Exodus, Wajekhel 35:1 – 38:20

Haftara: Könige I 7:40 – 50

ב“ה

28./29. Adar I 5784                                                            8./9. März 2024 

Shabbateingang in Jerusalem:                                                         17:02

Shabbatausgang in Jerusalem:                                                        18:19

Shabbateingang in Zürich:                                                                18:04

Shabbatausgang in Zürich:                                                               19:09

Shabbateingang in Wien:                                                                   17:32

Shabbatausgang in Wien:                                                                  18:37

Die heutige Thora Lesung beschäftigt sich ausführlich mit den materiellen Spenden für das Stiftszelt. Jedoch, bevor Gott sich erneut der Ausstattung seiner ‘irdischen Wohnstatt’ zuwendet, wiederholt er die Anweisungen für den Shabbat. Sechs Tage soll man arbeiten und am siebten Tag ruhen. Es darf kein Feuer entzündet werden und keine Arbeit begonnen werden. Was aber ist die Definition von Arbeit? Um es einfach auszudrücken, etwas schaffen, was vorher nicht da war. Jede handwerkliche Arbeit, aber auch das Schreiben gehören dazu. Alles, was erlaubt ist, hat mit lebensnotwendigen Arbeiten: Pflegen,  medizinische Betreuung, Löschen von Bränden, Polizeieinsätze, Katastropheneinsätze, Melken von Kühen u.a.m. zu tun.

Schwieriger ist es mit dem Feuer. Heutzutage, wo nahezu alles im Haus elektrisch ausgestattet ist, muss der Begriff des Feuers natürlich ganz anders definiert werden. Menschen sind aber erfinderisch: Smart-Homes können jedes Ein- und Ausschalten von genau festgelegten Geräten, Lampen etc. vorprogrammiert aktivieren. Sie haben die gute alte Shabbat-Uhr abgelöst, die das über Jahrzehnte hindurch für uns erledigte.

Doch zurück zur Ausstattung des Stiftszeltes. Erneut wurden die Israeliten aufgefordert, zu geben, ‘was ihr Herz ihnen vorschlug’.

Nicht genug, dass alle, Männer und Frauen auch ihre kunsthandwerklichen Fähigkeiten einsetzten. Männer aus verschiedenen Stämmen, die über besondere künstlerische Fähigkeiten verfügten, schlug Gott vor, um Pläne zu entwerfen und auch umzusetzen. Es muss ein prächtiger Bau gewesen sein! Nirgendwo wurde gespart, Gold, Silber und Kupfer überzogen alle geraden Flächen, kostbar gesponnene und gewirkte Textilstoffe dienten als Verzierung, Vorhänge und Sichtschutz.

Die genauen Angaben, wie das Zelt innen und aussen aussehen sollte, ermöglichen es uns heute noch, eine Vorstellung davon zu haben.

Die heutige Haftara beschreibt das Werk Hirams, der als Baumeister für König Salomon arbeitete. Hiram ist der Name von zwei Personen, die um die Zeit Salomons in der Region lebte. Zum einen Hiram, der phönizische König von Tyrus (999 bis 934 BCE). Hiram hatte den Tempel Salomons nicht nur mit Baumaterial unterstützt, sondern auch seine Baufachleute und Kunsthandwerker dorthin geschickt. Es gibt keine historischen Zeugnisse über ihn, so dass seine Echtzeit angezweifelt werden muss.

Dann wird im ersten Absatz der Haftara zunächst ein Handwerker namens Hirom genannt und kurz darauf, noch im gleichen ersten Absatz Hiram, der wohl der Vorarbeiter am Tempel war. Möglicherweise sind es Vater und Sohn, die zusammen im Brot von Salomon stehen und offensichtlich gut zusammenarbeiten. Im Vers 35:50 ff der Torahlesung wählt Gott Männer aus anderen Stämmen aus, die das Kunsthandwerk verstehen. Unter anderem finden wir auch den Namen Hur, möglicherweise eine der zahlreichen abgeänderten Namensformen für Hirom. Interessant ist, dass in den ‘Constitutions’ von 1723, der freimaurerischen Gründungsurkunde der Satz steht: „Doch vor allem sandte er seinen Namensvetter, Hiram oder Huram, den vollendetsten Maurer der Erde.“

Nach dem ersten Vers der Haftara erfahren wir weitere unglaublich detailliert beschriebene Ausschmückungen des Tempels. Einige besonders wertvolle Stücke hatte Salomon selbst aus Gold getrieben.

Ein Detail bleibt zunächst unerklärlich. Was könnte mit „dem Meer und den zehn Rindern unter dem Meer“ gemeint haben?  An einer anderen Stelle in Könige I, 7:23 – 16 finden wir eine Beschreibung: „Dann machte er das «Meer». Es wurde aus Bronze gegossen und mass zehn Ellen im Durchmesser; es war völlig rund und fünf Ellen hoch. Eine Schnur von dreissig Ellen konnte es rings umspannen. Obwohl es damals den Faktor Pi noch nicht gab, rechnete man Durchmesser x drei = Umfang!

Unterhalb seines Randes waren rundum Rankengebilde. In einer Länge von dreissig Ellen umsäumten sie das Meer ringsum in zwei Reihen. Sie wurden beim Guss mitgegossen. Das Meer stand auf zwölf Rindern. Von ihnen schauten drei nach Norden, drei nach Westen, drei nach Süden und drei nach Osten. Das Meer ruhte oben auf den Rindern. Ihre Kruppen waren nach innen gekehrt.“ Rinder als Trägerfiguren waren im Altertum ein Zeichen von Macht und Stärke, was erklärt, warum sie hier zum Einsatz kommen.

Dieses Meer, wohl ein sehr grosses Wasserbecken, befand sich im Vorhof des Tempels, wo auch die beiden später beschriebenen Säulen ‚Jachin‘ und ’Boas‘ stehen. Die beiden Namen sind nicht gänzlich belegt, eine mögliche Definition besagt, dass Jachin das phönizische Pendant zu JHWH ist und Boas eine andere Form von Ba’al. Damit wären sich gegenüberstehend der Gott beider Länder vereint.

Für mich ist das ein schönes Beispiel des religiösen, humanen Miteinander. Viele Kirchen, darunter die Karlskirche in Wien und der Würzburger Dom haben die Symbolik der Säulen wieder in ihre Architektur aufgenommen.

Es brauchte auch damals schon eine gegenseitige Anerkennung und Toleranz, um sich nicht zu bekämpfen, sondern in Frieden nebeneinander zu leben. Wenn es doch heute so einfach wäre!

Shabbat Shalom!



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