18. Adar I 5784
Jetzt geht das altbekannte Hick-Hack weiter. Kaum taucht ein zarter Hoffnungsschimmer am Horizont auf, dass eine Vereinbarung zur Befreiung der Geiseln möglich scheint, verkündet erst die eine, und dann die andere Seite, mit den Bedingungen nicht einverstanden zu sein. Vorgestern war es Netanyahu, der neue Bedingungen einbrachte. Heute war es ein hochstehender Hamas-Mitarbeiter, der sich pessimistisch gab und erklärte, keinem Rahmenabkommen zustimmen zu können, das von Vermittlern vorgeschlagen wurde. Heisst das nun, nur was direkt von der Hamas kommt, ist akzeptabel? Das muss man so lesen, ja!
Immer mehr Details, die möglicherweise eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit dem Massaker vom 7. Oktober gespielt haben, werden nun langsam bekannt. Gestern wurde Kanal 14 mit einer Meldung in den Medien zitiert, dass «Tausende von Hamas-Terroristen nur wenige Stunden vor dem Angriff ihre Handys auf eine israelische SIM-Karte umgestellt haben.» Das Büro des PM zeigte sich wieder einmal unwissend. «Er sei zu Beginn des Krieges davon informiert worden, dass einige Dutzend Terroristen israelische SIM-Karten benutzen würden.» Auch die IDF dementierte heute den Bericht von Kanal 14. «Er ist falsch und realitätsfremd.» Tatsächlich hätten sich die Anzeichen gehäuft, dass einige Karten am frühen Morgen aktiviert wurden. Aber warum der Wechsel auf israelische SIM-Karten? Die Antwort ist einfach. Mit diesen Karten war die Kommunikation untereinander sichergestellt. Bei palästinensischen Karten hätte jederzeit die Möglichkeit bestanden, dass die Kommunikation gesperrt würde und so keine Informationen mehr hätten ausgetauscht werden können. Auch ein gravierender Anstieg in Roamingaktivitäten aus palästinensischen Gebieten hätte auffallen und die Pläne der Hamas verhindern können.
An der Grenze zu Gaza hatten zum Zeitpunkt der Überfälle nur 600 (sic!) Soldaten an der Grenze Dienst. Die konnten den 3.000 Terroristen kaum etwas entgegensetzen, die 1.200 Menschen ermordeten und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppten. Die israelischen Grenzinstallationen, hochgelobt als modern und sicher, hielten dem Ansturm nur wenige Minuten stand. Die IDF, nur auf kleinere Scharmützel mit der Hamas trainiert, war innerhalb von kürzester Zeit völlig ausgeschaltet.


Heute finden in Israel die mehrfach verschobenen kommunalen Wahlen statt. Um allen Soldaten, die derzeit im Gazastreifen ihren Dienst versehen, die Möglichkeit zu geben, ihre Stimme abzugeben, wurden die berühmten blauen Wahlurnen bereits seit dem 20. Februar bereitgestellt. Bedingt durch den Kriegseinsatz ist die Zahl der Briefwahlen bei diesem Wahlgang mit 400.000 Umschlägen besonders hoch. Die Bekanntgabe der Wahlergebnisse wird sich entsprechend verzögern. Die Familien der 134 immer noch im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln werden in den 134 Wahllokalen ihrer Heimatorte eine Mahnwache halten, ein eigens dafür gecharterter Bus wird die Transferfahrten übernehmen. Vier Stunden vor dem Schliessen der Wahlbüros liegt die Wahlbeteiligung bei nur 26%.

Das Kriegskabinett versucht eine Lösung zu finden, um zu verhindern, dass grosse Teile von humanitären Lieferungen für die Zivilbevölkerung von Gaza in den Lagern der Hamas verschwinden. Bisher oblag die Verteilung der Lieferungen ausschliesslich der UNRWA. Jedoch stellte sich heraus, dass die UNRWA so eng mit der Hamas verbunden ist, dass die Lieferungen es fast nie bis in den Norden des Landes schafften. Eine bereits angelaufene Lösung besteht darin, den nördlichen Warenübergang Karni zu reaktivieren. Ein dichtes israelisches Kontrollnetz um die Lieferungen liess die Zahl der Plünderungen und Diebstähle zwar deutlich zurückgehen, die Lage ist aber immer noch unübersichtlich. Gestern wurden erneut vier Lieferungen von Hilfsgütern für das jordanische Feldlazarett von Flugzeugen abgeworfen und mehr als 300 LKWs konnten via Rafah in den Gazastreifen fahren.


