Krieg in Israel – Tag 133

7. Adar I 5784

Auch heute muss die IDF wieder den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Staff Sgt. Noam Haba, 20, s’’l, verlor sein Leben bei einem Gefecht im südlichen Gazastreifen.

Kibbutz Nir Oz musste den Tod eines seiner Mitglieder bekanntgeben. Der am 7. Oktober aus dem Kibbutz verschleppte Yair Yaakov, 59, s’’l, wurde von den Hamas-Schlächtern ermordet. Seine sterblichen Überreste wurden nach Gaza verschleppt, wo sie sich noch heute befinden. Yair war gemeinsam mit seiner Frau und zwei seiner fünf Kinder aus dem Schutzraum seines Hauses verschleppt worden. Seine Frau und die Kinder wurden im November freigelassen.

Auf der Suche nach Hamas-Terroristen im Nasser-Spital in Khan Younis wurden seit gestern mehr als 20 Terroristen festgenommen, die an den Massakern vom 7. Oktober teilgenommen haben. Zusätzlich wurden dutzende Verdächtige vorübergehend zu Verhören mitgenommen. Im Spital fand die IDF auch eine grosse Menge an Granaten und anderen Waffen. Die IDF betont, dass die Operationen innerhalb des Spitals strikt unter Einhaltung des internationalen Rechts ausgeführt werden.

Das ‘Gesundheitsministerium’ in Gaza beklagt, dass «vier Patienten am heutigen frühen Morgen verstorben sind, weil die Stromversorgung des Spitals in der Intensivabteilung ausfiel und deshalb die Sauerstoffversorgung unterbrochen war. Für sechs weitere Patienten der Abteilung und drei Frühchen in Inkubatoren besteht Lebensgefahr, weil der Treibstoff zum Betreiben der Generatoren kurz davorsteht, auszugehen. Die IDF hat die volle Verantwortung für das Leben von Patienten und Mitarbeitern, nachdem das Spital sich völlig in ihrer Kontrolle befindet». Die WHO bemüht sich, Zugang zum Spital zu erhalten. «Es gibt immer noch schwer verletzte und kranke Patienten im Krankenhaus. Es ist dringend notwendig, Treibstoff zu liefern, um die lebensrettende Versorgung aufrechtzuerhalten… Wir versuchen, Zugang zu bekommen, weil die Menschen, die noch im Nasser Medical Complex sind, Hilfe brauchen» sagt WHO-Sprecher Tarik Jasarevic.

In Vergeltungsflügen während der Nachtstunden bombardierte die IAF ein zu militärischen Zwecken genutztes Gebäude in Qantara im südlichen Libanon. Dabei wurden mehrere hochrangige Hisbollah Terroristen eliminiert. Die Angriffe waren die Reaktion auf einen gezielten Beschuss der Hisbollah kurz zuvor. Dabei wurde eine Geflügelfarm mit mehr als 9.000 Stück Federvieh in Margaliot direkt getroffen. Der Sachschaden am Gebäude ist beträchtlich, die Hühner überlebten den Angriff nicht. In dieser Farm wurden jährlich insgesamt um die 300.000 Eier für den israelischen Markt produziert.

Dass Netanyahu seit Wochen unterschiedliche Meldungen veröffentlicht, die einen im Klartext, die anderen, ohne sie wirklich zu benennen, dürfte jedem schon aufgefallen sein. Nach aussen finden wir in jedem Statement, jeder Rede, jeder Pressekonferenz und jedem Interview mehrmals den Slogan «totaler Sieg». Ein Slogan, den vielleicht sein Medienberater glaubte für ihn erschaffen zu haben. Dabei stammte die Idee aus der Feder des Nazi-Reichspropagandaminister Joseph Goebbels. Oder dessen Redenschreiber.

In 108 Minuten stimmte der Volksmanipulator die Zuhörer vor Ort und an den Radios, die jeder daheim haben musste, auf den ‘kürzesten, aber totalen Krieg’ ein. «Der Führer hat befohlen, wir werden ihm folgen. (…) Und darum lautet von jetzt ab die Parole: Nun, Volk, steh auf, und 16:17Sturm, brich los!» Netanyahu glaubt die Israelis ebenso hinter sich scharen zu können. Doch die Zustimmungszahlen sinken und sinken.

