Exodus, Ki Tisa 30:11 – 34:35

Haftara: Könige I 18:20 – 39

ב“ה

21./22. Aadar I 5784                                                          1./2. März 2024

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         16:57

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:14

Shabbateingang in Zürich:                                                                 17:53

Shabbatausgang in Zürich:                                                                18:58

Shabbateingang in Wien:                                                                   17:21

Shabbatausgang in Wien:                                                                  18:17

Wieder einmal ist Moses auf dem Berg bei Gott. Sein Diener und Nachfolger Joshua war bei ihm. Erneut muss Moses auf Anweisung Gottes eine Zählung der Israeliten vornehmen. Er möchte damit sicherstellen, dass jeder, der das Alter von 20 Jahren überschritten hat, eine regelmässige Tempelabgabe zahlen muss. Niemand soll zu viel, aber auch niemand zu wenig zahlen. In der letzten Woche haben wir in der Torahlesung erfahren, dass der Bau des Stiftszeltes mit Naturalien und freiwilliger Arbeitsleistung bezahlt wurde. In dieser Woche geht es um eine „Abgabe für Gott“, die den Dienst im Tempel finanziert. Mit feinsten Ingredienzien soll ein Salböl hergestellt werden, mit dem alles, was sich im Tempel befindet, gesalbt werden soll. Alles soll damit gereinigt und geheiligt werden und jeder, der es berührt, soll ebenfalls heilig werden. Heilig in dem Sinn, dass er geweiht und bereit ist, den Dienst zu verrichten. Nur zu diesem Zweck darf das Salböl hergestellt werden. Wer sich nicht an das Gebot hält und der Versuchung anheimfällt, sich an diesem wunderbar duftenden Stoff zu vergreifen, der bezahlt es mit seinem Leben. Ähnliches gilt auch für das eigens hergestellte Räucherwerk.

Dann geht Gott mit Hilfe von ausgesuchten Künstlern daran, das Stiftszelt noch prächtiger auszustatten, als es schon ist. Wir erinnern uns, wie wundervoll bisher schon alles ausgeschmückt war.

Gott führt an dieser Stelle, wo seine Wohnung auf Erden sich der Vollendung zuneigt, ein, dass der siebte Tag, der Shabbat unter allen Umständen einzuhalten ist. Sechs Tage, so sagt er, müssen wir arbeiten, aber am siebten Tage ruhen, so wie er es nach der Erschaffung der Welt am siebten Tag gemacht hat. Wie oft vergessen wir diese wunderbare Einführung des wöchentlichen Ruhetages!

Moses stieg, die beiden von Gott selbst beschriebenen Tafeln sorgsam tragend, den Berg hinab. In der Zwischenzeit war das Volk unruhig geworden, sie verlangten von Aaron, dass er ihnen einen Gott schuf, der sichtbar für alle, vor ihnen herziehen würden. Aaron erlag der Versuchung und goss für sie aus dem Schmuck, den sie aus Ägypten mitgebracht hatten, ein „goldenes Kalb“ und rief für den kommenden Tag ein grosses Fest aus.

Gott trieb Moses zu grosser Eile an, denn er sah, dass die Israeliten wieder einmal vom Weg abkamen. „Ich habe dieses Volk durchschaut, es ist ein störrisches Volk!“ Es ist das erste, aber nicht das letzte Mal, dass Gott uns so bezeichnet. Wenn wir uns ehrlich sind, gilt das nicht auch heute noch für uns? Na ja, nicht immer, aber oft! Vernichten wollte Gott sie, aber Moses tat alles in seiner Macht Stehende, ihn umzustimmen. Moses sah das Kalb und die ekstatisch feiernden Israeliten und zerbrach voller Wut die von Gott selbst beschriebenen Tafeln.

Moses versuchte, Aaron zur Rechenschaft zu ziehen. Doch der erfand eine Rechtfertigung nach der anderen. Moses versuchte alle, die sich ihm weiterhin anschliessen wollten, hinter sich zu scharen und Moses forderte sie auf, alle Abtrünnigen zu töten und so fielen mehr als 3.000 Menschen an diesem Tag.

Am kommenden Tag stieg Moses erneut auf den Berg. Moses flehte um Gnade für die abtrünnigen Israeliten und Gott versprach, dass fortan nicht mehr er, sondern ein Engel sie begleiten würde. Die Abrechnung mit den Abtrünnigen aber schob er für einen späteren Termin auf. Seit dem Tag trugen die Israeliten keinen Schmuck mehr, um ihre Demut vor Gott zu zeigen.

Gott versprach Moses, zwei neue Tafeln zu schreiben. Aber nicht mehr er, sondern Moses musste die Worte in Stein meisseln.

