29. Adar I 5784

Die Welt vergisst sehr schnell! Nachdem offensichtlich wurde, dass zahlreiche UNRWA Mitarbeiter sowohl selbst bei den Massakern vom 7. Oktober beteiligt waren, israelische Geiseln in Gaza in ihren Häusern gefangen hielten oder sich auf die eine oder andere Art aktiv in der Hamas-Terror-Organisation betätigten und UNRWA-Chef Philippe Lazzarini von den ausgeklügelten Tunnelanlagen unter seinem Hauptquartier in Gaza nichts gewusst haben will, reagierte die Weltöffentlichkeit kurzzeitig empört. Zahlreiche Staaten stoppten die Zahlungen an die UNRWA. Es wurde als absolut notwendig erachtet, die ‘Hilfsorganisation’, die der Hamas sehr nahesteht, aus Gaza und folgerichtig auch aus Judäa und Samaria abzuziehen. Aber, wie gesagt, die Welt vergisst schnell. Statt sich konsequent hinter Israel zu stellen, jammerten deren smarte europäischen Chefs, dass sie nur noch Gelder für einen Monat auf ihren Konten hätten und dann ihre Arbeit beenden müssten. Prompt reagierten einige Staaten. Kanada und zuletzt Schweden gaben zumindest die Hälfte der für 2024 budgetierten Zahlungen frei. Immerhin € 37 Millionen. Die EU schickte sogar € 50 Millionen. Noch muss man in keiner Zeitung lesen, dass Israel in dieser Sache ‘unangemessen’ reagiert hat, aber impliziert kann man das aus den wieder angelaufenen Zahlungen ableiten.

Die Hisbollah gab heute am Vormittag bekannt, sie habe mit einer ‘Burkan-Rakete’ eine militärische Basis im Norden Israels beschossen. ‘Burkan-Raketen’ stammen meist aus dem Iran und kommen oft im Jemen zum Einsatz. Bereits im November hatte es einen Beschuss mit diesem Raketentyp gegeben. Die IDF erwiderte, die Rakete sei im offenen Feld eingeschlagen und habe keinerlei Schaden verursacht. In einer sofort erfolgten Reaktion zerstörte die IDF die Abschussrampe. Ob die Raketen als Ganzes in den Libanon geliefert werden, oder in Einzelteilen, die dann vor Ort zusammengebaut werden, ist unklar.


Khan Younis ist weiterhin das Zentrum der Operationen im südlichen Gazastreifen. Gestern kam es im ‘Hamad-Town-Komplex’, einer von Katar finanzierten luxuriösen Wohnanlage, zu heftigen Kampfhandlungen. Einige der Gebäude gehören den Terror-Organisationen Hamas und Palästinensisch Islamischer Djihad. Teils mit Unterstützung durch die IAF wurden die Gebäude gestürmt. Zahlreiche Terroristen konnten festgenommen werden, einige wurden eliminiert. Auch grössere Waffen- und Sprengstofffunde konnten verzeichnet werden.

Über Nacht hat die IAF einen Angriff auf einen der höchsten Wohntürme in Rafah geflogen. Im Haus war eine ‘terroristische Einrichtung der Hamas’, das ‘Notfallkomitee’, untergebracht. Die Bewohner wurden vor der Zerstörung gewarnt und konnten sich alle in Sicherheit bringen. Es gab keine Verletzten. Die IDF erklärte: «Terrorakte gegen unsere Streitkräfte und die zivile Heimatfront wurden von diesem Gebäude aus geplant.»

Derzeit werden Hilfsgüter in Larnaca auf ein unter spanischer Flagge segelndes Schiff der Gruppe ‘Open Arms’ geladen. «Die Teams der World Central Kitchen sind in Zypern, um Paletten mit humanitärer Hilfe auf ein Schiff zu verladen, das in den nördlichen Gazastreifen segeln wird.» Sprecher der NGO ‘Open Arms’ betonten, dass man schon seit Wochen mit der Planung und Vorbereitung dieses neuen Hilfskorridors beschäftigt ist und der erste Transport nun fast bereit zur Abfahrt steht.

Vor wenigen Tagen tauchte das Bild eines Kindes im Internet auf und machte sofort die Runde durch alle sozialen Medien. Heute berichtete die New York Times. Das Kind, das in erschreckendem Zustand in einem Krankenhausbett lag, hat nun einen Namen bekommen. Yazan Kafarneh verstarb im Alter von nur 10 Jahren im Al-Awda-Krankenhaus in Rafah. Seit seiner Geburt litt das Kind an einer zerebralen Lähmung, die zeitweise das Schlucken von Nahrung verhinderte. Ernährt wurde er mit einer speziellen weichen und nährstoffreichen Kost. Medikamente halfen, seinen Gesundheitszustand auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. Seit Beginn des Krieges gab es die für ihn wichtigen Medikamente nicht mehr. Die Familie musste aus dem Norden in den Süden fliehen, mehrfach musste sie die Notunterkunft wechseln. Seit 25. Februar lag Yazan mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Antibiotika halfen, die Infektionen zu lindern, ein kräftigendes medizinisches Nahrungsmittel gab es nicht mehr. Das Kind verlor den Kampf um sein Leben am vergangenen Montag.
Warum die Hamas ihn nicht mit seiner Mutter, wie zahlreiche weitaus weniger bedrohte Patienten, nach Ägypten zur weiteren Therapie ausreisen liess, lässt sich nur damit erklären, dass es genau diese Bilder sind, die die Hamas zu Propagandazwecken braucht! Das Bild sei angeblich mit Bewilligung der Eltern freigegeben worden. Der Hamas-Terror braucht Opfer, immer Zivilisten, am liebsten Frauen und Kinder.


