Krieg in Israel – Tag 151

25. Adar I 5784

Der UN-Bericht, der feststellt, dass Opfer und Geiseln, gleichgültig ob männlich oder weiblich und gleichgültig in welchem Alter, ‘wahrscheinlich’ von den Hamas-Schlächtern vergewaltigt wurden, müsste im Prinzip ernste Konsequenzen haben. UN-Generalsekretär Antonio Guterres hat, auf Grund der vorliegenden Daten, die Verpflichtung sofort den UN-Sicherheitsrat und den UN-Menschenrechtsrat einzuberufen. Die Hamas als Terrororganisation anzuerkennen, die damit einhergehenden Sanktionen einzuleiten und vor allem, die sofortige bedingungslose Freilassung aller Geiseln zu verlangen. Das wird er aber nicht tun und damit die Hamas vor Strafe schützen.

Aussenminister Israel Katz hat UN-Botschafter Gilad Erdan zu Konsultationen einberufen, nachdem Guterres, der den Bericht selbst in Auftrag gegeben hatte, nun wieder alles zu tun scheint, um die Folgen für die Hamas abzuschwächen. Guterres hatte bisher mit keinem Wort die schrecklichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ausgeübt von der Hamas, anerkannt, geschweige denn verurteilt. Während er unablässig Israel das Recht auf Selbstverteidigung abspricht, Unverhältnismässigkeit vorwirft und eine Verurteilung nach der anderen anregt.

Nach Benny Gantz, der seine Reise in die USA antrat, ohne Netanyahu zu informieren, hat nun auch sein Parteikollege Katz entschieden: «Als Aussenminister bestimme ich die Politik und die Priorisierung der Werte des Aussenministeriums.» Protokollarisch vielleicht nicht ganz einwandfrei, aber ein starkes Signal, dass die Anerkennung der Autorität von Netanyahu weiter ungebremst sinkt.

Die Hamas hat sich heute beeilt, den Bericht, der auf Zeugenaussagen von betroffenen Überlebenden des Massakers, freigelassenen Geiseln, forensischen Untersuchungsergebnissen und mit den Body-Cams der Hamas-Schlächter aufgenommenen Videos basiert, zu verleugnen. Der Bericht beruhe auf falschen Informationen. «Der Bericht dokumentiert keine Aussagen von Opfern dieser Fälle. Er basiert auf den Aussagen von speziell ausgewählten Personen, die falsches Zeugnis abgelegt haben. Diese falschen Anschuldigungen wurden durch alle Untersuchungen widerlegt.» Erneut ein drastischer Beweis, wie der Wahrheitsgehalt der von der Hamas veröffentlichten Informationen ist. Ähnliches muss man auch annehmen, wenn es um die Zahl der ‘Zivilopfer’ im Gazastreifen oder die angeblich durch Israel verursachten Schäden geht. Und auch hier kommt kein Aufschrei, weder von der UNO noch vom Roten Kreuz noch von sonst einer Organisation.

Die Gespräche in Kairo mit dem Ziel, doch noch zu einer Vereinbarung zu kommen, wurden als erfolglos abgebrochen. Bassem Naim, Sprecher der Terror-Organisation behauptet, dass «Netanyahu gar keine Vereinbarung erreichen will. Der Ball liegt jetzt bei den Amerikanern.» Kurz darauf wurde mitgeteilt, dass sich das Verhandlungsteam der Hamas nun doch entschlossen hat, noch einen weiteren Tag in Kairo zu bleiben.

Jordanien hat heute in der bisher grössten Aktion acht Flugzeuge mit Lebensmitteln koordiniert, die ihre Luftfracht über dem Gazastreifen abgeworfen haben. Die Aktion wurde von drei jordanischen, drei US-amerikanischen und je einem Flugzeug aus Frankreich und Ägypten durchgeführt.

In der Nacht auf heute hat die Hisbollah eine grosse Salve von Raketen auf israelisches Gebiet abgeschossen. Eine Rakete schlug in der Nähe eines Stromverteilers ein und führte zu Stromausfällen in einigen Gemeinden. Die meisten der Raketen konnten abgefangen und zerstört werden, andere fielen auf unbewohntes Gebiet ohne Schaden anzurichten. Die Elektrizitätsgesellschaft arbeitet daran, den Unterbruch in der Stromversorgung schnellstmöglich zu reparieren. Am späteren Vormittag gab es wieder heftigen Beschuss aus dem südlichen Libanon auf israelisches Gebiet. Diesmal war vor allem das nördliche Galiläa betroffen. Am Nachmittag wurde bei einer weiteren Angriffswelle ein Haus in Kiryat Shmona getroffen. Es entstand grosser Sachschaden.

Benny Gantz stiess bei seinem langen Gespräch mit der US-amerikanischen Vizepräsidentin Kamala Harris nicht nur auf Verständnis. «Unter Freunden muss man Klartext reden, und genau das werden wir heute tun», hatte er bei einem kurzen Statement gestern bei der Ankunft vor dem Weissen Haus betont. Die Amerikaner beklagten, den Verlauf des Krieges und die dahinterstehenden Absichten Israels nicht immer nachvollziehen zu können. Amerika ging bis zum Ende des vergangenen Jahres immer davon aus, dass der Krieg im Januar beendet werden würde.

