20. Adar I 5784


Die USA ziehen in Betracht, ebenfalls mit dem Abwerfen von Hilfsgütern über dem Gazastreifen mit Flugzeugen zu beginnen, nachdem die Lieferungen auf dem Landweg sich immer schwieriger gestalten. «Die Situation ist wirklich schlecht. Wir sind nicht in der Lage, genügend Hilfsgüter per Lastwagen zu transportieren, so dass wir verzweifelte Massnahmen wie Luftabwürfe ergreifen müssen», sagte ein US-Beamter zur US-amerikanischen Nachrichtenseite Axios. Kanada schloss sich am Mittwoch den Plänen der USA an. Man müsse neue Möglichkeiten der Lieferung von Nahrung und Hilfsmitteln finden, um die Situation im Gazastreifen zu entspannen. Philippe Lazzarini erklärte, dass die UNO seit dem 23. Januar keine Lieferungen mehr in den Norden des Gazastreifens gebracht hätte. Das Welternährungsprogramm (WFP) stellte am 20. Februar die Lieferungen ein. Als Begründung gaben sie die chaotischen Zustände an, die eine ordnungsgemässe Lieferung verunmöglichen würden. Innerhalb des Gazastreifens halten Einwohner immer wieder Konvois auf und versuchen, Hilfsgüter direkt von den LKWs zu stehlen, andere Bilder zeigen, dass Bewaffnete ganze Lastwagen, die über Rafah in den Gazastreifen fahren, beschlagnahmen.

Das ‘Komitee zum Schutz der Öffentlichkeit’, eine selbsternannte vermummte und bewaffnete Schutztruppe, soll im Gazastreifen für Ordnung sorgen. Man muss davon ausgehen, dass es sich bei dieser Truppe um eine weitere, von der Hamas organisierte Terror-Einheit handelt. Ihre Aufgabe ist es, die illegalen Geschäfte von ‘fliegenden Händlern’ auf den Märkten des Gazastreifens zu unterbinden, die ganz im Sinn einer freien Marktwirtschaft die Preise entsprechend der Nachfrage festlegen. Das heisst, dass die oft gestohlene Ware zu weit überhöhten Preisen verkauft wird. Die Gruppe wurde installiert, nachdem die reguläre Polizei nach israelischen Angriffen ihre Arbeit eingestellt hat. Die USA haben Israel aufgefordert, jeden Angriff auf Hamas-Polizisten, die LKW-Konvois begleiten, einzustellen, um ein Minimum von Ordnung aufrecht zu erhalten. Derzeit kostet ein Kilo Zucker zwischen US$ 22 und 28, zum Backen notwendige Hefe kostet US$ 28.
Yahya Sinwar gibt sich siegessicher. Laut einem Bericht im Wall Street Journal hat er die eigentlichen Hamas-Chefs, die ihr gemütliches Luxus-Leben in Katar verbringen, darüber informiert, dass seine Terror-Organisation «die Israelis genau da hat, wo wir sie haben wollen.» Auf die bevorstehende Offensive auf Rafah seien sie sehr gut vorbereitet. Auch wenn es bei dieser Offensive eine grosse Zahl von zivilen Toten geben werde. Genau diese hohe Zahl würde zu einem weltweiten Aufschrei gegen Israel führen und sie zum Aufgeben zwingen. Wishful thinking oder Dummheit?

Neuseeland hat als eines der letzten westlichen Länder die Hamas als Terror-Organisation anerkannt. Die Massaker vom 7. Oktober hätten verdeutlicht, dass der politische und militärische Flügel der Organisation nicht, wie immer behauptet, voneinander getrennt werden können. «Die Organisation als Ganzes trägt die Verantwortung für diese schrecklichen Terroranschläge.» Weiterhin kündigte die Regierung an, die Gelder der Hamas einzufrieren und jede materielle Unterstützung zu stoppen. PM Christopher Luxon betonte aber, dass es sich bei der Verurteilung ausschliesslich um die Hamas und nicht um die Palästinenser in und ausserhalb von Gaza handelt. Gleichzeitig sprach er auch ein Einreiseverbot für die radikalen jüdischen Siedler aus, die immer wieder grundlose Angriffe auf die palästinensische Bevölkerung in Judäa und Samaria ausüben.

Immer wieder werden in den Medien die Berichte der IDF angezweifelt, ob sie nicht im Sinne einer pro domo PR geschönt sind oder ob sie überhaupt den Tatsachen entsprechen. Sophie von der Tann berichtet seit zwei Jahren für die ARD aus Tel Aviv. Seit dem 7. Oktober ist sie von frühmorgens bis zu den spätabendlichen Tagesthemen auf Sendung.

Als die IDF davon berichtete, unterhalb des UNRWA-Komplexes gut ausgebaute Tunnelsysteme gefunden zu haben und die UNRWA beschuldigte, davon gewusst zu haben, wurden erneut Zweifel laut. Vor allem, weil UNRWA-Chef Lazzarini dies vehement zurückwies.

Am 8. Februar organisierte die IDF eine Pressetour, an der auch Sophie von der Tann teilnahm.

Zunächst ging man zu einem von der IDF gebohrten Schacht, der bis hinunter in die Tunnel reichen sollte. In diesen Schacht liessen sie u.a. einen Eimer mit dem Presseausweis eines der anwesenden Journalisten hinab. Der nächste Stopp der Tour war ein von der IDF freigelegter Eingang nahe der UNRWA-Schule. Ob dies der ursprüngliche Eingang war, oder ob der woanders lag, lässt sich nicht nachvollziehen.


