Krieg in Israel – Tag 137

11. Adar I 5784

Auch heute muss die IDF leider den Tod eines Soldaten bekanntgeben. Staff Sgt. Moaz Morell, s’’l, der in der vergangenen Woche bei einem Kampf im südlichen Gazastreifen schwerst verwundet worden war, verlor heute den Kampf um sein Leben.

Nachdem es im Gebiet von Gaza City in den letzten Tagen doch immer wieder zu Kämpfen zwischen IDF und Hamas kam, fordert die IDF nun die Bewohner von zwei Wohnvierteln auf, die Wohnungen und Häuser zu verlassen und sich in den Süden in die al-Mawasi Zone, die als ‘humanitäre Schutzzone’ gilt, zu begeben. Die Hamas berichtet bereits über Tote in der Region, verursacht durch Luftangriffe der IAF.

i24 berichtet, unter Berufung auf die saudische Nachrichtenseite Elaph, dass sich Hamas-Anführer Yahya Sinwar mit einer unbekannten Zahl von Geiseln nach Ägypten abgesetzt hat. Von Israel gab es keine Bestätigung. Elaph hatte in der Veröffentlichung behauptet, dass gemeinsam mit Yahya auch sein Bruder Muhammed durch einen Tunnel von Rafah aus in den Sinai geflüchtet seien. Die von ihnen mitgenommenen Geiseln sollen den beiden Terroristen als Schutzschilde dienen. Bisher ist es der IDF auch nicht gelungen, Mohammed Deif, einen der Befehlshaber der Hamas oder seinen Stellvertreter Marwan Issa auszuspüren und festzunehmen.

Der UN-Sicherheitsrat wird heute erneut über einen sofortigen Waffenstillstand in Gaza abstimmen und es scheint gesichert, dass die USA ihn mit ihrem Veto blockieren werden. Linda Thomas-Greenfield, die US-Botschafterin zur UN, stellte klar, dass diese von Algerien und anderen arabischen Staaten geforderte Resolution alle Verhandlungsbemühungen zwischen Israel und der Hamas torpedieren würden. Diese Verhandlungen sollen eine humanitäre, länger andauernde Feuerpause sicherstellen, um die Freilassung der israelischen Geiseln zu ermöglichen. Die internationale Gemeinschaft verstärkt seit einigen Tagen vehement den Druck auf Israel, die Kämpfe sofort einzustellen und einem Waffenstillstand zuzustimmen. 

Die USA haben versucht, einen eigenen Resolutionsentwurf einzubringen, der einige der Textstellen im ursprünglichen Entwurf entschärft. So heisst es u.a. «Die USA versichern  die Unterstützung des Gremiums für einen vorübergehenden Waffenstillstand im Gazastreifen so bald wie möglich, basierend auf der Formel der Freilassung aller Geiseln.» Auch die geplante Offensive auf Rafah wird thematisiert: «…die ernste Auswirkungen auf den Frieden und die Sicherheit in der Region hätte und daher unterstreicht, dass eine solche grosse Bodenoffensive unter den gegenwärtigen Umständen nicht stattfinden sollte.» Ob und wann es allerdings gelingt, diesen Entwurf zur Abstimmung vorzulegen, ist zweifelhaft, weil die überwältigende Mehrheit des Gremiums weitreichende und aggressive Massnahmen bevorzugt, um einen Waffenstillstand mit allen Mitteln zu erzwingen.

Wie zu erwarten, hat die USA heute den Antrag im Sicherheitsrat mit ihrem Veto blockiert. 13 Staaten stimmten für die Resolution, GB enthielt sich der Stimme.

Die in London erscheinende arabischsprachige Tageszeitung ‘Asharq Al-Awsat’ berichtet, dass ein Ziel der Hamas am 7. Oktober war, das Shikma-Gefängnis in Ashkelon zu stürmen und die darin einsitzenden palästinensischen Terroristen zu befreien. Es soll sich dabei um mehrere Hundert Gefangene handeln. Entsprechend Berichten von Hamas-Anführern, waren etwa 23 Terroristen mit diesem Auftrag  unterwegs nach Ashkelon. Ein Dutzend weitere Terroristen sollte in eine Militärbasis in Ashkelon eindringen. Aus unbekannten Gründen gelang es den beiden Gruppen von Terroristen nicht, ihre Ziele zu erreichen.

Die Fregatte ‘Hessen’ der Deutsche Marine befindet sich derzeit auf dem Weg von ihrem Heimathafen Wilhelmshaven ins Rote Meer auf Zwischenstopp in Kreta. Das Kriegsschiff wurde speziell für den Geleitschutz und die Seeraumkontrolle konzipiert und verfügt u.a. über Flugabwehrraketen mit einer Reichweite von 160 km an Bord. Das Radarsystem an Bord ist so stark, dass es einen Luftraum in der Grösse der gesamten Nordsee, also immerhin 575.000 km2 überwachen kann. Ebenfalls auf der Fregatte stationiert sind zwei Hubschrauber.