Der zweite Fragenkomplex betraf, wie zu erwarten, den Umgang mit der in Rafah zusammengepfercht lebenden Zivilbevölkerung. «Die USA bestehen darauf, dass Israel das Gebiet mit Hilfslieferungen und nicht mit Truppen überschwemmt.» Die USA hatten in den vergangenen Wochen immer wieder darauf gedrängt, die Offensive gegen Rafah so lange wie möglich hinauszuzögern, bis klare und umsetzbare Pläne für die erneute Evakuierung der Bevölkerung vorliegen.

Gantz betonte gegenüber Sicherheitsberater Jack Sullivan, dass «wir entschlossen sind, unsere Arbeit zu beenden. Wir müssen die Mission zur Beseitigung der Bedrohung Israels durch die Hamas abschliessen und eine nachhaltige Lösung finden, die sicherstellt, dass die humanitäre Hilfe bei der Zivilbevölkerung und nicht bei der Hamas ankommt. Wir wollen, dass die Stabilität und der Wohlstand in der gesamten Region wieder hergestellt wird.»

Die letzten Kriege gegen die Hamas hatten immer mit einem Waffenstillstand und dem damit verbundenen Abbruch der Kampfhandlungen geführt. Die nachfolgende Zeit nutzte die Hamas jedes Mal dazu, sich neu aufzustellen, um dann den Waffenstillstand einseitig zu brechen. Wie auch am 7. Oktober, als sie den seit 2021 bestehenden Vertrag mit dem Massaker und Beschuss auf Israel unilateral aufkündigte.

Gantz wird sich heute noch mit US-Aussenminister Antony Blinken zusammentreffen. Admiral John Kirby, der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums, erklärte während einer Pressekonferenz: «Der Besuch war eine Bitte von Minister Gantz, in die Vereinigten Staaten zu kommen. (…) Wir haben mit allen Mitgliedern des Kriegskabinetts verhandelt, einschliesslich Minister Gantz, seit er dem Kriegskabinett beigetreten ist… Wir sehen diesen Besuch als eine natürliche Folge dieser Diskussionen.Wir werden eine solche Gelegenheit nicht ausschlagen.»

Kirby kritisierte, ohne Namen zu nennen, Mitglieder der Regierung als Verhinderer der vermehrten Lieferung von Hilfs- und Lebensmitteln. Wir wissen, von wem er spricht, allen voran Smotrich und Ben-Gvir.

Ob man auf die Bitte Netanyahus gleichermassen reagiert hätte, darüber kann man nur rätseln. Ich vermute, er wäre abgewiesen worden.

Gantz wird heute nach London weitereisen, wo er sich mit dem britischen Aussenminister David Cameron treffen wird. Ob ein Treffen mit PM Rishi Sunak zustande kommt, ist noch offen.

Die Polizei hat heute die Demonstranten, die sich erneut beim Warenübergang Kerem Shalom und in Nitzana versammelten, hoffentlich endgültig davon überzeugt, aufzugeben und die blockierten LKWs mit Hilfslieferungen in den Gazastreifen fahren zu lassen. Dutzende Polizisten aus dem Süden Israels waren anwesend, um die Demonstranten wegzuweisen. Sie werden während des ganzen Tages vor Ort bleiben, um die Weiterfahrt der LKWs zu sichern. Jene Demonstranten, die sich den Anweisungen der Polizei widersetzen, wurden in einen Bus verfrachtet und von der Grenze entfernt. Sieben renitente Demonstranten wurden festgenommen. Die faschistisch-rechtsradikale NGO ‘ImTirzu’ schreibt nicht zum ersten Mal: «Wir dürfen keine Waren an den Feind weitergeben – nicht in Friedenszeiten und schon gar nicht in Kriegszeiten! Wir fordern den nationalen Sicherheitsminister auf, dafür zu sorgen, dass die Polizei diese diskriminierende Politik beendet und Protestfreiheit ermöglicht!» Auf die Verlautbarung der Polizei, keine Störung der öffentlichen Sicherheit zuzulassen und null Toleranz jenen gegenüber zu zeigen, die sich den Anweisungen der Sicherheitskräfte widersetzen, antwortete ImTirzu: «Die Polizei schafft eine antidemokratische Herrschaft in Kerem Shalom. Was Demonstranten in Kaplan und Balfour (Orte linker Anti-Regierungs-Proteste – Anm. d. Red.) erlaubt ist, ist den Demonstranten in Kerem Shalom verboten?» Diese Organisation mit rechts-radikalem Nazi-Gedankengut ist es, die ‘Politiker’ wie Ben-Gvir und Smotrich in die Regierung gehoben habe. Noch dazu hat es ImTirzu wohl völlig vergessen, dass, so das Credo der IDF «wir die Hamas bekämpfen und nicht die Zivilisten, die nicht unsere Feinde sind.»

