Krieg in Israel – Tag 124

28. Shevat 5784

Erneut musste die IDF den Tod zweier Soldaten bekannt geben. Major David Shakuri, 30, s’’l, verlor sein Leben während eines Kampfes im nördlichen Gazastreifen. Ein weiterer Soldat, Staff Sgt. (res.) Hanan Drori, 26, s’’l, der vor wenigen Wochen im Kampf in Gaza verletzt wurde, verlor gestern den Kampf um sein Leben. Auf speziellen Wunsch der Familie und mit Unterstützung des Sheba-Krankenhauses kam ein noch nicht zugelassenes Medikament zum Einsatz, um eine behandlungsresistente Pilzinfektion zu behandeln. Leider ohne den erwünschten Erfolg.

Die New York Times schrieb in ihrer gestrigen Ausgabe, dass laut vertraulichen Einschätzungen vom israelischen Inlandsgeheimdienst Shin Bet leben mindestens 30 der geschätzten 136 Geiseln nicht mehr leben. Hinzu kommen noch die bereits 2014 gefallenen Soldaten, deren sterbliche Überreste ebenfalls in Gaza zurückgehalten werden. 31 der Todesfälle wurden bisher bestätigt. Warum die Zahlen unterschiedlich sind, wurde nicht bekannt. IDF-Sprecher Hagari gab bekannt, dass die Familien der betroffenen Opfer über den Tod ihrer Liebsten informiert wurden. Es gibt Hinweise, dass die Opferzahlen nach oben korrigiert werden müssen und dass mindestens 20 weitere Geiseln nicht mehr leben. Avi Kalo, Leiter einer militärischen Geheimdienst-Abteilung, betonte, dass man sich zu 100% sicher sein muss, bevor eine solche Information an die Familien oder gar an die Öffentlichkeit weitergegeben werde. Leider halten sich nicht alle Politiker daran.

Spätestens, seit die Auslieferung der lebensnotwendigen Medikamente an die israelischen Geiseln nicht bestätigt werden konnte, müssen jedem denkenden Menschen zumindest Zweifel gekommen sein, ob die Empfänger überhaupt noch leben. Nun scheint sich die Vermutung als richtig erwiesen zu haben. Wir wissen nicht, wer von den Geiseln noch lebt, und wer tot ist. Das wissen vorerst nur die betroffenen Familien. Und vielleicht weiss es auch der Mann, der spätestens jetzt sein Amt verlassen müsste, samt seinen Kumpanen. Die Rede ist von Netanyahu und seinen Nicht-Regierungsmitgliedern. Irgendwann nach dem 7. Oktober hat er den Kampf um sie aufgegeben. Hat sich in Platituden geflüchtet. Seine Lieblingsaussage wurde «totaler Sieg» und das redundante Geschwafel, dass er «die Mehrheit des Volkes» hinter sich weiss. Warum nur reimt sich ‘Sieg’ auf ‘Krieg’ und warum erinnert ‘die Mehrheit des Volkes’ an den ‘spontanen Volkszorn’? Wer jetzt an die dunkle Zeit zwischen 1933 und 1945 denkt und an die Protagonisten, die am Ende zu feige waren, sich dem Gericht zu stellen, die sich versuchten herauszureden, dass sie nur im Auftrag anderer gehandelt hätten, dem müssen die Ähnlichkeiten zum heutigen Israel auffallen. Netanyahu hat seine (sic!) Prioritäten klar geregelt. Erst die Zerstörung der Hamas und dann die Geiseln. Als drei Geiseln ihr Leben durch israelischen Beschuss starben, hatte er nur ein zynisches «So ist das Leben» für die Toten, ihre geschockten Familien und für ganz Israel übrig. Die von ihm virtuell gezeichnete ‘Rote Linie’ hilft nur ihm, weil sie seinen Kumpanen Ben-Gvir und Smotrich zeigt, dass sie notwendig sind, ihm sein Amt zu erhalten. Und damit auch ihre politische Existenz zu sichern. Eine win:win Situation. Zynisch, menschenverachtend und im höchsten Masse egoistisch. 