Von dem Eingang vor der Schule ging es dann über sechs Stockwerke (!) hinab in den Tunnel. Nach etwa 400 m erreichten die Journalisten einen Raum, in dem sich eine Vielzahl von Servern und Batterien befanden. Und dort stand auch der von oben hinunter gelassene Eimer mit dem Presseausweis.
Damit war der Beweis erbracht, dass sich zumindest dieser Teil des Tunnels unmittelbar unter dem UNRWA Gebäude befand!

Was sich in dem Tunnel befand, belegte, dass er nicht einfach ein Teil der unterirdischen Verbindungswege war, sondern eine Anlage für den Geheimdienst, ausgestattet mit allem, was eine solche Organisation braucht, um effizient arbeiten zu können. Das Herzstück war das Rechenzentrum, das sich unmittelbar unter dem UNRWA-Gebäude befand. Die an der Wand befestigten Kästen sind, so die Ansicht einer Photovoltaik-Expertin, sogenannte ‘Wechselrichter’, die den Gleichstrom aus Solaranlagen in Wechselstrom umwandeln. Wahrscheinlich dienten sie, zusammen mit den darunter stehenden Batterien, zur Aufrechterhaltung der Stromversorgung bei Stromausfällen. Hat die Hamas also die Solarpanels, des UNRWA Gebäudes ‘angezapft’? Die Gebäude, die oberhalb des entsprechenden Tunnelabschnitts liegen, haben, zumindest auf dem Bild, noch keine solchen. Weiter entfernt liegende Panels können durchaus angezapft werden, allerdings entsteht ein hoher Energieverlust.

Lazzarini hatte behauptet, nichts von den hervorragend ausgestatteten Räumen gewusst zu haben. Der Stromverbrauch sei nicht signifikant gestiegen und überhaupt sei er kein Fachmann auf dem Gebiet. Im Erdgeschoss des Gebäudes gibt es aufwändige Verkabelungen, die durch den Fussboden bis in das Tunnelsystem führen, offenkundig die Stromversorgung, die die UNWRA abstreitet. Beweisen kann man das nicht mehr, die Tunnel sind mittlerweile zerstört. Die IDF habe seit 2021 von dem Tunnel gewusst, die UNRWA aber nicht informiert. Weitere Aussagen dazu wurden nicht gemacht. Lazzarini hatte betont, dass man ein- bis zweimal von Tunnelanlagen gehört, diese aber sofort nach Bekanntwerden zugeschüttet habe.
Nachgewiesen werden kann es natürlich heute nicht mehr, ob die UNRWA davon wusste oder nicht. Es scheint sicher, dass es innerhalb des Gebäudes keinen direkten Zugang in die Unterwelt gab. Allerdings scheint es ebenso sicher, dass die sehr aufwändigen Bauarbeiten nicht ungehört bleiben konnten.
Die Lage unter dem UNWRA Komplex war von der Hamas sehr geschickt gewählt: Als Hilfsorganisation geniesst die UNWRA den speziellen völkerrechtlichen Schutz vor Angriffen und Zerstörung. Heute, nachdem bekannt ist, dass viele der UNWRA-Mitarbeiter Hamas-Mitglieder waren, ist dieser Schutz natürlich für verschiedene Gebäude obsolet.
Wer die Augen nach diesen eindrücklichen Belegen immer noch fest schliesst und behauptet, die UNRWA habe von nichts gewusst, der macht sich zumindest der Verleugnung von Tatsachen schuldig.
(Dieser Teil des heutigen Blogs liegen inhaltliche Teile eines Berichts der NZZ von heute zu Grunde, die hier beigefügten Bilder sind ebenfalls in diesem Bericht verlinkt und befinden sich im copyright der NZZ)




Zu einem tragischen Zwischenfall kam es am frühen Morgen im nördlichen Gazastreifen. Tausende Palästinenser versuchten einen Konvoi von rund 30 LKWs mit Hilfslieferungen, der nach Gaza-City hineinfuhr gewaltsam zu stoppen. Durch das Gedränge brach eine Massenpanik aus. Einige Menschen wurden von LKWs überfahren, andere zu Tode getrampelt. Während die Massen versuchten, die LKWs zu plündern, kam es zu vereinzelten Schiessereien durch Palästinenser.
Die IDF veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie sich die Menge um die LKWs schart, die versuchen trotzdem weiterzufahren. Den LKWs gelang es, ihre Fahrt in den Norden fortzusetzen, bis sie in Rimal, Gaza-City, von Bewaffneten unter Beschuss genommen und anschliessend geplündert wurden.
Schnell hiess es, die IDF hätte willkürlich in die Menge geschossen und zahlreiche Menschen getötet oder verletzt. Dieser Vorwurf wurde von der IDF abgewiesen. Sie hätten zunächst Warnschüsse abgegeben und dann das Feuer gezielt auf die Beine von Plünderern eröffnet, die sich in aggressiver Art einem ihrer Posten näherten und durch die sie sich gefährdet fühlten. Die IDF gab an, dass 10 Personen von ihnen getötet wurden.
Das ‘Hamas-Gesundheitsministerium’ sprach von 107 Toten und 760 Verletzten und sprach von einem Massaker. Die Zahlen konnten noch nicht bestätigt werden.
Die Hamas warnte, dass dieser Vorfall zu einem endgültigen Scheitern der Verhandlungen über eine Vereinbarung zur Freilassung der Geiseln führen könne und erklärte Israel dafür allein verantwortlich.
Kategorien:Israel
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