The Daily Telegraph hat die BBC, resp. deren speziell reisserischen Kanal ‘BBC Verify’ der unseriösen Berichterstattung bezichtigt. The Daily Telegraph wird dabei vertreten durch David Collier, der für sein investigativen Journalismus schon einige Auszeichnungen erhielt. In einem Bericht vom 2. März schrieb BBC Verify über das angeblich von Israel verursachte Massaker in Gaza.

Es gibt einen ‘Augenzeugen’, Mahmoud Awadeyah, ein Journalist, der vor Ort berichtete. «Es gab eine grosse Anzahl von Menschen, die nach etwas zu essen und einem Sack Mehl suchten.» Verify behauptet, das von der IDF veröffentlichte Video setze sich aus vier nachträglich zusammengesetzten Sequenzen zusammen und versucht, die beiden Drehorte, die etwas 500 m auseinanderliegen, zu lokalisieren. Der Sender bat die IDF ihm das gesamte Material zur Verfügung zu stellen. Es gibt ein zweites Video, entstanden im Auftrag von Al Jazeera. Vor Ort kommentiert Mahmoud Awadeyah: «Die Israelis haben gezielt auf die Männer geschossen, die versuchten, in die Nähe der Lastwagen mit dem Mehl zu kommen. Sie wurden direkt beschossen und daran gehindert in die Nähe der Getöteten zu kommen.» The Daily Telegraphhat nunMahmoud Awadeyah als einen Journalisten identifiziert, der für das Nachrichtenmagazin ‘Tasnim’ arbeitet, welches der iranischen Revolutionsgarde nahesteht. Mahmoud Awadeyah berichtet nicht zum ersten Mal gegen Israelis und Juden. Im Januar 23 stand er vor einer Synagoge in Jerusalem und lobte einen Terroranschlag, dem sieben Israelis zum Opfer fielen. Später veröffentlichte er ein Selfie von einem gemeinsamen Essen mit Khalil Bahtini, einem hochrangigen Führer des Islamischen Djihad, der im Mai von Israel eliminiert wurde. BBC Verify weist die Vorwürfe natürlich zurück: «Wir stehen zu unserem Journalismus. Der BBC ist der Zugang zum Gazastreifen nicht gestattet, aber wir verwenden eine Reihe von Berichten von Augenzeugen und vergleichen diese mit offiziellen Erklärungen und Bildmaterial, auch von der IDF. Die Tatsache, dass jemand seine Meinung in den sozialen Medien geäussert hat, disqualifiziert ihn nicht automatisch als Augenzeugen.»

Das mag stimmen, aber jemand, der sich fröhlich lächelnd mit Terroristen zeigt und dann ‘zufällig’ vor Ort ist, der ist sicher kein objektiver Berichterstatter.

Die IDF hat den im Dezember entdeckten bisher grössten Tunnel im Norden des Gazastreifens in unmittelbarer Nähe des zerstörten Personenübergangs Erez zerstört. Teile des Tunnelsystems wurden, wie auf dem Bild gut zu erkennen ist, gesprengt. In der Nacht auf heute wurde Beton in die noch bestehenden Gänge gepumpt. Die gesamte Anlage wurde auf einer Länge von etwa 4 km freigelegt. Sie befand sich teilweise bis zu 50 m unter der Erde, wobei die Tunnelgänge so breit waren, dass sie bequem von Fahrzeugen durchfahren werden konnten. Wahrscheinlich hätte er zu einem Überfall Israels mit Fahrzeugen genutzt werden sollen.

Die Houthi-Rebellen haben vorgestern in der Nacht erneut ein Schiff, die MSC Sky II, im Golf von Aden beschossen und leicht beschädigt. Es gab keine Verletzten und das Schiff konnte seinen Weg fortsetzen. Sie befand sich auf dem Weg von Singapore nach Abu Dhabi, wo sie gestern termingerecht vor Anker ging. Die zwei Raketen wurden im Abstand von etwa zwei Stunden auf den Frachter abgeschossen. Der Frachter gehört zur in Genf ansässigen MSC-Gruppe, die neben Container- auch Kreuzfahrtschiffe besitzt. Die Sky II segelt unter liberianischer Flagge. 

Entgegen ersten Meldungen von gestern war das Opfer des Hisbollah-Angriffes auf Margaliot kein thailändischer Arbeiter, sondern Inder. Zwei der neun Verletzten sind ebenfalls indische Staatsbürger. Pat Nibin Maxwell war vor zwei Monaten mit einem Arbeitsvisum nach Israel eingereist. Er war verheiratet und hinterlässt eine 5 Jahre alte Tochter. Seine Witwe erwartet in zwei Monaten ein zweites Kind. Die sterblichen Überreste werden innerhalb der kommenden Tage nach Indien zur Beisetzung überführt.

In der Region in und um Khan Younis entdeckt die IDF immer mehr Waffendepots in Schulen und Schutzräumen für Zivilisten. In zwei Lagerräumen wurden Fahnen des Palästinensisch Islamischen Djihad entdeckt.



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