Krieg in Israel – Tag 136

10. Adar I 5784

Die IDF musste erneut den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Staff Sgt. Simon Shlomov, 20, s’’l, verlor gestern sein Leben bei Kämpfen im südlichen Gazastreifen.

Der brasilianische Präsident Luiz Ignázio Lula da Silva hat mit seinem Vergleich, der Krieg Israels gegen die Hamas entspräche dem Holocaust Hitlers an den Juden, für eine deutliche Verstimmung zwischen den beiden Staaten geführt. Am Sonntag hatte er auf einer Pressekonferenz in Addis Abeba verkündet: «Was sich im Gazastreifen abspielt, ist kein Krieg, das ist ein Genozid. Das ist kein Krieg von Soldaten gegen Soldaten. Das ist ein Krieg zwischen einer hochgerüsteten Armee und Frauen und Kindern. Was im Gazastreifen mit dem palästinensischen Volk passiert, hat sich noch nie in der Geschichte abgespielt. Doch das ist schon passiert: Als Hitler entschieden hat, die Juden zu töten.» Lula kritisiert auch die Entscheidung einiger Staaten, die Zahlungen an die UNRWA einzustellen und kündigte an, nun gerade mehr zu tun, d.h. die Zahlungen Brasiliens an die UNRWA zu erhöhen.

Der israelische Aussenminister Israel Katz wird dem brasilianischen Botschafter, Frederico Mayer, heute einen formellen Verweis erteilen. Nach dem Treffen in Yad VaShem wird erwartet, dass Minister Katz eine Pressekonferenz abhalten wird «Wir werden das weder vergessen noch verzeihen. Das ist eine ernstzunehmende antisemitische Attacke. In meinem Namen und in dem der gesamten israelischen Bevölkerung erkläre ich Präsident Lula zur ‘persona non grata’, solange, bis er seine Aussagen unmissverständlich zurücknimmt.»

In der in den letzten Monaten immer wieder auf Grund jüdisch-extremistischen Ausschreitungen in die Medien geratenen Ortschaft Huwara kam es in der vergangenen Nacht erneut zu Übergriffen durch aggressive Siedler. Wie eine Überwachungskamera zeigt, haben acht mit Schlagstöcken bewaffnete Männer innerhalb weniger Minuten geparkte PKWs entlang der Strasse stark beschädigt. Die Ausschreitungen, so wird immer wieder aus Siedlerkreisen bekannt, sind die Reaktion auf Terroranschläge der Bewohner Huwaras gegen israelische Zivilisten.

Der Aussenminister der PA, Riyad Maliki beschuldigte Israel bei seiner Eröffnungsrede zur Anhörung am ICC ‘Verbrechen des Kolonialismus und der Apartheid’ gegen das palästinensische Volk in Judäa und Samaria zu begehen. Die laut dem palästinensischen Narrativ seit 56 Jahren herrschende ‘Besatzung’ von Judäa und Samaria habe «die Palästinenser vor die Wahl Vertreibung, Unterwerfung oder Tod gestellt, was nichts anders, als ethnische Säuberung, Apartheid oder Völkermord bedeutet.» Maliki fordert das Gericht auf, die israelische Besatzung für illegal zu erklären, und sie sofort, vollständig und bedingungslos zu beenden.

Auch der Völkerrechtsexperte Paul Reichler bezeichnet die Herrschaft Israels über Judäa und Samaria als ‘illegale Besatzung’. Als Grundlage seiner Aussage beruft er sich auf anti-israelische UNO-Resolutionen, sowie die dümmlichen Aussagen von Netanyahu und anderer israelischer Politiker, die immer wieder erklärten, das Gebiet ganz oder teilweise annektieren zu wollen. Die israelischen Siedlungen bezeichnete er als ‘riesiges koloniales Unternehmen’, bei dem die Siedler den Grundstein zur Annexion legen. Bei der Klageführung sind Aussagen von Netanyahu aus dem Jahr 2019 sicher nicht hilfreich, als er ankündigte das Jordantal annektieren zu wollen oder als er 2023 bei der UN-Vollversammlung eine Karte zeigte, auf der das Staatsgebiet Israels ohne erkennbare Abgrenzung der diskutierten Gebiete ‘vom Jordan bis zum Mittelmeer’ reicht. Eine Aussage, die der rechtsextrem-nationalistische Smotrich als «feststehende Tatsache, die nicht verhandelbar ist» bezeichnet.