Gestern wurde über den von der Hamas bevorzugten social-media-Kanal ‘Telegram’ gemeldet, dass durch ungeöffnete Fallschirme Pakete mit Hilfs- und Lebensmitteln unkontrolliert abgestürzt über dem Gazastreifen abgestürzt seien. Dabei seien mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen und zahlreiche andere verletzt worden. Der Bericht wurde von ‘UK R Report’ veröffentlicht. Heute Nacht kam ein Dementi von denen, die den Sachverhalt kennen. Das ‘US-Central-Command’ (CENTCOM) schrieb: «Uns sind Berichte über Zivilisten bekannt, die bei humanitären Luftlandungen getötet wurden. Wir sprechen den Familien der Getöteten unser Beileid aus. Entgegen einigen Berichten war dies nicht das Ergebnis von US-Luftabwürfen.»
Das französische Militär gab bekannt, von einem ihrer Kriegsschiffe vier Kampfdrohnen der Houthi-Rebellen abgeschossen zu haben. Diese Drohnen flogen in Richtung der am 6. März getroffenen ‘True Confidence’, die unter der Flagge von Barbados segelt und beschädigt abgeschleppt wird. Die französische Reaktion diente dem Schutz der Rettungsaktion.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan äusserte sich bei einer Rede in Istanbul historisch völlig falsch und inakzeptabel über Netanyahu und seine Nicht-Regierung: «Netanyahu und seine Verwaltung, mit den von ihnen ausgeführten Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Gaza, positionieren sich in einer Reihe mit Hitler, Mussolini und Stalin, wie die heutigen Nazis.»
Das sagt der Mann, der rücksichtslos und grausam gegen Menschen vorgeht. Dem die Meinungs- und Pressefreiheit nichts gilt, der oppositionelle Politiker, Journalisten, Akademiker usw. entlässt, inhaftiert oder gar einfach verschwinden lässt.
Der im Jahr 2009 den sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir, der auf Grund begangener Kriegsverbrechen gesucht wurde, mit den Worten «Ein Moslem kann gar keinen Völkermord begehen!» sanktionierte und seine innige Freundschaft mit dem iranischen Despoten Mahmud Ahmadi-Nežād sozusagen adelte.
Erdogan hatte bereits früher das demokratische Israel als ‘Terror-Staat’ bezeichnet, sich aber gleichzeitig bis heute geweigert, die Hamas als Terror-Organisation anzuerkennen. «Niemand kann uns zwingen, die Hamas als terroristische Organisation einzustufen. Die Türkei ist ein Land, das offen mit den Hamas-Führern spricht und sie nachdrücklich unterstützt.»

US-Vizepräsidentin Kamala Harris hielt fest, dass die USA die Unterstützung von Israel nicht aufgeben werden, obwohl US-Präsident Joe Biden zunehmend enttäuschter und frustrierter wegen der Entwicklung im Gaza Krieg ist. «Wir müssen zwischen der israelischen Regierung und dem israelischen Volk unterscheiden. Es gibt viele Traumata und Emotionen, die zu Recht auf dem Schrecken der Ereignisse beruhen. Am 7. Oktober wurden 1.200 Menschen abgeschlachtet, viele junge Menschen, die gerade ein Konzert besuchten, vor allem Frauen wurden auf schreckliche Weise missbraucht und vergewaltigt, wobei Vergewaltigung ein Mittel des Krieges ist. Wenn man sich die humanitäre Krise im Gazastreifen ansieht, die schrecklichen Bilder, die von dort kommen, denke ich, dass es wichtig ist, zwischen der israelischen Regierung und dem israelischen Volk zu unterscheiden oder sie zumindest nicht in einen Topf zu werfen. Das israelische Volk hat ebenso ein Recht auf Sicherheit wie die Palästinenser.»

Kurz zuvor hatte Biden, nicht realisierend, dass ein Mikrophon nach seiner Rede zur Lage der Nation noch offen war, gesagt. «Ich sagte zu ihm: ‚Bibi‘ – und wiederholen Sie das nicht, aber ich sagte ‚Sie und ich werden Tachles reden müssen…» Ein Saalordner eilte in dem Moment, in dem er weitersprechen wollte, herbei und machte ihn auf das offene Mikro aufmerksam. Schade, sonst wüssten wir jetzt genau, was er Netanyahu sagen wollte. Hier das Video.

In der gestrigen Ausgabe von Focus online stand ein interessanter Artikel «Zweistaatenlösung? Wie hohe arabische Diplomaten über den Gaza-Konflikt denken.» Geführt wurde das Gespräch von Shams Ul Haq, einem gebürtigen Pakistani, der seit 2007 als freier Mitarbeiter mit Fokus Mittlerer Osten als freier Journalist arbeitet. In seinem Vorwort zu dem anonymisierten Bericht schreibt er: «Der blutrünstige Überfall der Hamas auf Israel hat zu einem Vergeltungskrieg geführt, der Monate später in eine humanitäre Katastrophe ausufert. Wie komplex die Situation wirklich ist, zeigen vertrauliche Gedankenspiele zur Lösung des Konflikts unter arabischen Diplomaten.» Ein sehr lesenswerter Artikel!
Kategorien:Israel
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