Der PM von Katar, Mohammed bin Abdulrahman bin Jassim Al Thani, gab gestern Abend bekannt, dass ihm die Hamas ihre Antwort auf den Vorschlag zur Befreiung der Geiseln übermittelt hat. Über die Art und Inhalt der Antwort sagte er nichts, betonte nur, «dass wir generell optimistisch sind. Wir haben die Antwort an Israel weitergeleitet.» Ein ungenannter israelischer Sprecher sagte: »Die vorliegende Antwort der Hamas ist so gut, wie eine negative Antwort». Auch US-Präsident Biden bezeichnete sie als ‘ein bisschen übertrieben’. Nach ersten durchgesickerten Informationen sind die Bedingungen der Hamas nahezu unverändert: «Ein umfassender und vollständiger Waffenstillstand, das Ende der Aggression gegen unser Volk, die Gewährleistung von Hilfe, Unterkunft und Wiederaufbau, die Aufhebung der Blockade des Gazastreifens und der Abschluss eines Gefangenenaustauschs.» Bedingungen, die für Israel nicht in Frage kommen. 

Das Richtergremium, welches derzeit den ICC repräsentiert, setzt sich aus Richtern der folgenden Staaten zusammen: USA, Russland, Slowakei, Frankreich, Marokko, Somalia, China, Uganda, Indien, Jamaika, Libanon, Japan, Deutschland, Australien und Brasilien. Zwischen Februar 2021 und 2024 amtierte die relativ Israel-freundliche US-amerikanische Richterin Joan E. Donoghue als Präsidentin des Gremiums. Jetzt wurde der Libanese Nawaf Salam ihr Nachfolger. Salam zeichnet sich schon seit Jahren durch Israel-kritische bis anti-israelische Statements aus. «Israel muss die Gewalt stoppen und die Besatzung beenden. Kritiker der israelischen Politik als Antisemiten darzustellen, ist ein Versuch, sie einzuschüchtern und zu diskreditieren, was wir ablehnen.» 

Er war auch derjenige, der, bevor er im Jahr 2018 dem ICC beitrat und zuvor seit 2007 Botschafter und ständiger Vertreter des Libanon bei der UN war, die Palästinenser bei ihrem Antrag auf Beitritt zur UNO unterstützte. Im derzeit anhängigen Verfahren Süd-Afrika gegen Israel wurde das Gremium traditionell um zwei weitere Richter ergänzt, die jeweils der Wunschkandidat der beiden Verfahrensgegner ist. Süd-Afrika nominierte Dikgang Moseneke, 76, der eng befreundet mit Nelson Mandela war. Im Alter von 15 Jahren wurde er zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, nachdem er gegen das damalige Apartheidregime demonstriert hatte. Israel nominierte den ehemaligen Präsidenten des OGH, Aharon Barak, 87. Barak gilt als strikter Gegner der von der Regierung geplanten Abschaffung der Gewaltenteilung. Auf die Frage, wie er sich zum Krieg gegen Gaza stelle, antwortete er: «Ich stimme völlig mit dem überein, was die Regierung tut. Es dient dazu, sie [die Hamas] daran zu hindern, das, was sie am 7. Oktober getan haben, noch einmal zu tun.»

IDF-Sprecher Daniel Hagari gab bekannt, dass der Iran die Hamas-Terror Organisation mit mehr als US$ 150 Millionen unterstützt hat. Hagari betonte, dass die Gelder grossteils in den Ausbau und die Sicherung des Tunnelsystems und den Unterhalt der terroristischen Infrastruktur geflossen sei. «Sie haben dieses Geld investiert, um im Untergrund zu überleben.» Grundlage dieser Informationen sind umfangreiche Listen, die die Geldflüsse zwischen 2014 und 2020 aus Teheran an die Hamas belegen. Es wurde bereits mehrfach bekannt gegeben, dass die IDF an verschiedenen Orten grosse Summen an Bargeld aufgefunden hatte. Zuletzt war das der Fall, als in einer Bank ein unterirdischer Tresorraum entdeckt wurde. Jetzt wurde bekannt, dass auch einige Umschläge mit jeweils Zehntausenden von US$ entdeckt wurden, die ausdrücklich für Yahya Sinwar bestimmt waren. 