Die Houthi-Rebellen gaben stolz bekannt, dass sie das britische Frachtschiff ‘Rubymar’, das unter der Flagge von Belize segelt, durch einen Treffer im Maschinenraum manövrierunfähig geschossen haben. Das Schiff laufe Gefahr, zu sinken. Die Mannschaft sei in Sicherheit. Sie habe das Schiff verlassen, nachdem eine heftige Explosion gehört wurde und evakuierte sich nach Djibouti. Das Schiff kam von Khor al-Fakkan, VAE und war unterwegs nach Varna, Bulgarien. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich bewaffnete Sicherheitskräfte an Bord.  Der Anschlag fand in der Bab al-Mandab Meerenge vor dem Jemen statt. Auch eine US-Drohne wurde von den Rebellen nach eigenen Angaben abgeschossen. Vor wenigen Minuten gab das maritime Sicherheitsunternehmen Ambrey bekannt, dass die Houthi-Rebellen ein weiteres Schiff attackiert haben. Es soll sich dabei um einen im Besitz der USA und unter der Flagge von Griechenland segelnden Schüttgut-Frachter handeln. Die Mannschaft des Frachters habe militärische Hilfe angefordert.

Die Hamas-Terror-Organisation gab bekannt, dass sie während des Krieges bisher 6.000 ‘Kämpfer’ verloren habe. Das ist die Hälfte der von Israel bezifferten 12.000 Terroristen. Ein anonym sprechendes Hamas Mitglied betone, die Hamas sei auf einen langen Kampf vorbereitet. «Netanjahus Optionen sind, wie auch unsere, schwierig. Er kann den Gazastreifen besetzen, aber die Hamas steht noch und kämpft. Er hat sein Ziel, die Hamas-Führung zu töten oder die Hamas zu vernichten, nicht erreicht.»

Die IDF veröffentlichte heute ein Video von Anfang Oktober, auf dem zu sehen ist, wie Shiri Bibas mit ihren beiden Kindern, umringt von Hamas-Terroristen, gezwungen wird, sich in ein grosses Tuch zu hüllen. Photos dieser Szene kursieren schon lange im Internet. Es ist eine Aufnahme aus einer der Überwachungskameras in Khan Younis.

Die IDF geht davon aus, dass die Kämpfe im Süden des Gazastreifens unvermindert für die kommenden sechs bis acht Wochen weitergehen werden. Während dieser Wochen sollen die Kapazitäten der Hamas nachhaltig geschädigt werden. Danach sollen die heftigen Luftanagriffe, die derzeit notwendig sind, um die Bodentruppen zu unterstützen, deutlich abnehmen.

In einigen Ortschaften im nördlichen Galiläa wurde am frühen Vormittag Alarm wegen heranfliegender Drohnen ausgelöst. Als Reaktion auf den immer stärker werdenden Beschuss aus dem südlichen Libanon wurden zahlreiche Strassen in der Region bis auf Weiteres für den zivilen Verkehr gesperrt. Eventuell dort noch lebende Bewohner der Region müssen ihre Häuser verlassen. Eine Drohne oder ein anderes Projektil war in der Nähe von Arbel im südlichen Galiläa eingeschlagen, hat aber keinen Schaden verursacht. Nachdem es sich, wie die IDF betonte, nicht um ein israelisches, fehlgeleitetes Projektil handelt, wird der Vorfall vom Militär und der Polizei untersucht. In einem Gegenschlag beschoss die IAF gezielt ein Waffenlager der Hisbollah im Süden des Landes, das daraufhin in Brand geriet.

Die von der IDF im Nasser-Spital gefundenen und sichergestellten Medikamente stammen aus einer von den Familien der Geiseln bereits am Tag nach deren Verschleppung in den Gazastreifen organisierten Hilfsaktion. Die betroffenen Familien gründeten eine WhatsApp Gruppe und sammelten alle Informationen. Zunächst waren es nur Mitglieder des Kibbutz Nir Oz, doch bald kamen andere Betroffene dazu. Die korrekte Liste wurde mit Hilfe von vier israelischen Spitälern aber ohne jede Zusammenarbeit mit der Regierung zusammengestellt. Bestellt wurden die Medikamente in Deutschland, wobei sich auch Rumänien an der Hilfsaktion beteiligte. Auch Vertreter der EU waren involviert, um die komplizierte Aktion zu unterstützen. Die erste Lieferung erfolgte Mitte November über Ägypten, eine zweite folgte Ende Dezember. Um die Lieferungen klar als humanitär zu deklarieren, wurden Medikamente und Dialysegeräte für Kinder der Sendung hinzugefügt! Wie sich jetzt herausstellt, kamen die Medikamente, die alle namentlich zugeordnet sind, nie bei den Empfängern an.



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