbesserung der humanitären Situation im Gazastreifen stand auf der Themen-Liste. Der Sprecher der UN, Stephane Dujarric, betonte nur, dass die Gespräche in einer sehr guten Atmosphäre verlaufen, dass er aber keine weiteren Informationen abgeben möchte.
Unter den Hamasführern, die sich im Ausland befinden und denen, die im Gazastreifen leben, besteht offensichtlich Uneinigkeit über die Akzeptanz der neuen Vorschläge, die derzeit in der Begutachtungsphase sind. Yahya Sinwar, der derzeit meistgesuchte Mann im Gazastreifen und Hamas-Führer ‘vor Ort’, zeigt sich nach den monatelangen Kämpfen erschöpft. Wenn es nach ihm geht, könnte der Vorschlag für eine sechswöchige Feuerpause mit der Freilassung von Frauen, Kindern, Alten und Kranken gegen eine Freilassung von einer noch nicht endgültig definierten Zahl von palästinensischen Häftlingen aus israelischen Gefängnissen, angenommen werden. Diese Meinung teilen auch andere hochrangige Hamas-Führer in Gaza.

Das im Ausland sitzenden ‘Politbüro’ mit seinem Führer Ismail Haniyeh hingegen fordert weitere Zugeständnisse von Israel und strebt einen andauernden Waffenstillstand an.
In den vergangenen 24 Stunden kam es erneut zu teils heftigen Kämpfen im gesamten Gazastreifen. Auch im bereits durch die IDF eingenommenen Bereich im Norden des Landes flammten wiederholt Kämpfe auf. Die Bemühungen, die von dort evakuierten Menschen wieder zurückkehren zu lassen, wurden dadurch zunächst gestoppt. In Gaza City wurde eine Gruppe von Terroristen beobachtet, die dabei waren, Waffen zu verschieben. Die zur Unterstützung angeforderte IAF neutralisierte die Terrorzellen und zerstörte die Waffen. Ebenfalls im Norden wurden einige Abschussrampen für Panzer-Abwehr-Raketen zerstört. Der Schwerpunkt der militärischen Aktionen liegt derzeit in der Region um Khan Younis und Rafah.

In den Bemühungen, den Aufenthaltsort der israelischen Geiseln zu finden oder den Verbleib von während der Geiselhaft ermordeten oder gestorbenen Geiseln zu entdecken, öffnen Soldaten frisch angelegte Gräber. Das berichtete der ehemalige Sprecher der IDF, Jonathan Conricus. Er äusserte sich gegenüber CNN als Nahostexperte. «So weit müssen israelische Truppen gehen, um israelische Geiseln zu finden. Es gibt immer noch 136 Geiseln in Gaza. Einige von ihnen, wahrscheinlich die Hälfte, werden für tot gehalten, und es ist die Aufgabe der IDF, lebende Geiseln zu finden, und wenn das nicht möglich ist, dann eben tote.» Auch im Shifa Spital gab es Informationen, dass sich in der Leichenhalle des Spitals die sterblichen Überreste von israelischen Geiseln befinden. Also gingen die Soldaten hinein und überprüften die Information. Sie fanden dort aber nichts. «Das ist notwendig, wenn man es mit einem Feind wie der Hamas zu tun hat. Wenn sie so tief sinken, dass sie mit Leichen handeln, dann muss die IDF sie am Ende des Tages zurückbekommen.» Conricus berief sich dabei auf den grausigen Fund, den Soldaten in einer Eisdiele machten. Sie fanden dort den Kopf eines von der Hamas ermordeten Soldaten, den er zum Verkauf anbieten wollte. Beim Öffnen der Gräber hatten die Soldaten ein Tunnelsystem unter einem Friedhof entdeckt.