Mitten in einem Wohngebiet in Khan Younis hat die IDF eine der bisher grössten Tunnelanlagen entdeckt. Auf Grund der dort aufgefundenen Gegenstände geht man davon aus, dass die Anlage zunächst von ranghohen Mitgliedern der Terror-Organisation benutzt worden war, später aber zu einem Versteck für die israelischen Geiseln umfunktioniert wurde. Bevor die IDF in die Tunnel eindringen konnten, mussten sie Schutztüren aufbrechen und einige Gänge von Sprengstofffallen säubern. Neben Aufenthaltsräumen, einer Küche und Sanitäranlagen, gab es eine Zelle, in der 12 Geiseln zusammengepfercht festgehalten wurden. Im Gitter der Zelle war sogar eine Aussparung, durch die wohl Lebensmittel gereicht werden konnten. Die Information über die Zahl der Geiseln stammt von drei bereits Freigelassenen. In einem Mülleimer erkennt man eine grosse Menge von offenen Medikamente-Schachteln. Auf einer ist klar zu lesen ‘unverkäuflich, nur für UNRWA Gebrauch’ auf einer anderen steht, dass das Medikament nur nach ärztlicher Anweisung gegeben werden darf. Diese Tunnelanlage hat eine Verbindung zu einem anderen Tunnel, in dem ebenfalls Geiseln festgehalten worden waren. 

Die gute Nachricht: Es gab zahlreiche Aufforderungen, Israel vom diesjährigen European Song Contest, der im Mai in Malmö, Schweden stattfinden wird, auszuschliessen. Gestern wurde in der Sendung «HaKochav HaBa», in der schon mehrfach die Teilnehmer des ESC gewählt wurden, Eden Golan, 20, ausgewählt, Israel in diesem Jahr zu vertreten. Ihr Abschlusssong, für den sie 100% der Jurystimmen erhielt, war «I don’t want to miss a thing». Sie widmete das Lied den Geiseln, die sich immer noch in der Gewalt der Hamas im Gazastreifen befinden und deren Familienangehörigen. «Ich bin glücklich, ganz besonders in diesem Jahr, Israel beim ESC vertreten zu dürfen. Es geht darum, der ganzen Welt zu zeigen, wer wir wirklich sind, und unser Land in drei Minuten auf die Bühne zu bringen und unsere Emotionen, unsere Stärke und unser Volk zu zeigen – dass wir für immer zusammen hier sind.» Mit welchem Lied Israel bei ESC vertreten sein wird, wird erst im Laufe des März entschieden, nur etwas ist bereits jetzt bekannt, es muss zumindest einige Worte in Ivrith enthalten, um der schwierigen Zeit, in der sich Israel seit dem 7. Oktober befindet, Rechnung zu tragen.

Auf Wunsch der israelischen Verantwortlichen wird Eden erst im zweiten Halbfinale starten, und nicht wie geplant bereits zwei Tage vorher. Dieser Tag, der 7. Mai ist unser Holocaust Gedenktag.

Die diesjährige Vorentscheidung wurde überschattet vom Tod von einem der Teilnehmer. Hauptmann (res.) Shaul Greenglick, 26, s’’l, trat am 3. Dezember in der Show auf und erreichte die nächste Runde. Weil er aber weiterhin im Reservedienst in Gaza aktiv war, musste er zurücktreten. Er verlor sein Leben am 26. Dezember.

Israel wird in diesem Jahr gleich zweimal in Malmö vertreten sein. Tali Golergant, 23, wird in Malmö für Luxemburg mit dem auf Französisch gesungenen Lied ‘Fighter’ an den Start gehen. 



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