Der Slogan hat sich mittlerweile als leere Worthülse erwiesen. Der totale Sieg müsste zunächst alle Geiseln wieder nach Israel gebracht haben und er müsste die Hamas völlig zerstört haben. Beides wird nicht gelingen. Ein grosser Teil der Geiseln lebt nicht mehr, die IDF bemüht sich derzeit, die sterblichen Überreste ausfindig zu machen. Das wird nicht gelingen. Auch die völlige Zerstörung der Hamas ist reines Wunschdenken. Ismail Haniyeh lebt in Katar, so wie auch andere Hamas-Anführer. Auch wenn ihn die Katari gerne loswerden wollen, so einfach wird das nicht gehen. Yayha Sinwar lebt im Untergrund. Nachdem die Tunnel ein einziges miteinander verbundenes System darstellen, kann er mit uns Katz und Maus spielen. Oder er darf als Teil eines Deals ausreisen auf Nimmerwiedersehen. Dann wird ein anderer seine Stelle besetzen. Also auch hier wird es keinen totalen Sieg geben.

Netanyahu könnte eines tun: Er könnte sich eindeutig für die Befreiung der Geiseln einsetzen, jede Chance nutzen, in die Verhandlungen einzusteigen. Doch nein, für ihn gilt nur die Gleichung ‘militärischer Druck = Befreiung der Geiseln’. Doch warum vernachlässigt er die Familienangehörigen derartig? «Eure Lieben sind immer das, was ich vor Augen habe. Ich sehe ihre Fotos und mir blutet das Herz …, wenn wir vor der Hamas kapitulieren, werden ihre unverschämte Forderungen zu einem weiteren Massaker führen.» Oh ja, er liebt sie, wenn es gerade in sein Konzept passt. Sonst verweigert er ihnen den Zugang in den Sitzungssaal.

Gelingt es ihnen, zu ihm vorzudringen, gerät jedes Treffen mit ihnen zur Farce. Mit Mrs.-Goeb-Goeb-Sara an seiner Seite, die schon politisch aufgewertet wurde. Auf seinem Namensschild am Tisch, steht ‘PM Benjamin Netanyahu’ das ist korrekt. Auf ihrem Schildchen steht seit Neuestem ‘ Sarah Netanyahu, Frau des PM’. Als wäre das eine für sie geschaffene politische Position. Sie wird in einem Abschlussbericht über das Treffen ebenfalls zitiert: «Ich danke Ihnen allen für Ihren Mut und dafür, dass Sie gekommen sind, um Ihre Unterstützung für den Premierminister auszudrücken. Ihre Unterstützung und Ihr Treffen mit uns sind auch für uns wichtig.» Moment, wer ist denn jetzt das Opfer? Bei ihr klingt es so, als wäre es das selbsternannte israelische Königspaar, Benjamin und Sarah. Als bedürften sie des Trostes und der Unterstützung. Nicht die Geiseln und ihre Familien stehen im Blickpunkt ihrer Betrachtung, nein, es sind sie selbst, die sich dorthin gestellt haben und immer wieder Zuspruch und Trost einfordern.

Keiner weiss mehr, was Netanyahu, der erste faschistische Propagandaminister und PM Israels, eigentlich will. Will er die Hamas mit seinem Verhalten in die Irre führen? Das wäre ein toller Trick. Aber das ist es nicht. Warum informiert er darüber nicht seine engsten Mitarbeiter? Warum schweigt er sich gegenüber Gantz und Eisenkot aus? Er müsste ihnen die Füsse küssen, sie haben sein politisches Überleben gesichert, als sie seinem Ruf in das Kriegskabinett folgten. Jetzt übergeht er sie andauernd.

Als der rechtsextrem-nationalistische Smotrich Ägypten, einen der Hauptmediatoren neben Katar, bezichtigte, eine klare Mitverantwortung am Massaker vom 7. Oktober zu tragen, da schwieg Netanyahu. Und beugte sich dessen Druck, keine Delegation (mehr) nach Kairo zu schicken. Damit stellte er auch gleichzeitig den ebenso rechtsextrem-nationalistischen Ben-Gvir ruhig. Die beiden tanzten, trunken vor Glück und Zuversicht, auf der ‘Return to Gaza’ Konferenz, die am 28. Januar in Jerusalem stattfand. Ihr Traum, nach 30 Jahren nach Gaza zurückzukehren, steht knapp vor der Erfüllung. Wohnbauminister Goldknopf, privat ein Immobilientycoon und Gucci Liebhaber macht schon Pläne, wie er sein Pfrüden in Gaza nutzen kann. 

Die Geiseln sind für Netanyahu zweitrangig geworden, deshalb kommen sie in seinen Reden auch immer an zweiter Stelle.

Für Netanyahu ist nur Netanyahu wichtig. Dass er sein politisches Leben absichern kann. Dass das für Israel ein riesiges Problem und Elend bedeutet, das interessiert ihn nicht.



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