Im Juni 2019 genoss der damalige US-Präsident Barak Obama gemeinsam mit seinem russischen Kollegen Dimitri Medwedew ein typisch amerikanisches Menu mit Cheeseburger und Cola. 2024 befindet sich Nachfolger, der amtierende Präsident Joe Biden, bereits wieder im Wahlkampfmodus. In der vergangenen Woche machte er ‘vor Ort‘ Wahlwerbung in einem Barber Shop in South Carolina. Gestern trat er in der Late-Night-Show von Seth Meyers auf und erklärte dort, dass «Israel sich bereit erklärt hat, die Operationen während des muslimischen heiligen Monats Ramadan, der am 10. März herum beginnt, zu unterbrechen, falls eine Einigung erzielt wird.» Der Waffenstillstand sei zwar noch nicht endgültig fixiert, aber man stünde kurz vor einer Einigung. «Und ich hoffe, dass wir bis nächsten Montag [4. März] einen Waffenstillstand haben werden. Die Israelis haben sich darauf geeinigt, während des Ramadans keine Aktivitäten durchzuführen, um uns Zeit zu geben, alle Geiseln zu befreien.» Zur aktuellen Regierung in Israel sagte er: «Israel wird die internationale Unterstützung verlieren, solange es diese unglaublich konservative Regierung hat.»
Danach ging er mit Seth Meyers in eine Eisdiele in New York, wo er seiner Hoffnung auf einen baldigen Waffenstillstand nochmals nachdrücklich Ausdruck verlieh. Um sich anschliessend eine Eiswaffel zusammenstellen zu lassen und sie medienwirksam zu geniessen.
Natürlich reagierte die Hamas sofort auf die Äusserungen des US-Präsidenten. Die Aussicht auf eine baldige Einstellung der Kämpfe sei verfrüht und entspräche nicht der Situation vor Ort. Auch Netanyahu zeigte sich erstaunt über die Aussage des US-Präsidenten

Am frühen Vormittag wurde von der Hisbollah der Berg Meron, in der Nähe der Stadt Sfad mit 35 Raketen beschossen. Am Meron finden jährlich zu Lag baOmer, das heuer am Abend des 25. Mai beginnt, grosse Feierlichkeiten der haredischen Bevölkerung statt. Im Jahr 2021 brach an der völlig überfüllten Örtlichkeit eine Massenpanik aus, bei der 45 Menschen ihr Leben verloren und mehr als 150 verletzt wurden. Aus Sicherheitsgründen wurde die Veranstaltung für dieses Jahr bereits verboten. Als Reaktion flog die IAF Angriffe auf Hisbollah-Stellungen im Süden des Libanons. Am Nachmittag wurden von der Hisbollah erneut mehr als 20 Raketen auf den Norden Israels abgeschossen. Die meisten konnten von Iron Dome abgefangen werden, einige landeten ohne Schaden anzurichten im offenen Feld.

In Khan Younis wurde die IDF wieder in einem ‘Privathaus’ fündig. Unter einem Bett fanden sie ein ganzes Waffenlager. Der Eigentümer des Hauses, sowie weitere Hamas-Terroristen versuchten, sich der Gefangennahme zu entziehen, indem sie auf die im Haus arbeitenden Soldaten schossen. In benachbarten Gebäuden wurden Sprengfallen entdeckt, die entfernt werden konnten. Eine Gruppe von Soldaten geriet in einen Hinterhalt mit Scharfschützen. Der Hinterhalt wurde frühzeitig entdeckt, so dass die Soldaten reagieren und die Terroristen eliminieren konnten.

Die Houthi-Rebellen haben erneut grossen Schaden angerichtet. Wie die israelische Nachrichtenseite ‘Globes’ berichtete, haben sie vier Glasfaserkabel zwischen Jeddah, Saudi-Arabien und Djibouti, Jemen, zerstört. Die Kabel dienten der Telefon- und Internetkommunikation zwischen Europa und Asien, die in Folge der zerstörten Kabel immer wieder unterbrochen wurde. Die Kabel sind im Besitz von vier internationalen Kommunikationsunternehmen. Ein Teil des Datenflusses konnte auf andere Kabel umgeleitet werden. Die Reparatur ist aufwändig und sehr kostenintensiv und wird mindestens zwei Monate dauern.
Die gute Nachricht: Um es vorwegzunehmen, ich liebe Cartoons, mal mit feiner Feder, mal plakativ gezeichnet, immer aktuell, immer hochpolitisch. Sie karikieren das Tagesgeschehen. Das Traurige und das Dramatische werden überspitzt, bis man erleichtert schmunzeln kann. Nicht alle Themen sind einfach darzustellen. Die sexuelle Gewalt gegen Frauen und Kinder, wie soll man darstellen?
Meinen Lieblingscartoonisten sind ist Amoz Biderman, seit 25 Jahre beim Haaretz tätig und Guy Morad. Biderman betont, dass es keinen Unterschied gibt zwischen den Karikaturen in Friedens- und Kriegszeiten. In den ersten Wochen haben er und seine Kollegen sich gescheut, Trivia, wie die sonst gern karikierten Likud-Schreihälse Gotliv, Vaturi oder Regev auf Korn zu nehmen.
Die erste Zeichnung zeigte die paralysierten Koalitionsmitglieder hilflos und ängstlich unter einem Tisch versteckt, die zweite in der Psychiatrie. Genauso, wie die Regierung sich in den ersten Tagen (und auch danach) immer wieder zeigte. Er kritisiert die schnelle Erholung der ‘minderwertigen Knessetmitglieder’ (sic!), die sich kurz nach dem Massaker wieder der Normalität davor zuwandten. Politische Satire ist, so Biderman, immer Kritik an der Regierung.
Keiner der zahlreichen Karikaturisten, die schon jahrzehntelang arbeiten, hat nach eigenen Aussagen jemals nach oder während eines Krieges so viele verschiedene Ansichten und Beobachtungen in ihre Arbeiten einbeziehen müssen.
Alle bewegen sich zwischen objektiver Arbeit und subjektivem Aktivismus. Ein schwierige, aber sehr notwendige Aufgabe, um die Kunst in den Dienst der Politik zu stellen, wenn diese versagt.
Hier einige meiner Favoriten:
Amos Biderman










Guy Morad:







Kategorien:Israel
Hinterlasse einen Kommentar