Krieg in Israel – Tag 148

22. Adar I 5784

Nachdem die Hamas-Schlächter im Dezember ein Video veröffentlicht hatten, in dem sie drei ältere Geiseln, Chaim Gershon Peri, 79, Yoam Metzger, 80 und Amiram Israel Cooper, 85 zeigten. Die drei schienen in sehr schlechtem gesundheitlichem Zustand zu sein. Gestern veröffentlichten sie eine Art Poster, auf denen die Bilder der drei vom Video gezeigt wurden, sowie vier weitere, nur als Silhouette erkennbare, namenlose Köpfe.

Dazu der Text: «Wir bestätigen, dass die Zahl der feindlichen Gefangenen, die infolge der militärischen Operationen der feindlichen Armee im Gazastreifen getötet wurden, mehr als siebzig Gefangene betragen könnte.» Bisher waren IDF und Shin Bet immer von 30 bis 50 Geiseln ausgegangen, die nicht mehr lebten.Auf ihrem Kanal bei ‘Telegram’, dem von der Hamas bevorzugten sozialen Medium, gab die Hamas weiterhin bekannt, dass sieben Geiseln durch israelische Luftangriffe getötet worden seien. Die vier noch nicht genannten Namen würden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. «Wir haben den Kontakt zu unseren ‘Mujahideen’, die die feindlichen Gefangenen bewachen, verloren und bestätigen nun ihren ‘Märtyrertod’ durch die zionistische  Bombardierung. Wir haben uns bemüht, das Leben der Gefangenen zu schützen, doch es ist klar geworden, dass die feindliche Regierung sie absichtlich tötet, um den Fall schliessen zu können.»

Dass der Beitrag auf ‘Telegram’ erst kürzlich aufgenommen wurde, wird dadurch belegt, dass der Sprecher sich auf den neuesten Stand der Verhandlungen bezieht.

Nachdem die letzte Verhandlungsrunde in Doha in der vergangenen Woche ohne Ergebnisse scheiterte, wurde für heute Abend ein neues Treffen in Kairo vereinbart. Israel stellte jedoch für eine erneute Teilnahme die Bedingung, eine aktuelle und wahrheitsgemässe Liste zu erhalten, welche Geiseln noch am Leben sind. Zusätzlich erwartet Israel eine Liste mit den Namen jener palästinensischen Gefangenen, die ‘unbedingt’ freigelassen werden müssen. Israel hatte gestern eine Liste mit den Namen, die nicht zu den Freizulassenden gehören werden nach Kairo geschickt. «Es macht keinen Sinn, weiter zu verhandeln, solange wir nicht die Listen der noch lebenden Geiseln erhalten und die Hamas ihre Antwort bezüglich der ‘Verhältniszahlen’ festlegt, wie viele Gefangene für jede Geisel, tot oder lebendig, freigelassen werden müssen.» Bleibt zu hoffen, dass US-Präsident Joe Biden genügend Druck auf Katar und Ägypten ausüben kann, um die Listen zu erhalten. Bisher wurden sie noch nicht geliefert und es ist zu befürchten, dass die israelische Delegation nicht nach Kairo reisen wird.

Die Rubymar, jenes Schiff, dass am 18. Februar nach heftigem Beschuss durch die Houthi-Rebellen manövrierunfähig geworden war, ist im Roten Meer gesunken. Die Mannschaft konnte sich unmittelbar nach dem Angriff nach Djibouti retten, die Idee, das leckgeschlagene Schiff ebenfalls dorthin zu schleppen, musste aufgegeben werden. Durch auslaufenden Treibstoff wird eine grosse Umweltkatastrophe erwartet.