Die IAF hat eine Art ‘Zeitung’ mit Namen ‘The Reality’ über dem zentralen Gazastreifen abgeworfen. Das Blatt fordert die Bewohner auf, ‘aufzuwachen’ und eine neue Sichtweise auf die Hamas und andere Terror-Organisationen zu entwickeln. «Sie haben das Geld, das für euch bestimmt war, für Tunnel und Waffen verbrannt. Sie haben alles Gute zerstört, euch geschlagen und gefoltert, eure Kinder getötet, eure Familien auf der Strasse zurückgelassen, und sie verstecken sich in Tunneln. Und ihr seid immer noch still? All das ist nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Eure Zukunft liegt in euren Händen.» Die Zeitung umfasst u.a. Berichte über Sanktionen der EU gegen Yahya Sinwar, Entgegnungen zu Anschuldigungen Israels durch Hamas-Sprecher Abu Obeida und die deutlich aufgestockte Zahl an Hilfsgüterlieferungen. Auch eine Warnung an die Hamas ist zu lesen: «Eure Zeit ist um!»



Die gute Nachricht: Betritt man die Altstadt von Jerusalem durch das Jaffa-Tor, so befindet man sich mitten in der Geschichte des modernen Jerusalems. Es liegt gleich neben der David- Zitadelle und ist seit dem 6. Jahrhundert CE historisch belegt. Betritt man das Tor, in dessen Schatten meist Verkäufer auf einfachen Ständen Gebäck und Getränke anbieten, so fällt zunächst der 90° Winkel auf, durch den angreifende Truppen an einem schnellen Durchreiten gehindert werden sollten. Während der osmanischen Herrschaft war hier der Schnittpunkt zwischen Neu- und Altstadt. Für den Besuch von Kaiser Wilhelm II 1898 wurde eigens ein neuer

Durchlass in der Mauer geschaffen, um ihm einen standesgemässen Einzug in die Stadt zu ermöglichen. Hinter dem Tor links befindet sich eines der ältesten Hotels der Stadt, das Imperial. Nicht das luxuriöseste, aber sicher eines der geschichtsträchtigsten der Stadt. Schräg vis-à-vis befindet sich das äusserst informative Museum ‘Tower of David’. In den letzten Monaten wurde es einer umfassenden Restaurierung unterzogen und öffnet am 7. März wieder seine Tore. Sämtliche Orte des Museums sind jetzt rollstuhlgängig. Einer der Türme, der nicht mehr sicher zu begehen war, wurde fachmännisch, dem Original entsprechend, restauriert, zwei Lifte sorgen dafür, dass auch die oberen Bereiche mit den Aussichtsplattformen gut erreichbar sind.

Für Eilat Lieber, die Kuratorin der Ausstellung, ist dies mehr als eine Arbeitsstelle. Ausstellungen über Essen, Musik, Mode, oder Schriftzeichen, alles ist möglich hier. Sie erzählt, dass bereits vor 100 Jahren an dieser Stelle ein Museum gegründet wurde. Es war der erste britische Gouverneur, der die Chance erkannte und nutzte. So wurde aus den vielbeachteten Ruinen ein Museum. Lieber arbeitet seit 2012 hier, sie bringt nicht nur die Kompetenz, sondern auch die Liebe zu diesem Ort mit. NIS 300.000 konnte sie an Spendengeldern für die Restauration sammeln, investiert wurden schlussendlich mehr als US$ 50 Millionen.

Wann immer ich auf der obersten Aussichtsplattform stand und mit ein wenig Glück einen Blick auf das Tote Meer erhaschen konnte, war ich glücklich und stolz, Israelin zu sein. Wer genau hinschaut, kann auf den Bildern und natürlich im Museum selbst, an der Art, wie die Steine bearbeitet wurden erkennen, wie alt diese Mauern schon sind. Hier in der Altstadt von Jerusalem schlägt das Herz unserer Geschichte. Frauen wie Eilat Lieber sorgen dafür, dass dieses Herz niemals aufhört zu schlagen.
Kategorien:Israel
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