An Bord befinden sich 240 Soldaten als Stammmannschaft, ein Ärzteteam, weitere nicht weiter definierte Einsatzkräfte und ein Militärpfarrer.

Aufgabe der Fregatte sind ausschliesslich die Begleitung von zivilen Schiffen und das Abwehren von Angriffen. Proaktive Angriffe auf die Houthi-Rebellen sind nicht vorgesehen.

Am kommenden Freitag muss der Bundestag dem Einsatz noch zustimmen.

Die IDF gab bekannt, dass sie die letzte der in Gaza operierenden Reserve-Einheiten aus dem Kampfgebiet abziehen wird. Diese Einheit war zunächst im zentralen Gazastreifen und anschliessend in der Region um Khan Younis aktiv. Nachdem der Kampf um Khan Younis nun nahezu beendet ist, wird es möglich, diese Brigade abzuziehen. Die Reservisten sollen schnell wieder in den Wirtschaftsprozess integriert werden, oder ihre Studien fortsetzen. Die Soldaten sollen auch eine Möglichkeit erhalten, sich eine Zeitlang zu erholen, bevor sie u.U. noch einmal zum Dienst einberufen werden müssen. Das wird wahrscheinlich der Fall sein, wenn sich der Krieg tatsächlich noch, wie befürchtet, zumindest bis zum Jahresende andauern wird.

Generalstabschef Herzi Halevi hat mitgeteilt, dass interne Untersuchungen Ende des Monats begonnen werden. Ziel der Untersuchung wird es sein, zu analysieren, welche Fehlentscheidungen und Versagen die Massaker vom 7. Oktober ermöglicht haben. Zu den Teilnehmern gehören neben Kommandanten der betroffenen Einheiten auch der militärische Sicherheitsdienst. Es wird erwartet, dass die Untersuchungen einige Monate in Anspruch nehmen werden.

Während die einen beginnen, ihre eigenen Fehler offenzulegen und analysieren, was im Vorfeld und am 7. Oktober falsch gelaufen ist, gefallen sich andere in der Rolle, ihre zynischen und menschenverachtenden Gedanken laut auszusprechen. Bevor ich einen Namen nenne, der Mann hat selbst sieben Kinder. Die meisten sind Buben, aber auf einem der seltenen Bilder aus dem Jahr 2019 erkennt man auch zwei Mädchen. Was die beiden Jüngsten sind, ist unbekannt. Der Vater hält sich bedeckt. Eigentlich muss er sich jeden Tag, wenn er mit den Bildern der Geiseln konfrontiert ist, fragen. «Und was wäre, wenn mein Sohn, meine Tochter dabei wäre?» Smotrich hat für die Geiseln nichts übrig. Gefragt, ob die Befreiung der Geiseln das Wichtigste im Krieg gegen die Hamas sei, antwortet er kaltschnäuzig: «Nein, das Wichtigste ist die Vernichtung der Hamas. Es ist wichtig, aber Sie müssen verstehen, dass die Aussage ‚um jeden Preis‘ problematisch ist. Wir müssen die Geiseln freibekommen und dazu müssen wir Druck auf die Hamas ausüben.» Benny Gantz antwortete prompt: «Die Rückkehr der Geiseln ist nicht nur unser Ziel im Krieg, sondern auch unser moralischer Imperativ als Land und als Volk. Es ist die dringendste Sache. Wir werden keine Gelegenheit auslassen, sie nach Hause zu bringen.»

Israelische Sicherheitskräfte warnen, dass Beschränkungen für Palästinenser, den Tempelberg während des Ramadans, der am 10. März beginnt und einen Monat andauert, zu besuchen, zu ernsthaften Spannungen führen können. In den Ost-Jerusalemer Stadteilen wurden entsprechende Warnungen plakatiert. Die Warnungen betreffen vor allem das Gebiet um ‘Jabel Mukaber’, eine Region, in der es immer wieder zu Aufwiegelungen kam und deren Bewohner regelmässig an gewalttätigen Aktivitäten am Tempelberg teilnahmen. Eltern werden dringend aufgefordert, ihre Kinder während dieser Zeit nicht unbeaufsichtigt auf den Tempelberg gehen zu lassen. Die zahlenmässigen und altersbedingten Einschränkungen der Besuchsrechte wurden vom rechtsextremen-nationalistischen Beng-Gvir angeregt und von Netanyahu abgesegnet. Wieder einmal ein gutes Beispiel, dass Netanyahu seine Seele verkauft, um seine rechtsextremen Koalitionspartner zu befriedigen.



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