Der Marsch von Familien und Freunden, der vor vier Tagen in Re’im, dem Ort, an dem das Massaker vom 7. Oktober beim Nova-Festival Hunderte von Toten, Verletzten und Verschleppten forderte begann, nähert sich seinem Ziel, dem Pariser Platz in Jerusalem. Von zunächst wenigen Teilnehmern war er im Laufe des heutigen Tages auf 15.000 Menschen angewachsen. Immerhin sind es noch mehrere Tausend, die den steilen Aufstieg nach Jerusalem auf sich genommen haben. Für jeden der Geiseln sucht die Familie ein Lied aus, welches dann über Lautsprecher übertragen wird. Oppositionsführer Yair Lapid begleitete den Marsch heute auf seiner letzten Etappe, ebenso wie der ehemalige Knesset-Sprecher Mickey Levy. Von der Regierungskoalition zeigte sich natürlich niemand, um den Familien ihre Unterstützung zu zeigen. Am Abend werden sie an der wöchentlichen Demonstration vor der Villa der Netanyahus in der Azza Strasse teilnehmen und dann auf dem Pariser Platz ein Schluss-Statement abgeben.

Lapid betonte, wenn «wir schon genug getan hätten, dann wären die Geiseln schon wieder zu Hause. Ich bin mit Ihnen hier, und wir sind gemeinsam hier, weil dieses Land nicht mit dem Gedanken leben kann, dass sie nicht zurückkehren werden. Es gibt keine andere Möglichkeit. Wenn wir marschieren müssen, werden wir marschieren, wenn wir schreien müssen, werden wir schreien… bis die Geiseln nach Hause zurückkehren.» Mickey Levy erklärte: «Ich schäme mich dafür, dass wir immer noch keine Antwort gefunden haben. Die israelische Gesellschaft wird sich nie verzeihen, wenn die Geiseln nicht nach Hause zurückkehren.»

Die USA hat heute erstmals Lebensmittel über dem Gazastreifen in der Nähe von Khan Younis abgeworfen. Drei C-130 Flugzeuge warfen insgesamt mehr als 35.000 portionierte Lebensmittel ab. 

Die IDF gab bekannt, dass durch einen gezielten Angriff auf ein Fahrzeug im südlichen Libanon drei iranische Milizangehörige, die der Hisbollah zugerechnet werden, eliminiert wurden. Nach arabischen Medienberichten war einer der Getöteten ein Waffeningenieur. Die Männer waren, so die IDF, massgeblich an Raketen-Beschüssen auf Israel beteiligt. Weiterhin griff die IAF einige Gebäude an, die von der Hisbollah als terroristische Infrastruktur genutzt worden waren. Insgesamt wurden seit gestern Abend fünf Anführer der Hisbollah neutralisiert.

Neben den nach wie vor heftigen Kämpfen in und um Khan Younis kommt es immer wieder zu Gefechten im Norden und im Zentrum des Gazastreifens. Vom nördlichen Gazastreifen waren gestern am späten Abend Raketen auf die südisraelischen Städte Ashkelon und Zikim abgeschossen worden. Der Palästinensisch Islamische Djihad übernahm die Verantwortung für diesen Angriff. Die IDF reagierte mit gezielter Zerstörung der Raketenabschussbasen und anderer Infrastrukturen der Terror-Organisationen. Dabei wurden mindestens acht Terroristen eliminiert.

Benny Gantz fliegt morgen via London nach Washington. Das ist völlig ok, er ist dort ein gern gesehener Gast und kompetenter Gesprächspartner.  Die Pläne der Reise wurden nicht, wie angeordnet, mit dem PM selbst abgesprochen, der entsprechend genervt reagiert: «Ich habe es Minister Gantz klar vermittelt, dass der Staat Israel nur einen PM hat, und der bin ich» wird er zitiert.  Die Reise kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der US-amerikanische Präsident zusehend die Geduld «mit dieser unglaublich konservativen Regierung» verliert, die dazu beiträgt, dass die internationale Unterstützung für Israel mehr und mehr versiegt. Soll Netanyahu schäumen, so viel und so lange er will, er kann in den USA nichts mehr erreichen.

Wenn das derzeit noch jemand kann, dann Benny Gantz oder Yair Lapid.



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