Das Stieropfer am Berg Kamel, © Hans Holbein d.J

Die heutige Haftara schildert eine Begegnung des Propheten Elija mit Ahab, der von 871 bis 852 BCE König des Nordreiches war. Unter seiner Amtszeit erlebte das Reich einen ungeheuren wirtschaftlichen Aufschwung durch Beziehungen zu den reichen Phöniziern. Genau diese Beziehung, die in der Eheschliessung mit einer Phönizierin, Isebel, gipfelte, brachte ihm zu Recht den Ruf der Gottlosigkeit ein. Sechshundert Jahre vor diesem Gespräch haben die Israeliten am Berg Horeb dem Goldenen Kalb zugejubelt. Die Zeiten sind düster, Isebel führt den längst vergessenen Ba’al-Kult wieder ein und das Volk, wankelmütig wie eh und je, schwankt zwischen Gott und dem Götzen Ba’al hin und her. Isebel lässt jeden verfolgen und ermorden, der dem Gott Abrahams treu bleibt. Die Treue zu Gott wurde zu Hochverrat. Besonders betroffen waren naturgemäss die Propheten und ihre Anhänger.  König Ahab wurde zum eifrigsten Anhänger des Ba’al-Kultes. Viele Jahre waren im Wind vergangen, nichts war mehr übrig von dem, was die Vorfahren zur Zeit der Wüstenwanderung mit Moses erlebt hatten: Keine Erlösung aus Ägypten, kein tägliches Manna, kein wasserspendender Fels, keine Teilung des Meeres…. Alles war aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht. Der Bund mit Gott, der dem Volk Sicherheit und Zukunft bot, war einseitig aufgekündigt.

In dieser hoffnungslosen Zeit erscheint der Prophet Elijahu. Mit allem, was er tut, steht er dem König kritisch gegenüber. Der lässt ihn suchen, um ihn umzubringen. Im Land herrscht eine grosse Dürre, die der Prophet angekündigt hatte. Auf dem Karmel Berg kommt es schliesslich zum Treffen. Beide, Ahab und Elijahu geben sich zunächst gegenseitig die Schuld an dem Unglück, das das Land getroffen hat. Elijahu wirft Ahab vor, durch die Rückkehr zum Ba’al-Kult das Unglück heraufbeschworen zu haben.

Elijahu fordert Ahab auf „das ganze Volk Israel, 450 ‚Ba’alspropheten und 400 ‚Propheten der Aschera‘“ (1 Könige 18:19) sollten sich auf dem Karmel versammeln. Aschera ist eine alte Göttin, die von den Israeliten als Ehefrau Gottes verehrt wurde. (2 Könige 23). So geschah es. Elijahu trat vor das ganze Volk hin, schmähte es für seine Wankelmütigkeit und forderte es auf, sich zu entscheiden. Er allein stehe für Gott und ihm gegenüber stünden 450 Anhngern des Ba’al.

Was nun folgt, ist ein Lehrstück in feiner Diplomatie. Einer gegen 450, das konnte doch nie gutgehen! Zwei Stiere sollten gebracht werden, die Wahl des Stiers überliess er den Ba’al-Anhängern. Die Stiere sollten zerlegt und auf den Opferaltar gelegt werden. Auch Feuerholz sollte ausgebreitet, aber nicht angezündet werden. Als beide Seiten mit den Vorbereitungen fertig waren, sagte Elijahu zu den Ba’ala-Anhängern: Ihr ruft jetzt euren Gott und ich den meinen. Den Gott, der das Feuer anzünden wird, den anerkennen wir als den wahren Gott. Die Ba’al-Anhänger stimmten allen Vorschlägen zu. Elijahu, seiner Sache sehr sicher, überliess ihnen mit allem den Vortritt.

So geschah es. Sie riefen den Namen Ba’als vom Morgen bis zum Mittag. Nichts geschah. Elijahu begann sie zu verspotten. „Ruft lauter, vielleicht hat euer Gott eine Besprechung, muss ein Geschäft abwickeln, ist auf Reisen. Oder er schläft. Ruft also lauter und weckt ihn auf!“ (1 Könige 27) Die Ba’alanhänger klagten mit lauter Stimme und verletzten sich mit ihren Schwertern, bis sie blutüberströmt waren. Sie mussten erkennen, dass ihre Zeit vorüber war, dass sich der Götzenspuk gegen Gott nicht durchsetzen konnte.

Da sah Elijahu seine Stunde gekommen, das Volk vom wahren Glauben zu überzeugen.  Er baute den zerstörten Gottes-Aaltar wieder auf und rief das ganze Volk auf, zu ihm zu kommen.

Wir müssen uns einige Wochen gedulden, bis wir erfahren, wie die spannende Geschichte auf dem Karmel weitergeht. Auch wenn wir es im Grunde schon wissen.

Warum habe ich das Vorgehen Elijahus als Diplomatie bezeichnet? Er nahm für sich nicht das Recht, als der Schwächere zuerst seine Wahl treffen zu dürfen, er scheint sich der Übermacht der anderen zu beugen. Es ist die Sicherheit, das grenzenlose Vertrauen, dass er sich Gott sicher sein darf und keine Machtdemonstrationen braucht, wie es die anderen nötig haben.

Das ist es, was Moses uns vorgelebt hat, und das ist es, was unseren Propheten leben: Grenzenloses Vertrauen zu haben.

Shabbat Shalom!



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